Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

So weit ich mich erinnern kann, lief die Vorbereitung in beiden Fällen (ich habe das Prozedere zwei Mal gemacht) sehr gut. Hier aber auch direkt mein erster Hinweis: Scheu dich nicht, immer direkt nachzuhaken, falls mal Informationen fehlen oder du Hilfe benötigst. Nach meiner Erfahrung sind die Leute der International Offices, sowohl in Potsdam als auch in Frankreich, so ziemlich die engagiertesten Angestellten der Universitäten. Die Informationen waren ausreichend und hilfreich. Die Kontaktaufnahme mit der Uni in Frankreich war etwas mühsam, dazu aber später noch mehr. Bis das Semester in Frankreich begann, war also alles easy.


Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 09/2021 - 01/2022

Gastuniversität: Université de Strasbourg

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Die Uni Straßburg ist sehr groß und es gibt tatsächlich einen richtigen Campus, anders als in Potsdam. Das Studium in Frankreich in den Sozialwissenschaften ist schon deutlich anders als das in Deutschland. Es gibt größtenteils Vorlesungen und kaum Seminare und ich habe am Ende des Semesters 8 Klausuren geschrieben und keine einzige Hausarbeit. Generell gibt es in Frankreich eine Hausarbeit, nämlich die Bachelorarbeit am Ende. Das war schon merkwürdig für mich. Noch merkwürdiger war, wie eine normale Vorlesung stattfindet: Der Professor (waren fast nur Männer) liest quasi ab und die Studierenden hauen wie wild auf ihre Tastaturen, zu sagen, dass sie ihm an den Lippen hängen, wäre untertrieben, ja, manchmal kam ich mir vor wie in einer praktischen Ausbildung zum Stenographen. Besonders zu Beginn des Semesters hatte ich einige Probleme im Stoff mitzukommen, das wurde aber vor allem gegen Ende besser. Nach meiner Erfahrung gibt es hier keinen Bonus für internationale Studierende und die Anforderungen sind nicht einfach. Ich habe hier aber eine ganze Menge an neuen Sachen gelernt oder andere Dinge besser verstanden, was eine sehr positive Erfahrung war. Was aber eine Katastrophe war, war die Bereitstellung von Informationen seitens der Universität. Ich habe extrem lange gebraucht, einen Stundenplan oder hilfreiche Informationen zu finden, da man diese Informationen entweder auch nicht hatte (Sekretariat) oder ich per Mail niemanden erreicht habe. Generell würde ich empfehlen, immer in das entsprechende Büro zu gehen, per Mail ist es teilweise unmöglich, eine Antwort zu bekommen. Die Informationen habe ich letztendlich, wie immer, in einer Facebook-Gruppe bekommen. Die Bibliotheken sind herausragend, es gibt auch sehr viel deutsche Literatur.

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Franzosen sind offener als Deutsche, aber trotzdem muss man sehr aus sich selbst herauskommen, um Leute kennenzulernen. Das bedeutet, zu allen Veranstaltungen zu gehen, mit Menschen zu reden, auf Menschen zugehen, sich selbst überwinden, in einen Verein gehen, und so weiter.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Ich war nach dem Abi schon mal ein Jahr in Frankreich und hatte dementsprechend schon ein gutes Niveau, das ist aber hierdurch natürlich noch mal besser geworden.

Wohn- und Lebenssituation

Die Wohnsituation in Frankreich ist noch mieser als die in Deutschland, macht euch also schon mal auf höhere Mietpreise gefasst. Um eine Wohnung zu finden, gibt es mehrere Möglichkeiten, ich habe größtenteils alle ausprobiert.

  • Leboncoin: Leboncoin ist quasi das ebay-Kleinanzeigen Frankreichs und sehr wichtig für die Suche nach Wohnungen. Ich habe meine Wohnung in der Straßburger Innenstadt darüber gefunden. Leboncoin hat den Vorteil, dass dort auch Privatanbieter vermieten und man keine Gebühren zahlen muss.
  • Facebook. Für mich war das zu Beginn etwas ungewöhnlich, aber in Frankreich läuft fast alles über Facebook ab. Es gibt viele Gruppen (die wichtigste ist „Étudiants de Strasbourg“), in denen Leute suchen und anbieten. Ich würde von Anfragen in Gruppen speziell für Erasmus-Studierende eher abraten, die Gruppen werden eh damit gespammt und da hat eh niemand eine Wohnung (es sitzen ja alle im gleichen Boot).
  • Wendet euch an die Uni. Es gibt viele Wohnungen für Studierende, die zumindest von der Lage her nicht so übel sind.

