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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Informationen zum Erasmus+ Programm habe ich über die Website der Universität Potsdam sowie über das International Office erhalten. Die organisatorische Vorbereitung auf das Auslandssemester war insgesamt gut strukturiert.

Die größte Herausforderung, die sich bereits vor Beginn des Aufenthalts gestellt hat, war die Suche nach einer geeigneten Unterkunft. Die Maynooth University verfügt nur über sehr wenige On-Campus-Unterkünfte und weist internationale Studierende frühzeitig darauf hin, sich eigenständig eine Unterkunft außerhalb des Campus zu suchen. Das bedeutet, dass die meisten Studierenden gezwungen sind, über Plattformen wie das MU StudentPad oder über Wohnungs- und Facebookforen nach einer Unterkunft zu suchen. Häufig handelt es sich dabei entweder um WGs oder, was deutlich verbreiteter ist, um family owned houses. Bei Letzterem wird meist ein Einzelzimmer in einem von einer Familie bewohnten Haus gemietet, mit welcher man sich dann ggf. auch Gemeinschaftsräume wie Badezimmer und Küche teilt.
Aufgrund der aktuellen Housing Crisis in Irland ist die Wohnungssuche extrem schwierig. Viele irische Studierende wohnen bei ihren Eltern und mieten zusätzlich eine Fünf-Tage-Unterkunft in der Nähe ihrer Universität, um am Wochenende nach Hause zu fahren. Dadurch ist das Angebot für internationale Studierende zusätzlich eingeschränkt. Hinzu kommt, dass Mietverträge oder Rental Agreements in Irland eher unüblich sind und häufig von den Vermietern abgelehnt werden. Ich habe von mehreren internationalen Studierenden gehört, dass sie trotz Vorsicht gescammt wurden.

Auch meine eigene Unterkunftssuche war mit Unsicherheiten verbunden. Nachdem meine Gastfamilie zunächst sehr skeptisch war und ein Rental Agreement ablehnte, musste ich letztlich ein gewisses Risiko eingehen und die geforderte Kaution ohne formellen Mietvertrag überweisen. Glücklicherweise stellte sich dies als gute Entscheidung heraus, da meine Gastfamilie sehr herzlich und hilfsbereit war und ausschließlich im Positiven zu meinem Auslandsaufenthalt beigetragen hat. Ohne sie wäre mein Aufenthalt definitiv nicht derselbe gewesen, wofür ich sehr dankbar bin. Gleichzeitig habe ich aber auch viele andere Studierende kennengelernt, bei denen die Wohnsituation deutlich schwieriger und weniger familiär verlief.

– Maynooth University Accommodation: www.maynoothuniversity.ie/accommodation
– MU StudentPad: studentpad.ie


Studienfach: Master of Education – Sekundarstufe 1

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 12/2025

Gastuniversität: Maynooth University

Gastland: Irland

Studium an der Gastuniversität

Das Studiensystem an der Maynooth University unterscheidet sich aus meiner Erfahrung deutlich vom Studium an der Universität Potsdam. Viele Kurse sind sehr arbeitsintensiv während des Semesters, da kontinuierliche Leistungen wie Assignments, Essays, Präsentationen oder Gruppenarbeiten einen großen Teil der Endnote ausmachen. Eine klassische Abschlussklausur steht eher selten allein im Mittelpunkt. Besonders als One-Semester-International im Winter wird man von der Universität noch vor den Prüfungen im Januar nach Hause geschickt und darum gebeten statt Klausuren und Examen, Essays zu schreiben.

Das Studienklima habe ich insgesamt als offen und international empfunden. Die Dozierenden waren gut erreichbar und in der Regel sehr hilfsbereit. Auch die Betreuung durch Verwaltungsmitarbeitende und studentische Ansprechpartner funktionierte zuverlässig, insbesondere zu Beginn des Semesters. Die technische Ausstattung der Universität ist gut und die Bibliothek hat recht lange Öffnungszeiten. Zu Stoßzeiten und gegen Midterm sowie Endterm ist die Bibliothek jedoch häufig stark ausgelastet.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Der Kontakt zu anderen internationalen Studierenden ergab sich sehr schnell, vor allem während der Welcome Week und durch Erasmus-Veranstaltungen. Zu irischen Studierenden konnte ich hingegen nur wenig Kontakt aufbauen. In der Welcome Week lernt man fast ausschließlich andere internationale Studierende kennen, wodurch man häufig unter sich bleibt.

