Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Der Prozess der Vorbereitung des Auslandsaufenthalts lief recht unkompliziert ab, und die Ressourcen auf der Website der Uni Potsdam sowie des Büros für Studierendenmobilität haben den Ablauf gut und verständlich dokumentiert. Auch der Kontakt mit der Gasthochschule über die angegebenen Kanäle verlief reibungslos. Der anfängliche Hinweis, dass eventuell die Uni-E-Mail-Adressen der UP im Austausch mit den EU-Plattformen oder den Kanälen der Uni Paris Nanterre nicht funktionieren könnten, hat sich bei mir nicht bewahrheitet – ich hatte nie Probleme. Auch der Informationsfluss von der Uni Paris Nanterre lief ziemlich rund: Es gab zu allen wichtigen Deadlines Erinnerungen, und im E-Mail-Kontakt waren die Ansprechpersonen echt hilfsbereit und aufgeschlossen.
Ich hatte anfänglich Probleme, sinnvolle Kurse im Online-Angebot der Uni zu finden, um das Online Learning Agreement (OLA) aufzusetzen, hätte mir hier aber definitiv nicht im Vorfeld so einen Stress machen müssen. Ein Großteil der online angezeigten Kurse stellte sich sowieso als nicht aktuell heraus bzw. wurde in dem von mir belegten Semester nicht angeboten. Ich würde entsprechend dazu raten, die finale Kurswahl entspannt vor Ort zu machen und sich im Vorfeld hier nicht zu verrückt zu machen. Fast alle mussten ihr OLA vor Ort noch einmal gehörig umbauen.
Studienfach: Master, Wirtschaftsinformatik & Digitale Transformation
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 12/2025
Gastuniversität: Université Paris Nanterre
Gastland: Frankreich
Uni-Leben und Erfahrungen vor Ort
Der Einstieg in das Uni-Leben vor Ort war ebenfalls super organisiert vom Team vor Ort. In einer WhatsApp-Gruppe wurden direkt alle Erasmus-Studierenden miteinander vernetzt, um sich untereinander kennenzulernen. Auch die wichtigsten To-dos vor Ort wurden in einem Empfangstermin allen Hunderten Erasmus-Studierenden erklärt, und es gab sogar eine betreute Session zum Finalisieren des OLAs vor Ort.
Nichtsdestotrotz war das System zum Belegen der Kurse vor Ort als Erasmus-Student:in ziemlich nervig, da man in zwei unterschiedlichen Systemen Kurse mit ihren Informationen suchen musste, um dann in einem anderen System aus dem letzten Jahrhundert zu überprüfen, ob dieser Kurs wirklich in dem aktuellen Semester angeboten wird. Ich würde hier empfehlen, möglichst viele Kurse aus einem bestimmten Fachbereich und idealerweise sogar aus einem konkreten Bachelor- oder Masterprogramm zu belegen. Das System an der Uni ist deutlich verschulter, und mein Learning war, dass vor allem auch die kleineren Masterstudiengänge geschlossen wie eine Klasse alle dem gleichen Stundenplan folgen. Wenn man Wert darauf legt, mit den Studierenden vor Ort in engeren Kontakt zu kommen, bietet es sich an, möglichst viele Kurse aus einem konkreten Bachelor- oder Master-Programm zu wählen, da man dann immer mit der gleichen Gruppe durch den Uni-Alltag geht. Ich hatte mir bunt Kurse aus verschiedenen Richtungen und Fachbereichen zusammengewählt, sodass ich jeden Kurs in einem unterschiedlichen Gebäude mit unterschiedlichen Gruppen hatte, was den persönlichen Austausch und das Aufbauen von engerem Kontakt natürlich ein wenig erschwert. Trotzdem hatte ich tollen Diskurs in den Masterseminaren, viele Gruppenprojekte und einige Diskussionen, in denen ich spannende Kommiliton:innen kennengelernt habe.
Das Studienleben vor Ort war insgesamt gut ausbalanciert. Das Niveau ist anspruchsvoll, wenn man es möchte, aber einige Kommiliton:innen kamen auch nur mit geringem Aufwand durch die Kurse. Mit der zusätzlichen sprachlichen Herausforderung musste ich mich schon anstrengen, um den Kursen folgen zu können. Die Kurse, die auf Englisch angeboten wurden, waren dagegen ein wenig entspannter, da hier teilweise auf das teils doch etwas niedrigere Englisch-Niveau einiger Französ:innen Rücksicht genommen wurde. Das führte allerdings auch regelmäßig dazu, dass Diskussionen auf einmal auf Französisch wechselten – darauf muss man schon gefasst sein.
Das ursprünglich angekündigte Buddy-Programm hat leider nie stattgefunden, obwohl ich mich hier angemeldet hatte. Es ist leider nie jemand mit mir in Kontakt getreten – allerdings habe ich das nach der anfänglichen Anmeldung auch nicht weiter aktiv verfolgt. Hier bräuchte es eventuell mehr Eigeninitiative als von meiner Seite, um einen Match zu erhalten. Bei Fragen rund um die Organisation des Studiums vor Ort wurde einem jederzeit freundlich vom International Office weitergeholfen, das klappte wirklich gut. Auch mit den Dozent:innen vor Ort habe ich nur gute Erfahrungen gemacht und kann mich nicht beklagen.
