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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Da ich schon etwas Spanisch gelernt habe, wollte ich unbedingt in ein spanischsprachiges Land gehen, um die Sprache richtig anwenden und vertiefen zu können. Auf der Website der Universität Potsdam informierte ich mich daher über die verfügbaren Partneruniversitäten. Schließlich entschied ich mich für die UNSAM in Buenos Aires, Argentinien.

Ein großer Vorteil bei den Hochschulpartnerschaften ist, dass man an der Gasthochschule keine Studiengebühren zahlen muss. In meinem Fall spielte das zwar keine große Rolle, da es sich um eine öffentliche und ohnehin kostenlose Universität handelte, aber grundsätzlich ist das sehr hilfreich. Außerdem ist die Organisation deutlich einfacher, weil das International Office, insbesondere Larissa Subasic in engem Kontakt mit der Gastuni steht und die Kommunikation erstmal übernimmt. Sie war jederzeit gut erreichbar, und alle meine Rückfragen wurden stets schnell beantwortet.

Bewerbungsunterlagen für die Gasthochschule

Für die Bewerbung benötigte ich ein Motivationsschreiben (in meinem Fall auf Deutsch), ein Empfehlungsschreiben eines Hochschullehrenden sowie einen Sprachnachweis auf mindestens B1-Niveau. Außerdem fand ein kurzes, teilweise auf spanisch geführtes Auswahlgespräch mit Frau Subasic und einer spanischen Kollegin statt.

Die erste direkte Kontaktaufnahme mit der Gasthochschule erfolgte dann, soweit ich mich erinnere, per E-Mail. Zusätzlich erhielten alle Austauschstudierenden der Uni Potsdam, die ebenfalls zur UNSAM gehen wollten, den Kontakt einer Ansprechpartnerin in Buenos Aires. Wir hatten ein gemeinsames Zoom-Gespräch und eine WhatsApp-Gruppe, in der wir konkrete Fragen zu Themen wie Wohnungssuche, Visum oder Geldumtausch stellen konnten.

Das einzige Was mich in dieser Zeit zwischenzeitlich etwas verunsichert hat, war, dass viele organisatorische Dinge erst relativ kurz vor der Abreise geklärt wurden.

Die Sache mit der Krankenversicherung war unkompliziert, aber natürlich verpflichtend und wichtig. Das Visum hingegen war etwas komplizierter. Zwar wurden wir von der Gastuni gut angeleitet, trotzdem war der Prozess stellenweise verwirrend und dauerte bei einigen länger als offiziell angegeben. Ich hatte außerdem etwas Stress wegen des Rückflugs, weil man diesen bei der Einreise manchmal vorzeigen muss. Da ich gerne noch etwas länger nach dem Semester bleiben wollte, war das für mich ein Thema, letztendlich hat bei mir aber niemanden danach gefragt.


Studienfach: Soziologie mit dem Ergänzungsfach Politik 

Aufenthaltsdauer: 08/2025 - 12/2025

Gastuniversität: Universidad Nacional de San Martín

Gastland:Argentinien

Studium an der Gastuniversität

Zu Beginn musste ich mir fünf Kurse aussuchen, um mich anschließend endgültig für drei Kurse zu entscheiden, was auch die empfohlene Anzahl ist. Das Kurssystem ist so organisiert, dass es Kurse am Morgen, am Mittag und am Abend gibt. Die Vorlieben sind dabei sehr unterschiedlich, ich persönlich mochte die Abendkurse lieber, da sie besser zu meinem eigenen Rhythmus gepasst haben. Generell kann man sagen, dass abends eher ältere Studierende teilnehmen, die neben dem Studium noch arbeiten. Die Morgenvorlesungen finden von 8:00 bis 12:00 Uhr statt, die Mittagskurse ab 14:00 Uhr und die Abendkurse von 18:00 bis 22:00 Uhr. Allerdings endeten viele Kurse früher als diese offiziellen vier stunden oder es gab Regelungen, bei denen beispielsweise immer eine halbe Stunde später begonnen wurde. Trotzdem fiel es mir häufig schwer, mich so lange zu konzentrieren, besonders da der Unterricht in einer anderen Sprache stattfand. Die meisten Dozierenden arbeiteten zudem ohne Präsentationsfolien und schrieben höchstens ein paar Stichpunkte an die Tafel, was das Mitkommen zusätzlich erschwerte. Allerdings sind die Kurse insgesamt nicht besonders groß. Mein kleinster Kurs hatte etwa zehn Teilnehmende, der größte vielleicht dreißig. Dadurch herrschte eine sehr familiäre Atmosphäre, und die Dozierenden wussten, dass man Austauschstudierende*r ist. Sie kamen einem oft entgegen, stellten zwischendurch Verständnisfragen oder zeigten sich bei Prüfungsleistungen flexibel. So durfte ich beispielsweise zu Beginn eine Klausur auf Englisch schreiben.

