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Über das Projekt

Projektleiter Prof. Dr. Johann Ev. Hafner

Ziele des Projektes

In der Zusammenarbeit mit drei irakischen Hochschulen in Erbil – Ishik University, Catholic University, Salahaddin University – wollen wir das Verständnis von religiöser Vielfalt bei deutschen und irakischen Studenten*innen und Wissenschaftler*innen vertiefen. Der Umgang mit Differenzen und Ähnlichkeiten von religiösen Strömungen soll eingeübt werden (s. u. Ziel 1). Hierzu ist es notwendig, entsprechende Lern-, Lehr- und Evaluationsformen in die Curricula der irakischen Hochschulen einzufügen (s. u. Ziel 2). Um das Gelernte auf die irakische Situation anzuwenden, wollen wir mit irakischen Studenten*innen und Dozenten*innen gemeinsam ein Forschungsprojekt starten (city mapping) und anfänglich begleiten (s. u. Ziel 3).

Ziel 1: Weiterentwicklung in der Lehre: Aufbau eines Moduls “Religious Diversity”

Ethnische und religiöse Differenzen wurden durch die Kriegsmigration und das Zerbrechen christlich-muslimischer Koexistenz weiter verschärft. Daher soll zusammen mit Kollegen*innen aus Erbil ein Modul entwickelt werden, in dem die Vielfalt religiöser Ausdruckformen innerhalb des Islam und deren Beziehung zu anderen Religionen historisch und systematisch dargestellt wird. Hier werden nicht nur Modelle einer allgemeinen Toleranz, sondern die theologische Bedeutung von Andersreligiösen in der eigenen Religion/Konfession vorgestellt und diskutiert. Auch werden darin mögliche Verhältnisse von Religion zu säkularen Lebenswelten entfaltet. Dieses Modul wird sowohl religionstheologische als auch staatsreligionsrechtliche Aspekte enthalten, um sowohl die binnenreligiöse Perspektive als auch die Außenbetrachtung von Religionen vorzunehmen. Es soll an allen drei Zieluniversitäten angeboten werden. Diese haben zwar sehr unterschiedliche religiöse Profile, werden aber dadurch in eine kontinuierliche Zusammenarbeit eintreten.

Ziel 2: Organisatorische Weiterentwicklung: Formen von science management

Ausgewählte Dozenten*innen aus Erbil sollen zusammen mit erfahrenen Dozenten*innen und Studiengangsentwicklern aus Potsdam (ZfQ, PoGS, ASEAN-QA) möglichst praktikable und der Landeskultur angepassten Formen science management entwickeln, um die Gewinne aus der Bologna-Reform, – wie Abstimmung von Lehrveranstaltungen in Studienprogrammen, Berücksichtigung von employability, Orientierung am Erkenntnis- und Kompetenzzuwachs, Selbstkorrektur durch laufende Evaluationen –, anwenden zu können. Dazu gehören sowohl technische Aspekte wie Notenverwaltung und Lehrveranstaltungsplanung als auch hochschuldidaktische Aspekte wie interaktive Lehrformen und selbstbestimmtes Forschen.

Ziel 3: Weiterentwicklung in der Forschung: Gemeinsames Projekt “mapping religious Erbil”

Ausgehend vom derzeit laufenden Feldforschungsprojekt “Religionen in Potsdam” werden zusammen mit Forschern der drei Erbiler Universitäten exemplarisch die Pluralität der Religionslandschaft, die Majoritäts/Minoritätsverhältnisse sowie die unterschiedlichen Vergemeinschaftungsformen in Erbil erfasst. Bei dieser Erhebung wird nicht nur das sachliche Kennenlernen von Religionsgemeinschaften ermöglicht oder die Empathie für andere Religionen gefördert, sondern die Verwendung komparatistischer Analyse- und fairer Darstellungsformen eingeübt. Ziel des Projekts ist über die Kartierung hinaus der Vergleich von Gemeinschaftsformen untereinander und der Entwicklung religiöser Gemeinschaften im urbanen Kontext.

Um diese Ziele zu erreichen, werden wir über zwei Jahre verteilt gemeinsame Workshops, Expertengespräche und summerschools abhalten. Dabei werden Studenten*innen für den Austausch, Wissenschaftler*innen für konzertierte Forschung sowie Personen aus der Verwaltung und der Wissenschaftsorganisation (Studiengangsentwickler*innen, Qualitätsmanager*innen, Hochschuldidaktiker*innen) in das Projekt eingebunden.

Projektleiter Prof. Dr. Johann Ev. Hafner

Genese

An der Universität Potsdam werden bereits seit 2010 Lehrveranstaltungen in der Reihe „Juden, Christen und Muslime im religionsrechtlichen Vergleich“ angeboten und mit großem Interesse seitens der Studenten*innen angenommen. Die Lehrenden sind Mitarbeiter*innen am Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft, der School of Jewish Theology und des Kanonistischen Instituts an der Universität Potsdam. Daneben werden regelmäßig Seminare u. a. wie  „Staat und Religion(en) im internationalen Vergleich“ (seit SoSe 2010), „Religionen in Kurdistan“ (SoSe 2016) und Studienreisen nach Südostanatolien, Istanbul, Israel und Iran veranstaltet.

Im Rahmen der Kooperationen mit türkischen und iranischen Universitäten und den Studienaufenthalten in diesen beiden Ländern entstand auch das Interesse für eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Entwicklung des Zusammenlebens von religiösen Kulturen und Religionsgemeinschaften im Mittleren Osten, insbesondere im Irak.
Dieses Interesse für eine eventuelle Kooperation mit irakischen Hochschulen wurde weiter verstärkt durch ein Zusammentreffen von Herrn Kadir Sanci mit Prof. Dr. Ahmet Öztaş, Rektor der Ishik Universität in Erbil, am Rande einer Tagung in Berlin im Mai 2016.

