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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Meine Entscheidung, nach Kolumbien zu gehen, stand nicht von Anfang an fest. Während meiner gesamten Studienlaufbahn habe ich vorher keine Auslandserfahrung gehabt. Inspiriert von den Erzählungen meiner Freunde, die diese Erfahrung bereits hatten, habe ich mich zum Ende meines Masterstudiums dazu entschlossen, diese Erfahrung noch mitzunehmen. Noch unwissend, wohin es eigentlich gehen soll, habe ich die Infoveranstaltung “Auf einen Kaffee nach Lateinamerika” der Universität Potsdam besucht. Hier können Studenten, die bereits einen Auslandsaufenthalt in Lateinamerika absolviert haben, von ihren Erfahrungen an andere Interessierte berichten. Die Berichte der Studenten aus Kolumbien haben mich hier am meisten fasziniert. Deshalb fiel meine Wahl letztlich auch auf dieses Land. 

Der gesamte Bewerbungsprozess danach kam mir relativ einfach vor. Das International Office betreut einen beim gesamten Bewerbungsprozess und sobald man die Zusage von der Universität Potsdam bekommt, wird man automatisch mit der Gastuniversität in Verbindung gesetzt. Natürlich geht das ganze mit einer Vielzahl verschiedener Dokumente einher. Bei Unklarheiten konnte ich aber darauf zählen, schnell beraten zu werden. 

Als der Moment der Abreise langsam näher kam, habe ich mich damit beschäftigt mich um die übrigen Vorbereitungen zu kümmern. Am 1. April begannen die ersten Veranstaltungen an der Universität. Mein Plan war es deshalb, ca. zwei Wochen vorher anzukommen, damit ich mich schon mal an das Klima und die neue Kultur gewöhnen kann. Ich kann auch jedem nur ans Herz legen, das Gleiche zu tun. Nicht nur ich, sondern auch viele andere Auslandsstudenten hatten eine Art Grippe an den ersten Tagen. Meinen Flug habe ich schon Anfang Januar gebucht. Rückblickend glaube ich aber, dass die Flüge einige Wochen später noch billiger gewesen wären. Weitere wichtige Dinge sind die Auslandskrankenversicherung und die Impfungen. Für die Versicherung habe ich die von HanseMerkur gewählt, das war die billigste, die ich online finden konnte.. Bezüglich der Impfungen, habe ich mich an das Tropeninstitut an der Charité gewendet. Hier wird man ausführlich zu Reisen in tropische Länder informiert, was man beachten muss und welche Impfungen empfohlen werden. Hier kann ich auch nur empfehlen, sich bereits drei Monate vor Abreise zu melden, da manche Impfungen mit einem Abstand von mehreren Wochen aufgefrischt werden müssen.

Man sollte auch bedenken, dass die offizielle Einladung der Universität sehr oft auf sich warten lässt. Die Universität selbst macht die Anmerkung, dass man mit den endgültigen Planungen für die Reise erst beginnen soll, sobald man die Einladung erhält. Die Erfahrung vieler Studenten war aber, dass diese Einladung erst einige Wochen vor Semesterbeginn oder wie in meinem Fall erst nachher bei einem ankommt. In der Regel erhält man allerdings eine informelle Zusage, wenn man sich per Mail an das Auslandsbüro vor Ort meldet. Hier ist es noch wichtig anzumerken, dass man sich bei der Einreise am Flughafen als ein Tourist vorstellt. Deutsche Bürger bekommen in der Regel problemlos eine Aufenthaltsgenehmigung bis zu drei Monate. Meldet man sich allerdings als Student und hat keine Einladung einer Universität, dann kann es oft dazu führen, dass man für Stunden aufgehalten wird, bis das Problem gelöst wird. 


