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Kooperationspraktikum bei ANDHES

Abschließend kann ich sagen, dass der Aufenthalt und die Arbeit in Argentinien eine hervorragende Entscheidung und Möglichkeit für mich war. Sowohl auf persönlicher als auch auf beruflicher bzw. juristischer Ebene konnte ich mich weiterentwickeln und Kenntnisse erlangen, die ich auf anderem Wege so nicht gelernt hätte.  Ich empfehle jedem, aber vor allem auch Juristen, Auslandserfahrungen zu machen, da sie so bereichernd sind und bedanke mich beim International Office der Universität Potsdam für diese Möglichkeit und Unterstützung.


Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 08/2018 - 10/2018

Praktikumsgeber: ANDHES

Gastland:Argentinien

Vorbereitung

Auf das Praktikum wurde ich dank des Internationalen Tages der Uni Potsdam aufmerksam. Zu vielen Ländern gab es verschiedene Stände, die über Möglichkeiten eines Auslandsaufenthaltes auf verschiedene Arten informierte, so auch Argentinien. Für Juristen gab es dementsprechend das Angebot eines Praktikums in einer Menschenrechtsorganisation namens ANDHES, die zwei Standorte in Argentinien habe, einer davon in San Miguel de Tucumán. Da ich bereits im Rahmen eines Schüleraustauschs im Jahr 2012/13 dort gelebt und zur Schule gegangen war, stieg mein Interesse natürlich ungemein. Seit 2012 hatte ich die Stadt auf viele verschiedene Arten kennen und lieben gelernt und durch die bestehenden Kontakte zu Freunden und Gastfamilie auch die Auswirkungen der aktuellen Geschehnisse und politische Entwicklungen auf die Gesellschaft selbst verfolgt.

Schon seit langem fühlte ich mich machtlos hier in Deutschland, die sich zuspitzende Situation in Tucumán betrachtend, mein Leben mit dem meiner Freunde vergleichend. Ein allgemein sehr großes Problem bildet die immer weiter steigende Inflation und das auch damit verbundene generelle Missvertrauen in Staat und Gewalten. Somit sah ich die Möglichkeit eines Praktikums bei ANDHES als eine erste Chance, auf irgendeine Weise handeln oder zumindest die Strukturen und Theorie hinter den Geschehnissen nachvollziehen zu können. Auf welche Art und Weise das geschehen sollte, konnte ich mir jedoch noch nicht so recht vorstellen. Zunächst recherchierte ich also über die Organisation selbst und fand heraus, dass sie in vielen verschiedenen Bereichen, wie z.B. Rechte von Kindern und Jugendlichen, Rechte der indigenen Völker oder auch Gender und Menschenrechte, tätig ist. Für mich war sofort klar, dass ich mich für den Bereich „Sicherheit und Menschenrechte“ bewerben würde. Ich interessierte mich aus vielen Gründen für diesen Bereich.

Schon in 2012 war das Thema der Sicherheit für die Menschen in Tucumán ein zentrales Thema. „Geh nicht allein auf die Straße“, „kommt vor 22:00 Uhr nach Hause“, „schreib mir immer genau wo du bist“, „vergiss niemals dein Handy“. Ich hörte von verschwundenen Frauen, Raub und Tötung. All das hatte sich über die Jahre nicht verbessert, ganz im Gegenteil. Eine ehemalige Mitschülerin aus der Schule, auf die ich gegangen war, wurde z.B. auf offener Straße erschossen, als zwei Banden ihren Konflikt auf Motorrädern durch die Straßen fahrend lösten. Zudem hörte ich auch immer mehr über die Korruption, die zur Normalität gehört. Kaum jemand vertraut in die Polizei, Polizisten kommen Stunden, nachdem sie gerufen wurden oder sagen schon beim Anruf selbst, dass sie nichts anrichten könne, wenn jemand zu Hause durch sein offenes Fenster bedroht wird.

Natürlich gibt es in jedem der Bereiche, in denen ANDHES arbeitet viel zu tun und viele beispielhafte Geschichten. Mich persönliche interessierte jedoch dieser, weil ich im direkten Kontakt sah, wie meine eigenen Freunde diese Dinge erleben. Zudem gefiel mir auch in der Universität das Thema „Grundrechte“ und auch „Staatsorganisationsrecht“. Wie funktioniert ein Staat, wie kontrollieren wir die Gewalten? (Warum wird also in Argentinien die Exekutive, zumindest aus meiner Sicht im November 2017, nicht kontrolliert?) Warum nehmen die Menschen ihre Rechte nicht wahr? Somit wandte ich mich direkt an das International Office, das mir alle Informationen über Bewerbungsfristen, Finanzierungsmöglichkeiten, etc. gab.


