Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Alle Informationen zum Erasmus+-Programm habe ich entweder der Webseite des International Office der Universität Potsdam oder deren Informationsveranstaltungen entnommen. Bei weiteren Fragen habe ich mich persönlich per E-Mail gemeldet und konnte alles problemlos klären.
Für mein Institut an der UGA war in der Broschüre für internationale Studierende eine klar benannte Ansprechperson angegeben, die alle meine Fragen und Anfragen vor dem Aufenthalt schnell beantwortet bzw. bearbeitet hat. Alle Bewerbungsunterlagen für die Gastuniversität waren klar definiert, und es gab keine Probleme bei der Annahme.
Studienfach: MSc. Remote Sensing, Geoinformation and Visualization
Aufenthaltsdauer: 09/2025 – 01/2026
Gastuniversität: Universitè Grenoble Alpes
Gastland: Frankreich
Studium an der Gastuniversität
Die Studienorganisation sowie das Erstellen des OLA schienen zunächst sehr einfach, erwiesen sich im Endeffekt jedoch als komplizierter als gedacht, da mein Studienprogramm an der UP kein direktes Äquivalent an der UGA hatte. Ich musste mir daher einen Stundenplan aus mehreren Themenbereichen des Masterprogramms zusammenstellen, um die angestrebten 30 ECTS zu erreichen, was wiederum zu Stundenplankonflikten führte.
Leider habe ich hierbei nur wenig Unterstützung durch die internationale Koordinatorin erhalten. Persönlich würde ich nicht empfehlen, Kurse aus mehr als zwei Themenbereichen zu wählen, da der Lernplan sonst sehr kompliziert und kaum überschaubar wird. Zusätzlich ist zu beachten, dass sich die Kurszeiten wöchentlich geändert haben, was bei mir häufig zu Chaos führte und es schwierig machte, eine feste Routine aufzubauen.
Für Exkursionsplätze muss man sich direkt und eigenständig bei den zuständigen Professorinnen melden und nicht bei der Koordinatorin für internationale Studierende. Weiterhin muss erwähnt werden, dass der Workload insgesamt recht hoch war: Neben einer Klausur oder Präsentation am Ende des Semesters mussten auch Seminararbeiten und weitere Leistungen erbracht werden.
Das Studienklima war je nach Themenbereich unterschiedlich. Die Dozentinnen waren zwar immer freundlich, allerdings war das Englisch-Niveau mancher Professor*innen dafür, dass die Lehrveranstaltungen auf Englisch stattfinden sollten, relativ niedrig. Teilweise wurden Konzepte unklar erklärt oder missverstanden.
Außerdem empfehle ich, sich zu Beginn der ersten Sitzung bei jeder kursverantwortlichen Person persönlich zu melden, um sicherzustellen, dass man korrekt eingeschrieben ist und Zugriff auf das jeweilige Moodle-System (Chamilo) erhält.
Das Fakultätsgebäude sowie die Bibliothek waren gute Orte zum Lernen, für Gruppenarbeiten oder auch zum Entspannen. Beide waren geöffnet, im Winter beheizt und meist mit funktionierendem WLAN sowie Druckern ausgestattet. Die CROUS-Mensen fand ich sehr gut: fair bepreist, meist lecker und bequem über eine App nutzbar.
Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden
Der Kontakt zu einheimischen Studierenden war je nach Themenbereich unterschiedlich: Teilweise waren sie sehr offen und freundlich, manchmal jedoch eher unter sich und nicht immer bereit, ins Englische zu wechseln, wenn man etwas nicht verstanden hat.
Internationale Studierende konnte man hingegen sehr leicht über Veranstaltungen der Organisation Integre kennenlernen. Dort gibt es Angebote für jede*n, wie Barabende, Wanderungen oder Stadtausflüge, was den Kontakt sehr unkompliziert gemacht hat.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
Ich konnte einen Französisch-Sprachkurs mit 3 ECTS kostenlos belegen. Obwohl dieser nur einmal pro Woche für zwei Stunden stattfand, hat er mir dennoch sehr viel gebracht, insbesondere da meine Fachkurse auf Englisch waren. Ich bin mit einem eher schwachen B2-Niveau in Französisch angekommen und werde Frankreich mit einem deutlich besseren B2-Niveau verlassen. Der größte Unterschied ist jedoch, dass ich die Franzosen nun besser verstehe und beim Sprechen deutlich selbstbewusster bin.
Wohn- und Lebenssituation
Ich habe Ende August, als ich bereits in Frankreich war, über lacartedescolocs.fr ein WG-Zimmer (coloc) im Stadtzentrum gefunden. Insgesamt fiel mir die Wohnungssuche deutlich einfacher als in Deutschland. Das Einzige, was ich zusätzlich organisieren musste, war eine Hausratversicherung (assurance habitation), die etwa 20 Euro gekostet hat.
Vom Stadtzentrum Grenobles benötigte ich etwa 15 Minuten mit dem Fahrrad bzw. 30 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Universität. Für den öffentlichen Nahverkehr gibt es einen fairen Studierendentarif (ca. 19 Euro pro Monat). Alternativ kann man über den Anbieter Métrovélo ein Fahrrad für etwa 15 Euro pro Monat ausleihen.
Die Universität verfügt über ein eigenes Klinikum, das Studierende kostenlos nutzen können, auch ohne zusätzliche französische Krankenversicherung. Die Lebenshaltungskosten empfand ich als vergleichbar mit Deutschland, wobei die Miete in meinem Fall günstiger war. Grenoble ist eine Stadt, die von Bergen umgeben ist, und das sollte man auf jeden Fall ausnutzen.
Rückblick
Wenn ich etwas anders machen könnte, würde ich definitiv Kurse aus nur einem Themenbereich statt aus mehreren wählen. Das hätte meinen Alltag deutlich weniger chaotisch gemacht und mir mehr Sicherheit in der Planung gegeben. Außerdem würde ich versuchen, noch häufiger in die Berge zu fahren, mehr Zeit in der Natur zu verbringen und weniger in der Stadt.