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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Im Sommer des Jahres 2020 reifte für mich die Entscheidung, während meines Studiums ein Auslandssemester in Amerika zu absolvieren. Somit begann ich mich über die verschiedenen Hochschulpartnerschaften der Universität Potsdam zu informieren. Dabei diente die Homepage des International Office als erste Anlaufstelle. Dort konnte ich mir eine gute Übersicht über die verschiedenen Möglichkeiten und die damit verknüpften Anforderungen verschaffen. Da ich die Erfahrungsberichte der vorangegangenen Studierenden als sehr hilfreich empfand, hatten sie einen großen Einfluss bei meiner Entscheidungsfindung.


Studienfach: Psychologie (B.Sc.)

Aufenthaltsdauer: 08/2021 - 12/2022

Gastuniversität: University of Mississippi

Gastland: USA

Studium an der Gastuniversität

Der eigentliche Auslandsaufenthalt begann bereits eine Woche vor dem regulären Studienstart mit einer Orientierungswoche. Hier wurden den international Studierenden erste Einblicke in den bevorstehenden universitären Alltag vermittelt. Ein wichtiger Punkt hierbei war die Finalisierung der Fächerwahl. Leider kann man sich erst für die Kurse einschreiben, wenn man persönlich vor Ort ist. Dadurch kann es passieren, dass die gewünschten Kurse bereits belegt sind und man auf Alternativen ausweichen muss. Aus diesem Grund ist es ratsam, sich vorab schon mehrere Ausweichmöglichkeiten offen zu halten. Jedoch war das International Office der amerikanischen Universität sehr bemüht darum, dass jeder seinen Wunschkurs erhält. Auch über das ganze Auslandssemester hinweg konnte man sich jederzeit mit Fragen an die Mitarbeiter:innen des International Offices wenden. Darüber hinaus wurden auch zahlreiche Ausflüge, wie Trips nach Memphis oder New Orleans und andere Aktionen, wie ein Thanksgiving-Dinner oder Freikarten für Footballspiele organisiert. Das amerikanische Studiensystem unterscheidet sich stark von unserem hiesigen System, da es im Allgemeinen studentenzentrierter und schulischer ist. Da man als normal Studierender sehr viel für eine akademische Ausbildung in Amerika zahlt, sind die Dozierenden sehr bemüht, dass jede:r Student:in die vorgegebenen Kursziele erreicht. Somit sind die Vorlesungen viel persönlicher und man bekommt einiges an Hilfestellungen geboten, um das Lernmaterial zu bewältigen. Des Weiteren gibt es auch große Unterschiede beim Semesterablauf. In aller Regel ist es so, dass man fast jede Woche irgendwelche Assignments abgeben muss oder kleine Tests schreibt, die zur Gesamtnote gezählt werden. Darüber hinaus hat man manchmal die Möglichkeit, durch freiwillige Aufgaben, sich Extrapunkte zu sichern. Auch werden normalerweise vier Klausuren pro Kurs in einem Semester geschrieben, wobei man meistens die Möglichkeit hat die schlechteste Klausur aus der Punktebewertung zu streichen. Damit man diesen Aufwand gut bewältigen kann, ist der Campus der University of Mississippi mit vielen verschiedenen Rückzugsorten zum Lernen ausgestattet. Allen voran bietet die Bibliothek, mit eingebautem Starbucks, Computerarbeitsplätzen und verschiedenen Lautstärkebereichen optimale Bedingungen dafür. Während der Finals ist diese sogar 24 Stunden geöffnet. Falls ihr jedoch lieber im Freien lernen möchtet, gibt es auf dem ganzen Campusgelände WLAN und viele schattige Bänke. Insgesamt empfand ich das Studieren an der amerikanischen Gastuniversität als sehr angenehm, auch wenn mich anfänglich die dauernde Abgabe von Aufgaben etwas unter Druck gesetzt hatte. Nach kurzer Eingewöhnungsphase empfand ich es jedoch als sehr positiv, da man dadurch angehalten wurde, über das ganze Semester kontinuierlich zu lernen. Somit blieb viel mehr von den