Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Bereits zu Beginn meines Studiums stand für mich fest, dass ich ein Auslandssemester absolvieren möchte. Da ich unter anderem Spanisch studiere und nach meinem Abitur bereits ein Jahr in Lateinamerika gereist bin, stand für mich fest, dass es mich wieder dorthin zurückziehen wird. Deshalb habe ich mich bereits während meines 2. Semesters auf der Website des International Office der Universität Potsdam über mögliche Partneruniversitäten informiert. Schnell habe ich dann festgestellt, dass der Bewerbungszeitraum bereits über ein Jahr vorher beginnt und habe mich dann dafür entschieden, mich für die Universitäten in Buenos Aires zu bewerben, da ich schon länger die Idee hatte nach Argentinien zu reisen und die Stadt ein vielseitiges Angebot für junge Menschen bietet. Mein Erstwunsch viel auf die Universidad de San Martín, da ich dort die Möglichkeit hatte Kunst zu studieren.
Vorbereitungen auf das Auslandssemester
Der Bewerbungsprozess besteht aus mehreren Schritten. Zunächst musste ich meine Bewerbungsunterlagen online einreichen, die unter anderem ein Motivationsschreiben, einen Lebenslauf und einen Sprachnachweis enthielten. Glücklicherweise habe ich hilfreiche Tipps für das Motivationsschreiben von meinen Dozierenden bekommen und den Sprachnachweis hatte ich durch mein Spanischstudium auch bereits. Einige Wochen später fand dann ein persönliches Gespräch mit Frau Subasic und Frau Méndez sowie zwei weiteren Bewerber:innen für ein Auslandsstudium statt. Das Gespräch empfand ich als sehr angenehm und entspannt. Es ging hauptsächlich darum noch einmal persönlich darüber zu sprechen, warum man ein Auslandssemester machen möchte und wieso man sich für die jeweilige Partneruniversität entschieden hat. Wenig später haben wir alle drei unsere Zusage erhalten. Bis es dann weitergeht mit der Organisation vergeht jedoch einiges an Zeit. Ich hatte meine Zusage bereits im Sommersemester 2024, die weitere Organisation und Planung erfolgte jedoch erst Ende Wintersemester 24/25. Für die Bewerbung direkt an der UNSAM reichten die Unterlagen, welche ich bereits für die Bewerbung an der Universität Potsdam eingereicht hatte. Während der Organisation und Vorbereitung auf das Semester stand uns jederzeit eine Koordinationspartnerin vor Ort in Buenos Aires zur Verfügung. Frau Meyer hat immer sehr schnell geantwortet und besonders im Kontakt mit der UNSAM sehr geholfen.
PROMOS Stipendium
Ungefähr im selben Zeitraum (Ende Wintersemester 24/25) fand auch die Bewerbung für das PROMOS Stipendium statt. Die Bewerbung für dieses erfolgte auch recht unkompliziert über ein Online-Portal und umfasste ähnliche Unterlagen, wie die Bewerbung für das Studium selbst. Dementsprechend ist der Aufwand nicht allzu groß und es lohnt sich auf jeden Fall diese Möglichkeit zu nutzen, um finanziell entlastet zu werden und sich entspannter auf das Studium und die Erfahrungen vor Ort zu konzentrieren. Ich hatte das Stipendium erst im Nachhinein gegen Ende meines Auslandsaufenthalts erhalten, was für mich natürlich eine sehr schöne Überraschung war. Der Kontakt verlief sehr unkompliziert und schnell und das Stipendium hat es mir auf jeden Fall ermöglicht Argentinien noch besser kennenlernen zu dürfen.
Visum, Krankenversicherung, etc.
Der Antrag auf das Visum erfolgte zum ersten Mal online, weshalb es teilweise etwas verwirrend war. Wir haben jedoch alle unser Visum erhalten und hatten verschiedene Ansprechpartner:innen während des Prozesses, die uns dabei unterstützt haben. Wir hatten für die Krankenversicherung eine Empfehlung erhalten, ich hatte mich jedoch für eine Krankenversicherung von Hansemerkur entschieden. Für die Impfungen konnte ich recht spontan einen Beratungstermin bei der Charité machen und mich auch noch kurz vor Abreise impfen lassen.