Die Uni selbst ist mit allem ausgestattet, was man benötigt: Sie hat ein Gym, ein Schwimmbad und auch sonst ein breites Angebot an Sportkursen. Allerdings kann man manchen Gebäuden und Fachbereichen die Krise des französischen Staatshaushalts ansehen. Viele Toiletten oder andere Infrastruktur sind doch eher in einem fragwürdigen Zustand. Für besagte Sportkurse sollte man sich so früh wie möglich um die Anmeldung kümmern, da diese echt schnell ausgebucht sind. Leider muss man sich hier einmal anstellen, um sich physisch in die Kurse einzuschreiben – das geht nicht komplett online, was einem in der ersten Uni-Woche doch sehr viel Zeit kostet.
Das Angebot des Sprachzentrums für einen Intensivsprachkurs sollte man definitiv wahrnehmen, wenn man Sorge um sein Sprachniveau hat. Hier kommt im Juni eine erste E-Mail, auf die man sich zurückmelden muss, um in der Woche vor offiziellem Kursstart an dem sechstägigen Intensivkurs teilzunehmen. Diese werden für alle Sprachniveaus angeboten und waren mir eine riesige Hilfe, um direkt in Sprache und Kultur einzutauchen.
Mein Unialltag war geprägt vom Kontakt mit internationalen Studierenden zwischen den Kursen, aber viel Austausch mit Einheimischen während der Kurse. Im Endeffekt kamen mit den anderen internationalen Studierenden durch die geteilte Erfahrung die tieferen Verbindungen zustande, während der Kontakt mit einheimischen Studierenden vor allem im Rahmen von Gruppenarbeiten und anderen Projekten aus den Kursen zustande kam. Gleichzeitig war das für mich auch kein Problem, da ich bereits einen kleinen Freundeskreis an Einheimischen in Paris hatte, mit dem ich außerhalb des Uni-Alltags viel Kontakt und Austausch hatte, weswegen ich auch nicht sonderlich aktiv nach weiteren Anknüpfungspunkten mit Locals gesucht habe.
Mein Französisch-Level & Fortschritt
Ich habe während des Aufenthalts insgesamt den anfänglichen Intensivsprachkurs (3 ECTS) gemacht und während des Semesters einen B1-Kurs schriftlich sowie einen B1-Kurs mündlich belegt, was mir enorm weitergeholfen hat. Aufgrund einer Beschränkung auf maximal 12 ECTS kostenlose Sprachkurse pro Semester, die vom Sprachzentrum angeboten werden, habe ich zwar einen weiteren B1-Sprachkurs zur „Civilisation Française“ belegt, als Gasthörer jedoch keine ECTS dafür erhalten. Aber auch dieser Kurs war spannend und hat mir weitergeholfen. Die sechs Stunden Französischunterricht pro Woche haben auf jeden Fall gefruchtet, und ich fühle mich deutlich sicherer, in jeder Situation auf Französisch das Gespräch zu suchen und anderen in ihren Ausführungen sicher zu folgen. Das hat echt gut geklappt, war aber auch einiges an Arbeit, nachdem ich meine fünf Jahre Schulfranzösisch vor dem Auslandssemester als hauptsächlich begraben betrachtet hatte.
Wohnung & Leben vor Ort
Ich habe meine Wohnung zum Glück über mein privates Netzwerk gefunden und kann hier leider nicht allzu viele Tipps geben, die bei der Suche helfen könnten. Allerdings war es für mich kein Problem, täglich vom 13. Arrondissement (Südosten von Paris) in die Uni nach Nanterre (westliche Vorstadt) zu pendeln. Das Bahnnetz ist wirklich klasse ausgebaut, und die Zwei-Minuten-Taktung der meisten U-Bahn-Linien lässt die Berliner S- und U-Bahn alt aussehen. Während der Stoßzeiten sind die Bahnen schon wirklich sehr, sehr voll, aber insgesamt kann ich das Pendeln aus einer schönen Ecke von Paris nach Nanterre nur empfehlen, da sich mein soziales Leben im Alltag hauptsächlich in Paris und nicht auf dem Campus abgespielt hat.
Da ich die Möglichkeit hatte, meinen Job während des Semesters weiter remote auszuführen, war das teure Paris für mich gut machbar. Man muss aber wirklich im Vergleich zu Berliner Preisen davon ausgehen, dass fast alles ca. 30 % teurer ist. Der Studierendenausweis bringt einen zwar günstig oder sogar umsonst in viele Ausstellungen und Museen, aber leider hängt hier kein Semesterticket mit dran. Die 88 € pro Monat für den Navigo-Pass tun da schon weh im Budget, da es nur Vergünstigungen für Studierende beim Jahrespaket gibt. Das Essen in der Uni wird darüber hinaus noch gut subventioniert, genauso wie die Sportangebote an der Uni. Aber insgesamt sind Miete, ein Abend in einer Bar oder sonstige Angebote wie Konzerte schon einfach teurer als bei uns. Das muss gut überlegt sein – aber wenn man es sich mit dem Erasmus Geld irgendwie leisten kann, ist es die Erfahrungen definitiv wert.