Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Vorbereitung für meinen Auslandsaufenthalt lief sehr gut ab. Viele aus meiner Familie hatten schon ein Erasmus-Semester gemacht und nur gutes davon berichtet, weswegen ich mir sicher war, diese Erfahrung machen zu wollen. Die Informationen über Gastuniversitäten und den Bewerbungsprozess habe ich mir alle von den Seiten des International Office beziehungsweise der Seite zum Erasmus-Austausch meiner Fakultät geholt. Dass ich nach Norwegen wollte, war mir ziemlich schnell klar. Bei Fragen habe ich das International Office in Potsdam und die Austauschkoordinatorin meiner Fakultät kontaktiert und immer schnell Antworten auf meine Fragen erhalten. Nachdem ich den Platz zugesprochen gekriegt habe, hat das International Office an die Austauschuni weitergeleitet, dass ich dort mein Erasmus machen werde. Die Uni Bergen hat mich daraufhin kontaktiert und mir genau mitgeteilt, wie der Immatrikulationsprozess dort ablaufen wird. Ich musste daraufhin eine Online-Registrierung als Austauschstudent abschließen und meinen Ausweis sowie das Transcript of Records auf Englisch hochladen. Die Betreuung durch das International Office in Bergen fand ich dabei immer sehr angenehm. Bei Fragen konnte man immer per Mail Kontakt aufnehmen und hat schnell Hilfe oder Antworten bekommen.


Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 08/2021 - 12/2021

Gastuniversität: Universitetet i Bergen

Gastland: Norwegen

Studium an der Gastuniversität

Die meisten der Kurse in Norwegen geben um die 10 oder 15 LP, also deutlich mehr als in Deutschland, werden allerdings nur für 6 LP hier angerechnet. Das normale Pensum für ein Semester ist aber auch dort 30 LP. Manche haben sich entschlossen nur zwei Kurse zu belegen und dann wiederum in Potsdam ein Semester länger zu machen oder mehrere Kurse zu belegen, um auf die nötige Anzahl LP zu kommen. Es gab allerdings auch Studenten, die einfach 50 LP in Norwegen belegt haben, um die nötige Anzahl an Kursen für ein Semester zu belegen. Die meisten meiner Kurse wurden wegen Covid sowohl in Präsenz als auch mit einer parallelen Online-Übertragung angeboten. Ich habe mich immer gut durch die Dozenten und Seminarleiter betreut gefühlt. Die Bewertung erfolgte eigentlich immer sehr studentenfreundlich. Durch das Uniportal kann man bei Fragen immer Kontakt aufnehmen und Fragen wurden schnell beantwortet. Die Bibliotheken und andere Einrichtungen der Universität habe ich während meines Auslandsaufenthalts nicht benutzt, allerdings habe ich von vielen meiner Freunde gehört, dass die Lernatmosphäre in den Bibliotheken sehr gut war.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

