Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Erste Informationen zum Programm und genauere Infos vor der Bewerbung habe ich im Dezember 2024 in einem persönlichen Beratungsgespräch mit dem Erasmus-Beauftragten für meine Studienfach bekommen. Nach erfolgreicher Bewerbung war die Kontaktaufnahme mit der Gastuniversität sehr einfach, da diese den Kontakt via E-Mail initiiert hatte. Die Kontaktmöglichkeiten waren bereits ab Mai 2025 sehr gut und die Bewerbung an der Gastuniversität war dementsprechend auch recht simpel, ins Besondere da es in meinem Fall nur vier mögliche Kurse gab und eine längere Auswahlzeit somit wegfiel. Als Bewerbungsunterlagen waren nötig die geltende Immatrikulation für das betreffende Semester, in meinem Fall das WS 25/26, für die Universität Potsdam, das ausgefüllte und unterschriebene „Online Learning Agreement“ (OLA). Für die Erstellung des nötigen IT-Accounts für die aufnehmende Universität in Schweden benötigten sie darüber hinaus auch noch eine Kopie meines Ausweises, meine Telefonnummer und die Kopie einer Haushaltsrechnung als Nachweise. Bereits Ende April erhielt ich den „Letter of Acceptance“ sowie ein von der Universität vermitteltes Wohnungsangebot.
Studienfach: Zeitgeschichte M. A.
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026
Gastuniversität: Swedish Defence University
Gastland: Schweden
Durch die zuvor bereitgestellte Liste an Kursen, war die Orientierung für das Studium vor Ort sehr angenehm. Im Vergleich zum Studium in Potsdam, ist der größte Unterschied das die von mir belegten Kurse nicht gleichzeitig, sondern hintereinander stattfanden. Der Unterricht fand so in From von vier etwa fünf-wöchigen Blockkursen statt, bestehend aus einer Vorlesung und einem Seminar pro Woche. Die Leistungsanforderungen waren mit den in Potsdam zu vergleichen, auch wenn der erwartete Lektürestoff etwas mehr war. In jedem Kurs waren zwei kleinere Leistungen, genannt „PMs“, sowie ein finaler Test notwendig um sie zu bestehen. Die Leistungen wurden in Form von Essays erbracht, für die kleineren Leistungen mit einer Länge von ungefähr 750 – 1000 Wörter und für den finalen Test etwa 3000 Wörter (7-8 Seiten), jeweils mit Fußnoten und Literaturverzeichnis. Das Thema dieser Essays waren nicht strikt vorgegeben, solange sie im Themengebiet des Kurses waren. Die einzige Beschränkung bestand darin, dass Themen welche in den kleineren Essays bereits behandelt wurden, nicht für die Arbeit am finalen Essay benutzt werden durften. Das Studienklima war besonders in meinem ersten Kurs vor Ort (Military Thought) sehr interessant und gut, da es sich hierbei um einen Kurs handelte welcher etwa 30 Mitglieder hatte und hierbei eine Mischung aus Militärangehörigen und zivilen Studenten aufweisen konnte. Diese Mischung machte die Diskussionen während den Sitzungen aber auch den normalen Austausch zwischen Studierenden zu etwas Besonderem für mich. Leider war dies nur für den ersten Kurs so und die weiteren drei waren deutlich kleiner mit nur etwa fünf Personen. Darüber habe ich mich am Ende auch etwas beschwert und mittlerweile wurde mir versichert das dies in zukünftigen Erasmussemestern in meinem Gebiet an der Universität verbessert wird. Die Betreuung vor Ort war dauerhaft sehr gut, sowohl von den Dozenten als auch von der Erasmus-Beauftragten aus. So konnte ich mich bei Fragen oder unvorhergesehenen Entwicklungen immer an jemanden wenden, welcher mir schnell helfen konnte. Die Universität wurde während ihrer Öffnungszeiten von 8 Uhr bis 20 Uhr dauerhaft von Polizisten bewacht, da es sich hierbei um eine staatlichen Einrichtung handelt. Die Ausstattung der Bibliothek war hervorragend, sowohl vor Ort als auch Online. Die technische Ausstattung der Unterrichtsräume war ebenfalls sehr gut und es gab vor Ort auch immer die Möglichkeit auf Computer und das Netzwerk der Universität zuzugreifen.