Lerninhalten hängen, als es in Deutschland der Fall gewesen wäre. Da man mehrere Klausuren pro Fach schrieb, hing auch nicht der Erfolg des Faches von einer einzigen Klausur ab, was den Leistungsdruck deutlich reduzierte. Hinzu kam, dass die Lerninhalte einer einzigen Klausur überschaubar und fair gestaltet waren und man somit einen moderaten Lernaufwand hatte. Zusätzlich begeisterte mich das Engagement der Dozierenden, die nach jeder Stunde noch für individuelle Fragen zur Verfügung standen und auch außerhalb des Unterrichts problemlos für Fragestellungen erreichbar waren. Dadurch begegnete man sich als Lernender und Lehrender viel mehr auf Augenhöhe und es entstand nicht so ein starkes Gefälle zwischen Dozent:innen und Student:innen, wie es oftmals an deutschen Universitäten der Fall ist.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Angst davor, dass man keinen Anschluss zu einheimischen oder ausländischen Studierenden findet, muss man wirklich nicht haben. Allein schon die Orientierungswoche bietet genug Möglichkeiten, mit anderen international Studierenden Kontakte zu knüpfen. Des Weiteren gibt es viele verschiedene studentische Vereinigungen an der Ole Miss, die gerade zu Beginn des Semesters mit einer Vielzahl an Events aufwarten, auf denen man recht schnell andere Studierende kennenlernt. Auch wenn man, wie ich, off-campus wohnt, hat man durch seine Mitbewohner:innen einen guten Einstieg in das soziale Leben vor Ort. Hinzu kommt, dass jede:r Austauschstudent:in einen Ambassador, der selbst an der Gastuniversität studiert, gestellt bekommt. Infolgedessen hat man ab Tag eins eine:n studentische:n Ansprechpartner:in, die einem mit Rat und Tat zur Seite steht. Einzig und allein fiel es mir jedoch schwer, mit den Teilnehmer:innen meiner Kurse in Kontakt zu kommen, da die Vorlesungen kaum Gruppenarbeitselemente enthielten und vor und nach dem Unterricht nur selten die Gelegenheit entstand, ins Gespräch mit Kommilition:innen zukommen. Daher gründete ich kurzerhand eine Lerngruppe mit meinen Mitstudierenden, um so den Kontakt zu den einheimischen Studierenden herzustellen. Alles in allem werden einem sehr viele Möglichkeiten geboten, andere Studenten und Studentinnen kennenzulernen. Hinzu kommt, dass das Klischee über die Gastfreundlichkeit der Südstaaten für Mississippi auf jeden Fall zutrifft. Sehr schnell kann es passieren, dass man zu einem Abendessen bei jemandem zu Hause eingeladen wird oder wenn man kein Auto besitzt von seinen Mitstudent:innen gerne überall hingefahren wird.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Da in meinem Fall zwischen Abitur und Aufnahme des Studiums etwas Zeit verging, war dementsprechend mein Englisch etwas eingerostet. Doch während meines Studiums hatten wir schon verstärkt mit englischsprachiger Literatur zu tun. Zusätzlich besuchte ich den UNIcert-Kurs Englisch für Naturwissenschaften, um für den Auslandsaufenthalt besser gewappnet zu sein. Daher lagen meine Schwächen vor dem Aufenthalt vor allem im textlichen Ausdruck und im freien Vortrag. Durch das Austauschsemester hat sich das Schreiben deutlich verbessert. Im Wesentlichen durch die vielen schriftlichen Ausarbeitungen, die ich einreichen musste. Auch meine Aussprache wurde mir der Zeit merklich besser und ich bekam viel mehr Spaß daran, Konversationen mit meinen Kommilition:innen zu führen, da ich zunehmend sicherer im sprachlichen Ausdruck wurde. Zusätzlich hat sich mein Leseverständnis verbessert, dass ich nun englische Texte wesentlich schneller und präziser als davor erfassen kann. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass ich durch den Auslandsaufenthalt wieder mehr Spaß an der englischen Sprache fand und die Scheu verloren habe, Fehler zu machen.

