Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Vom Erasmus-Programm habe ich schon sehr früh durch Informationsveranstaltungen an der Uni Potsdam sowie durch Erzählungen von Freunden erfahren. Auch wenn die Prozedur zur Bewerbung vielleicht umfangreich erscheinen mag, ist alles dann doch weniger kompliziert und absolut lohnenswert. Die Universität Potsdam bereitet einen auch gut auf den Auslandsaufenthalt vor, etwa durch Infoveranstaltungen oder die Schritt-für-Schritt Anleitung. Nachdem ich mich für die Städte Paris, Kopenhagen und Trondheim für einen ERASMUS-Auslandsaufenthalt beworben habe, habe ich eine Zusage für die Universität in Bergen bekommen. Kurz nachdem ich den Platz angenommen habe, hat sich die Gasthochschule per E-Mail mit mir in Verbindung gesetzt. Mir wurden Zugangsdaten für eine Internetseite zur Bewerbung, wo das Transcript of Records sowie der englische Sprachnachweis hochgeladen werden sollten, zugeschickt. Dass mein Transcript of Records leider nicht rechtzeitig durch die Uni Potsdam unterschrieben wurde und es auch sieben Monate später noch nicht ist, war kein Problem. Es kamen immer wieder E-Mails mit nützlichen Informationen von der Gasthochschule, auch zur Unterkunft, aber dazu später mehr. Außerdem gab es eine Online-Einführungsveranstaltung, in der das Studentenwerk, die Fakultät, die Uni, sowie andere nützliche Hinweise zur medizinischen Versorgung und zum Benehmen in der Natur gegeben wurden. Die Internetseite der Uni Bergen hat außerdem auch viele Hinweise zum Vorgehen geliefert.


Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 08/2022 - 12/2022

Gastuniversität: Universität Bergen

Gastland: Norwegen

Studium an der Gastuniversität

Lehrveranstaltungen können ausschließlich über ein Onlineportal belegt werden, für das man die Zugangsdaten nach erfolgreicher Bewerbung zugeschickt bekommt. Dort finden sich alle notwendigen Informationen, auch zur verwendeten Unterrichtssprache sowie zum Klausurformat. Alle Klausuren finden grundsätzlich am eigenen Computer statt, die Bearbeitungszeiten variieren jedoch stark und können auch ein paar Tage betragen. Die meisten Austauschstudenten wählen englischsprachige Kurse. Diese werden auch von norwegischen Studenten besucht und in Klausuren darf sowohl auf Englisch als auch in den zwei verschiedenen norwegischen Schriftarten sowie auf Schwedisch und Dänisch geantwortet werden. Mit der Anmeldung zu einem Kurs im Onlineportal meldet man sich auch gleichzeitig zur entsprechenden Klausur an. Die belegten Kurse erscheinen dann auch automatisch in der E-Learning Plattform, auf der sowohl der Stundenplan, Unterrichtsmaterialien, eine Kursbeschreibung als auch die zum Kurs gehörende Literatur zu finden sind. Die Lehrveranstaltungen in Bergen hatten häufig den Umfang von 15 ECTS. Obwohl durch die ECTS eigentlich eine Vergleichbarkeit des Arbeitsumfangs verschiedener Lehrveranstaltungen gewährleistet werden sollte, wird ein Kurs in Potsdam, auch wenn er in Norwegen mit 15 ECTS bewertet wird, nur mit sechs angerechnet. Das macht es natürlich schwierig, in der Regelstudienzeit zu bleiben, da so für ein Semester und die Belegung von Kursen im Umfang von 30 ECTS nur 12 ECTS in Potsdam erworben werden können. Die Kurse sind zwar etwas umfangreicher als in Potsdam, da deutlich mehr gelesen wird, allerdings nicht wirklich schwieriger. Es finden je nach Lehrveranstaltung sowohl Vorlesungen als auch Seminare statt. Der Ort sowie die Zeit können sich von Woche zu Woche verändern. In Seminaren wird teils auf Norwegisch gesprochen, auch wenn die zugehörige Vorlesung sowie die Unterrichtsmaterialien in englischer Sprache sind. Ein kurzer Hinweis genügt aber meist, um das Seminar beziehungsweise die Gruppenarbeit wieder in englischer Sprache stattfinden zu lassen. Hauptsächlich spielt sich der Unialltag in den Bibliotheken ab. Diese sind sehr gut ausgestattet mit zahlreichen modernen Arbeitsplätzen. Die Arbeitsatmosphäre ist deutlich lauter als in deutschen Universitätsbibliotheken: Es wird viel geredet, gelacht und auch Gruppenarbeit gemacht. Die Regeln bezüglich der Mitnahme von Speisen, Getränken und Taschen sind auch deutlich weniger streng. Außerdem ist eine Bibliothek rund um die Uhr geöffnet, allerdings ohne Personal. Die Einrichtungen der Universität liegen ziemlich nah beieinander, alles ist fußläufig zu erreichen und das Zentrum des Universitätsviertels, das sich auf einem Hügel befindet, ist ein Museum mit Café und einem Park, in dem exotische Pflanzen zu sehen sind. Das International Office ist täglich persönlich zu erreichen und es gibt nur selten Wartezeiten.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Gleich schon in der Einführungsveranstaltung wurde den Austauschstudenten gesagt, dass es schwierig werden wird, mit Norwegern in Kontakt zu treten. Die Wohnsituation begünstigte das noch einmal, da die Wohngemeinschaften des Studentenwerks ausschließlich aus Austauschstudenten bestanden und viele Austauschstudenten auf diese Weise untergebracht waren. Allerdings findet gleich zu Beginn des Herbstsemesters im August eine Einführungswoche statt, bei der zwei bis drei Austauschstudenten mit ca. 20 norwegischen Studienanfängern zusammen eine Woche lang die Stadt, Bars sowie Diskotheken erkunden. Die norwegischen Studienanfänger sind meist nur unwesentlich jünger, da Wehrpflicht für Frauen und Männer besteht und viele Norweger vor Beginn des Studiums noch ein Jahr ins Ausland oder auf eine Art Spiel- und Spaßinternat gehen. Außerdem kannten sich die norwegischen Studienanfänger untereinander auch nicht. Getroffen wurde sich meistens bei einem der Gruppenleiter daheim zum so genannten „Vorspiel“, dazu brachte jeder die Menge an alkoholischen oder auch nichtalkoholischen Getränken, die er am Abend vor hat zu konsumieren, selber mit. Es werden