Meinen Flug konnte ich erst relativ spät buchen, da die definitive Zusage von der UNSAM erst relativ spät kam und mir die Informationen darüber fehlten, an welchem Tag die Einführungsveranstaltung war. Ich würde empfehlen den Flug einfach trotzdem schon vorher zu buchen, bei uns war der erste Einführungstag der 30. Juli, das war ein Wochenende vor offiziellem Studiumsbeginn.
Studium an der Gastuniversität
Die Kurse für unser Semester konnte man erst relativ kurz vor dem Semesterbeginn wählen, Informationen darüber gibt es jedoch schon vorab. Uns wurde offiziell empfohlen drei Kurse zu belegen, da die Kurse umfangreicher seien als in Deutschland. Ingesamt durften wir jedoch eine Kursanzahl von fünf nicht überschreiten. Wie viele Leistungspunkte man sich für die Kurse in Deutschland anrechnende lassen kann, variiert je nach Studiengang und Universität. Bei mir entsprach ein Kurs in Argentinien einem Kurs von jeweils 3LPs in Deutschland. Die Kurse der UNSAM finden alle auf Spanisch statt und sind im Schnitt vier Stunden lang, mit einer kleinen Pause. Ich hatte drei Kurse belegt, zwei davon waren in der Kunstpraxis und in Präsenz. Der andere Kurs war im kunsttheoretischen Bereich, offiziell aber im Bereich der frei wählbaren Kurse. Diese Kurse sind für alle Studierende wählbar, unabhängig von deinem Studiengang. Bezüglich des Kunststudiums muss ich sagen, dass das System in Argentinien doch sehr von dem in Deutschland abweicht. Es gab deutlich weniger Materialien und es gab einen hohen theoretischen Teil, bei welchem vor allem über verschiedene Künstler:innen diskutiert wurde. Das Lernklima empfand ich als deutlich offener, die Studierenden hatten einen hohen Redeanteil und das Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden schien eher freundschaftlich. Der Austausch über die Kunst stand definitiv im Vordergrund und ich konnte einige neue und interessante Aspekte über das künstlerische Schaffen von meinen Kommiliton:innen lernen. Das Level war meiner Meinung nach auch als Austauschstudierende sehr machbar und die Dozent:innen sowie die Kommiliton:innen standen jederzeit für Fragen zur Verfügung. Da ich zwei Kurse in der Kunstpraxis hatte, hatte ich außer einer finalen Arbeit, die am Ende präsentiert wurde und einem finalen Vortrag nur kleinere praktische Übungen. In anderen Studiengängen hat man in der Regel ein oder zwei Zwischenprüfungen und eine finale Prüfung. Außerdem muss in weniger praktischen Studienfächern im Vergleich viel gelesen werden. Im Gespräch mit anderen Austauschstudierenden ist das Level auf jeden Fall machbar. Für jeden Kurs gibt es in der Regel eine WhatsApp Gruppe, in welcher sich über Aufgaben, Prüfungen etc. ausgetauscht wird. Ich würde empfehlen, die anderen Studierenden direkt zu Beginn darauf anzusprechen, da es einem auf jeden Fall den Studienalltag erleichtert.
Kontakt zu anderen Studierenden
Grundsätzlich muss man sagen, dass Argentinier:innen sehr freundlich sind und es sehr leicht ist ins Gespräch zu kommen. Da viele von ihnen jedoch viel mit der Uni zu tun haben und nebenbei noch arbeiten, Buenos Aires eine sehr große Stadt ist und dadurch alle sehr verteilt wohnen, geht es oft nicht über einen freundschaftlichen Kontakt in der Uni hinaus. Es wird einem jedoch zu Beginn ein Buddy zugewiesen, der/ die einem dabei helfen soll sich zurecht zu finden. Viele von ihnen sind wirklich sehr aufgeschlossen und bemüht. Diese Möglichkeit sollte man auf jeden Fall nutzen. Die Buddys organisieren gerade zu Beginn viele kleine Veranstaltungen und Treffen. Eine super Möglichkeit die Buddys und die anderen Austauschstudierenden kennenzulernen. Insgesamt hat Buenos Aires sehr viele Universitäten sodass jedes Semester sehr viele Austauschstudierende in die Stadt kommen und es sehr leicht ist neue Leute kennenzulernen.