Wohn- und Lebenssituation

In Bezug auf die Unterkunft habt ihr nur zwei Möglichkeiten. Entweder lebt ihr off-campus, in Wohneinheiten von privaten Unternehmen oder on-campus, in Wohnungen, die der Universität gehören. Ich habe mich für dafür entschieden außerhalb der Universität zu leben. Erstens gibt es keinen großen preislichen Unterschied und zweitens teilt ihr euch immer einen Raum mit einer/m Mitbewohner:in, wenn ihr on-campus lebt. Sprich, ihr habt keinerlei Privatsphäre. Hinzu kommt, dass die Wohneinheiten außerhalb des Campus meistens deutlich besser ausgestattet sind und ihr wählen könnt, mit wie vielen Mitbewohner:innen ihr zusammenleben wollt. Hier ist es so, dass jeder ein eigenes Zimmer mit Bad hat und ihr euch nur die Küche und das Wohnzimmer teilt. Einziger Nachteil ist, dass ihr etwas weiter vom Campus weg lebt. Jedoch gibt es öffentliche Busse, die von morgens bis abends zwischen Campus und den Wohnungen hin und her pendeln. Ebenfalls gibt es die Möglichkeit, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Universität zu gelangen, doch ist dies wegen dem warmen Wetter sehr schweißtreibend und die dortige Infrastruktur ist nicht unbedingt für Fußgänger:innen und Fahrradfahrer:innen ausgelegt. Auf die Wohnungen außerhalb des Campus habe ich mich bereits im Frühjahr beworben, da diese doch immer schnell vergriffen sind. Ansonsten lief die Vertragsabwicklung für die Unterkunft problemlos ab und man bekam immer schnell eine Antwort bei Nachfragen. Ich würde mich jederzeit wieder für eine Unterkunft außerhalb der Universität entscheiden, da man dort viel geboten bekommt, wie ein eigenes Fitnessstudio mit Sauna, einen großen Pool und anfänglich viele Events, wie „Wings and Bingo Night“ oder „Free Pizza Night“. Dadurch lernt man schnell viele Leute kennen und hat die Möglichkeit Freundschaften auch jenseits seiner direkten Mitstudierenden zu schließen. Ich hatte es im vorherigen Absatz schon anklingen lassen, dass es nicht immer leicht ist von A nach B zu kommen, wenn man kein Auto besitzt. Zwar gibt es einen öffentlichen Nahverkehr, den Studierende auch umsonst benutzen können, doch unterscheidet sich dieser deutlich von dem, was man aus Deutschland gewöhnt ist. Ab- und Ankunftszeiten sind dort eher Richtwerte und man sollte sich nicht darauf verlassen, dass jeder Bus pünktlich ist. Daher ist es ratsam, lieber einen Bus früher zu nehmen, gerade wenn man wichtige Termine wie Klausuren hat. Des Weiteren kann sich der Lebensmitteleinkauf auch etwas schwieriger gestalten. In Oxford selbst gibt es nur zwei große Lebensmittelmärkte, Walmart und Kroger. Beide sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen. Jedoch bietet Walmart einen Lieferdienst an. Dort könnt ihr dann bequem über das Internet euren Einkauf machen und dieser wird dann direkt zu euch nach Hause geliefert. Diese Variante habe ich genutzt und empfand es als sehr komfortabel, da es mir einiges an Zeit einsparte. Neben dem Studieren darf natürlich die Freizeit nicht zu knapp kommen. Hier gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Das kleine Städtchen Oxford bietet mit seinem historischen Stadtzentrum eine gute Ausgangslage dafür. Hier könnt ihr in zahlreichen kleinen Boutiquen shoppen gehen oder in diversen Restaurants und Cafés leckere Speisen aller Art und typisches Südstaatenessen genießen. Hier kann ich die Bottletree Bakery empfehlen, die mit köstlichen Broten und Gebäck aufwartet, was eine schöne Abwechslung zu dem ganzen Weißbrot darstellt. Etwas außerhalb gibt es ein großes Kino mit einem Bowlingcenter, in dem man den ein oder anderen freien Abend verbringen kann. Ansonsten gibt es an der Universität verschiedene studentisch organisierte Vereine, die sich wöchentlich treffen. Hier ist für jeden etwas dabei, von politischen, über kulturelle bis hin zu E-Sport Gruppen werden alle Interessensfelder abgedeckt. Doch über allem steht der Sport an dieser Gastuniversität. Vor allem der amerikanische Football. In der Regel gibt es sieben Heimspiele, die jeweils samstags oder sonntags im Vaught Hemingway Stadium, welches rund 64000 Leute fasst, stattfinden. Dies ist auch die einzige sportliche Veranstaltung, bei der ihr als Student:in zahlen müsst. Ansonsten sind alle anderen sportlichen Veranstaltungen, wie Basketball, Baseball, usw. für Studierende umsonst. Wenn ein Heimspiel der Footballmannschaft ansteht, herrscht in Oxford Ausnahmezustand. Vor jedem Spiel findet das sogenannte Tailgating statt. Dabei kommen alle Fans im Grove, einem großen Park auf dem Campusgelände, zusammen und stimmen sich mit ausgedehnten Barbecues auf das bevorstehende Spiel ein. Auch wenn man kein Football-Fan ist, sollte man sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen. An den spielfreien Wochenenden lohnt es sich die Gegend um Oxford zu erkunden, beispielsweise ein Tagesausflug nach Memphis. Gleichwohl lohnen sich auch weitere Trips, wie nach New Orleans oder Nashville, die man gut an einem Wochenende bewältigen kann.

