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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Nachdem ich die Zusage für das Erasmussemester von Seiten der Potsdamer Universität bekommen hatte, musste ich nicht mehr besonders viel Administratives für die University of Limerick (UL) erledigen. Mir wurde das Booklet of Modules zugeschickt, aus dem ich meine Module für das Semester vorab auswählen konnte. Auf Grundlage dessen erstellte ich mein OLA before the mobility, auch wenn dieses sich schlussendlich während des Erasmus noch einmal veränderte. Weiterhin musste ich wählen, ob ich mich als Wirtschafts- ODER Politikstudent für die Zeit an der UL einschreiben wollte, da diese Fächerkombi an der UL (zumindest für ausländische Studierende) nicht existiert. Ich entschied mich für Politik, da ich in diesem Feld noch mehr ECTS sammeln musste. Ansonsten begann dann ca. 3 Monate bevor das Semester tatsächlich startete ein E-Mail-Countdown. Das International Office der UL schickte mir jede Woche eine E-Mail mit mal mehr, mal weniger nützlichen Informationen für die Vorbereitung auf das Auslandssemester. Vor allem für die Wohnungssuche war dies besonders wichtig. Auf diese komme ich aber noch zurück. Letztlich hatte ich auch das Glück, durch Zufall zwei Iren aus Limerick hier in Potsdam kennenzulernen. Beide studieren an der UL, waren aber für ihr Erasmussemester in Potsdam. Sie gaben mir den Tipp, das Sportangebot der UL auf jeden Fall anzunehmen und über den dortigen Hochschulsport mit Leuten Kontakte zu knüpfen. Hierfür musste man vorab aber nichts erledigen, da es während der ersten zwei Wochen des Semesters großartige Möglichkeiten gab, alle verschiedenen Sportprogramme und Clubs vor Ort kennenzulernen.


Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2023 - 12/2023

Gastuniversität: University of Limerick

Gastland: Irland

Studium an der Gastuniversität

Das Studium an der UL war sehr angenehm. Das Semester startet für internationale Studierende eine Woche früher als für irische Studierende. Diese extra Woche heißt Welcome Week und war gefüllt mit Infoveranstaltungen und Aktivitäten, bei denen man Kontakte zu anderen (internationalen) Studierenden knüpfen konnte. Zu letzterem später mehr. Was die Infoveranstaltungen anging, kann ich sagen, dass diese definitiv nötig waren, da die UL ein anderes System für die Studentenadministration nutzt. Natürlich war es auch etwas stressig, sich am Anfang zu orientieren und herauszufinden, welche Dokumente man wann und wo einreichen muss und wie man sich für Kurse anmeldet und den eigenen Stundenplan erstellt. Im Großen und Ganzen war es jedoch relativ unkompliziert und machbar, auch wenn sich einige Module von meinem OLA nicht miteinander vereinbaren ließen, einfach da sie zeitgleich stattfanden. Dies konnte man vorab leider nicht einsehen, trotzdem konnte ich mir einen guten und sinnvollen Stundenplan erstellen. Die meisten meiner Module hatten einen Aufbau sehr ähnlich zu den Modulen in Potsdam: eine Vorlesung und eine Übung pro Modul und Woche. Neu für mich war, dass es teilweise benotete Hausaufgaben gab und es mehrere Abgaben über den Verlauf des ganzen Semesters gibt statt einer großen Klausur/Hausarbeit am Ende des Semesters. Was mir besonders gut gefallen hat, ist der Campus: Während die Uni Potsdam in drei Standorte geteilt ist, hat die UL alle ihre Gebäude auf einem Campus. Dementsprechend sieht man immer wieder neue Gesichter und der Campus ist generell deutlich lebendiger. Auch die Bibliothek ist top, sie ist sehr modern und die Öffnungszeiten sind super großzügig. Am Anfang des Semesters wurden verschiedene optionale Trips durch das International Office geplant, mit denen man per Bussen verschiedene Orte in ganz Irland (Cliffs of Moher, Dingle etc.) besichtigen konnte. Sie waren allerdings auch relativ teuer (Ein Tagestrip = 40€). Es war aber super schön, dass man durch solche Angebote immer wieder auch den Studentenalltag hinter sich lassen und das Land entdecken konnte.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Wie oben schon erwähnt, gab es eine Welcome Week für alle internationale Studierende. Während dieser war es super einfach neue Kontakte zu knüpfen und für mich entstanden einige sehr schöne Freundschaften mit anderen internationalen Studenten, hauptsächlich europäischen. An jedem Freitag findet im Staples, dem Campus-Pub der UL, die International Night statt, an der man sich regelmäßig treffen und mit den anderen ausländischen Studierenden feiern konnte. Kontakte zu knüpfen fiel mir also super leicht, auch wenn ich nicht in einem Wohnheim mit anderen Studenten wohnte. Dies wäre das einzige gewesen, was es noch einfacher gemacht hätte mit Leuten in Kontakt zu geraten, da oft mehrere internationale Studenten eine Wohnung teilten. Auch irische Studenten durfte ich kennenlernen: einerseits durch die oben erwähnten Sportkurse, andererseits auch durch Gruppenarbeiten in den Modulen oder das Buddy-System der UL. Während ich selber keinen Buddy hatte (da ich mich zu spät für das Programm anmeldete), hatten andere international students, mit denen ich befreundet war, einen sehr netten Buddy, der immer wieder nette Ausflüge organisierte.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Meine Englischkenntnisse waren schon vor meinem Erasmussemester ganz ordentlich – im letzten Wintersemester belegte ich einen Englischkurs der Uni Potsdam, mit dem ich dann das C1-Niveau erreichte. Trotzdem war ich gespannt, wie es wird, den gesamten Alltag auf Englisch zu bestreiten. Insgesamt ging das tatsächlich sehr gut und vor allem nach  dem ersten Monat hatte ich das Gefühl, dass mein Englsich sich noch einmal etwas verbessert hatte und es einfach komplett natürlich wurde, in der Sprache zu sprechen. Trotzdem gab es manchmal noch kleine Sprachbarrieren: Der irische Akzent ist wirklich nicht einfach zu verstehen und Enheimische reden wahnsinnig schnell, weswegen ich oft mehrmals hintereinander darum bitten musste, dass die andere Person ihren Satz wiederholt. Von einer richtigen Sprachbarriere kann man hierbei aber nicht reden. Mit der anderen Landessprache, Irisch, hatte ich kaum Kontakt. Weder habe ich aktiv versucht sie zu lernen, noch habe ich sie häufig um mich herum gehört.