Trink- sowie Kennenlernspiele gespielt. Organisiert wird die Einführungswoche über eine Facebookgruppe. Da die Informationen zumeist auf Norwegisch sind, empfiehlt es sich, zunächst einmal den eigenen Kopf oder zur Not auch den Google Übersetzter zu bemühen, Nachfragen ob nicht alle auf Englisch schreiben oder reden können kommen zumeist nicht sonderlich gut an, auch wenn Norweger sehr gutes Englisch sprechen können. Bei Einladungen zu Norwegern nach Hause ist außerdem darauf zu achten, immer die Schuhe auszuziehen und es wird meist von den Gästen erwartet, unaufgefordert das Haus, die Wohnung sowie dann auch das Wohnzimmer zu betreten. Da Häuser selten abgeschlossen sind, ist unbedingt auf die andere Zählweise der Etagen zu achten (das Erdgeschoss ist dort schon der erste Stock), um zu vermeiden, dass man in eine falsche Wohnung eintritt. Die Einführungswoche ist eine wirklich gute Möglichkeit, um mit Norwegern in Kontakt zu treten, da man sich eine Woche lang täglich sieht. Ansonsten, insbesondere tagsüber, ist es aber tatsächlich eher schwierig, mit Norwegern in Kontakt zu treten. Sport oder die Mitgliedschaft im Outdoorverein „BSI Friluft“ eignen sich aber gut als Brückenbildner. Auch kann über Online Freunde- oder Partnervermittlungsapps nachgedacht werden. Abends ist es allerdings wesentlich einfacher mit Norwegern in Kontakt zu treten und beim nächtlichen Besuch von Diskotheken kann es sehr schnell gehen, danach noch zu Norwegern mit nach Hause eingeladen zu werden. Kontakte mit anderen ausländischen Studenten zu knüpfen ist dafür umso einfacher. Allerdings bilden sich gerade in der Anfangsphase recht schnell Gruppen, sodass es ratsam ist, zu Beginn des Semesters auf alle Veranstaltungen und auch in die Gemeinschaftsräume der Studentenwohnheime zu gehen. Austauschstudenten aus demselben Land bilden häufig auch Whatsapp-Gruppen und unternehmen Tages- oder Wochenendausflüge in andere Teile des Landes. Wem daran gelegen ist, auch mit Studenten aus anderen Ländern in Kontakt zu treten, sollte aufpassen, nicht zu sehr in eine „Heimatland-Bubble“ zu verfallen. Austauschstudenten untereinander sprechen überwiegend englisch, wobei das je nach Nationalität besser oder schlechter sein kann. Es ergaben sich auch immer wieder kleinere Konflikte zwischen ausländischen Studierenden, insbesondere in Wohngemeinschaften, da der Ess- und Schlafrhythmus von Spaniern beispielsweise deutlich anders ist als der von Frühaufstehern. Grundsätzlich haben aber alle Austauschstudenten ein Interesse daran, neue Kontakte zu knüpfen und ihr Austauschsemester zu einem Guten zu machen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Für das Austauschsemester in Bergen war ein englischer Sprachnachweis B2 erforderlich. Da ich auf einer bilingualen weiterführenden Schule war, hatte ich diesen Sprachnachweis schon. Ein norwegischer Sprachnachweis ist dagegen nicht erforderlich. Die Lehrveranstaltungen, die Austauschstudierende besucht haben, waren auf Englisch. Es wurden sehr viele wissenschaftliche, englische Texte gelesen. Außerdem musste man auch umfangreiche Klausuren oder Hausarbeiten in englischer Sprache verfassen. Da die Norwegischkurse bereits wenige Minuten nach dem Beginn des Anmeldezeitraums ausgebucht waren, habe ich leider keinen Platz mehr bekommen. Im Alltag ist das Nichtbeherrschen der norwegischen Sprache kein Problem, da die jungen und mittelalten Norweger über herausragende Englischkenntnisse verfügen. Allerdings können ältere Norweger zum Teil besser Deutsch als Englisch. Trotzdem empfiehlt es sich, bei einem längeren Aufenthalt in einem anderen Land auch die dortige Sprache zu lernen und auch ohne Norwegischkurs bekommt man nach einiger Zeit ein ganz gutes Gefühl für die Sprache, wenn man beispielsweise bei Gesprächen zuhört oder versucht, eine norwegische Zeitung zu lesen. Da Norwegisch eine germanische Sprache ist, haben es Deutsche tendenziell einfacher, die Sprache zu verstehen, weil es sehr viele ähnlich klingende Wörter gibt. So habe ich gegen Ende des Auslandsaufenthaltes schon erste einfache Konversationen führen können und immer mehr verstanden. Aber auch durch Kontakte zu Austauschstudenten anderer Länder und die englischen Lehrveranstaltungen haben sich meine Englischkenntnisse deutlich verbessert.

