Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Nachdem ich für den Platz an der Universität Genua nominiert wurde, nahm ich an den Zoom-Meetings für die Vorbereitung auf das Auslandssemester statt, die von Erasmus-Outgoing angeboten wurden. Auf der Website der Universität Genua fand ich alle Informationen für die endgültige Bewerbung (https://www.studenti.unige.it/areaint/foreignstudents/erasmus/english/) und konnte mich außerdem bei Fragen an meine sehr kompetente und hilfsbereite Erasmus-Koordinatorin in Italien wenden. Nach der Nominierung muss man sich noch einmal gesondert bei der Universität Genua bewerben, wofür es ein vorgefertigtes Formular gibt, in dem man seine Daten eintragen musste und welches dann per Mail an das International Office in Potsdam weiterzuleiten war und von dort nach Genua geschickt wurde (https://servizionline.unige.it/studenti/applicationform). Ungefähr zwei Wochen danach erhielt ich eine E-Mail mit der Bestätigung meines Aufenthalts von der Universität Genua.


Studienfach: Internationale Beziehungen und Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2021 - 01/2022

Gastuniversität: Università di Genova

Gastland: Italien

Im Juni bekam ich die Informationen für die Kurse, die ich wählen konnte und in meinem Learning Agreement anzugeben hatte. Dies gestaltete sich zunächst ein wenig schwierig, da die Website der Universität nicht direkt erkennen ließ, welche Kurse für mich wählbar waren. Nach erneuter Nachfrage an meine Erasmus-Koordinatorin erhielt ich dann eine gute Übersicht und konnte meine Kurse wählen. Wichtig ist es, sich so schnell wie möglich nach der Ankunft oder am besten schon vorher um den so genannten codice fiscale zu kümmern. Dabei handelt es sich um die italienische Steueridentifikationsnummer, die vor allem für die Miete von Wohnungen, aber auch für beispielweise WLAN-oder Handyverträge ist wichtig ist. Die meisten Vermieter*innen sind bereit ein paar Wochen zu warten, man muss den codice fiscale aber definitiv einreichen. Zu Beginn des Semesters bietet die Universität Infostände im Hauptgebäude (Via Balbi 5) an, an denen man diesen codice fiscale beantragen kann und dann nach ca. zehn Tagen per Mail erhält. Anderenfalls kann man sich für die Beantragung auch an das SASS-Büro wenden (https://www.studenti.unige.it/orientamento/rilascio-del-codice-fiscale/).