In Kontakt zu einheimischen Studierenden bin ich nur bei den Seminaren meiner zwei Vorlesungen gekommen und auch dort war der Kontakt eher begrenzt auf Gruppenarbeiten, die während des Seminars zusammen zu erledigen waren oder zwei Sätze Smalltalk. Den meisten und intensivsten Kontakt hatte ich zu anderen Austauschstudenten. Durch die großen Wohnungen hat man gleich am Anfang viele Kontakte. Zudem gibt es auf dem Dach eines der Wohnheimgebäude eine Dachterrasse, die von uns (Anfang August) fast jeden Abend genutzt wurde und wo ich viele meiner späteren Freunde kennengelernt habe. Da jeder am Anfang nach Kontakten sucht, ergeben sich sehr schnell Gespräche. Auch dass alle so nah aneinander wohnen, führt dazu, dass man sich oft über den Weg läuft und sich einfach verabreden kann. Bereits in der ersten Woche hatte ich Freunde gefunden, mit denen ich meine Freizeit verbracht habe. Alles in allem kann ich nur sagen, dass ich in meinem Auslandsaufenthalt in Bergen wirklich gute Freunde gefunden habe, mit denen ich auch weiterhin in Kontakt bleiben werde.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Da man natürlich vor allem mit anderen internationalen Studenten in Kontakt kommt, ist die Sprache, die am meisten gesprochen wird, Englisch. Viele der Norweger sprechen auch gutes Englisch, weswegen man sich eigentlich überall problemlos verständigen kann. Inwiefern sich mein Wortschatz oder ähnliches verbessert hat, weiß ich nicht genau, allerdings merkt man schnell, dass man sehr viel selbstsicherer und flüssiger beim Sprechen und die Hemmschwelle einfach loszureden kleiner wird. Ab dem zweiten Abend war es eigentlich gar kein Problem mehr, einfach auf Englisch zu sprechen. Da alle in der gleichen Situation sind und Englisch nur von wenigen die Muttersprache ist, sind alle auch ziemlich verständnisvoll, wenn man mal länger nach einem Wort sucht. Für Austauschstudenten werden zudem Einstiegskurse zum Norwegisch lernen angeboten. Ich habe einen belegt und fand es sehr schön, mich vor allem in der zweiten Hälfte beim Einkaufen oder für kleine Erledigungen auch auf Norwegisch verständigen zu können.