Ich sendete mein 1 ½ seitiges Motivationsschreiben sowie meinen Lebenslauf (beides auf Spanisch) an eine Kontaktperson in Buenos Aires, die wiederum den Kontakt zwischen der Universität Potsdam und ANDHES bewerkstelligte. All dies passierte im November 2017. Die Bearbeitung der Bewerbung dauerte einige Zeit, da sie in die Weihnachtszeit fiel und viele Büros zudem in den Sommerferien schließen oder zumindest runtergefahren werden. Als ich dann meine Zusage von ANDHES durch das Büro in Buenos Aires mitgeteilt bekam, war es leider für die Bewerbung um ein Stipendium schon zu spät, die Fristen waren abgelaufen. Dementsprechend würde ich empfehlen, sich auf jeden Fall weit im Voraus für das Praktikum zu bewerben. Dennoch hatte ich im Nachhinein noch das Glück, ein anderes Stipendium in Anspruch nehmen zu dürfen. Das International Office zeigt jede Möglichkeit eines Stipendiums auf und erklärt die Vorgehensweise sehr verständlich, ist dementsprechend also eine große Hilfe.


Der Kontakt mit ANDHES lief bis kurz vor meiner Ankunft über eine Korrespondentin der Uni Potsdam in Buenos Aires, die mir jede Frage beantworten konnte und sich auch während der Bewerbungs-, sowie Vorbereitungsphase und auch Aufenthalt immer wieder versicherte, dass alles in Ordnung sei.
Mit ANDHES wurde zudem ein Vertrag über die Inhalte und den Ablauf des Praktikums geschlossen. Der Vertrag mit ANDHES stellte sicher, dass ich im Bereich „Sicherheit und Menschenrechte“ arbeiten würde und unter der Aufsicht von Matías, einem der Anwälte von ANDHES, stehen würde. Zudem stand auch fest, dass ich viel Recherchieren würde, um über die Materie zu lernen und auch hilfreiche Informationen liefern zu können. Nachdem der Vertrag stand, wurde mir dann der direkte Kontakt zu ANDHES hergestellt und auch sie versicherten sich mehrfach, dass ich eine Bleibe hatte und mich wohl und vorbereitet fühle.

Aufenthalt im Gastland

In Tucumán angekommen nahm ich die Einladung meiner Gastfamilie an und verbrachte meinen Aufenthalt bei ihnen, wodurch ich natürlich Geld für eine Unterkunft sparte. Generell ist es aber kein Problem, ein Zimmer, z.B. durch Airbnb, zu finden. Ich würde jedoch empfehlen, sich bei der Wohnungssuche mit einem Kontakt von ANDHES zu beraten und gut zu informieren, da es in San Miguel wirklich gefährliche Stadtteile gibt, in denen es sich als offensichtlicher Nicht-Einheimischer nicht empfiehlt, blauäugig durch die Straßen zu laufen. Ich möchte jedoch nicht, dass hier ein falsches Bild entsteht. Tucumán ist eine sehr schöne Provinz mit vielen offenen, hilfsbereiten Menschen. Man kann entspannt in Clubs, Bars, zum Shoppen, etc. gehen, ohne, dass man Angst haben muss. Es ist einfach nur wichtig, herauszufinden, wo man sich wie bewegen kann, was einem aber auch das eigene Gefühl sagt. Wenn eine Gegend unsicher ist, ist es meist wirklich sehr offensichtlich und diese Gegenden befinden sich auch nicht direkt im Zentrum. Ich habe ein ganzes Austauschjahr, Ferien und nun das Praktikum in Tucumán verbracht und mir ist nie etwas passiert.

Tucumán ist kein kostspieliger Aufenthaltsort. Es gibt viele kleine Kioske in den einzelnen Barrios, die ich persönlich liebe. Meist sind es alte Frauen oder Familien, die diese betreiben und man kann dort fast alles, und sogar in der beliebigen Menge abgewogen, bekommen. Manche Lebensmittel sind wirklich sehr günstig, so habe ich z.B. zwei Kilo Erdbeeren für 40 Peso gekauft (1 Euro lag zu dem Zeitpunkt bei ca. 43 Peso).