Studium an der Gastuniversität

Sowohl die Erasmus-Koordinatorin als auch die meisten Professor*innen und Verwaltungsbüros waren sehr gut per E-Mail erreichbar und antworteten auch sehr schnell auf Fragen. Bei all meinen Vorlesungen gab es die Möglichkeit selbst zu entscheiden, ob man die Vorlesung im Hörsaal oder als Livestream über Teams von zuhause hören wollte. Die technische Ausstattung der Hörsäle dafür war sehr gut und ermöglichte eine problemlose Live-Übertragung. Die Leistungsbewertung war vor allem an der juristischen Fakultät eher anspruchsvoll, an beiden Fakultäten (Politikwissenschaften & Rechtswissenschaften) aber auch sehr fair. Mit einem B1-Sprachlevel war es dennoch sehr schwierig, die italienischen Vorlesungen zu hören, weshalb ich nach einer Woche zu englischen Kursen gewechselt bin.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Der Kontakt zu ausländischen Studierenden ließ sich dank der vielen Erasmus-Events sehr schnell herstellen. Es gab WhatsApp-und Facebook-Gruppen, in denen Events angekündigt wurden. Vor allem in den ersten vier Wochen gab es nahezu jeden Tag ein Event, um die anderen Erasmus Student*innen kennenzulernen, was vor allem für den Anfang eine enorme Hilfe war (https://genova.esn.it). Eine Überraschung war für mich die enorm hohe Anzahl an spanischen Austauschstudierenden, die über die Hälft der Großgruppe ausmachten. Diese waren von Anfang an sehr abgeschottet und hatten nahezu kein Interesse an Kontakt zu Studierenden, die nicht aus Spanien kamen. Dadurch, dass die Vorlesungen auch immer live über Teams gehört werden konnten, kamen nicht vielen Studierende zu den Vorlesungen, diejenigen die kamen, waren aber offen für Fragen und sehr nett.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Zu Beginn meines Aufenthalts absolvierte ich den OLS-Sprachtest und bekam das Ergebnis B1. Von der Universität in Genua erhielten wir eine E-Mail mit einem Formular, in welchem wir unser Sprachlevel für die kommenden Sprachkurse angeben sollten. Daraufhin erhielten wir den Link zu einem Selbst-Lern-Kurs online, der jedoch nicht besonders lehrreich war. Anfang Oktober gab es einen online Einstufungstests für die Sprachkurse, die leider nur über Teams stattfanden. Diese Kurse begannen erst Ende November und gingen bis Mitte Januar und fanden viermal die Woche à zwei Stunden statt. Leider gab es kein Lehrbuch oder vergleichbare Unterlagen, der Unterricht fand also ausschließlich mündlich über Teams statt. Die Uni-Sprachkurse in Deutschland sind dadurch, dass sie über einen längeren Zeitraum gehen und mit mehr uns besserem Material arbeiten sehr viel angenehmer zum Lernen. Zudem war Ende November für den Beginn des Sprachkurses definitiv zu spät, um das Gelernte noch wirklich anwenden und dadurch verinnerlichen zu können. Sollte man ohne Vorkenntnisse in Italienisch anreisen, empfiehlt es sich, einen externen Sprachkurs vor Ort zu machen, um vor allem am Anfang die notwendigsten Vokabeln und Phrasen für den alltäglichen Gebrauch zu lernen. Hätte ich vorher gewusst, dass die Kurse schlecht organisiert sind, hätte ich mich wahrscheinlich noch vorher um einen privaten Kurs gekümmert.