Wohn- und Lebenssituation

Die UL und das International Office versuchen Unterkünfte für die meisten international Studierende zu finden. In dem oben erwähnten Email Newsletter gab es mehrmals Informationen zu der Wohnungssuche – wie man sich für die Wohnheime bewirbt oder auf welchen Seiten man sich umschauen sollte, wenn man sich privat eine Wohnung suchen will. Ich bewarb mich für einen Wohnheimsplatz, hatte jedoch nicht genügend Glück, mir in der ersten Verlosungswelle einen Platz zu sichern. Als ich anschließend gefragt wurde, ob ich mich auf die Warteliste setzen lassen wollte, entschied ich mich dagegen. Dies bereute ich nachträglich, denn mein eigentlicher Plan, mich privat unterzubringen, erwies sich als deutlich schwieriger als erwartet. Erstens wurde ständig davor gewarnt, dass es Betrugsversuche auf dem irischen Wohnungsmarkt gibt, in dem Leute Wohnungen vermieten, die es so gar nicht gibt und stattdessen nur versuchen, eine Kaution einzustreichen. Da es für mich aber nicht möglich war im Vorfeld nach Irland zu reisen nur um mich um eine Wohnung zu kümmern, war es sehr schwer, ohne Möglichkeit auf eine Wohnungsbesichtigung echte Wohnungen von den Betrugsmaschen zu unterscheiden. Schlussendlich entschied ich mich dazu, ohne klare Wohnsituation eine Woche vor Semesterbeginn anzureisen, die Woche in einem Hostel zu verbringen und die Zeit zur Wohnungssuche zu nutzen. Dies war problematisch aus zwei Gründen: einerseits ist der Wohnungsmarkt in Limerick wahnsinnig angespannt – Wohnungen sind wahnsinnig teuer und es gibt viele Wohnungssuchende. Andererseits war meine Recherche zu den Hostels auch unzureichend – in Limerick selbst gibt es nämlich gar keins. Ich hatte aber Glück im Unglück. Meine erste Nacht in Irland übernachtete ich in Dublin in einem Hostel, da ich in dieser Stadt auf der Insel ankam. Am nächsten Tag entschied ich mich dazu, meinen Aufenthalt in dem Hostel zu verlängern und den Tag ein weiteres Mal für die Online-Wohnungssuche zu verwenden. Dies lief deutlich besser verglichen mit der Wohnungssuche, die ich in Deutschland betrieb, aus dem einfachen Grund, dass ich nach einem Besichtigungstermin fragen konnte und so die Spreu vom Weizen trennte. Schlussendlich hatte ich zwei Besichtigungstermine für den nächsten Tag, und entschied mich direkt für die erste Wohnung. Es war ein Einfamilienhaus direkt neben dem Unicampus, das ich mir mit 7 anderen Leuten teilte. Die Miete war sehr teuer (750€), befand sich aber ungefähr auf dem Niveau von der Miete für die öffentlichen Studentenwohnheime in Limerick. Der größte Vorteil meiner Wohnsituation war die Nähe zur Uni. Bis zur Bibliothek und den meisten anderen Unigebäuden hatte ich nur einen Fußweg von 5 Minuten. Bis in die Stadtmitte von Limerick waren es ca. 20 Minuten mit dem Fahrrad, da die Uni etwas außerhalb liegt. Ohne Fahrrad war man auf den Bus angewiesen, was mit dem Weg zur Bushaltestelle ca. eine halbe