Wohn- und Lebenssituation

Als Austauschstudent kriegt man an der Universität Bergen eine Garantie für einen Wohnheimplatz, solange man sich innerhalb der vorgegebenen Fristen bewirbt. Auf der Seite der Gesellschaft, die die Wohnheime verwaltet (Sammen), kann man verschiedene Prioritäten angeben, allerdings werden die meisten Austauschstudenten in Fantoft untergebracht. Alle Informationen dazu, wie die Bewerbung abläuft und die Fristen findet man auf den Austauschseiten der Universität Bergen genau Schritt für Schritt (https://www.uib.no/en/education/48741/admission-exchange-studies). Wenn man ein Jahr bleibt, kriegt man meistens eine kleine Ein-Raum-Wohnung. Ich habe, weil ich nur ein Semester geblieben bin, einen Raum in den neusten Gebäuden (Fantoft TRE) zugewiesen bekommen und habe um die 320€ Miete gezahlt. Während des Wintersemesters kriegt man dort geteilte Zimmer und eine Küche und Wohnzimmer, die mit 15 anderen geteilt wird. Im Zimmer gibt es jeweils zwei Schreibtische, Schränke und ein kleines Bad. Die Küche war mit allem ausgestattet, was man zum Kochen braucht. Geräte wie Mixer oder Pürierstab muss man sich Bedarf allerdings selber anschaffen. Ich hatte das Glück, dass ich mich sehr gut mit meiner Zimmernachbarin verstanden habe, weswegen die fünf Monate im geteilten Zimmer für mich kein Problem waren, allerdings hatte ich auch Freunde, die zum Ende hin doch immer größere Probleme damit hatten. Auch das Teilen der Küche mit so vielen Leuten hat neben dem Vorteil, dass man schnell mit anderen in Kontakt kommt, natürlich den Nachteil, dass es doch schnell mal dreckig werden kann, wenn nicht alle beim Aufräumen und sauber machen ihren Teil erfüllen. Auf dem Gelände des Wohnheims gibt es auch noch zwei Basketballplätze und einen Volleyballplatz. Zudem kann man sich auch für das Fitnessstudio anmelden (um die 180€ für das ganze Semester), das sich ebenfalls auf dem Wohnheimgelände befindet. Das Wohnheim liegt direkt an der Straßenbahn und man kann in 18 Minuten in die Stadt fahren. Für die Bahn würde ich mir eine Monatskarte anschaffen, weil man die Bahn eigentlich täglich benutzt, um in die Stadt und zur Uni zu kommen. Diese kostet 30-40€. Die meisten Handyverträge aus Deutschland gelten zu den gleichen Konditionen auch in Norwegen, weswegen dort keine weiteren Kosten dazukommen. Meine Versicherung galt auch ohne weitere Kosten in Norwegen, aber es gab auch andere Studenten, die zusätzlich eine Reiseversicherung abgeschlossen haben. Auch die deutschen Kreditkarten kann man ohne Probleme nutzen. Ich habe mir vor meinem Aufenthalt allerdings ein neues Konto bei der DKB gemacht, weil diese keine Umrechnungsgebühren von norwegischen Kronen in Euro bei der Bezahlung in Rechnung stellt. Einkaufen und auch alle Aktivitäten, wie beispielsweise Essen gehen, sind in Norwegen allerdings doch teurer als in Deutschland. Insgesamt muss man sich also auf höhere Lebenserhaltungskosten als in Deutschland einstellen. Je nachdem wieviel man unternimmt, ist man schnell bei 800-1000€ im Monat. In meiner Freizeit war ich in den ersten Monaten (August, September) vor allem wandern. Bergen liegt umgeben von einigen Bergen, von denen 7 besonders bekannt sind. Es wird gesagt, dass man in seiner Zeit in Bergen jeden dieser sieben einmal bestiegen haben soll. Viele meiner Freunde haben dies bereits in den ersten Wochen geschafft, allerdings kann ich es auch empfehlen, einen oder zwei für den Winter offen zu lassen, da die Umgebung im Schnee wirklich nochmal einen ganz neuen Charme hat. Ansonsten gibt es viele Museen in Bergen, von denen auch einige kostenfrei für Studenten sind. Restaurants, Bars und Clubs gibt es natürlich auch. Nachdem in den ersten beiden Monaten noch viel wegen Covid geschlossen oder nur unter Beschränkungen auf waren, wurden Mitte September alle Regeln aufgehoben und wir konnten auch wieder abends ausgehen. Eintritt muss man bei den Clubs nur samstags zahlen, allerdings sind Getränke und ähnliches natürlich auch hier deutlich teurer als in Deutschland (Das günstigste Bier gibt es in den meisten Bars erst ab 6€). Außerhalb von Bergen gibt es auch viele Tagestrips zum Wandern oder ähnliches, die mit dem Zug oder dem Bus zu realisieren sind. Empfehlen kann ich auch, einmal eine Tagestour mit einem der Boote zu machen und sich die Fjorde in der Umgebung von Bergen anzugucken. Einige meiner Freunde haben auch Zwei- oder Dreitagestrips zu Orten wie Stavanger oder zum Wandern und Campen nach Trolltunga gemacht. Im Winter gab es zudem relativ früh Schnee, weswegen wir tatsächlich schon im Dezember nach Voss zwei Tage zum Ski fahren fahren konnten. Nach Voss kommt man innerhalb einer Stunde mit dem Zug, weswegen das auch gut als Tagestrip machbar war. Zum Ende meines Aufenthalts bin ich zudem noch mit einigen meiner Freunde für 4 Tage nach Tromso in den Norden gefahren. Viel kann man dort zwar nicht machen, aber es gibt Möglichkeiten zum Wandern oder auch Whale Watching. Außerdem kann man dort natürlich die Nordlichter sehen. Bei uns waren diese leider nicht ganz so stark, aber trotzdem ziemlich beeindruckend.

Studienfach: Betriebswirtschaftslehre

Aufenthaltsdauer: 08/2021 - 12/2021

Gastuniversität: Universitetet i Bergen

Gastland: Norwegen


Rückblick

Alles in allem kann ich einen Auslandsaufenthalt in Bergen nur empfehlen. Ich habe mit Einheimischen und mit der ganzen Kultur dort nur gute Erfahrungen gemacht und konnte mich selber und meine sprachlichen Fähigkeiten weiterentwickeln. Auch die Menschen, die ich getroffen habe, waren immer freundlich und man wurde von der Universität super betreut. Die anderen Austauschstudenten, die ich während meines Aufenthalts getroffen habe, sind zu guten und teilweise sehr guten Freunden geworden, mit denen ich auf jeden Fall den Kontakt auch nach meiner Rückkehr halten werde.

Norwegen

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