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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Zur Vorbereitung auf das Erasmus-Semester habe ich mich auf den Webseiten der Uni Potsdam, sowie der UGent informiert. Die Informationsveranstaltungen des International Offices, sowie Abklärungen mit Frau Kletzin (Studienkoordinatorin) waren unkompliziert und hilfreich. Beide Universitäten bieten detaillierte Übersichten zur Anmeldung (Potsdam; Gent), und verweisen ggf. auf Deadlines oder Fehler. Das sozialwissenschaftliche International Office der UGent (RIO), kommuniziert schnell und detailliert.

Für ein Semester an der UGent SoWi Fakultät ist ein English-Nachweis von mind. B2 notwendig, ein Abitur-Nachweis reicht nicht. Ich habe einen DAAD-Test im Zessko ablegen können; einen solchen  Nachweis akzeptiert die UGent (Sprachnachweise; DAAD-Test). Andere relevante Bewerbungsdokumente waren identisch mit denen der Anmeldung an der Uni Potsdam. Früh wird man vom RIO über erste Informationsveranstaltungen (Willkommenstage, Campus Tour, etc.) und Abläufe (z.B. E-Learning Plattformen) informiert. Das RIO ist sehr gut organisiert und stellt einen guten Überblick über „To-Dos“ her. 


Studienfach: Soziologie (Politik/Verwaltung)

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Universität Gent

Gastland: Belgien

Wohnen und Leben 

Home Astrid 

Die Suche nach möblierten Wohnungen für ein Semester auf dem Privatmarkt hat sich als besondere Herausforderung herausgestellt. Daher bewarb ich mich um ein Zimmer in den Studi-Wohnheimen der Universität. Da die Zimmer sehr begehrt sind, ist eine sehr frühe Bewerbung im Wintersemester ratsam. Auf den Webseiten der UGent wird stark betont, dass die Plätzte im Wintersemester rar sind (Wohnheime). Die Bewerbung um ein Zimmer ist abhängig von der allgemeinen Bewerbung an der UGent, daher ist es ratsam zügig alles abzuklären und zu erledigen. Dennoch wird man als Erasmus-Student*in im Verfahren bevorzugt. 

Bei der Bewerbung bekommt man die Möglichkeit die verschiedenen Häuser und Zimmer-Arten, die sich nach Grad der kommunalen Ausstattung unterscheiden, zu priorisieren.  Ich entschied mich für die günstigste Zimmer-Art in Home Astrid: Bett, Waschbecken, Tisch, Schrank, Kühlschrank, Schublade. Ich teilte mit bis zu 30 Leuten Bad und Küche. Ich bezahlte dafür 430 Euro. Jeden Wochentag reinigte das Reinigungspersonal die Gemeinschaftsräume. Wer 100 Euro im Monat mehr hat, nicht gerne Bad und Küche teilt, würde ich empfehlen auf dem Privatmarkt zu suchen, oder in die Zimmer der Wohnheime am Kantienberg zu ziehen. 

Auch wenn Home Astrid in seiner Ausgestaltung eher trist und gewöhnungsbedürftig ist, ist der freundliche und familiärere Kontakt sehr angenehm. Die hierlebenden Locals sind kontaktfreudig und hilfsbereit. Zum Anfang des Semesters gibt es eine Begrüßung auf jeder Etage, Rabatt-Aktionen und vom Komitee organisierte Veranstaltungen. Die freudige Laune hält sich das ganze Semester über, jede Woche gibt es bis zu zwei Gemeinschaftsaktivitäten.

Das Wohnheim stellt außerdem 2 Waschmaschinen, die pro Waschgang 4 Euro kosten. Berichte aus den Häusern am Kantienberg zeigten, dass dort kaum Locals waren und weniger Gemeinschaft herrschte.