Studienfach: Data Science

Aufenthaltsdauer: 03/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Universidad Nacional de Colombia

Gastland: Kolumbien

Studium an der Gastuniversität

Im Land angekommen, habe ich mich erstmal auf den Weg zu meinem Wohnhaus gemacht. Hier empfehle ich aus Sicherheits- und Kostengründen Uber zu nehmen. Die Taxifahrer verlangen bei Touristen am Flughafen gerne viel höhere Preise. Hier sollte man auch beachten, vorne einzusteigen, da Uber in Kolumbien noch eine legale Grauzone darstellt und es so aussehen soll, als würde man als “Bekannter” mitfahren. Bei meiner Unterkunft hatte ich das Glück, dass die Person, die in meine Wohnung in Berlin eingezogen ist, selbst gerade aus Kolumbien kam und mir die Nummer des Vermieters weitergeleitet hat. Die Unterkunft ist Bestandteil von mehreren Häusern, die regelmäßig gemeinsame Events veranstalten und in denen das soziale Miteinander stark im Vordergrund steht. In jedem dieser Häuser leben ca. 20 Personen verschiedener Nationalitäten. Auch viele Kolumbianer. Deshalb ist das für mich der ideale Ort gewesen, um erste Freunde kennenzulernen und die Sprache üben zu können. 

Eine Woche vor dem offiziellen Semesterbeginn beginnen die Einführungstage für die Auslandsstudenten. Hier hat man die erste Gelegenheit die anderen Studenten kennenzulernen, mit welchen man wahrscheinlich auch den Großteil seines Semesters verbringen wird, etwas über die Sport- und Kulturangebote zu erfahren und das weitere Vorgehen zur Einschreibung erklärt bekommen. Deshalb kann ich jedem nur empfehlen, an diesen Tagen anwesend zu sein. Leider muss ich sagen, dass sich nach dieser Einführung das International Office vor Ort mit den Programmen weitgehend zurückzieht und man sich um seine Freizeitgestaltung selbst kümmern muss. Auch bei Fragen und Problemen erhält man per Mail oder Telegram-Chat nur sehr langsam Rückmeldung. Mit einem Besuch ins Büro sind viele Sachen aber sehr schnell erledigt.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Meine Erfahrung war, dass man in den Klassen sehr gut aufgenommen worden ist. Die Dozenten sind sehr interessiert daran, mehr über einen zu erfahren und bieten einem auch ihre Hilfe an, damit man einen guten Start in das Unileben oder auch in der Stadt hat. Die anderen Studenten sind auch immer sehr freundlich zu einem, allerdings haben sich, zumindest in meinen Kursen, trotzdem eher die Austauschstudenten in Gruppen zusammengefunden, während die kolumbianischen Studenten unter sich blieben. Den Kontakt zu den kolumbianischen Studenten erhält man am ehesten durch die Anfiltronen. Das sind Studenten, die das International Office in den ersten Tagen unterstützen und auch als Ansprechpartner das ganze Semester über dienen. Die Kontakte hier sind goldwert, weil man hier von Anfang an gleich Personen hat, die die Stadt am besten kennen und man auch gleich die Sprache üben kann.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Das ist ein Thema, mit dem ich vor allem am Anfang sehr zu kämpfen hatte. Ich bin mit wirklich einfachen Spanischkenntnissen in das Land gekommen und das hat mir das Sozialisieren relativ schwer gemacht. Man läuft dabei vor allem Gefahr, sich nur noch mit anderen Austauschstudenten auf Englisch zu unterhalten und verpasst einen wichtigen Aspekt der Auslandserfahrung. Das Kennenlernen der Kultur. Ich hatte irgendwann das Glück Kolumbianer kennenzulernen, die mich gut in die Gruppe aufgenommen haben und mit denen ich meine Sprachkenntnisse sehr schnell verbessern konnte. Ich kann es jedem nur ans Herz legen, auch trotz Sprachbarriere den Kontakt zu anderen Kolumbianern zu suchen. Anfangs ist es vielleicht unangenehm, aber am Ende wird man sich dankbar dafür sein, es versucht zu haben. Und mit Englisch kommt man in diesem Land wirklich nicht weit. 