Was die öffentlichen Verkehrsmittel betrifft, kann man gern den Bus nehmen, eine Fahrt kostet momentan ca. 15 Peso. Dafür braucht man die „Tarjeta Cuidadana“, die in Kiosken verkauft und aufgeladen wird. Wenn man keine Ladung auf der Karte, aber Bargeld dabei hat, kann man sich oft die Karte anderer Mitfahrer ausleihen und denen dann einfach das Geld wiedergeben. Dies kann aber unter Umständen dazu führen, den Bus verlassen zu müssen, weil die Karte als eine Art „Versicherung“ gilt und persönliche Daten enthält. So könnte also nicht über deine eigene Karte nachvollzogen werden, wo du selbst hingefahren bist. So durfte ich z.B. während der Siesta, wenn alle Kioske geschlossen sind, bei 40 Grad den Bus in einer eher komplizierteren Gegend verlassen. Wer also auf Nummer sicher gehen und nicht 15 Peso „al pedo“ ausgeben möchte, sollte immer mit einer aufgeladenen Karte unterwegs sein. Sobald es jedoch Nacht wird, würde ich auf jeden Fall auf ein Taxi zurückgreifen, die wirklich günstig sind. So gibt es z.B. die App „TaxiAR“, bei der man seinen Standort und sein Ziel eingibt und dann ein Taxi rufen kann. Die Taxifahrer sind registriert und demnach kann nachverfolgt werden, wo sich die reisende Person/das Taxi generell befindet.

Für das Handy empfehle ich eine Karte vom Anbieter „Personal“ zu kaufen, die ca. 50 Peso kostet. Wenn man diese dann mit 100 Peso auflädt, kann eine andere Personalnummer ausgewählt werden, die gratis angerufen werden kann und zudem funktioniert Whatsapp den ganzen Monat, auch wenn das Guthaben aufgebraucht ist.
Das Freizeitangebot in Tucumán ist vielseitig. Es gibt Kinos, Theater (ich habe z.B. ein Orchester aus Jerusalem spielen sehen), Tanzschulen, Fitnessstudios, Windgleiten, Trekking-Gruppen, gratis Sportangebote am Plaza San Martín, etc. Wer nach Tucumán geht, kommt außerdem nicht drum rum, mindestens einmal zu Cumbia oder Quartetto in einem der zahlreichen Clubs zu tanzen, San Miguel ist außerdem eine Unistadt. Aus allen Provinzen und sogar anderen Ländern kommen Studenten, es wird also nie langweilig.
In Tucumán lohnt es sich außerdem die Orte San Javier und Tafí de Valle zu besuchen. Außerdem ist es ein Muss, Empanadas zu probieren und ein Sanwich de Milanesa zu bestellen. Generell gibt es auch viele schöne Orte um Tucumán herum, z.B. die Provinz Salta oder auch Jujuy sind wunderschön und verhältnismäßig nah.

 

Zufriedenheit mit dem Auslandspraktikum

Aber nicht nur in das Land habe ich mich zurückverliebt, auch das Praktikum selbst war wunderbar. Ich hatte mir zu Beginn nicht richtig vorstellen können, was für Aufgaben ich übernehmen könnte, da als Jurist Ausdrucksweise und sprachliche Feinheit das A und O bilden und ich, egal wie gut mein spanisch sein mag, während des Praktikums niemals auf dem Niveau eines Anwalts sprechen würde. Doch diese Ängste waren ab der ersten Sekunde in ANDHES direkt vergessen.

An meinem ersten Tag bei ANDHES, einem Montag, wurde ich sehr freundlich begrüßt und ihre Arbeitsweise und Philosophie wurden mir nochmals erläutert. Ich fühlte mich direkt gut aufgehoben und mir wurden Telefonnummern verschiedener Personen gegeben, die ich kontaktieren könnte, hätte ich irgendwelche Zweifel oder Fragen.