Home Astrid ist außerdem etwas außerhalb der Stadt, im Vergleich zu den Wohnheimen am Kantienberg. Es dauert 15 min mit dem Fahrrad in die Stadt zu fahren, und je nach Campusstandort, 10 min zur Uni. Alle 4 Tramlinien fahren in der Nähe von Home Astrid, und 3-4 Busse halten sehr regelmäßig. Meine Mitbewohner*innen und ich angewiesen auf unsere Fahrräder und ÖPNV, während die Kommiliton*innen aus den Kantienberg-Unterkünften meistens nur zu Fuß liefen. Ich würde allen ans Herz legen ein Fahrrad in Gent zu mieten, oder das eigene mitzunehmen. Durch das Fahrradfahren lernt man die Stadt auf eine authentische Art und Weise kennen, und kommt schnell und flexibel von einem Punkt zum anderen. Die Stadt ist für Fahrradfahrer*innen ausgelegt. Mein Fahrrad holte ich bei der Fiets Ambassade (60 Euro für 4 Monate + 120 Euro Kaution). 

Leben 

Gent ist eine wundervolle, charmante Stadt, die zum Erkunden einlädt. Von mittelalterlichen Burgen und Gebäuden, zu Bars, Cafés und Shopping. Die Stadt veranstaltet oft öffentliche Feste und Attraktionen. Das ganze Jahr über gibt es verschiedene Anlaufstellen, um einen lustigen Abend zu verbringen, von konkreten Veranstaltungen/-orten, zu „Hot Spots“ für Bars. Besonders überrascht hat mich die Anzahl an Orten mit Live-Musik, welche man in der Stadtmitte findet. Durch solche Veranstaltungen, „Give-Away“ Aktionen, Uni Kurse, Erasmus (Info-)Veranstaltungen, sowie, in meinem Fall dem Studi-Wohnheim, findet man schnell den Kontakt zu anderen Austauschstudierenden. Den Kontakt zu Belgier*innen zu knüpfen ist etwas herausfordernder; da die meisten Studierenden keine Einheimischen aus Gent sind, sondern aus umliegenden Dörfern kommen, fährt die Mehrheit der Bewohnenden des Studi-Wohnheims am Wochenende nach Hause.

Gent hat außerdem eine wunderbare Lage, um den ein oder anderen Städtetrip zu unternehmen. Während Städte innerhalb Belgiens leicht selbst organisiert sind, organisiert das ESN Gent innerhalb der ersten 2-3 Monate Trips nach z.B. Amsterdam, Prag und in die Normandie. Auch London und Paris sind schnell erreichbar. Es ist sinnvoll solche Trips bis vor Mitte Dezember zu unternehmen. 

In den Haltungskosten ist Gent teurer als Deutschland. Preise im Supermarkt können bis doppelt so hoch wie in Deutschland sein; natürlich gibt es aber auch günstige Alternativen (Lidl, Okay). Da die Zimmer der Studi-Wohnheime sehr spärlich ausgestattet sind (z.B. kein Spiegel), ist der erste Monat besonders teuer. 

Studium an der Gastuniversität

In der Universität

In der UGent dominiert das Vorlesungsformat. Die Auswahl der Kurse für das Wintersemester, die zugänglich sind für Erasmus-Studierende, ist beschränkter als die für das Sommersemester. Positiv ist, dass man nicht um einen Platz im Kurs bangen muss, da alle Anmeldungen akzeptiert werden. Der größte Unterschied besteht darin, dass die meisten Lehrveranstaltungen bis zu drei Stunden dauern; allerdings gewöhnte ich mich schnell daran.

In den meisten Kursen musste ich keine Prüfungsnebenleistung absolvieren; in einem Kurs musste ich wöchentliche „One Pager“ abgeben, die zwar nicht benotet wurden, deren Abgabe jedoch 30% der Gesamtnote ausmachten, in einem anderen Kurs erstellten wir in Gruppen einen „Visual Essay“, d.h. ein Video in dem wir ein Thema dekonstruieren, welches ebenfalls 30% der Note ausmachte. Andere Austauschstudierende hatten andere Erfahrungen: Gruppenprojekte, Essays, Präsentationen waren nicht selten. 