Stunde beanspruchte. Generell waren die öffetnlichen Verkehrsmittel nicht auf dem gleichen Level wie hier in Potsdam oder Berlin, einfach weil sie nur etwas sporadisch gefahren sind. Es lohnte sich aber sehr für mich, direkt am Anfang des Semesters eine LeapCard zu holen. Die LeapCard wird von eigentlich allen öffentlichen Verkehrsmitteln in Irland als bevorzugte Zahlungsart gewählt und als Student stehen einem viele großzügige Rabatte (oft der halbe Preis des Tickets) zu, die sich aber nur mit der LeapCard einlösen lassen. Um eine Krankenversicherung musste ich mich nicht kümmern, da meine deutsche Versicherung auch im europäischen Ausland mitversichert. Geldtechnisch war es auch nicht ganz einfach: Das Erasmusgeld bekam ich zwar ohne Probleme und fristgerecht (die erste Gage), aber meine Transaktionen in Irland waren nicht immer problemlos. Die meisten Iren benutzen statt PayPal die App Revolut, um sich gegenseitig Geld zukommen zu lassen. Außerdem wollte mein Vermieter seine Miete jeden Monat in bar. Für meine Bankkarte war es immer mit Gebühren verbunden, Geld im Ausland abzuheben. Rückblickend würde ich im Vorhinein also herausfinden, ob dies mit einer anderen Karte gebührenfrei möglich wäre. Abgesehen von meinem Vermieter musste man jedoch selten Bargeld verwenden: Fast jeder Pub oder Einkaufsmöglichkeit akzeptiert Kartenzahlung.

Studienfach: Politik und Wirtschaft

Aufenthaltsdauer: 09/2023 - 12/2023

Gastuniversität: University of Limerick

Gastland: Irland


Rückblick

Rückblickend kann ich sagen, dass ich super glücklich bin, mein Erasmussemester gemacht zu haben. Das schönste sind die (europäischen) Freundschaften mit Menschen aus ganz verschiedenen Ländern, die ich schließen durfte. In einem solchen Ausmaß hatte ich noch keinen Kontakt zu anderen Kulturen und Sprachen, und das ist etwas, was ich unglaublich wertgeschätzt habe. Auch Irland als Land kennenzulernen, fand ich sehr spannend. Im Vorhinein habe ich nur wenig Bezug dazu gehabt, jetzt kann ich es deutlich besser einschätzen. Leider ist das Land auch sehr teuer. Dies wusste ich auch schon im Vorhinein, das Ausmaß war mir aber nicht bekannt. Die Förderung, die ich über das Erasmusprogramm bekommen habe, war nicht ausreichend, um mein Leben dort zu finanzieren. Stattdessen musste ich auch auf mein Erspartes zurückgreifen. Die UL ist eine tolle Universität, an der ich mich wohl gefühlt habe, städtetechnisch würde ich rückblickend aber eine größere Stadt für ein Erasmussemester vorziehen. In Irland würden mir hier Cork oder Dublin einfallen.

Sonstige Tipps:

  • Wohnungssuche vor Ort, um Scamms zu vermeiden oder die Möglichkeit wahrnehmen, in ein Studentenwohnheim zu ziehen.

  • LeapCard lohnt sich sehr!

  • Viele Pubs, Städte und Landschaften besuchen!

  • Unisport und Clubangebot wahrnehmen! (Surfclub, Ultimate Frisbee und Outdoor pursuits besonders toll!)

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