Wohn- und Lebenssituation

Die Universität in Bergen bietet allen Studenten eine Unterkunftsgarantie. Über ein Onlineportal des Studentenwerks kann sich auf bis zu drei verschiedene Unterkünfte mehrerer Preisklassen beworben werden. Allerdings wurden Austauschstudierende überwiegend ungeachtet ihrer Präferenzen in Wohngemeinschaften mit anderen Austauschstudierenden untergebracht. Ich habe im größten Studentenwohnheim namens „Fantoft“ gewohnt, dort gab es auch einen Raum, in dem häufig Partys und Filmabende stattgefunden haben. Außerdem gibt es dort einen großen Hof mit vielen Sitz-, Grill- sowie Ballsportmöglichkeiten. Ein Sportzentrum mit Fitnessgeräten, Klettergeräten, einem Golfsimulator sowie einer Teamsporthalle ist ebenfalls vorhanden. Allerdings liegt das Wohnheim etwas außerhalb der Innenstadt und der Universität, sodass jedes Mal eine Straßenbahnfahrt von gut 20 Minuten nötig ist. Ich war zusammen mit einem anderen deutschen Austauschstudenten in einer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung untergebracht, die ursprünglich als Einzelzimmer konzipiert war. Das Ganze hatte ein wenig Landschulheim-Flair, da wir im Stockbett geschlafen haben. Es gab allerdings auch 16er WGs mit separater Küche. Die Miete war für norwegische Verhältnisse sehr günstig und wurde per Kreditkarte über das Onlineportal bezahlt. Wenn es Probleme oder Beschädigungen gab, konnte das ebenfalls über das Onlineportal gemeldet werden und wurde schnell beseitigt. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind sehr gut ausgebaut, in der Stadt gibt es zwei Straßenbahnlinien, zwei Seilbahnen sowie diverse Buslinien, in der Innenstadt ist jedoch alles fußläufig zu erreichen. Um zum Wandern oder Skifahren in die Region zu kommen, gibt es auch sehr viele Überlandbuslinien, Fähren und auch die Möglichkeit, sich ein Auto zu mieten. Bezahlt wird in Norwegen fast ausschließlich mit Karte. Während es in Deutschland in einigen Geschäften Schilder mit der Aufschrift „Cash Only“ gibt, gibt es in Norwegen viele Schilder mit der Aufschrift „Card Only“. Es werden alle gängigen Kreditkarten und auch deutsche EC- Karten, wenn Sie die Aufschrift V-Pay oder ähnlich tragen, akzeptiert. Es gibt auch eine sehr populäre Bezahl-App namens „Vipps“, die allerdings nur mit einer norwegischen Telefonnummer oder Steuernummer genutzt werden kann. Die Lebenshaltungskosten sind deutlich höher als in Deutschland und auch das Erasmus-Stipendium mit 450€/Monat kann ausschließlich die Miete bezahlen. Lebensmittel sind teuer, Restaurants auch und Alkohol ist insbesondere sehr teuer, Wein und Spirituosen können darüber hinaus nur in staatlich kontrollierten Geschäften erworben werden. Die europäische gesetzliche Krankenversicherungskarte ist zwar gültig, übernimmt aber nicht alle Leistungen. Eine Zusatzkrankenversicherung ist daher sicherlich empfehlenswert. Es gibt zahlreiche Freizeitangebote, besonders beliebt sind Aktivitäten in der Natur wie wandern, skifahren, andere norwegische Städte erkunden, zelten oder klettern. Equipment dazu kann auch geliehen werden. Aber auch kulturell hat Bergen einiges zu bieten und es gibt Museen, Kinos und Konzerte. Das norwegische Nachtleben ist auch sehr gut, allerdings gilt für die meisten Diskotheken ein Mindestalter von 20 Jahren.

Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 08/2022 - 12/2022

Gastuniversität: Universität Bergen

Gastland: Norwegen


Rückblick

Dass Deutsche ein bisschen Norwegisch verstehen, gilt auch umgekehrt. Und so sollte man keinesfalls denken, dass alles, was man in der Straßenbahn oder anderswo im öffentlichen Raum sagt, von niemandem verstanden wird. Das Smartphone ist außerdem unverzichtbar. Ganz gleich ob als Studentenausweis, Bahnticket, Essensbestellung im Restaurant oder bei Notfällen auf Wanderungen: Das Smartphone erfüllt in Norwegen noch mehr Funktionen als es das üblicherweise in Deutschland tut. Es immer geladen bei sich zu tragen, auch wenn man denkt, man bräuchte es nicht, ist ratsam. Auch mobiles Internet wird für fast alle Anwendungsbereiche gebraucht, wer allerdings in Deutschland eine Datenflatrate hat, kann sein mobiles Datenvolumen auch in Norwegen ohne Aufpreis nutzen. Kontakte zu Norwegern zu suchen würde ich auf jeden Fall empfehlen. Ihre ruhige Art sowie ihre Lebensweise und ihr Ausgehverhalten kennenzulernen lohnt sich auf jeden Fall. Aber man sollte es eher ruhig angehen und sich etwas zurückhaltend benehmen, lieber einmal mehr anderen den Vortritt oder den Sitzplatz überlassen als zu wenig. Im Nachtleben bekommen Norweger ein ganz anderes Gesicht, die Stimmung ist gut, es ist absolut nicht gefährlich und es wird sehr viel Alkohol konsumiert. Informationen finden sich in englischer Sprache auf der Homepage der Universität Bergen, außerdem lohnt es sich auch, den Social-Media-Kanälen der Universität Bergen unf dem Studentenwerk „Sammen“ zu folgen sowie die auch in deutscher Sprache verfügbaren Internetseiten www.visitbergen.no sowie www.visitnorway.no für Freizeitaktivitäten besuchen.

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