Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Wahl für den Ort meines Erasmus-Austausches fiel schnell auf Bologna. Obwohl ich die Stadt zuvor noch nie besucht hatte und Bologna auch in meinem Umkreis unter Freund*innen oder Familie eher unbeachtet geblieben war, sprach einiges für die italienische Stadt, die charakteristisch für ihre Arkaden ist. Und ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil: mit wenigen vorgefertigten Erwartungen begann ich meinen Austausch und kehre nun zurück nach Hause mit einer großen und nicht abnehmenden Zuneigung für die italienische Kultur, das Essen und für die Tatsache, dass ich noch nie einen so sonnigen Januar erleben durfte. Meine Sprachkompetenz vor dem Austausch lag ungefähr bei A2 – im ersten Lockdown 2020 hatte ich eher nebenbei angefangen, über Apps wie Duolingo und Babbel Italienisch zu lernen. Darauf folgten verschiedene A1-Kurse an der Volkshochschule. Mein Ziel war eigentlich, mindestens mit einem B1-Level in Italien anzukommen, was ich auch jeder Person empfehlen würde. Zwar ist es nicht notwendig, es hätte mir aber wahrscheinlich geholfen, schnelleren Kontakt zu Einheimischen knüpfen zu können. Einige Italiener*innen sprechen sehr gutes Englisch (besonders die Master-Studierenden, die auf Englisch studieren), bei vielen Kontakten stand zunächst aber die Sprachbarriere etwas im Weg.


Studienfach: Lehramt Deutsch und Politische Bildung

Aufenthaltsdauer: 09/2021 - 02/2022

Gastuniversität: Università di Bologna

Gastland: Italien

Studium an der Gastuniversität

Im Universitätskontext benötigte ich die italienische Sprache jedoch kaum – abgesehen von Emails und organisatorischen Informationen. Die Professor*innen meiner Kurse sprachen nur Englisch und die Studierenden untereinander führten dies, sogar in der Whatsapp-Kommunikation, fort. Meine Kurswahl gestaltete sich ebenfalls ohne Probleme. Ich richtete mich nach dem Kursangebot des letzten Jahres und fand verschiedene Kurse, die sich mit meinem Studium verbinden ließen und die ich mir anrechnen lassen konnte. Für meinen Studiengang Politische Bildung wählte ich Kurse aus dem International Relations Master, welcher auf Englisch angeboten wird. Sogar im Fach Deutsch konnte ich mir einen Kurs anrechnen lassen, der hauptsächlich in deutscher Sprache stattfand und sich mit Nachkriegsliteratur und dem Erinnerungsdiskurs beschäftigte. Insgesamt bot die UniBo eine große Auswahl an Kursen an und machte keine Vorgaben in der Auswahl. Bei Ankunft musste ich mein Learning Agreement allerdings nochmal fast komplett erneuern, da es viele zeitliche Überschneidungen meiner Kurse gab. Das lag vor allem daran, dass die Kurse in einem sehr komprimierten Zeitraum von Ende September bis Ende November stattfanden, dafür aber auch zwei- bis dreimal wöchentlich besucht werden mussten. Die Umstellung des Learning Agreements war jedoch kein Problem und wurde sofort von beiden Universitäten bestätigt. Bei der Anrechnung der Kurse ist zu beachten, dass die Seminare in Bologna meist 8 bis 10 ETCS (zumindest in den Studiengängen, die ich studiert habe) geben. In Bologna habe ich damit, da ich noch einen Italienisch-Kurs belegt habe, 31 ETCS belegt, konnte mir aber nur 18 ETCS an der Universität anrechnen lassen. Da mir dies im Vorhinein bereits bewusst war, habe ich dafür die beiden Semester vor meinem Austausch ein paar Kurse zusätzlich belegt und vorgeschoben. Der Umgang mit den Mitstudierenden war sehr einladend und offen. Man wurde direkt in die Kreise aufgenommen und hatte keinerlei Schwierigkeiten, Anschluss zu finden. Durch die Covid-19 Pandemie wurde von der Universität Bologna ein hybrides System angeboten, in dem man sich immer (auch spontan) dazu entscheiden konnte, ob man das Seminar vor Ort besuchen möchte oder ob man gleichzeitig online teilnimmt, was durch eine gute technische Ausstattung in allen Räumen der Universität ermöglicht wurde. Dies schuf eine große Flexibilität und war eine gute Möglichkeit zum eigenverantwortlichen Studieren.

