Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Die Anmeldung an der TU/e verlief sehr unkompliziert, und ich habe alle benötigten Unterlagen direkt per E-Mail erhalten. Auch die Kurswahl war angenehm und vollständig online möglich. Über die Plattform Osiris kann man die Kurse bereits vor Semesterbeginn einsehen und sich teilweise schon anmelden. Das Semester ist in zwei Blöcke unterteilt.
Was sich leider als deutlich herausfordernder erwiesen hat, ist die Wohnungssuche in Eindhoven. Die Universität weist zwar auf eine Wohnungslotterie hin, über die Studierende Zugang zu vergünstigtem Wohnraum erhalten können. In meinem näheren Umfeld habe ich jedoch niemanden kennengelernt, gerade unter Austauschstudierenden, der darüber erfolgreich ein Zimmer bekommen hat. Daher gehe ich davon aus, dass die Chancen eher gering sind, gerade als Erasmusstudent*in. Ich würde deshalb allen empfehlen, sofort mit der Wohnungssuche zu starten und dabei nicht zu wählerisch zu sein, da Wohnraum in Eindhoven teilweise unverhältnismäßig teuer ist, und einige Bekannte sich am Ende mit AirBnB’s ‚durchhangeln‘ mussten. Wenn man auf den entsprechenden Portalen wie Vestide, Kamernet oder HospiHousing sehr aktiv ist, lässt sich aber durchaus etwas finden. Ich habe letztlich über HospiHousing eine Wohnung in Woensel gefunden.
Meine Anreise war dagegen sehr entspannt: Ich konnte direkt mit einem ICE von Berlin Hbf. nach Amsterdam Centraal fahren und von dort mit den häufig verkehrenden ICs (die eher mit einem deutschen Regionalexpress vergleichbar sind) nach Eindhoven weiterreisen. In den Niederlanden kann man in den öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus, Tram und Bahn) unkompliziert mit Kredit- oder Debitkarte ein- und auschecken. Bei längeren Aufenthalten lohnt es sich jedoch, eine OV-Chipkaart zu beantragen. Diese funktioniert ähnlich, ermöglicht aber zusätzlich den Abschluss von Abonnements, die das Reisen z. B. am Wochenende vergünstigen.
Studium an der Gastuniversität
Leider habe ich zu Beginn des Semesters die Einführungstage für Bachelorstudierende verpasst. Die Intro Week richtet sich zwar primär an Studienanfänger*innen im Bachelor, ist aber, nach dem, was ich von anderen Erasmusstudierenden gehört habe, dennoch eine gute Gelegenheit, schnell neue Leute kennenzulernen.
Von der Universität wurde lediglich ein Willkommensabend organisiert, der aber trotzdem sehr hilfreich war, um Kontakte zu knüpfen. Ein Erasmus Student Network (ESN) gab es in Eindhoven leider nicht. Das fand ich schade, da ich von Kommiliton:innen an anderen Universitäten gehört habe, dass man über ESN oft an schönen Ausflügen, Reisen oder Partys teilnehmen kann. Als Alternative gibt es jedoch AEGEE, eine ebenfalls internationale europäische Studierendenorganisation. Dort wurden ebenfalls Veranstaltungen angeboten, und sowohl über AEGEE als auch über meinen Niederländisch-Sprachkurs habe ich den Großteil meines Freundeskreises kennengelernt.
Leben in Eindhoven:
Die TU/e bietet ein außergewöhnlich großes Sport- und Freizeitangebot, teilweise durch die vielen studentischen Vereinigungen, teilweise auch über das SSC (Student Sport Centre), bei dem man zu einem günstigen Preis ein Abo abschließen kann. Die Kurse an der TU unterscheiden sich hinsichtlich Schwierigkeit und Arbeitsaufwand nicht wesentlich von denen an der Universität Potsdam bzw. am Hasso-Plattner-Institut. Das hat mir persönlich gut gefallen, weil ich dadurch Inhalte lernen konnte, die ich so an der Universität Potsdam nicht direkt studiert hätte. Die Kursorganisation war insgesamt ähnlich aufgebaut, mit Übungen und Vorlesungen. Ein großer Unterschied war jedoch, dass nicht nur in einzelnen Masterprogrammen, sondern universitätsweit Englisch die Hauptsprache war.
Der Campus selbst ist sehr schön und gepflegt. Als besonders bereichernd habe ich die Bars bzw. Aufenthaltsräume der einzelnen Fachschaften bzw. fachlichen Student Associations empfunden, zum Beispiel Gewis. Gewis steht für „GEmeenschap van Wiskunde en Informatica Studenten“, also eine Art Fachschaft für Mathematik- und Informatikstudierende. Neben den dort organisierten Angeboten wie Lunch Lectures oder Workshops haben meine Freundesgruppe und ich den Raum auch regelmäßig für unser tägliches Mittagessen genutzt, da es keine Mensa oder andere Alternativen gab.
Eindhoven selbst ist zwar keine klassische Touristenstadt, durch die Universität und die Nähe zu ASML aber sehr international und insgesamt sehr lebenswert. Das Ausgehviertel Stratum bietet einige nette Bars und Clubs. Außerdem kann ich sehr empfehlen, die zwar nicht ganz günstigen, aber dafür sehr einfachen und zuverlässigen Züge zu nutzen, um Städte in der Umgebung zu besuchen. Ich war mit Freunden mehrmals in Amsterdam, Utrecht, Maastricht, Antwerpen und Brügge und bin über AEGEE auch für mehrere Tage nach Brüssel gereist.
Studienfach: Computer Science (Master of Science, Digital Engineering Fakultät)
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 02/2026
Gastuniversität: Technische Universiteit Eindhoven
Gastland: Niederlande
Rückblick
Insgesamt hat mir das Auslandssemester sehr gut gefallen. Ich habe die Zeit als sehr bereichernd erlebt und konnte einen internationalen Freundeskreis aufbauen. Ich würde anderen empfehlen, sich frühzeitig über den angespannten Wohnungsmarkt und das fehlende ESN in Eindhoven im Klaren zu sein – wenn man das vorher weiß, wird das Semester aber mit hoher Wahrscheinlichkeit eine richtig gute Erfahrung.