Kooperationspraktikum beim Buenos Aires International Festival of Independent Cinema (BAFICI)

Als ich im Oktober 2021 meinen Master in Europäischen Medienwissenschaften anfing, wollte ich mich über jegliche Art von Bildungsangeboten der Universität Potsdam informieren. Im Hinterkopf hatte ich eigentlich ein Auslandssemester, dass ich in Erwägung zog. Auf der Suche nach einem Studium im Ausland stoß ich auf Kooperationspraktika im Ausland. Ein für mich sehr passender Kompromiss für den Anfang, gerade weil ich mein Masterstudium noch nicht sonderlich gut abschätzen konnte und nicht wusste, inwiefern ein Auslandssemester Sinn ergäbe. 


Studienfach: Europäische Medienwissenschaft (Master)

Aufenthaltsdauer: 03/2022 - 05/2022

Praktikumsgeber: BAFICI

Gastland:Argentinien

Vorbereitung

Das Angebot an Praktika im Ausland weckte sofort mein Interesse. Die gut strukturierte Übersicht zeigte mir, welche der angebotenen Praktika für mich in Betracht kämen - nämlich jene, die einen klaren Medien- bzw. Kommunikationsbezug erkennen ließen. So kristallisierten sich schnell zwei Favoriten heraus: das LGBTQ-Filmfestival in Tel Aviv und das BAFICI in Buenos Aires. Beide Praktika klangen sehr vielversprechend und auch beide Städte standen schon lange als Ziele auf meiner Reiseliste. Nach einem sehr freundlichen und informativen Gespräch mit Frau Lemke vom International Office, die jegliche Fragen beantwortete, fiel meine persönliche Wahl auf Buenos Aires - nicht zuletzt aus dem Grund, weil das BAFICI (fast) genau in meine Semesterferien fiel und ich somit während des Festivals vor Ort sein konnte. 

Gleich am nächsten Tag setzte ich mich an die Bewerbung. Im Online-Portal des International Office lud ich mein Motivationsschreiben, meinen Lebenslauf, einen Englisch- und Spanischsprachnachweis sowie eine Immatrikulationsbescheinigung hoch und wartete auf eine Antwort. Nicht lange musste ich warten, da bekam ich bereits Rückmeldung und wurde von Frau Kurz vom International Office mit dem Direktor Mauro Rodrigues Santos in Verbindung gesetzt. Nach ein paar sehr freundlichen Mails machten wir einen Termin für einen Video Call aus, der eine Woche später stattfand. Anfangs war ich nervös, da mein Spanisch etwas eingerostet war, aber Mauro spricht sehr gut Englisch und sogar ein paar Wörter Deutsch, was die Kommunikation sehr erleichterte. Der Call glich keinem Bewerbungsgespräch, sondern war eher ein lockeres, freundliches Kennenlernen. Mauro fragte mich, welche Themen und Bereiche mich interessieren würden und erzählte mir ein paar Eckpunkte des Festivals. Da alles etwas nach hinten verschoben wurde und somit das Festival genau auf die ersten Tage des kommenden Sommersemesters fallen würde, verblieben wir nach einer ¾-Stunde Gespräch so, dass ich mich bei ihm melden würde, sobald ich wüsste, ob ich die ersten 10 Tage des Sommersemesters fehlen könnte. Andernfalls wäre es sehr schade, betonte Mauro, ein Praktikum beim BAFICI zu absolvieren und beim Festival selbst nicht dabei sein zu können. 

Nachdem ich mit meinem Studiengang geklärt hatte, die ersten Tage des Sommersemesters nicht anwesend zu sein, gab ich Mauro Bescheid und kurz darauf wurde das Internship Agreement aufgesetzt. Hierin wurde festgelegt, für was sich die beiden Parteien/Personen während des Praktikums verpflichten, über welchen Zeitraum, wie viele Wochenstunden, etc. Wir hatten vereinbart, dass ich sowohl im Bereich Projection als auch im Bereich Accreditation reinschauen werde, 30 Stunden pro Woche. 

 

Finanzierung

Das Praktikum war unentgeltlich. Da ich bereits zu spät dran war, mich für eine Förderung von PROMOS zu bewerben, machte mich Frau Lemke darauf aufmerksam, dass das International Office eine Mobilitätsbeihilfe anbietet, durch die ein Teil der Reisekosten übernommen wird. Dafür musste ich ein Bewerbungsformular ausfüllen, abschicken und wenig später wurde mir die Zusage erteilt, dass von meinem Flug 800 € übernommen werden. Die Zusage hat mich sehr erleichtert. Auch wenn ich einen Job habe, der es mir ermöglicht, von überall aus arbeiten zu können und dadurch auch während des unbezahlten Praktikums über ein Einkommen zu verfügen, war der Flug das Teuerste an diesem Praktikum. Insgesamt habe ich fast 1200 € gezahlt, was für Studierende eine Menge Geld ist. Allerdings empfehle ich anderen, die dieses Praktikum auch gerne machen wollen, frühzeitig zu planen, um noch genügend Zeit zu haben, sich für ein PROMOS-Stipendium zu bewerben. PROMOS fördert auch Auslandsaufenthalte für Praktika und kann eine wichtige finanzielle Unterstützung darstellen, insbesondere für diejenigen, die keinen Remote-Job haben. 