Begegnung mit dem kurdischen Kulturminister Khalid Doski (3.v.rechts) im Rahmen der Anbahnungsreise, Sulaimaniyah 28.03.2017

Auf seine Einladung hin haben Dr. Stefan Gatzhammer (Kanonistisches Institut) und Kadir Sanci M.A. (Lehrstuhl für Religionswissenschaft) weitere Ansprechpartner in Kurdistan gesucht, Kontakt zu unterschiedlichen Universitäten aufgebaut und ab Herbst 2016 eine Anbahnungsreise vom 23.-29. März 2017 nach Erbil und Sulaymaniyya vorbereitet, die aus Lehrstuhlmitteln finanziert wurde.
Als offizielle Gäste der Ishik-University Erbil fanden diverse offizielle Termine und Arbeitsgespräche an folgenden Institutionen und Einrichtungen statt:
In Erbil:
- Prof. Dr. Ahmet Öztaş, Rektorat Ishik University,
- Dr. Huseyin Cakillikoyak, Dekan, und Dr. Ergün Capan, wiss. Mitarbeiter, Juristische Fakultät/ Ishik-University
- Nawar Oghanna, Kanzler der Catholic University (in Vertretung des Rektors)
- Prof. Dr. Muhammad Shakir Seto, Dekan des Department of Islamic Studies/Salahaddin University
- Erzbischof Bashar Warda, Chaldäische Kathedrale
- Militärpfarrer Jörg Plümper, Bundeswehr in Erbil
- Vizekonsul Christoph Burger, Deutsches Generalkonsulat
- Jwan Khalis, Leiterin des DAAD-Büros
- Wasfi Yassin Othman, Vice General-Director der Fezalar Company (zugleich ein Vertreter der turkmenischen Minderheit)
- Dr. Abdurrezzak Aly, Direktor des Radios „Stimme Kurdistans“ und Journalist der Hawler-Zeitung
- Bünyamin Sen, Direktor und Gründer von Radio Dewran
- Esin Erdag, Leiterin der Ishik Brayaty Kindergarten School
In Alqosh: Father Aram Quiah, katholisches Bischofshaus
In Alqosh/Batnaya: Father Dr. Salar Kajo, Nineveh Reconstruction Committee
In Batnaya/Tel Esquof: Gemeindemitglieder der chaldäischen Pfarrei
In Dohuk: Schulleitung und Lehrerkollegium der Ishik School
In Lalish: Gemeindemitglieder am Yezidenheiligtum
In Sulaymaniyya:
- Dr. Doğan Özdemir, Vizepräsident der Ishik University Campus Sulaymaniyya,
- Babekir Dreyi, Leiter der städtischen Kulturbehörde
- Pater Jens Petzold, Kloster Maryam al-Adhra / Flüchtlingszentrum
- Miran Hamid, Leiter der Horizon Relief Organization
- Ekrem Oksar, Leiter des Dialogue Culture Centre
- Najmadin Shamsawayi, Leiter des Gelehrtenverbands
- Dr. Muhammed Penguino, Mitglied des Fatwa-Gremiums und wiss. Mitarbeiter am Dept. für Islamic Studies
- Dr. Nasih Fatah, Mitglied des Fatwa-Gremiums und wiss. Mitarbeiter am Dept. für Islamic Studies
- Dr. Ahmed Shafi’i, Mitglied des Fatwa-Gremiums Kurdistan und wiss. Mitarbeiter am Dept. für Islamic Studies
- Khalid Doski, Minister für Kultur und Jugend der Autonomen Region Kurdistan.

Die Anbahnungsreise im März 2017 hatte zur Folge, dass der bereits bestehende Kontakt zu der Ishik-Universität in Erbil intensiviert werden konnte. Neben dem damaligen Rektor Prof. Dr. Ahmet Öztaş (jetzt: zuständig für Internationale Beziehungen der Universität) gab es die Gelegenheit für Bekanntschaft und Austausch mit weiteren Vertretern dieser Universität:
- Dr. Idris Hadi Salih, Präsident der Ishik Universität
- Dr. Huseyin Cakillikoyak, Dekan der Juristischen Fakultät
- Dr. Ergün Capan, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Juristischen Fakultät, Bereich Islamische Rechtslehre
- Ibrahim Kuloĝlu, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Öffentlichkeitsarbeit.

Ein Gespräch in der Catholic University in Erbil und ein Empfang in der Salahaddin Universität Erbil, an dem der Dekan der Theologischen Fakultät Prof. Dr. Muhammad Shakir Seto und alle Lehrenden dieser Fakultät teilnahmen, ermöglichte auch Netzwerke in zwei weiteren Universitäten der Stadt Erbil aufzubauen. Als Ergebnis konnten alle drei Universitäten für ein Projekt als Partneruniversitäten gewonnen werden, sodass im Anschluss mit diesen drei Partnern im Juli/August 2017 MoU-Vereinbarungen abgeschlossen werden konnten.

Im Sommersemester 2018 wurde an der Universität Potsdam das Seminar "Religionen in Mesopotamien und Kurdistan" angeboten, über welches Studierende der Universität Potsdam an einer Studienreise in den Irak teilnehmen konnten.

Begegnung mit dem kurdischen Kulturminister Khalid Doski (3.v.rechts) im Rahmen der Anbahnungsreise, Sulaimaniyah 28.03.2017