In der Regel gibt es zwei Zwischenprüfungen, und nur wenn diese nicht gut ausfallen, muss man zusätzlich noch eine Abschlussprüfung ablegen. Die Bewertungen empfand ich insgesamt als sehr fair, und ich hatte das Gefühl, dass die erschwerten Bedingungen für Austauschstudierende berücksichtigt wurden.

Auch die anderen Studierenden waren durchweg sehr hilfsbereit. Sie teilten ihre Notizen bereitwillig, boten von sich aus Unterstützung an und begegneten mir stets mit Interesse. Bei Fragen reagierten sie immer freundlich.

Zusätzlich wurde uns zu Beginn allen ein Buddy zugewiesen – eine Studierende oder ein Studierender der UNSAM, die als direkte Ansprechperson fungierte. Das war vor allem am Anfang sehr hilfreich. Aus einigen dieser Buddy-Beziehungen sind echte Freundschaften entstanden, bei anderen waren Sie nicht wirklich präsent. Hier muss man etwas Glück haben.

Auch das Unigelände ist wirklich sehr schön ist. Es gibt viele Grünflächen, auf denen sich Studierende zwischen den Kursen treffen, lernen oder einfach entspannen können und sehr leckeres Essen in der Mensa.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Besonders zu Beginn gab es sehr viele Kennenlernveranstaltungen, teils an der Universität, teils auch außerhalb, zum Beispiel gemeinsames Mate-Trinken im Park oder Spieleabende in einer Bar. In der Regel nahmen daran die Buddys sowie alle Austauschstudierenden teil, die Interesse hatten. Dadurch war es grundsätzlich leicht, mit anderen ins Gespräch zu kommen und relativ schnell haben sich dann Gruppen gebildet, und viele Personen habe ich danach leider nicht mehr so häufig gesehen.

Abgesehen davon waren die Menschen an der Universität, wie bereits erwähnt, sehr nett und hilfsbereit. Durch die kleinen Kursgrößen war es gut möglich, auch dort in Kontakt zu kommen. Allerdings arbeiten viele Studierende neben dem Studium, oft noch in Vollzeit. Dadurch haben sie wenig Zeit, da sie zusätzlich einen vollen Alltag mit Familie, Freund*innen, Hobbys und anderen Verpflichtungen haben. Das machte es teilweise schwieriger, intensiveren Kontakt aufzubauen. Hinzu kam für mich die Sprachbarriere, die mich besonders am Anfang noch sehr überfordert und verunsichert hat. Aber das ist natürlich stark vom eigenen Sprachniveau abhängig.

Der Kontakt zu anderen internationalen Studierenden war in diesem Sinne deutlich einfacher. Alle befanden sich in einer ähnlichen Situation: Sie waren neu, wollten Freundschaften schließen, hatten neben der Uni mehr Zeit und weniger feste Alltagsstrukturen und nutzten diese Zeit, um die Stadt kennenzulernen oder zu reisen.

Ich würde sehr empfehlen, sich zusätzlich regelmäßigen Gruppenaktivitäten anzuschließen. Ich bin zum Beispiel einmal pro Woche zu einem Tanzkurs gegangen und habe in einem Fußballverein mittrainiert. Das ist meiner Meinung nach eine sehr schöne Art, seine Freizeit zu verbringen und neue Menschen kennenzulernen. Dabei ist es auch völlig in Ordnung, am Anfang nicht viel zu reden. Buenos Aires ist eine sehr große Stadt mit unglaublich vielen Freizeitangeboten, sodass es zahlreiche Möglichkeiten gibt, aktiv zu werden.

Ein zusätzlicher Spanischunterricht hat mir ebenfalls sehr geholfen, da ich dort konkrete Fragen klären konnte, die in Gesprächen mit Argentinier*innen aufkamen, und meine Sprachkenntnisse weiter vertiefen konnte.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Eine Voraussetzung für den Austausch ist der Nachweis eines Sprachniveaus von mindestens B1. Um diese, meiner Meinung nach sehr sinnvolle, Anforderung zu erfüllen, habe ich einen entsprechenden Spanischkurs an der Universität Potsdam besucht. Da ich bereits in der Schule erste Spanischkenntnisse erworben hatte, konnte ich durch einen Einstufungstest direkt in einen B1-Kurs eingestuft werden. Diesen konnte ich mir zudem im Rahmen von Studiumplus anrechnen lassen. Im darauffolgenden Semester belegte ich einen weiteren Spanischkurs, als zusätzliche Vorbereitung.