Wohn- und Lebenssituation

Der Unterricht selbst unterscheidet sich von dem, was man aus Deutschland kennt. Zumindest in meinem Studiengang bin ich es gewohnt, dass die Vorlesungen meist tiefes theoretisches Wissen vermitteln und man am Ende des Semesters intensiv für die Prüfung lernt. Die Kurse in Kolumbien waren da deutlich anders. Das vermittelte Wissen ist meistens nicht so tief, dafür wird sehr viel Wert auf die praktische Anwendung gelegt. Viele Zwischenpräsentationen, ein begleitendes Projekt und Übungsaufgaben sorgen dafür, dass man während dem Semester gut beschäftigt ist. Dafür fällt der Prüfungsstress am Ende des Semesters weg. Im Unterricht selbst haben wir meistens gemeinsam die Übungsaufgaben besprochen, während wir uns das theoretische Wissen selbständig beibringen sollten. 

Der Unicampus selbst ist wirklich einzigartig. Das Gelände ist riesig. Die Gebäude sind verziert von Graffitis. Die Studenten im alternativen Look. Überall erkennt man die rebellische, linksgerichtete Einstellung der Universität wieder. Mir persönlich hat das sehr gefallen. Leider gibt es dafür auch öfter Proteste auf dem Universitätsgelände selbst, die von vielen nicht-angehörigen “Anarchisten” genutzt werden, um gewalttätig zu werden. Molotowcocktails und Tränengas kommen hier oft zum Einsatz. Deshalb sollte man auf die Ankündigungen hören, wenn man das Gelände verlassen sollte oder keine Vorlesungen stattfinden. Diese Proteste können auch Tage andauern. 

Abgesehen davon betreiben viele Studenten eigene Stände auf der Uni. Hier wird wirklich alles angeboten. Einige verkaufen Klamotten, einige sind wie ein kleiner Kiosk und andere verkaufen zur Mittagszeit verschiedene Fast-Food-Gerichte. Meistens zum Preis von ca. 3 Euro. Die angebotenen Sachen sind meistens sehr schwer. Burger, Hot-Dogs, Enchiladas oder kolumbianische Gerichte. Man muss sich hier auf jeden Fall auf fettiges Essen einstellen. Mir persönlich hat die lokale Küche eher weniger gefallen, aber das ist natürlich Geschmackssache. Das Angebot an der Uni selbst ist aber wirklich groß und preislich wirklich einladend. Alternativ gibt es an der Calle 45, die direkt zur Uni führt, sehr viele Restaurants. Und zur Mittagszeit bieten viele Menüs mit Suppe, Hauptspeise und Getränk für manchmal nur 2 Euro an. Dazu fragt man vor Ort einfach nach “Ejecutivos”.

An der Uni selbst gibt es donnerstags die sogenannten Freud-Partys. Die sollte man auch auf jeden Fall besuchen. Studenten versammeln sich hier vor der Psychologie-Fakultät (deshalb auch der Name), spielen an jeder Ecke verschiedene Musik, manche führen etwas vor. Das Ambiente ist sehr interessant und habe ich so vorher noch nicht erlebt. Das Nachtleben in Bogotá hat allgemein sehr viel zu bieten. Im Vordergrund stehen hier Reggaeton und Technopartys. Wenn man hier ausgehen möchte, dann sollte man das Theatron besuchen. Es ist die größte Disco Südamerikas mit so vielen Dancefloors, dass man sich ständig verläuft. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass man sich noch in Kolumbien befindet. Sobald die Sonne untergeht, wird die Stadt gefährlicher. Deshalb sollte man niemals alleine oder zu Fuß unterwegs sein. Wenn es dunkel wird, dann ist ein Uber das einzige sichere Fortbewegungsmittel.

Diesen Ratschlag kann ich wirklich jedem nur ans Herz legen: Vergesst nicht das ihr in Kolumbien seid. Es ist vermutlich nicht so gefährlich, wie es sich unsere Eltern vorstellen. Aber Kriminalität ist hier viel präsenter als in Deutschland. Man sollte wissen, in welchen Gegenden man sich befindet. Nachts möglichst nicht außen sein. Nicht zu viele Wertsachen mit sich rumtragen. Und am besten ein Limit auf seiner Kreditkarte haben. Es muss nicht unbedingt etwas passieren, aber man hat öfter in seinem Umfeld mitbekommen, dass Personen ausgeraubt wurden und es ist besser vorbereitet zu sein als nur zu hoffen, dass es einem nicht passieren wird. Ich kannte Leute, die haben gelebt, als würden sie hier wohnen und ihnen ist nichts passiert und wiederum andere waren immer vorsichtig und sind trotzdem ausgeraubt worden. Falls es passiert, sollte man nicht viel widersprechen. Einfach den Umstand akzeptieren und geben, was man hat. Das ist der sicherste Weg. In Bogotá selbst habe ich die meisten dieser Geschichten beim Monserrate, einem Berggipfel über der Stadt, gehört. Das ist der touristischste Ort der Stadt und vermutlich deshalb auch eine Anlaufstelle für viele Kriminelle. Ich bin mit der Seilbahn nach oben gefahren. Es soll aber auch einen Wanderweg geben, an dem öfter Touristen ausgeraubt werden.

