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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Der Plan, nach Breslau zu gehen, wandelte sich schnell von einer Überlegung in eine Entscheidung um. Aufgewachsen mit Eltern aus Polen habe ich, ohne selbst dort für einen längeren Zeitraum gelebt zu haben, immer eine gewisse Verbindung zu unserem Nachbarland gespürt. Trotzdem habe ich mich nie richtig identifizieren können. Das wollte ich durch meinen Aufenthalt in Breslau ändern. So reizte mich aber auch, neben meiner persönlichen Verbindung zu Polen, die Geschichte und das Leben der Stadt. Das Wintersemester in Polen begann offiziell am 1. Oktober, die Einführungsveranstaltung fand daher ein paar Tage vorher statt. Diese Zeit war auch notwendig, um sich zu orientieren, anzukommen und alles Notwendige vor dem Start der Vorlesungen zu erledigen. Die Einführung war sehr aufschlussreich und ist eine gute Möglichkeit, erste Kontakte zu knüpfen (insbesondere, wenn man nicht in ein öffentliches oder privates Studentenwohnheim geht).


Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 10/2022 - 02/2023

Gastuniversität: Uniwersytet Wroclawski

Gastland: Polen

Studium an der Gastuniversität

Das Hauptgebäude der Universität, ein wirklich beeindruckender Bau, ist direkt im Stadtzentrum an der Oder gelegen. Viele Fakultäten befinden sich im Umkreis (z.B. die Juristische, Wirtschaftswissenschaftliche und Administrative Fakultät oder die Kunstgeschichtliche Fakultät), aber es gibt auch einen Campus – an dem ich bewusst trotz interessanter Seminare nur eins besuchte – der leider weiter abseits lag. Dort befindet sich unter anderem die Sozialwissenschaftliche Fakultät. Das Team des dortigen International Offices war immer sehr freundlich und hilfsbereit. Man sollte sich zwar primär über Telefon oder E-Mail bei ihnen melden – im Notfall konnte man auch im Büro kurz vorbeischauen. Bei der generellen Organisation der Universität muss man sich natürlich erstmal ein bisschen mit allem bekannt machen. Wichtig ist dabei zu beachten, an welcher Fakultät man eingeschrieben ist, da dir darüber eine*n Koordinator*in zugeteilt wird, an welche man sich neben dem International Office wenden soll. Natürlich ist es von Person zu Person abhängig, wie unterstützend diese*r Koordinator*in für die Erasmus-Studierenden ist. Man kann neben den Kursen an der eigenen Fakultät auch aus anderen Fachgebieten Kurse wählen, wobei aber der eigene Koordinator*in einem keine Auskunft geben kann und man selbst herausfinden muss, an welcher Fakultät man sich an die jeweilige Personen wenden soll. Es gibt zudem normale englischsprachige Kurse und spezielle Erasmus-Kurse (z.B. deutsche oder englische am mit der Universität kooperierenden Willi-Brandt-Center). Hauptsächlich lief die Organisation der Kurswahl über deren Online-System ab, welches mit Puls vergleichbar ist. Als Unterschied zu normalen Studierenden jedoch muss man sich nicht über dieses Programm in die Kurse einschreiben, sondern bei den Kursen auftauchen und sich persönlich anmelden. Am Anfang ist alles sowieso super stressig und unübersichtlich, da war diese Möglichkeit dann eine echte Erleichterung. Die ersten Wochen sind zwar super überfordernd, aber sobald man seine Kurse hat und alles auch mit der Heimat-Uni abgeklärt hat, kann man ankommen und seine Zeit als Erasmus-Student*in genießen.