Trotzdem war ich bei meiner Ankunft in Argentinien zunächst sehr überfordert, da die Realität vor Ort ganz anders ist als der Unterricht im Sprachkurs. Die Menschen sprechen deutlich schneller und oft undeutlicher, und natürlich unterscheidet sich auch der Akzent. Außerdem finde ich, dass das aktive Sprechen in vielen Sprachkursen nicht ausreichend geübt wird. Mir fiel es daher schwer, korrekte Sätze zu bilden und mich auszudrücken. In den ersten Wochen war das für mich häufig sehr frustrierend und auch anstrengend. Alles ist ohnehin neu, und wenn man in jeder noch so kleinen Alltagssituation zusätzlich darüber nachdenken muss, wie man sich ausdrückt, kostet das sehr viel Energie. Hinzu kommt, dass man sich dadurch schnell isoliert oder weniger verbunden mit anderen Menschen fühlen kann. Mit der Zeit wurde jedoch vieles einfacher. Auch wenn ich mich noch immer nicht perfekt, fehlerfrei und völlig spontan ausdrücken kann oder komplexe Gespräche mühelos führe, gelingt es mir inzwischen, klar zu sagen, was ich meine. Viele Dinge laufen mittlerweile fast automatisch, und es macht richtig Spaß, diese Fortschritte bewusst wahrzunehmen.

Auch mein Sprachverständnis hat sich deutlich verbessert. Inzwischen verstehe ich fast alles, wobei dies natürlich auch von Faktoren wie Müdigkeit, Umgebungsgeräuschen oder der jeweiligen Situation abhängt.

Insgesamt würde ich sagen, dass der Sprachlernprozess definitiv ein Auf und Ab ist: Es gibt sehr gute Tage, an denen Gespräche einfach fließen, und andere Tage, an denen alles weiterhin mühsam erscheint. Den eigenen Fortschritt wahrzunehmen fällt oft schwer, da er schrittweise passier, aber Rückblickend würde ich klar sagen, dass ich mich sprachlich sehr verbessert habe.

Wohn- Lebenssituation und Lebenshaltungskosten

Bereits vor meiner Ankunft in Buenos Aires hatte ich für den ersten Monat meines Aufenthalts eine Unterkunft organisiert. Dabei handelte es sich um ein Zimmer in der Wohnung einer argentinischen Studentin der UNSAM, die aufgrund eines mehrjährigen Aufenthalts in Deutschland auch Deutsch sprach. Sie vermietet regelmäßig ein Zimmer an Austauschstudierende. Der Kontakt kam über die argentinische Ansprechpartnerin der Universität zustande.

Für die weitere Dauer meines Aufenthalts entschied ich mich bewusst dafür, erst vor Ort nach einer langfristigen Unterkunft zu suchen. Dies erwies sich als sinnvoll, da ich so einen besseren Eindruck von den verschiedenen Stadtteilen gewinnen und Wohnungen persönlich besichtigen und mich besser umhören konnte. Dabei wurde mir schnell bewusst, dass Wohngemeinschaften in Argentinien weniger verbreitet sind als in Deutschland. Viele Studierende leben aus finanziellen Gründen weiterhin bei ihren Familien oder wohnen alleine. Über Plattformen wie Facebook Marketplace und Craigslist konnte ich schließlich eine passende Wohngemeinschaft finden, wobei diese überwiegend aus anderen Austauschstudierenden bestand.

Die Mietpreise in Buenos Aires sind insgesamt niedriger als in deutschen Großstädten wie Berlin, variieren jedoch stark je nach Stadtteil. Ein schönes Zimmer kann man jedoch schon ab 300 bis 500 Euro monatlicher Miete finden.

Die Lebenshaltungskosten lassen sich nur schwer pauschal einschätzen, da sie stark vom individuellen Lebensstil abhängen und zudem durch die instabile Wechselkurslage zwischen Euro und argentinischem Peso beeinflusst werden. Doch auch insgesamt ist Buenos Aires günstiger als beispielsweise Berlin. Die Preise für Lebensmittel im Supermarkt sind vergleichbar, aber günstige Mahlzeiten, wie Empanadas oder Pizza, sind bereits für wenige Euro erhältlich. Ein deutlicher Unterschied zeigt sich bei Dienstleistungen, die im Vergleich zu Deutschland sehr preiswert sind. Fahrten mit Taxi oder Uber kosten häufig nur wenige Euro, selbst bei längeren Strecken. Auch Angebote wie Friseurbesuche, Sprachunterricht, Kino oder Ausgehen sind deutlich günstiger.

