Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Aufgrund meines israelischen Vaters, meinen Studienfächern Religionswissenschaft und Jüdische Studien sowie einem bereits verbrachten Jahr in Tel Aviv, kam für mich lediglich Israel bzw. Jerusalem als Zielaufenthalt für ein Auslandssemester in Frage. Nach dem arbeitsintensiven Bewerbungsprozess mit dem International Office in Potsdam wurde mir zunächst leider eine Absage erteilt. Aufgrund einer Absage eines Studierenden durfte ich dann aber glücklicherweise nachrücken und die Online-Bewerbung an der Hebräischen Universität begann. Hierfür mussten noch weitere Dokumente beschafft werden: ein ärztliches Attest und ein weiteres akademisches Gutachten. Weiter muss man auch eine Krankenversicherung über die Hebrew University abschließen und hat keine Möglichkeit, eine private Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Dies könnte aber auch den besonderen Umständen der Corona-Pandemie geschuldet sein. Insgesamt lief der Bewerbungsprozess sowohl in Potsdam als auch in Jerusalem problemlos und transparent ab und und bei Fragen wurde einem stets schnell und freundlich geholfen. Da ich einen israelischen Pass besitze, war die Beschaffung eines Visas für mich nicht vonnöten.


Studienfach: Religionswissenschaft/Jüdische Studien

Aufenthaltsdauer: 08/2021 - 01/2022

Gastuniversität: Hebrew University of Jerusalem

Gastland: Israel

Studium an der Gastuniversität

Nach drei coronageplagten Onlinesemestern in Potsdam war es toll, endlich wieder auf einen Campus kommen zu können. An der in Israel obligatorischen Sicherheitskontrolle in öffentlichen Einrichtungen wurden bei jedem Einlass in der Universität auch der Impf- oder Testnachweis kontrolliert. Innerhalb der Gebäude und Räume galt zwar ausnahmslos Maskenpflicht, kontrolliert und eingehalten wurde das Ganze jedoch zugegebenermaßen eher nachlässig. Doch diese Einstellung ist aufs ganze Land übertragbar, wo Regeln von der breiten Öffentlichkeit häufig eher als Empfehlungen und nicht als unbedingt zwingend wahrgenommen werden. Bei der Zusammenstellung des Stundenplans hilft ein persönlicher Supervisor, der auch für jegliche andere Fragen als Ansprechpartner fungiert. Neben Hebräisch- und Arabischkursen belegte ich noch einen Kurs über die Geschichte des Staates Israels, mit dem wir auch einen lehrreichen Studienausflug zum Mount Herzl machten. Die angebotenen Kurse an der Rothberg International School konzentrieren sich mehrheitlich darauf Inhalte über die Kulturen und Religionen, die Geschichte und die Politik des Landes zu vermitteln. Das Niveau ist zwar gefühlt auf dem selben Level wie in Potsdam, doch der Workload/Arbeitsaufwand mit sogenannten Mid-terms und wöchentlichen Abgaben war deutlich höher. Auch gibt es die Möglichkeit, Kurse an den eigentlichen Fakultäten zu besuchen, falls diese auf Englisch angeboten werden. Da für mich persönlich jedoch das Angebot der Rothberg School fachlich eindeutig zu meinen Studienfächern passte, entschied ich mich gegen diese Möglichkeit.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Alle Studierenden, die an einem Studienaustausch teilnehmen, sind an der Rothberg International School untergebracht. Diese liegt ein wenig isoliert vom restlichen Campus, weshalb direkte Begegnungen mit einheimischen Studierenden eher selten sind. Wenn man keine Fakultätskurse besucht, an denen auch einheimische Studierende teilnehmen, lohnt es sich daher, beispielsweise verschiedene Cafeterien zu besuchen, die große Hauptbibliothek zu benutzen oder allgemein die Pausen an verschiedenen Orten auf dem großen und allgemein sehr geschichtsträchtigen Campus zu verbringen. Im Gegenzug kommt man mit ausländischen Studierenden in den gemeinsamen Seminaren und im eigenen Gebäude dafür natürlich sehr schnell in Kontakt.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Vor dem Auslandsaufenthalt habe ich im Rahmen meiner Fächerkombination (Religionswissenschaft/Jüdische Studien) die Kurse Modernhebräisch und Biblisches Hebräisch absolviert, in den Semesterferien eigenständig meinen Wortschatz vergrößert und mich mit einem Tandempartner getroffen. Vor Ort wollte ich meine Hebräischkenntnisse selbstverständlich noch weiter vertiefen. Daher kam ich bereits einen Monat früher nach Israel, um am Pre-Semester Ulpan teilzunehmen. Dieser ist im Abkommen zwischen den zwei Universitäten leider nicht enthalten und muss aus eigener Tasche gezahlt werden (ca. 1300 €). Beim Einstufungstest wurde ich ins Level Gimmel eingestuft. Aufgrund mangelnder Anzahl von Studenten auf dem selben Level, wurde auf diesem Level leider kein Kurs angeboten. Da das Level Bet zu unterfordernd sei, wurden wir dem Level Dalet zugeordnet. Die Anpassung ans Niveau und Tempo dieses Levels war ziemlich herausfordernd und arbeitsintensiv. Glücklicherweise vermitteln die Kurse Modernhebräisch und Biblisches Hebräisch der Universität Potsdam zusammengenommen zwar die Morphologie aller Verbstämme, doch der gelernte Wortschatz war noch zu klein und auch das Sprech- und Hörverständnis wies Mängel auf. Zur Unterstützung bat man uns Gimmel-Studierenden aber noch zusätzliche Aufbaustunden auf Gimmel-Niveau an, welche sehr hilfreich waren. Zu Beginn sehr überwältigend, aber langfristig sehr effektiv ist die besondere Lehrmethode eines israelischen Ulpans, denn es wird grundsätzlich nur auf Hebräisch gesprochen und gelehrt. Diese Faktoren, zusätzlich zu der offensichtlichen Tatsache mit der Sprache vor Ort ständig konfrontiert zu sein, ließen den Lernprozess steil ansteigen und am Ende des Pre-Semester Ulpans waren die Anpassungsschwierigkeiten weitestgehend überwunden und wir konnten während des Semesters selbstbewusst mit dem zweiten Abschnitt des Levels Dalet fortfahren. Anhand von zeitgemäßen Themen aus Politik, Kultur und Wissenschaft wurden sowohl grammatische Inhalte vermittelt, als auch der Wortschatz extrem erweitert. Lediglich das Sprechen kam leider ein bisschen zu kurz. Dennoch waren danach alltägliche Gespräche ohne Probleme möglich und auch das Werkzeug für thematisch tiefere Gespräche war im großen Umfang gegeben. Die Lehrer hatten eine extrem offene und humorvolle Art und sorgten damit dafür, dass das Klassenklima sehr familiär und lernförderlich war. Zusätzlich zu Hebräisch besuchte ich noch einen Einführungskurs für Arabisch, der sich auf den gesprochenen Dialekt vor Ort und das Lernen des arabischen Alphabets konzentrierte.