Am Mittwoch hatte ich dann das erste Treffen mit der Gruppe „Sicherheit und Menschenrechte“ für die ich mich beworben hatte. Die Gruppe war neu zusammengekommen, da viele vorherige Mitglieder aus verschiedensten Gründen die Organisation verlassen hatten und somit konnte ich beobachten, wie sich ein neuer Arbeitsbereich entwickelt, sogar ein Teil davon sein. Für mich war all das wirklich sehr spannend, denn die Gruppe bestand aus Anwälten, aber auch Jurastudenten oder auch Nicht-Juristen in verschiedenen Altersklassen, die sich einfach für die Thematik interessierten und auf irgendeine Weise aktiv werden wollten. So lernte ich z.B. auch einen jungen Franzosen kennen, der vor einigen Jahren nach Tucumán gekommen und direkt geblieben war, weil es ihm so gut gefallen hatte. Diese bunte Gruppe traf sich einmal die Woche und analysierte zunächst die aktuelle Situation der Stadt, Problematiken, Ursprünge der Problematiken und wie dagegen angegangen werden könne. Es ging dabei hauptsächlich um Korruption, Unsicherheit und auch „Gatillo Fácil“, was meint, dass ein Polizist exzessiv handelt und in einer unverhältnismäßigen Situation tötet. In Tucumán gibt es unzählige Fälle davon, ANDHES betreut viele Fälle, in denen die Polizei unverhältnismäßig handelte oder sogar tötete und sich keinem Unrecht bewusst ist. Dazu muss aber auch gesagt werden, dass auch die Gesellschaft in dieser Beziehung ein großes Problem darstellt. Viele Menschen finden es in Ordnung, dass Diebe direkt erschossen werden, denn was ich oft hörte: „Menschenrechte gelten nur für Menschen, die sich auch rechtmäßig verhalten“. Dass aber nicht selten Unschuldige erschossen werden oder einfach die Situation der Armut ausgenutzt wird, möchte niemand gern sehen. Paradox ist, dass kaum jemand in die Polizei vertraut, sich über die Polizei beschwert und sich ein sichereres Gefühl wünscht und als Lösung dafür dann „mehr Polizei“ vorschlägt. Die Themen, die wir bei ANDHES diskutierten, waren zahlreich und jedes für sich unglaublich umfangreich. Es ging darum, Ängste oder Gewohnheiten der Gesellschaft herauszuarbeiten und diese mit der aktuellen Politik und Lebensumstände in Relation zu stellen. Dies geschah anhand von eigenen Erfahrungen, Umfragen, Soziologen und auch Analyse von Gesetzen. So erfuhr ich zum Beispiel auch von einem verfassungswidrigen Gesetz, das in Tucumán noch immer als Stütze für polizeiliche Untaten verwendet wird. Ich konnte gar nicht glauben, dass so etwas möglich war! Doch was ANDHES mir auch erklärte, ist, dass zwischen Theorie und Praxis oft ein großer Unterschied läge. Nur, weil ein Gesetz als verfassungswidrig gelte, würde sich nicht viel ändern, weil die Gesellschaft sich nicht genug interessierte oder vielmehr sogar diesem menschenrechtswidrigen Gesetz zustimmte. Da ich vor dem Beginn meines Praktikums gerade die Zwischenprüfung des Jurastudiums bestanden hatte, konnte ich mich durch viel Wissen über die Staatsorganisation und Umgang mit den Grundrechten in Deutschland einbringen und wir konnten viele Vergleiche ziehen oder Unterschiede feststellen, Ideen für einen Ansatzpunkt für die Arbeit von ANDHES erfassen.
Neben diesen Treffen der „Sicherheit und Menschenrechte“, hatte ich außerdem die Aufgabe bekommen, ein Diagramm zu erstellen. Dafür sollte ich die Internetseite der regionalen Zeitung „La Gaceta“ nach „Tötungsdelikte Tucumán“ in den letzten 5 Jahren durchsuchen und dadurch aufzeigen, wie sich die Tötungsdelikte in den letzten Jahren entwickelt hatten. Ob z.B. mehr Menschen in 2014 durch Überfälle getötet wurden als durch Familienstreits. Ich sammelte also viele Artikel, die auf verschiedene Arten über Tötungsdelikte informierte. Da gab es einerseits die tägliche Berichtserstattung, die z.B. schrieb „Heute wurde eine Frau von ihrem Mann erschlagen“. Andererseits gab es solche Artikel, die aktuelle Zahlen über Tötungsdelikte herausgaben. Wie viele Menschen in den vergangenen Monaten durch welche Umstände getötet worden waren. Dadurch kristallisierte sich schnell heraus, dass die „offiziellen“ Zahlen des Staates sich oft widersprachen und es so gut wie unmöglich war, die „wahren“ Zahlen ans Licht zu bringen. Dementsprechend ging es also für mich darum, die Informationen zu sammeln, zu analysieren und auf ihren Aussagegehalt zu untersuchen. Dadurch beschäftigte ich mich dann auch mit der allgemeinen Berichterstattung und Datenschutzrechten in Argentinien und Deutschland. Allgemein lernte ich viel darüber, dass Gesetze nicht gleich Recht bedeuten und Theorie und Praxis noch viel mehr auseinanderliegen können, als ich es mir je hätte vorstellen können. Darüber, wie viele Gemeinsamkeiten Argentinien/Tucumán und Deutschland rechtlich gesehen haben sollten, aber in der Praxis einfach nicht aufweisen, weil eben auch die Gesellschaft, das Gewissen der Staatsorgane und Vertrauen eine unvorstellbar große Rolle für das Zusammenspiel des Ganzen spielen. Bei Besuchen im Gericht für den Fall „Chocobar“ konnte ich zudem viel darüber lernen, wie das Gericht in Tucumán arbeitet.
Meine Arbeit verfasste ich selbstständig in Absprache mit meinem Betreuer, einem Anwalt von ANDHES. Ich konnte selbst entscheiden, an welchen Tagen ich für wie lange Zeit ins Büro kommen würde, was mich sehr überraschte. Von Seiten der ONG wurde mir viel Vertrauen darin entgegengebracht, dass ich selbstständig arbeiten könne und auch würde, was den Ansporn, ein gute Arbeit abzugeben, zusätzlich steigerte. Es ist wirklich beeindruckend, wie viele verschiedene Personen in ihren verschiedenen Lebensphasen gemeinsam in ANDHES arbeiten und kommunizieren. Es herrscht keine Art von Hierarchie, ich habe den Eindruck bekommen, dass jeder für sich selbst und dafür, dass er sein Projekt unterstützt und fördert, verantwortlich ist und das auch sehr gut funktioniert.