Lebenshaltungskosten

Dies ist ein wichtiger Punkt und man sollte die Kosten, die vor Ort entstehen, nicht unterschätzen. Wichtig ist, dass ihr vorab schon mal so gut wie möglich alle Kostenpunkte aufschreibt, die ihr haben werdet. Dafür gibt es von der Gastuniversität auch eine Liste, die alle Ausgaben, wie Unterkunft, Semestergebühr, Mealplan, usw. aufführt. Dadurch bekommt ihr schon mal einen guten Eindruck, was an Aufwendungen auf euch zu kommt. Zusätzlich könnt ihr damit rechnen, dass die alltäglichen Kosten, wie für Lebensmittel, in etwa gleich sind wie hier in Deutschland, wenn nicht sogar etwas teurer. Im speziellen, wenn es um gesunde Lebensmittel, wie frisches Obst und Gemüse geht, muss man teils etwas tiefer in die Tasche greifen. Hinzu kommt, dass wenn ihr off-campus lebt, ihr eure Zimmer erst einmal einrichten müsst, denn die Grundausstattung besteht zumeist aus einem Bett mit einer Matratze und einen Schreibtisch mit Stuhl. Darüber hinaus müsst ihr euch für manche Kurse Lehrbücher besorgen, die zum Lernen und für Assignments wichtig sind. Hier gibt es die Möglichkeit, dass ihr diese über Onlinehändler, wie Amazon, für ein Semester leihen könnt. Dadurch sind die Bücher etwas günstiger als wenn ihr sie kauft. Ebenfalls sollte ihr euch überlegen, ob ihr nach oder vor eurem Auslandssemester noch andere Orte in Amerika bereisen wollt. Durch das Visum habt ihr die Möglichkeit, jeweils davor oder danach noch länger im Land zu bleiben. Daher ist es wichtig, diesen Punkt in eurer Kostenkalkulation mit einzuplanen. Dies mag jetzt abschreckend klingen, doch wenn ihr Anspruch auf Auslands-BAföG habt und euch beispielsweise auf eine PROMOS- oder DAAD-Stipendium bewerbt und zusätzlich Geld anspart, ist dieses Auslandssemester gut finanzierbar. Außerdem dürft ihr nicht vergessen, dass solch ein Semester eine einmalige Erfahrung ist und euch auf verschiedenen Ebenen weiterbringt, sei es, um euer Englisch zu verbessern oder später in eurer beruflichen Laufbahn Vorteile bringt.

Studienfach: Psychologie (B.Sc.)

Aufenthaltsdauer: 08/2021 - 12/2022

Gastuniversität: University of Mississippi

Gastland: USA


Rückblick

Aus heutiger Perspektive bin ich froh darüber, das Auslandssemester an der University of Mississippi gemacht zu haben. Dadurch wurde mir die Chance geboten, in eine Kultur einzutauchen, die durch unsere Art der Sozialisierung vertraut wirkt, aber dennoch erst durch das Leben und Lernen in dieser Kultur, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten erfahrbar wurden. Ebenso war es eine einmalige Möglichkeit, in so kurzer Zeit so viele Studierende aus verschiedenen Kulturen kennenzulernen und ihre Perspektiven und Ansichten zu erleben. Gleichermaßen hat mich das universitäre Leben beeindruckt und für meine weitere akademische Laufbahn wichtige Impulse gesetzt, besonders, dass sich dort Studierende und Dozierende auf Augenhöhe begegnen.

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