Wohn- und Lebenssituation

Meine Unterkunft wurde mir von einer Bekannten empfohlen, die ebenfalls ein Erasmus-Semester in Genau verbracht hatte. Es handelte sich um eine WG mit 4 anderen Erasmus-Studentinnen, einer Irin und drei Spanierinnen. Ich habe mich um den Mietvertrag ungefähr 1,5 Monate im Voraus gekümmert und bin bereits zwei Wochen vor dem Start meines Aufenthaltsnach Genua geflogen, um mir die Wohnung anzuschauen und den Mietvertrag zu unterschreiben. Für die Miete musste ich die gesamten 390,00€ der Erasmus-Förderung nutzen und noch ein wenig etwas dazuzahlen. Generell liegt der Durchschnittspreis für ein möbliertes WG-Zimmerin Genua zwischen 350,00€ und 400,00€. Meine Wohnung befand sich im Stadtteil Molo in der Nähe des Porto Antico. Von der Uni aus wurde diese Gegend als „Red Zone“ markiert, in der es gefährlich sei und man deshalb dort nicht wohnen solle. Aus eigener Erfahrung kann ich nun sagen, dass ich dieser Wertung nicht wirklich zustimmen kann. Vor allem in der Altstadt sind viele kleine und abends schlecht beleuchtete Gassen zu finden, die man als Tourist*in eher nicht betritt und die deshalb einen gruseligen Eindruck hinterlassen können, sie sind jedoch auch vergleichbar mit den Gassen Venedigs. Leider lässt sich das Catcalling auf den Straßen nicht leugnen, ich habe es dort aber nicht stärker empfunden als in Berlin. Die Altstadt ist jedoch vor allem geprägt von unzähligen netten Bars, Cafés und Restaurants, die insbesondere abends aufblühen und die kleinen Straßen mit Leben füllen. Deshalb kann ich alles in allem trotzdem empfehlen, dort zu wohnen. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind sehr gut organisiert, verlässlich und im Vergleich zu Berliner Preisen auch sehr günstig. Das einfache Ticket kostet 1,50€ und ist für 100 Minuten gültig, die Wochenkarte kostet 17,00€ und das Monatsticket 46,00€ (https://www.amt.genova.it/amt/biglietti-e-abbonamenti/abbonamenti/). Die äußeren Stadtteile, die über die öffentlichen Strände verfügen, lassen sich sehr gut mit den Regionalzügen von Trenitalia erreichen. Auch diese Tickets sind sehr günstig, eine einfache Fahrtkostet 1,30€ (https://www.trenitalia.com/it.html). Auch die Taxen sind günstig und schnell erreichbar und lassen sich entweder über die „itTaxi“-App oder per Telefon buchen. Innerhalb der Altstadt lässt sich grundsätzlich alles fußläufig erreichen, weshalb man nicht unbedingt auf ein Wochen- oder Monatsticket angewiesen ist, wenn man in diesem Teil der Stadt wohnt und sich die eigene Fakultät ebenfalls dort befindet. Im Stadtzentrum gibt es viele Bankfilialen und -automaten, an denen man Geld abheben kann. Wenn man keinen Kreditkartentarif hat, der ein Abheben ohne Gebühr ermöglicht, muss man dafür jedes Mal rund 5,00€ zahlen. Ansonsten kann man ohne Probleme nahezu überall mit Karte zahlen, wobei egal ist, ob es sich um eine Kredit-oder EC-Karte handelt. Trotzdem würde ich empfehlen, mit Kreditkarte anzureisen, da man sie vor allem für das Kaufen von Bus-und Zugtickets über die entsprechenden Apps benötigt. Innerhalb des Stadtzentrums gibt es hauptsächlich Carrefour Express oder Coop, die beide etwas teurer, in Deutschland vergleichbar mit EDEKA oder Rewe sind. Dadurch waren die Lebenshaltungskosten im Bezug auf Lebensmittelfür mich in Genua höher als in Berlin. Die ESN Genua Gruppe organisierte viele Events, wie zum Beispiel Stadtführungen, Ausflüge nach Rom, Pisa und Florenz, Fußballturniere und natürlich Partys. Wenn man einmal einen Tag für sich brauchte, konnte man sehr schnell mit dem Bus oder dem Regionalzug an die nahegelegenen Strände in Boccadasse, Quinto al Mare oder Nervi fahren. Dort konnte man noch bis Ende Oktober in der Sonne liegen und im Meer schwimmen. Genua hat außerdem den Vorteil, dass viele sehenswerte Städte wie Mailand, Turin, Pisa, Portofino und natürlich die Cinque Terre in der Nähe sind. Auch diese Städte sind sehr gut mit den Trenitalia Zügen zu erreichen. Es lohnt sich, sich für die CartaFreccia, die Bonuskarte, zu registrieren, da man damit, soweit man 10 Tage vorher bucht, Rabatte auf die Tickets bekommen kann (https://www.trenitalia.com/it/cartafreccia/programma_cartafreccia.html).

Studienfach: Internationale Beziehungen und Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 09/2021 - 01/2022

Gastuniversität: Università di Genova

Gastland: Italien


Rückblick

Insgesamt habe ich eine großartige Zeit in Genua verbracht und die Stadt ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ich würde immer empfehlen, im Wintersemester nach Genua zu reisen, da man so in der noch entspannten Anfangsphase des Semesters das gute Wetter und die Strände genießen kann und der Winter dann in die Klausurenphase fällt. Alle Studierenden sollten außerdem die Möglichkeit nutzen, die vielen Städte im Umkreis von Genua zu besichtigen, da man von dort sehr leicht Norditalien bereisen kann.

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