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Beispiel für die mündliche Prüfung

Anforderungen

In der mündlichen Prüfung sollen die Kandidaten nachweisen, dass sie imstande sind, allgemeinverständliche Sachverhalte aus dem wissenschaftlichen Bereich zu erfassen und diese zu referieren bzw. zu kommentieren. Außerdem sollen sie nachweisen, dass sie in der Lage sind, in einem Gespräch über studienrelevante Sachverhalte angemessen zu reagieren. Es können Texte, Grafiken, Schaubilder etc. zugrunde gelegt werden.

a) Vorbereitungszeit: 20 Minuten

Die Benutzung von einsprachigen Wörterbüchern ist gestattet.

b) Dauer der Prüfung: ca. 20 Minuten

c) Bewertung:

Bewertet werden die allgemeine Gesprächsfähigkeit (Aufgaben-, Fragenverständnis, angemessenes Reagieren) sowie die Fähigkeit, Sachverhalte korrekt und verständlich darzustellen.


Es werden zwei Aufgaben zur Auswahl gestellt. Dabei wird der Studienwunsch berücksichtigt, ohne bereits Fachkenntnisse vorauszusetzen.


Prüfungsbeispiel für künftige Studierende der Wirtschaftswissenschaften.

  1. Aufgabe:
    Geben Sie die wichtigsten Informationen des Artikels zum Thema Arbeitslosigkeit wieder.
  2. Aufgabe:
    Sprechen Sie über die Situation auf dem Arbeitsmarkt in Ihrem Heimatland unter Einbeziehung der Informationen dieses Artikels.


Arten und Ursachen der Arbeitslosigkeit

Ein nationaler Arbeitsmarkt kann in zwei Richtungen aus den Fugen geraten. Einmal können mehr Arbeitsplätze als Arbeitskräfte vorhanden sein. In diesem Fall  suchen viele Unternehmen vergeblich nach neuen Mitarbeitern, und oft bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Gastarbeiter aus anderen Ländern zu beschäftigen. Zum anderen kann es mehr Arbeitskräfte als Arbeitsplätze geben; es kommt zur Arbeitslosigkeit. Diese Situation fürchtet jeder Staat, weil eine hohe Arbeitslosigkeit die Unzufriedenheit mit dem Wirtschaftssystem schürt und sie insofern sozialen Zündstoff birgt. In der Marktwirtschaft entsteht Arbeitslosigkeit im Wesentlichen aus vier unterschiedlichen Gründen:
Die Dynamik des Wettbewerbs sorgt für einen nahezu unaufhörlichen technischen Fortschritt. Neue Techniken bringen neue Industrien und häufig neue Berufe hervor; die "alten" können dann überflüssig werden. Viele Menschen verloren und verlieren durch neu Herstellungsverfahren, modernere Produktionsmethoden oder straffere Organisationsformen ihre Arbeitsplätze. Diese Art der Arbeitslosigkeit ist kaum zu vermeiden, weil marktwirtschaftliche Prozesse laufende Strukturveränderungen geradezu voraussetzen; sie wird deshalb als strukturelle Arbeitslosigkeit bezeichnet. In einem konjunkturellen Abschwung sind eine Reihe von Firmen gezwungen, wegen der gesunkenen Nachfrage ihre Produktion einzuschränken. Damit werden Mitarbeiter (vorübergehend) nicht mehr gebraucht und entlassen. Diese so genannte konjunkturelle Arbeitslosigkeit kann den wirtschaftlichen Abwärtstrend beschleunigen, falls die Betroffenen keinerlei Lohnersatzleistungen beziehen. In diesem Fall könnten sie weder ihre Miete bezahlen noch etwa Lebensmittel kaufen, und die Nachfrage in der Wirtschaft würde zusätzlich schrumpfen und viele Unternehmen tiefer in die Krise treiben.
Viele Beschäftigte beenden ihr Arbeitsverhältnis von sich aus, um in einem anderen Unternehmen eine höher dotierte bzw. verantwortungsvollere Positionen zu übernehmen Beispielsweise kündigt jemand seine bisherige Stelle zum 30. Juni; seine neue Tätigkeit beginnt er am 1. Oktober. Im Juli, August und September ist er dann freiwillig arbeitslos. In der Statistik wird der Betreffende als Arbeitsloser geführt, obwohl ihn die Arbeitslosigkeit nicht schmerzt und er die Zeit zu einem ausgiebigen Urlaub mit der Familie nutzt. Die Ökonomen sprechen hier von einer friktionellen Arbeitslosigkeit, da sie durch die Zeitverzögerung bei einem Arbeitsplatzwechsel entsteht.
In Geschäftszweigen wie dem Fremdenverkehrsgewerbe oder Teilen der Gastronomie ist die Beschäftigungslage saisonabhängig; einzelne Berufsgruppen leiden deshalb unter saisonaler Arbeitslosigkeit. Dazu zählen auch die Beschäftigten im Hochbau, da die Arbeiten auf den Baustellen bei strengem Frost in der Regel eingestellt werden müssen (Winterarbeitslosigkeit).
o.V. (1996): Die große Bertelsmann Lexikothek. Wirtschaft - Staat - Gesellschaft. Gütersloh, Bertelsmann.