Wie bereits erwähnt, war besonders in meinem ersten Kurs der Kontakt zu einheimischen Studierenden groß. Abseits der Kurse gab es mehr als genug Möglichkeiten über das ESN-Netzwerk und andere studentische Organisationen in Kontakt zu treten und immer wieder an Events wie Partys, Museumsbesuche und Wanderungen teilzunehmen. Die Universität selber war auch zu jedem Zeitpunkt gut gefüllt, sowohl in der Bibliothek als auch in der Mensa oder den allgemeinen Aufenthaltsbereiche. So konnte man jederzeit mit jemandem ins Gespräch kommen und sich unterhalten. Im Bezug auf die Sprachkompetenz, so ist diese für mich hauptsächlich im Englischen noch einmal deutlich besser geworden. Dauerhafter Unterricht in Englisch im Zusammenhang mit dem täglichen Gebrauch der Sprache im Alltag, haben dazu geführt, dass ich mich nun noch einmal deutlich wohler dabei fühle. Ich habe auch einen Anfängerkurs Schwedisch belegt und durchaus Spaß daran gefunden, der alltägliche Nutze blieb aber größtenteils aus. Ich bin in der Lage simple Sätze und Beschreibungen zu lesen und die Grundzüge der Sprache im Alltag, etwa beim Einkaufen und auf dem Weg zur Universität mit dem Nahverkehr, da aber so gut wie jede Person mit der ich gesprochen habe auch sehr gutes Englisch konnte, ergab sich keine dauerhafte Lernerfahrung für mich. Es war aber trotzdem sehr interessant zu sehen, wie ich mit vorlaufendem Unterricht in der Lage war immer mehr zu lesen und zu verstehen, wenn auch nicht zu sprechen.
Die Wohnungsvermittlung geschah über die Universität und war recht schnell und unkompliziert. Die Unterbringung für mich, sowie für fast alle anderen Erasmus-Studenten während meiner Zeit in Schweden, befindet sich in Spanga etwa 30 Minuten mit dem Zug entfernt von Stockholm. Die Wohnungen sind an sich clever gedacht und möbliert, aber klein mit etwa 16m² für Badezimmer und Wohnbereich / Küche. Die monatlichen Kosten waren in meiner Zeit vor Ort etwas wechselhaft, aber dauerhaft über 700 € im Monat. Ein großer Kritikpunkt war die Heizung vor Ort, da zwar jede Wohnung einen Heizkörper hatte, dieser aber lediglich zentral von der Hausverwaltung gesteuert werden konnte und man selbst nichts verändern konnte. Das führte zu Weilen dazu, dass die Heizung kalt blieb obwohl bereits Ende Oktober beziehungsweise Anfang November war und die Temperaturen auch schon dementsprechend kalt waren. Abgesehen davon, war die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sehr gut mit einer Bushaltestelle direkt vor der Haustür und dem angesprochenen Bahnhof nur etwa 5 Minuten mit dem Bus oder 15 Minuten zu Fuß entfernt. In direkter Nähe zur Wohnanlage gab es ebenfalls einen „Lidl-Markt“ sowie eine „Coop-Filiale“, welche beide innerhalb von 5 Minuten zu erreichen waren und den täglichen Einkauf so sehr erleichterten. Eine Bankfiliale habe ich in meiner Zeit vor Ort weder in Spanga noch in Stockholm besucht, da man abgesehen von dem Nutzen als Erinnerung so gut wie nie Bargeld benötigt da in Schweden so gut wie alles mit dem Handy bzw. einer Bank- oder Kreditkarte zu bezahlen war. Freizeitangebote vor Ort waren sowohl über die Wohnanlage, „Campus Star“, geboten entweder über Hinweise im wöchentlichen Newsletter oder auf eigene Faust z. B. im Fitnessstudio innerhalb der Anlage. Dessen Nutzung sowie der Gebrauch der Gemeinschaftsküche, Lernbereiche oder dem Kinosaal waren kostenlos genauso wie das Benutzen der Waschmaschinen, welche in je zwei Waschräumen pro Haus angeordnet waren. Besonders für das Wohnen hier war ebenfalls, dass es sowohl eine spezielle App zur Verwaltung seines Vertrages und dem Anzeigen der fälligen Mietkosten jeden Monat gab als auch eine App als Schlüssel zum Haus über welche man jedoch auch die Nutzung des Waschraumes oder einem der anderen vorhin genannten Angebote buchen konnte. Die Lebenshaltungskosten lassen sich im Allgemeinen als recht hoch beschreiben und belaufen sich je nach Bedarf zusammen mit der Miete auf etwa 1200 – 1500 Euro pro Monat.
Rückblick
Als Tipps für andere Studenten die gerne nach Schweden und besonders nach Stockholm kommen wollen: Nehmt auf jeden Fall viele warme Klamotten mit und seid nicht schüchtern auf die Einheimischen zuzugehen. In 9 von 10 Fällen wird man euch sofort auf Englisch antworten und schnell in ein Gespräch kommen. In der gesamten Region ist der Nahverkehr sehr gut, egal ob Zug, Bus, U-Bahn oder sogar Fähren – also geht auf jeden Fall erkunden, wenn ihr die Möglichkeit habt. Essen gehen ist in Schweden im Allgemeinen recht teuer – probiert lieber mehr selber zu kochen als öfter ins Restaurant zu gehen. Wenn ihr aber geht, dann gibt es hier so gut wie alles was ihr euch vorstellen könnt. Genießt die Uni, nehmt so viele Kurse mit wie ihr könnt und nehmt euch Zeit für neues.