Auch im weiteren Semesterverlauf beschränkten sich die Kontakte zu Einheimischen meist auf Smalltalk, zum Beispiel in Seminaren oder Gruppenarbeiten. Das ging nicht nur mir so, sondern auch vielen meiner internationalen Freund*innen. Ich hatte den Eindruck, dass viele irische Studierende weniger an kurzfristigen Freundschaften interessiert sind, da sie dauerhaft an der Universität bleiben, während internationale Studierende nur für ein Semester dort sind. Zudem fehlten gemeinsame Aktivitäten, die gezielt Einheimische und internationale Studierende zusammengebracht hätten.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Meine Englischkenntnisse haben sich während des Auslandssemesters definitiv verbessert, da Englisch sowohl im Studium als auch im Alltag die Hauptkommunikationssprache war, insbesondere mit anderen Internationals, meiner Gastfamilie und den Dozierenden.

Zusätzlich habe ich einen Französischkurs belegt, in dem ich grundlegende Sprachkenntnisse erwerben konnte. Dieser Kurs war einer meiner besten und spaßigsten Kurse während des gesamten Semesters. Ich kann Fremdsprachkurse grundsätzlich sehr empfehlen, da man sprachlich und kulturell viel mitnimmt, ohne großen Leistungsdruck zu haben.

Wohn- und Lebenssituation

Was die Lebenshaltungskosten betrifft, war ich etwas überrascht. Obwohl mir vor dem Semester abroad bewusst war, dass Irland generell ein recht teures Land ist, habe ich nicht mit teilweise so hohen Kosten gerechnet, gerade was typische Studierendenorte angeht.

Das Mensaessen an der Maynooth University kostete etwa 8 Euro pro Mahlzeit und war für mich auf Dauer nicht bezahlbar. Im Vergleich zur Mensa der Universität Potsdam ist das Essen deutlich teurer und qualitativ nicht wirklich überzeugend. Es gab nur wenige vegetarische und vegane Optionen und die Gerichte waren häufig wenig abwechslungsreich und nicht besonders nahrhaft (oft Pommes mit Chicken
und Currysauce). Um Geld zu sparen, empfiehlt es sich daher sehr, täglich eine eigene Lunchbox mitzunehmen und Mealprepping zu machen.

Der öffentliche Nahverkehr, insbesondere was Busse angeht, ist in Irland leider ein echtes Problem. Dort gibt es das Konzept des sogenannten „vanishing bus“, also Busse, die trotz Anzeige einfach nicht kommen. Busse sind häufig unpünktlich, fahren an Haltestellen vorbei, wenn sie als „voll“ gelten oder wenn man vergisst, die Hand auszustrecken oder erscheinen erst gar nicht. Nach diesem Auslandssemester werde ich mich vermutlich nie wieder so sehr über die Deutsche Bahn beschweren.

Studienfach: Master of Education – Sekundarstufe 1

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 12/2025

Gastuniversität: Maynooth University

Gastland: Irland

Rückblick

Irland ist landschaftlich ein unglaublich schönes Land und bietet sehr viele Möglichkeiten für Ausflüge. Besonders empfehlenswert sind Tagestrips nach Galway, Cork, Kinsale oder auch nach Nordirland, zum Beispiel nach Belfast. Auch Dublin hat extrem viel zu bieten. Von kulturell-historischen Sehenswürdigkeiten bis hin zu Nightlife und Partys ist für jeden etwas dabei.

Während meines Aufenthalts habe ich viele tolle neue Leute kennengelernt und war Teil einer sehr internationalen Freundesgruppe mit Studierenden aus Spanien, Frankreich, Norwegen, Deutschland und Südkorea. Die Freundschaften, die sich dort entwickelt haben, sind wirklich besonders und ich werde nächsten Monat nach Norwegen fliegen, um alle wiederzusehen und dort gemeinsam Urlaub zu machen. Solche Verbindungen entstehen nicht alle Tage, und dafür bin ich sehr dankbar.

Erstaunlicherweise ist die wichtigste Erkenntnis, die ich aus dem Auslandssemester mitnehme, dass ich zuhause unfassbar glücklich und zufrieden bin. Ich bin sehr dankbar für meine Freunde, meine Wohnung, mein Umfeld und Potsdam im Allgemeinen. Seit meiner Rückkehr fühle ich mich insgesamt wieder wohler, „mehr ich“ und glücklicher, auch wenn sich das natürlich noch ändern kann, aber im Moment ist es meine wichtigste persönliche Erkenntnis aus dem Semester.

Trotz der Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf Unterkunft, Lebenshaltungskosten und öffentlichen Nahverkehr, war das Auslandssemester für mich eine sehr bereichernde Erfahrung. Ich habe fachlich, sprachlich und persönlich viel gelernt und bin sehr dankbar für die Erfahrungen, die ich sammeln durfte.


Irland

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