Um sich durch die wirkliche große Stadt zu bewegen gibt es ein Verkehrsnetz aus U-Bahn, Bussen und Zügen. Für die Nutzung aller Verkehrsmittel ist eine sogenannte SUBE-Karte erforderlich. Während die U-Bahn zuverlässig und zeitlich gut planbar ist, sollte bei Busfahrten insbesondere zu Stoßzeiten mehr Zeit eingeplant werden, da sich die Fahrdauer durch starken Verkehr deutlich verlängern kann. Nachts sind die Busse schneller, kommen jedoch nur in größeren zeitlichen Abständen. Im allgemein braucht man Geduld  da man oft etwas länger warten muss.  Beim Busfahren ist außerdem zu beachten, dass man den Arm ausstrecken muss, um dem Fahrer zu signalisieren, dass man einsteigen möchte. Andernfalls hält der Bus nicht an. Beim Einsteigen wird die Zielstation genannt und mit der Karte oder auch per Mobiltelefon bezahlt.

Obwohl Kartenzahlung weit verbreitet ist, empfiehlt es sich, stets auch Bargeld dabeizuhaben. In vielen Geschäften gibt es bei Barzahlung ein Preisnachlass von etwa zehn Prozent und kleinere Läden akzeptieren häufig ausschließlich Bargeld. Daher ist es sinnvoll, aus Deutschland Euros in bar mitzubringen und diese vor Ort in entsprechenden Wechselstuben zu tauschen. Auch kann per Western Union Geld sehr einfach überwiesen werden, welches dann in bar Vorort abgeholt werden kann. Aufgrund der zahlreichen Filialen in der Stadt ist das ziemlich unkompliziert und das Geld ist in der Regel in wenigen Minuten verfügbar. Zu beachten ist jedoch, dass nach der ersten Überweisung mit derselben E-Mail-Adresse Gebühren anfallen.

Visum

Das Studentenvisum endet regulär im Dezember mit Abschluss der Prüfungsphase. Da das folgende Semester in Deutschland erst im April beginnt, entschied ich mich, meinen Aufenthalt zu verlängern. In diesem Fall bietet es sich an, das Land für einige Tage zu verlassen und anschließend als Tourist*in erneut einzureisen. Besonders geeignet ist hierfür Uruguay, da es durch eine kurze Fährverbindung schnell und unkompliziert erreichbar ist.

Studienfach: Soziologie mit dem Ergänzungsfach Politik 

Aufenthaltsdauer: 08/2025 - 12/2025

Gastuniversität: Universidad Nacional de San Martín

Gastland:Argentinien


Rückblick

Rückblickend war der Auslandsaufenthalt eine sehr wertvolle Erfahrung, die ich Studierenden mit der Möglichkeit zu einem Austausch klar empfehlen würde.

Es war nicht immer einfach, da es sich nicht um einen Urlaub, sondern um einen längeren Aufenthalt mit Alltag, Verpflichtungen und Herausforderungen handelte. Besonders die Sprache und das anfängliche Gefühl, noch nicht vollständig dazuzugehören und keine gewohnte Unterstützung durch Familie oder enge Freund*innen zu haben, waren teilweise herausfordernd. Es gab auch Tage mit Langeweile oder nervige Alltagsaufgaben – genau wie zu Hause. Trotzdem ist es unglaublich bereichernd, an einem anderen Ort neu anzufangen, neue Menschen kennenzulernen, neue Perspektiven zu gewinnen und mit der Zeit fühlte ich mich immer sicherer im Alltag und im sozialen Umfeld. Ich bin sehr dankbar für die vielen neuen Eindrücke, Begegnungen und persönlichen Lernprozesse die ich machen dürfen.

Jetzt am Ende des Aufenthalts freue mich zwar sehr darauf, bald nach Hause zu kommen und meine Freund*innen wiederzusehen, könnte mir aber genauso gut vorstellen, noch ein weiteres Semester hier zu bleiben. Mit der Zeit fühlt man sich immer mehr angekommen, und es fühlt sich fast falsch an, gerade jetzt zu gehen, nachdem man so viel investiert und sich ein neues Umfeld aufgebaut hat.

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