Die Stadt selbst bietet nicht viele touristische Sehenswürdigkeiten. Das Land zu bereisen ist dafür umso schöner. Es gab so viele Orte, die ich besucht habe und es gibt umso mehr Orte, zu denen ich es nicht geschafft habe zu reisen. Das Land ist so vielfältig. Die Menschen, die Kultur, die Natur. Jede Region ist extrem einzigartig und ich denke, man könnte Jahre verbringen, das Land komplett kennenzulernen. Zu meinen Highlights zählen hier die Tatacoa-Wüste, Cali, Leticia im Amazonas und die Pazifikküste. Die meisten dieser Orte sind nur mit dem Flugzeug erreichbar. Für Reisen, die weniger als 12 Stunden dauerten, habe ich den Bus genommen. Dafür gibt es in der Stadt mehrere Busterminals. Die Tickets lassen sich vor Ort oder auch über verschiedene Apps wie PinBus kaufen. Man sollte sich für die Fahrten warme Sachen mitnehmen, weil die Busfahrer die Klimaanlage auf voller Stufe laufen lassen und die Fahrt deshalb sehr kalt werden kann. 

Ich habe mich bereits nach kurzer Zeit dazu entschlossen meinen Aufenthalt um noch ein weiteres Semester zu verlängern. Zum einen weil mein Spanisch sich langsam verbessert hatte und ich meine Kenntnisse noch weiter ausbauen wollte und zum anderen weil ich mich in diesem Land wirklich sehr wohl gefühlt habe und ich einfach noch nicht wieder nach Deutschland zurück wollte. Außerdem gab es noch so viele Orte, die ich besuchen wollte. Falls es jemandem genauso gehen sollte, dann reicht ein Besuch beim International Office vor Ort und dort wird einem der gesamte Prozess erklärt. Man sollte sich aber spätestens zwei Monate nach seiner Ankunft schon darum kümmern. Weil ich Bogotá schon kannte, wollte ich das nächste Semester an der gleichen Universität in Medellin verbringen. Auch das ist auf Nachfrage möglich. 

Das Leben in Medellin unterscheidet sich von dem in Bogotá komplett. Das Wetter ist viel besser. Die Leute sind offener. Und auch die Ausstattung der Universität wirkt viel gehobener, als man es von Bogotá kannte. Diese Stadt ist auch die schönste und fortschrittlichste Stadt Kolumbiens. Man sollte sich aber darauf einstellen, dass die Lebenshaltungskosten höher sind als in Bogotá, weil Medellin ein Hotspot für Touristen aus den USA ist. Während dieser Zeit habe ich auch in einem Haus mit ca. 13 anderen Leuten gewohnt, welches ich auf getvico.com gefunden habe. Hier haben auch die meisten anderen Studenten ihre Unterkünfte gebucht. 

Rückblick

Abschließend kann ich sagen, dass das Jahr in Kolumbien für mich zu den schönsten und intensivsten in meinem Leben gezählt hat und ich wirklich jedem raten kann, diese Erfahrung zu machen. Lasst euch nicht von den Sicherheitsbedenken abschrecken. Benutzt einfach stets euren gesunden Menschenverstand. Kommt aus euch raus, reist viel, lernt die Kultur kennen. Die Kolumbianer sind eine wirklich warme Nation und man kann für sein Leben viel von ihnen lernen. Ich bin sicher, ihr werdet eine Zeit erleben, an die ihr euch für immer gerne zurückerinnern werdet. 


Kolumbien

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