Für die Wohnungssuche muss man Geduld und Glück haben. In Frankreich darf man gesetzlich nicht untervermieten, weswegen es dahingehend schwieriger ist, etwas für einen kurzen Zeitraum zu finden.

Straßburg ist wahnsinnig schön. Ich würde persönlich sagen, dass es die schönste Kleinstadt ist, in der ich je war. Die Innenstadt ist wie aus einem Film, die typischen Fachwerkhäuser, der die Innenstadt umspannende Kanal, die kleinen Parks, das alles ist wirklich großartig. Ich denke insbesondere für Leute, die aus Dörfern zugezogen sind oder aus Potsdam kommen, ist das perfekt. Ich als Berliner fand die Stadt teilweise etwas zu klein, das war aber schon in Ordnung. Es gibt eine günstige Tram, mit der man auch über die Grenze nach Kehl fahren kann, falls man bei Edeka einkaufen gehen möchte. Ansonsten ist die Supermarkt-Situation in Straßburg aber auch in Ordnung, ich gehe meistens im Leclerc beim Einkaufszentrum Rive Etoile einkaufen. Es gibt auch viele tolle Sportvereine in Straßburg, bei denen man günstig Sport machen kann. Das ist auch eine gute Gelegenheit, um neue Leute kennenzulernen. Zum Thema Krankenversicherung: Theoretisch haben wir ja alle diese Europäische Krankenkassenkarte, die ist aber meiner Erfahrung nach komplett nutzlos. Ich war hier mehrfach beim Arzt und musste immer direkt zahlen. Das Geld wurde mir zwar erstattet, nervig ist das aber trotzdem. Wenn ihr euch in einem Sportverein anmelden wollt, müsst ihr auch ein medizinisches Zertifikat vorweisen, das bekommt man beim Arzt. Ohne französische Krankenversicherung kostet das aber schon mal schnell gute 25 Euro. Ich würde insgesamt sagen, dass die Lebensqualität in Straßburg sehr hoch ist. Man kann überall mit dem Rad fahren, anders als in Paris muss man dabei auch keine Angst haben, direkt überfahren zu werden. Der Weihnachtsmarkt war unglaublich schön, dabei verwandelt sich die gesamte Innenstadt. Das war definitiv eines der Highlights. Auch kulinarisch kommt man hier voll auf seine Kosten, besonders wenn man die deftigere lokale Küche mag.

Studienfach: Soziologie

Aufenthaltsdauer: 09/2021 - 01/2022

Gastuniversität: Université de Strasbourg

Gastland: Frankreich


Rückblick

Würde ich es allen empfehlen, ein Erasmus-Semester zu machen? Ja, definitiv. Eine so gute Möglichkeit, im Ausland zu leben, bekommt man nicht mehr oft im Leben. Es bringt einem persönlich und auch für das Studium sehr viel und entwickelt dich sprachlich weiter. Es ist ein schönes Abenteuer. Zu einem Abenteuer gehören aber auch Schwierigkeiten, einige von denen habe ich ja schon genannt. Hier deswegen noch ein paar Hinweise, die ich gerne vorher gewusst hätte:

  • Es kann sein, dass du deinen Stundenplan/deine Kurse nicht zugesendet bekommst. Keine Panik, du hast meist bis Oktober Zeit dafür, aber falls du NICHTS findest: Facebook. Schau bei Facebook nach einer Gruppe zu deinem Studiengang (die sind hier auch nach Jahrgängen geordnet; Jahr 1, 2 und 3; Leute die mehr als 6 Semester machen gibt’s hier eigentlich nicht). Generell gibt es eigentlich alle Informationen dort.

  • Trau dich. Das Erasmus-Semester hat mich oft dazu gebraucht, mich selbst zu überwinden. Ohne geht’s aber auch nicht, die Leute warten nicht auf dich, du musst schon zu ihnen gehen. Mit etwas Mut wird aber auch das Leben an der Uni einfacher, die Profs, einmal angesprochen, helfen meistens auch, man muss halt in Person zu ihnen gehen.

Genieß die Möglichkeit und die Zeit! Es ist eine großartige Erfahrung.

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