Wohn- und Lebenssituation
Als Wohnviertel würde ich definitiv Palermo und die anliegenden Wohnviertel empfehlen, da die meisten internationalen Studierenden dort wohnen. Die Uni bietet leider keine Wohnheime und es gibt leider keine offizielle Website, wie beispielsweise WG-gesucht in Deutschland. Ich hatte meine Wohnung damals über eine Freundin gefunden, die bereits im Semester vor mir dort war. Meine Empfehlung wäre, Frau Meyer anzusprechen. Sie hat meines Wissens nach eine Liste mit Empfehlungen. Oder man informiert sich bei anderen Student:innen, die bereits in Buenos Aires studiert haben. Ansonsten ist die beste Option für den ersten Monat ein AirBnB zu buchen und vor Ort zu schauen, da sich viel vor Ort im Kontakt mit anderen ergibt. Preislich haben die meisten im Durchschnitt zwischen 300 und 500 Euro für ein Zimmer bezahlt.
Öffentlicher Verkehr und Sicherheit
Der öffentliche Verkehr in Buenos Aires ist super ausgebaut und man kommt eigentlich überall mit Bus, U-Bahn oder Zug hin. Zur Uni bin ich meistens mit dem Zug von der Station Ministro Carranza bis Miguelete gefahren, definitiv die schnellste Option. Es gibt jedoch auch Busverbindungen. Man holt sich am besten zu Beginn eine SUBE-Karte im Kiosk, welche man entweder im Kiosk oder an den U-Bahn-Stationen aufladen kann und überall in Argentinien nutzt. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind sehr sicher, trotzdem sind wir abends oft mit einem Uber gefahren, weil es unkomplizierter und sicherer war. Die sind aber im Vergleich zu Deutschland deutlich preiswerter und es lohnt sich manchmal, dass Geld dafür auszugeben. Was das Sicherheitsgefühl betrifft, habe ich mich in Buenos Aires im Vergleich zu anderen Städten in Südamerika mit Abstand am sichersten gefühlt. In Palermo bin ich auch abends meistens alleine rumgelaufen und habe mich als Frau dort sehr sicher gefühlt. Das Einzige, wobei man etwas vorsichtiger sein sollte, ist sein Handy, da es besonders in öffentlichen Verkehrsmitteln oft zu Handydiebstählen kommt.
Geld/ Bankgeschäfte
Der argentinische Peso und das Bankensystem sind leider sehr instabil, daher kann man keine großen Summen Geld von der Bank abheben und muss sehr hohe Gebühren bezahlen. Trotzdem läuft vieles über Bargeld, oft auch mit deutlichen Rabatten. Deshalb würde ich empfehlen so viel Bargeld in Euro wie möglich mitzunehmen, da die beste Option Geld tauschen ist. Ansonsten kann man sich per WesternUnion selbst Geld schicken und in Bar am Schalter abholen.
Studienfach: Kunst und Spanisch Lehramt Sek I & II
Aufenthaltsdauer: 08/2025 - 12/2025
Gastuniversität: Universidad Nacional de San Martín
Gastland:Argentinien
Rückblick
Im Nachhinein würde ich jedem ein Auslandssemester in Buenos Aires empfehlen. Insbesondere, wenn man Großstädte mag. Es ist eine unglaublich belebte und vielseitige Stadt mit unfassbar vielen Möglichkeiten. Du wirst sehr viele nette und aufgeschlossene Menschen treffen und Freundschaften schließen. Es ist auf jeden Fall eine sehr gute Möglichkeit selbstständiger, organisierter aber auch flexibler zu werden. Ich würde jedem der in Buenos Aires ein Auslandssemester macht auf jeden Fall ans Herz legen, Zeit und Geld für Reisen einzuplanen. Argentinien ist ein unfassbar vielseitiges und großes Land, in dem man viel Zeit verbringen kann. Wenn man im Wintersemester dort ist, endet das Semester je nach Studiengang Ende November/ Anfang Dezember, also direkt im argentinischen Sommer, perfekt geeignet, um den Rest des Landes zu erkunden.