Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Bevor ich meinen Aufenthalt in Frankreich planen konnte, musste die Entscheidung für den Studienort getroffen werden. Hierbei war für mich klar, dass ich nach Frankreich wollte (hauptsächlich um die Sprache besser zu lernen). Allerdings hat das physikalische Institut keine Austauschplätze nach Frankreich, weshalb ich über die mathematische Fakultät gefahren bin. Entsprechend einfach fiel mir dann auch die Wahl des Studienortes, da nur zwei Städte im Erasmus Programm integriert sind.
Schlussendlich bin ich nach Rennes gefahren: die Vorbereitung und die Bereitstellung der Unterlagen war denkbar einfach, da man über das Erasmus Portal und den Kontakt an der Universität in Frankreich an die Hand genommen wurde. Zu jedem Zeitpunkt war klar, welche Schritte als nächstes getan werden mussten und ich hatte einen direkten Kontakt nach Rennes, dem ich bei Fragen immer schreiben konnte.
Auch über eine WhatsApp Gruppe, in die alle internationalen Studierenden hinzugefügt wurden (wenn sie denn wollten) konnten Fragen beantwortet und Tipps geteilt werden.
Studienfach: Physik B.Sc
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 12/2025
Gastuniversität: Université de Rennes 1
Gastland: Frankreich
In Rennes selbst habe ich glücklicherweise einen Platz im Wohnheim bekommen (eine absolute Bereicherung für den Aufenthalt) wie die meisten internationalen Studierenden (über 90%) und hatte ein kleines Zimmer mit eigenem Bad und geteilter Küche auf dem Flur.
In der Wohnung war zwar wirklich nur Platz für das nötigste (9-10qm), aber gemütlich und effizient eingerichtet war sie in jedem trotzdem.
Das französische Universitätssystem ist sehr verschult und man verbringt dadurch viel Zeit in der Universität anstatt in selbstorganisierter Arbeit. Das hängt zwar auch vom Studiengang ab, in der Physik war das aber besonders der Fall.
Das Leistungsniveau war entsprechend unterschiedlich. Ich habe Masterkurse aus der Physik besucht obwohl ich im 5ten Bachelor-Semester war, und diese waren sehr gut machbar. Mit den Kursen aus dem Mathematik Bachelor, die ich dazu gewählt habe, tat ich mich schon schwerer. Dort fehlte mir einiges an Vorwissen, der Anspruch schien aber auch höher. Deshalb führte ich einen der Kurse später nicht mehr weiter, was eine gute Entscheidung war um noch Zeit neben dem Studium zu haben.
In der Klausurenphase wurde es schon deutlich stressiger, da alle Klausuren noch vor den Ferien geschrieben wurden und man also bis zu 5 Klausuren in einer Woche hatte ohne davor lange vorlesungsfreie Zeit zum Lernen. Zusätzlich wurden über das Semester hinweg immer wieder Zwischenprüfungen geschrieben, die dann in die Endnote mit eingeflossen sind.
Dazu kam noch ein Sprachkurs, an dem internationale Studierende kostenlos teilnehmen konnten. Ich kann ihn nur empfehlen, besonders da dieser mehr an das reale französisch ausgelegt war, als die Kurse in Deutschland und man dort noch in den Kontakt mit anderen internationalen Studierenden kam.
Dazu kam noch der Universitätssport, an dem man teilnehmen konnte. Das Angebot war umfangreich und man kann bis zu zwei Sportarten wählen. Besonders wenn man an einem oder mehreren davon zusammen mit Freund*innen teilnimmt, macht das großen Spaß. Auch hier ergaben sich immer wieder schöne Gespräche mit Internationalen, als auch mit Französ*innen.
Das Leben in Rennes kann ich nur in den höchsten Tönen loben. Da das Wohnheim verhältnismäßig günstig war (ca.260 Euro) blieb durch das Erasmus+ Stipendium noch genug um einiges zu unternehmen. Die Stadt selbst bietet eine Lebensqualität, die ich in Deutschland oft nicht erleben durfte. Mit zwei Metro Linien, die im 5min Takt autonom verkehren, ist jeder Ort sehr einfach und flexibel zu erreichen. Auf dem riesigen wöchentlichen Markt findet man nicht nur Obst und Gemüse sondern auch regionale Köstlichkeiten und insgesamt alles was Herz und Magen begehren. Dazu kommt die französische Bäckerei und Café-Kultur, die wenige Wünsche übrig lässt.
Besonders der Kontakt zu den anderen Studierenden hat die Zeit in Frankreich besonders gemacht. Die Willkommenskultur in Frankreich war den internationalen Studierenden gegenüber sehr entgegenkommend. Neben dem ESN (Erasmus student network) werden Veranstaltungen von dem CMI (centre mobilité internationale) ausgerichtet. Dadurch bietet sich mehrmals in der Woche die Möglichkeit andere Leute kennenzulernen. Da viele der internationalen Studierenden in den Wohnheimen wohnen, stellt sich der Kontakt als sehr niederschwellig heraus. Die dort geschlossenen Freundschaften und unternommenen Ausflüge ins Umland und ans Meer, machen die Zeit wirklich unvergesslich.
Auch zu den französischen Kommilitonen konnte ich ein wenig Kontakt aufbauen, auch wenn die Sprachbarriere einiges verkompliziert. Trotzdem war die Atmosphäre herzlich, auch wenn man selbst meist den ersten Schritt machen muss.
Insgesamt hat sich auch meine Sprache deutlich verbessert. Vor allem die alltäglichen Situationen und einiges an der Umgangssprache fällt mir jetzt deutlich einfacher. Für die Verbesserung im Ausdruck komplizierterer Gedanken hat der Französischkurs der Universität gesorgt. Am größten war allerdings meine Entwicklung in Bezug auf das Hörverständnis. Dass das ganze Leben und besonders auch die Vorlesungen um mich herum auf Französisch stattfand, trainiert dieses Verständnis ganz besonders.
Rückblick
Alles in allem blicke ich also sehr positiv auf die Erfahrung zurück. Auch wenn die Universitären Erfahrungen nicht überragend waren und ich für meine akademische Laufbahn nur wenig mitnehme (deshalb empfehle ich auch keinen Aufenthalt über ein ganzes Jahr), machen die menschlichen Erlebnisse all das mehr als wett. Die Freundschaften, die ich dort knüpfen konnte und das Eintauchen in die dortige Kultur hat mir menschlich sehr viel gegeben.