Ich muss wirklich sagen, dass mir das Praktikum bei ANDHES so Vieles auf so vielen verschiedenen Ebenen gegeben hat. Während ich mich in Argentinien befand, wurde im Parlament gerade gegen das Gesetz zur Legalisierung von Abtreibungen abgestimmt. ANDHES hatte sich für die Legalisation ausgesprochen, was gerade im konservativen Tucumán auf viel Konfliktpotenzial stieß. Ich fand es beeindruckend, so viele junge Menschen mit, für ihre Landesverhältnisse, so kontroversen Ideen und Überzeugungen zu beobachten, die keine Angst vor Konflikten hatten, sondern auf die Straßen gingen, um zu demonstrieren. Menschen, die sich von der momentanen Situation, die noch so unüberwindbar erscheint, nicht kleinmachen lassen und für ihre Rechte kämpfen. Menschen, die für die Rechte von anderen kämpfen, die es nicht selbst können, bzw. ihre Rechte nicht einmal kennen. Mit ANDHES nahm ich auch an Treffen teil, in denen mit anderen Organisationen besprochen wurde, wie den ärmeren Bezirken, die oft Opfer von Korruption und unglaublich viel Gewalt sind, geholfen werden könne. Nicht selten ist auch die fehlende Bildung ein Problem. Menschen wissen nicht einmal, dass sie das Recht und die Möglichkeit haben, sich zu wehren.
Ich habe viel über das Rechtssystem in Argentinien gelernt, darüber, wie auch die Geschichte eines Landes eine riesige Rolle für das spielt, was es heute ist.

 

 

Persönlicher Mehrgewinn

Natürlich hat sich auch meine Sprache um viele neue Fachbegriffe und juristische Sprache erweitert. Ich muss sagen, dass, obwohl ich Argentinien schon so gut zu kennen geglaubt habe, ich es dieses Mal auf eine ganz andere und neue Art kennengelernt habe. Ich bin zwar den gleichen oder ähnlichen Problematiken begegnet, dieses Mal jedoch auf einer anderen Ebene, mit der Möglichkeit, etwas dagegen zu tun. Ich habe gelernt, dass es sich gegen jedes Unrecht zu kämpfen lohnt, auch wenn es noch so mächtig und man selbst so klein erscheint.

In jedem Fall hat mich dieses Praktikum darin bestärkt, mein Studium fortzusetzen und motiviert in das nächste Semester zu starten. Schon im 1. Semester des Jurastudiums hatte ich gemerkt, dass Staatsrecht das Gebiet ist, das mich am meisten interessiert. Doch trotzdem hatte ich Zweifel, ob ich in so einem Bereich arbeiten wollen würde. Nun jedoch kann ich mir gar nicht vorstellen, mich etwas anderem zu widmen oder gar ein anderes Fach zu studieren. In jeder Beziehung kann ich das Praktikum bei ANDHES wärmstens empfehlen.

 

Studienfach: Rechtswissenschaften

Aufenthaltsdauer: 08/2018 - 10/2018

Praktikumsgeber: ANDHES

Gastland:Argentinien


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