Wohn- und Lebenssituation

Die Wohnsituation wollte ich möglichst stressfrei und schnell regeln, wodurch ich bereits Mitte Juni nach Zimmern Ausschau hielt. Vor allem hatte ich etwas Respekt vor dem Mieten von WG-Zimmern über Facebook oder ähnlichen Seiten, weswegen ich mich aufgrund eines Vorschlags einer Bekannten bei DoveVivo nach einem Zimmer umschaute. Die Zimmer, welche die Agentur anbietet, liegen fast alle sehr zentral (wobei man sagen muss, dass innerhalb der Mauern, also im Centro Storico, eigentlich alles zentral ist), sind aber auch preisintensiv. Dafür sind sie eher auf den Standard von Erasmus-Studierenden ausgerichtet und beinhalten ein 1,40m Bett und genug Platz und Privatsphäre im jeweiligen Zimmer. Zu beachten ist zudem, dass eine Bezahlung für die Agentur noch dazu kommt. Für die sechs Monate war ich mit meiner Wahl trotzdem sehr zufrieden, was aber vor allem an meinen WG-Mitbewohner*innen lag, mit denen ich großes Glück hatte. Jedoch haben viele meiner Freund*innen in Bologna ihre Zimmer auch über andere Wege gefunden, wodurch sie weniger gezahlt und auch mehr mit Italiener*innen zusammengewohnt haben. Für das nächste Mal würde ich daher auch eher einen anderen Weg einschlagen. Für meine ganze Zeit in Bologna habe ich weder öffentliche Verkehrsmittel noch andere Fortbewegungsmittel genutzt/nutzen müssen. Da ich sonst die langen Anfahrtswege aus Berlin gewohnt bin, bin ich alle Wege zu Fuß gegangen, wobei selbst „weitere“ Wege zu Clubs oder den Hügeln außerhalb der Stadt nur 30 Minuten in Anspruch nahmen. Als Studierender der UniBo kann man sich allerdings ein Busticket für ein Jahr besorgen, welches einmalig nur 10€ kostet. Die Lebenshaltungskosten sind insgesamt geringer als in Berlin/Potsdam. Essen gehen und besonders Spritz und Aperitivo sind günstiger und gehören zum Alltag dazu. Die Supermarktpreise (z.B. bei Conad, Coop, Pam) sind in der Stadt teurer. Möchte man diesbezüglich etwas sparen, gibt es einen Aldi, der zentral in der Stadt liegt oder Lidl etwas außerhalb. Zu den Freizeitangeboten: Da Bologna eine sehr junge Stadt mit vielen Studierenden ist, gibt es an jeder Ecke irgendetwas zu entdecken. Die Stadt ist immer lebendig und vor allem in den nächtlichen Stunden sind die Plätze und Straßen überfüllt und voller Stimmung. Das Leben spielt sich hauptsächlich draußen ab, das heißt, man sitzt vor Bars, auf Plätzen, im Park und ähnliches. Obwohl es vor allem im Winter zu Einschränkungen aufgrund von Covid-19 kam (dazu gehörte insbesondere Maske tragen in der ganzen Stadt), waren diese nicht großartig spürbar, da Bars und Restaurants trotzdem geöffnet blieben und Heizpilze und das relativ milde Klima das viele Draußen-Sitzen auch im Winter gemütlich gestaltete. Das milde Klima bedeutet aber nicht, dass der ungemütliche, graue Winter an einem vorbeigegangen ist – vor allem der November und Dezember waren kalt, dafür endete der Sommer aber später und der Frühling begann schon (gefühlt) Mitte Januar.

Studienfach: Lehramt Deutsch und Politische Bildung

Aufenthaltsdauer: 09/2021 - 02/2022

Gastuniversität: Università di Bologna

Gastland: Italien


Rückblick

Insgesamt würde ich Bologna als Stadt für das Auslandssemester jeder Person empfehlen und würde mich auch im Nachhinein immer wieder erneut dafür entscheiden. Italienischkenntnisse sind von großem Vorteil, vor allem, um Teil der Stadt zu werden und sich zugehörig zum italienischen Leben zu fühlen. Außerdem ist Bologna ein super Ausgangspunkt zum Reisen – Schnellzüge (von italo oder trenitalia) bringen einen durch das ganze Land und mit einigen Rabattaktionen kann das rechtzeitig gebucht sehr günstig sein. Auch Verbindungen mit dem Zug nach Deutschland sind zu empfehlen, da einen der IC durch wunderschöne Landschaften bis nach München bringt. Natürlich spielt auch die UniBo eine große Rolle für den positiven Rückblick, da sowohl das Kursangebot als auch Professor*innen und Lehrkräfte sehr für sich sprachen.

Italien

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