In der Uni herrscht mehrheitlich eine sehr freundliche und angenehme Atmosphäre. Alle sind hilfsbereit und zuvorkommenden, vor allem wenn man nach Hilfe fragt. Insbesondere das RIO, sticht mit seiner Schnelligkeit und Empathie hervor. 

Campus und Bibliotheken 

Die UGent hat viele verschiedene Gebäude innerhalb der Stadt, meine Kurse fanden an vier verschiedenen Standorten statt – die meisten sind nur 5-10 min mit Fahrrad voneinander entfernt. Jeder Campus hat etwas Besonderes an sich, was die Lernerfahrung für mich noch angenehmer gestaltet hat. 

Neben vielen positiven Aspekten der UGent, ist die Bibliothek-Situation negativ aufgefallen. Obwohl die meisten Bibliotheken ästhetisch gestaltet sind und sich in guter Lage befinden, sind die Bibliotheken ab Tag 1 des Semesters voll. Je später im Semester, desto schwieriger wird es einen Platz zu finden. Es gibt nur eine geringe Anzahl an Sitzplätzen, oft gibt es auch Barhocker-Sitze zum Arbeiten. Die städtische Bibliothek „De Krook“ verfügt über mehr Platz, allerdings muss ein Platz reserviert werden – mit Freund*innen zusammensitzen ist quasi unmöglich. Ab ca. Dezember beginnen auch einige der UGent-Bibliotheken mit Sitzplatz-Reservierungen zuarbeiten. Vor der Klausurenphase sind die Öffnungszeiten der Bibliotheken mehrheitlich von 9-16, oder 9-18 Uhr. Nach Beginn der Klausurenphase werden die Öffnungszeiten ausgeweitet. Vorteilhaft an Home Astrid ist die Möglichkeit in Stille im Gemeinschaftsraum zu arbeiten. 

Kurse und Klausuren 

Die UGent fordert, dass die Mehrheit der Kurse die man belegt der eigenen Fakultät angehören, erlaubt aber die Belegung von Kursen aus anderen Fakultäten. Ich entschied mich jedoch dagegen, aufgrund der Anerkennung in der Universität Potsdam. Bis ca. Mitte Dezember finden Vorlesungen statt, bis dann ab der ersten Woche des Januars die Klausurenphase offiziell beginnt. 

Die Klausurenphase erwies sich als herausfordernd, aufgrund mangelnder Informationen der Klausurformate und mehr prüfungsrelevantem Inhalt. Generell gab es keine Themeneingrenzung. Schnell entstand ein verschultes „Auswendiglernen“, um dem Umfang der Themen gerecht zu werden. In den letzten Vorlesungswochen wurde man öfter auf die belgische Bewertungskultur verwiesen, die das Erreichen von 20/20 Punkten (also 1.0 in Potsdam) nicht vorsieht. 

Vier meiner fünf Klausuren fanden innerhalb von 9 Tagen statt, ein solcher strenger Takt war innerhalb meiner Erasmus-Gruppe keine Ausnahme. Außerdem kann es Probleme bei den Klausurterminen geben: auch wenn sich die Kurse im Semester selbst nicht überschneiden, ist es nicht selten, dass zwei Klausuren auf den selben Tag und dieselbe Zeit fallen. In diesem Falle darf man ein „Catch Up Exam Date“ beantragen, der Ende Januar stattfindet. Im Nachhinein, waren die Klausuren machbar und relativ fair. 

Studienfach: Soziologie (Politik/Verwaltung)

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität: Universität Gent

Gastland: Belgien

Rückblick

Rückblickend würde ich Studierenden welche in Regelstudienzeit studieren und das Erasmus-Semester im 5. Fachsemester absolvieren, raten die Anmeldung für die Bachelorarbeit ab Anfang Januar im Auge zu behalten und nicht zu vergessen.


Belgien

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