Wohn- und Lebenssituation

Durch israelische Freunde vor Ort habe ich sehr schnell eine Möglichkeit zur Untermiete in einer WG in der Stadtmitte gefunden. Im allgemeinen funktioniert der WG-Markt aber über diverse Facebook-Gruppen, in denen jedoch eher kurzfristig Angebote veröffentlicht werden. Da die Israelis sehr gerne mit ihren Kreditkarten zahlen, ganz egal wie niedrig der Betrag ist, reicht eine Kreditkarte völlig aus, um fast immer und überall problemlos zu bezahlen, selbst beim kleinen Kiosk um die Ecke. Die Lebenshaltungskosten in Israel sind bekannterweise sehr hoch. Lediglich der öffentliche Verkehr und Früchte und Gemüse sind günstiger als in Deutschland. Um Geld zu sparen, sollte man auf geliebte Produkte aus einem deutschen Supermarkt also lieber verzichten und auf dem Markt einkaufen.Zwar ist auch Jerusalem teuerer als Berlin oder Potsdam, aber immerhin noch etwas günstiger als Tel Aviv was Miete, Restaurants und ähnliches angeht.

Studienfach: Religionswissenschaft/Jüdische Studien

Aufenthaltsdauer: 08/2021 - 01/2022

Gastuniversität: Hebrew University of Jerusalem

Gastland: Israel


Rückblick

Aufgrund meiner persönlichen Biographie war der Aufenthalt für mich natürlich mit anderen Zielen und Erwartungen verbunden als für einen regulären Austauschstudierenden. Deshalb fiel es mir ein bisschen schwer, in diesem Erfahrungsbericht auf allgemeiner Dinge einzugehen, welche für interessierte Studierende von Bedeutung sein könnten, für mich aber schon selbstverständlich sind. Doch gerade durch dieses Vorwissen konnte ich durch den Aufenthalt noch einmal deutlich tiefer in die Sprache, Kultur und Politik des Landes eintauchen, weshalb für mich der Austausch einen prägenden Lebensabschnitt darstellt. Weiter war auch die Begegnung mit einem anderen akademischen System und der fachliche Dialog mit den Studenten in meinem israelischen Freundeskreis sehr wertvoll. Hier musste ich meine Privilegien und politischen Ansichten als Student aus Deutschland immer wieder in Frage stellen.

Israel

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