Wohn- und Lebenssituation

Ich hatte mich gegen ein Studentenwohnheim und für das Wohnen in einer WG entschieden. Ursprünglich hoffte ich, ein Zimmer in einer polnischen Wohngemeinschaft zu finden, um meinem Wunsch einer größeren Anbindung an polnische Studierende zu haben nachzugehen. Leider wollten die meisten aber kein Zimmer für unter ein Jahr vermieten, weswegen das nicht funktionierte. Ich hatte aber großes Glück, letztlich über Freunde von Freunden an eine Wohnung zu kommen. Dadurch lebte ich in einer 4er-WG mit drei anderen Personen aus Deutschland. Zwei meiner Mitbewohner*innen waren auch keine Erasmus-Studierende, wodurch ich die Möglichkeit hatte, auch außerhalb von Erasmus-Leuten Kontakte zu knüpfen. Die Lage der Wohnung war super, da sie im Zentrum lag und ich überall hin eine gute Anbindung hatte. Generell kommt man in Breslau aber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, also Bus und Tram, sehr gut durch die Stadt, wobei zu Fuß manchmal sogar schneller war. Breslau hat vieles zu bieten. Zunächst ist die Stadt an sich super interessant, auch geschichtlich. Am besten sollte man dafür die kostenlose Sightseeing-Tour der Uni mitnehmen, welche von anderen Studierenden für die Erasmus-Leute angeboten wird. Natürlich ist das auch eine weitere Chance, sich mit den anderen zu verknüpfen. Daneben gibt es, mitunter auch von der Wirtschaftsuni angeboten, viele abendliche Aktivitäten wie z.B. Pub-Crawls, weitere Sightseeing-Touren, Open Mics, Führungen durch Ausstellungen und vieles Weitere. Wenn man die ersten Wochen dann einigermaßen angekommen ist, kann man sich neben der Uni mit vielen Dingen beschäftigen. Es gibt unfassbar viele leckere und meist relativ preiswerte Möglichkeiten gut essen zu gehen. Es gibt Schwimmbäder, Fitnessstudios, Bibliotheken, Flohmärkte, also alles, was so eine typische Großstadt zu bieten hat. Besonders ist jedoch die Begeisterung für Festivals und andere Stadtveranstaltungen. Es gab fast jede Woche zu verschiedenen Themen besondere Veranstaltungen, wie zum Beispiel das American Film Festival (bei dem man Filme sehen kann, die erst in den nächsten Monaten rauskommen) oder das Jazz Festival (beides im Herbst). Man kann tagsüber wunderbar durch die Stadt schlendern und entweder in Museen oder Galerien gehen, Parks oder Botanische Gärten besuchen, sich irgendwo in ein Café setzen, bummeln (es gibt einfach 7 Shopping-Centren in Centrum-Nähe – schon etwas verrückt; aber gleichzeitig gibt es auch viele Läden für gebrauchte Kleidung), oder letztlich sich auf der Insel Słodowa hinsetzen und den Sonnenuntergang genießen. Hierzu ein Fun-Fact: In Polen besteht seit März 2018 das Verbot, in der Öffentlichkeit (außer natürlich Gastronomie) Alkohol zu trinken. Die Insel Słodowa wurde aber August 2018 von dieser Regelung ausgeschlossen, weswegen sich insbesondere in den wärmeren Monaten viele Menschen dort versammeln, um in der Sonne ein Bierchen zu genießen oder fürs Feiern vortrinken. Für abendliche Ausgehen gibt es auch viele Möglichkeiten. Ich bin super gerne ins Kino gegangen, was auch ohne Polnisch Kenntnisse möglich ist, da die Filme meist immer in Originalton mit Untertiteln abgespielt werden und es auch regelmäßig Screenings mit englischen Untertiteln gibt. Natürlich hat Breslau sowohl viele angenehme Bars als auch Pubs und Kneipen. Dazu gibt es einen „Party- und Unterhaltungsservice“ (laut Facebook), welcher primär für Erasmus-Studierende gedacht ist und durch welchen man günstig vortrinken kann und montags, mittwochs und freitags umsonst in einen Club gehen kann. Donnerstags ist außerdem generell freier Eintritt in alle drei Techno-Clubs und auch am Wochenende gibt es viele Veranstaltungen. Ich persönlich bin nicht viel verreist, aber es bietet sich wirklich an, die anderen Städte zu besuchen, wie es Freunde von mir gemacht haben. Als Student*in hat man 51% Vergünstigung auf alle polnischen Zuginlandsverbindung, obwohl Zugfahren in Polen generell schon vergleichsweise günstig ist. Man kann sich auch mit anderen Freunden in Gruppen zusammenfinden und Reisen organisieren, oder man macht einen Tagesausflug allein. Empfehlenswert ist natürlich Krakau und Warschau, aber auch die Ostsee mit Danzig oder die tschechische Hauptstadt Prag sind gut zu erreichen.

Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 10/2022 - 02/2023

Gastuniversität: Uniwersytet Wroclawski

Gastland: Polen


Rückblick

Entgegen allen möglichen Vorurteilen an unser Nachbarland ist Breslau unfassbar toll. Es ist nur nicht die Stadt allein, sondern die Menschen und das ganze Lebensgefühl dort, was mich so sehr meiner Zeit dort nachtrauern lässt. Die Menschen sind sehr offen, es gibt viele junge Menschen und viele Studierende aus dem Ausland. Ich war zwar nur für ein Semester dort, weil studienperspektivisch ich mir ein weiteres Semester eigentlich nicht „leisten“ konnte, aber ich habe wirklich oft überlegt, trotzdem auf ein weiteres Semester zu verlängern. Zum Glück ist die Stadt aber innerhalb 4 Stunden mit Direktverbindung von Berlin aus erreichbar und somit wirklich nicht weit weg. Ich kann es wirklich jedem herzlichst empfehlen nach Breslau zu gehen.

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