 

Aufenthalt im Gastland

Meine Wohnungssuche gestaltete sich sehr unkompliziert. Von Frau Kurz hatte ich den Tipp bekommen, für die ersten Tage ein Airbnb zu buchen und dann vor Ort nach etwas Längerfristigem zu schauen. Also buchte ich für die ersten fünf Tage ein Zimmer in einer gemütlich aussehenden Unterkunft in San Telmo, der historischen Altstadt von Buenos Aires. Dass ich damit einen Volltreffer gelandet hatte, realisierte ich erst am Tag meiner Ankunft. Mein Zimmer hatte eine eigene kleine Terrasse und ein eigenes Bad, die Küche und das Wohnzimmer teilte ich mir mit meiner Vermieterin Rosangela, einem Argentinier, einer Deutschen und einem Brasilianer. Wir verstanden uns von Anfang an alle sehr gut, weshalb ich mein Zimmer um einen Monat verlängerte. Insgesamt habe ich ca. 500 € für einen Monat dort bezahlt, ein Zimmer ist aber auch deutlich günstiger zu finden. Nach dem Monat in San Telmo wohnte ich eine Zeit in Villa Crespo und Palermo: diesmal kleinere Zimmer, keine Privatterrasse, mit geteiltem Bad für deutlich weniger Geld. Häufig hörte ich, dass einige nur ca. 250 € pro Monat zahlten. Es geht also auch wirklich günstig, allerdings auch mit eventuell mehr Kompromissen (Ich wohnte für eine Woche wortwörtlich unter einer Baustelle, die morgens um 8 Uhr anfing). 

Zudem sind die Lebenshaltungskosten viel niedriger als in Deutschland. Die argentinische Wirtschaft ist sehr instabil, was sich unter anderem in einer sehr hohen Inflation widerspiegelt. Was sehr wichtig ist: NIEMALS GELD BEI BANKAUTOMATEN ABHEBEN! Denn dort bekommt man einen sehr schlechten Kurs, muss unfassbar viel Abhebegebühr zahlen und kann nur einen geringen Betrag abheben. Anstatt dessen empfehle ich viel Bargeld mitzunehmen (Euro oder Dollar) oder Western Union zu nutzen. Auf der Calle Florida kann man Euro oder Dollar in Pesos umtauschen und bekommt den Kurs des so genannten Dollar Blue, der doppelt so hoch ist wie der offizielle Kurs an Bankautomaten. Lebensmittel sind günstig, Cafés und Restaurants haben erschwingliche Preise. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind super preiswert, eine Fahrt kostet 20 Cent im Durchschnitt. Man kauft sich einmal eine Karte (SUBE), mit der man für jede Fahrt zahlt und die dann immer wieder mit Geld aufgeladen werden kann. Die Taxis sind auch im Vergleich zu Deutschland sehr günstig, eine 15-minütige Fahrt kostet ca. 2,50€. Von daher gestaltet sich auch das Umziehen mit Koffer innerhalb der Stadt sehr unkompliziert. 

Insgesamt ist Buenos Aires eine sehr kulturelle Stadt, mit vielen Theatern, Konzerten, Ausstellungen und Märkten. Jeder Stadtteil hat sein eigenes Kulturzentrum (Centro Cultural), in denen auch oft kostenlose Veranstaltungen angeboten werden. Es wird auf den Straßen Tango getanzt, überall und zu jeder Zeit wird Mate getrunken und auch Fußball scheint sehr präsent zu sein (Ich bin kein Fußballfan). Es wird viel Fleisch gegessen, eine Parrilla (Argentinischer BBQ) mit Chimichurri-Sauce und einem Malbec (Rotwein) sollte man sich nicht entgehen lassen. Außerdem gibt es fast an jeder Straßenecke Empanadas (gefüllte Teigtaschen), die auch mit zur typischen argentinischen Kulinarik gehören. Ansonsten spürt man den italienischen Einfluss sehr stark: Pizza und Pasta sind überall zu finden, obwohl gerade die Pizza wenig mit italienischer Pizza zu tun hat. Wer Hundeliebhaber ist, wird Buenos Aires lieben. Gefühlt hat jede*r Bewohner*in einen Hund, was mir persönlich nicht sonderlich gefallen hat, weil der Kot überall auf der Straße liegt. Die Argentinier*innen fühlen sich auch sehr europäisch, von daher muss man keinen Kulturschock befürchten. Insgesamt sind die Leute, die ich getroffen habe, alle sehr gebildet gewesen, insbesondere auch über die Politik und die Geschichte europäischer Länder. Argentinier*innen sind ein stolzes Volk, die gern über ihre Geschichte und ihre Kultur sprechen. Sich im Vorhinein darüber etwas zu informieren, kommt sicherlich gut an. 

Buenos Aires ist eine politische, liberale Stadt, in der viele Demonstrationen stattfinden. Insbesondere habe ich den feministischen Diskurs in der Öffentlichkeit als sehr präsent wahrgenommen.

 

Zufriedenheit mit dem Auslandspraktikum

Das Praktikum war insgesamt eine tolle Erfahrung. Angefangen hatte ich im Team, das die eingesendeten Filme auf ihren technischen Gegebenheiten hin prüfte. Das bedeutete, dass wir die Filme anschauten, um eventuelle Fehler im Format, bei den Untertiteln, bei der Bild- und Tonqualität zu finden. Dadurch konnte ich schon im Vorhinein des Festivals viele Filme anschauen und somit einen Vorgeschmack auf das gewinnen, was mich am Ende des Praktikums erwartete. Die Frauen, mit denen ich zusammenarbeitete, waren alle sehr herzlich und wiesen mich gut verständlich in die Arbeitsprozesse ein. Was hierbei allerdings wichtig ist zu bemerken: Argentinier*innen sprechen sehr schnell, wodurch für mich eine gewisse Sprachbarriere schon da war. Da beim Filme gucken mit Kopfhörern aber nicht viel Kommunikation von Nöten ist, war das kein allzu gravierendes Problem. Nach der ersten Hälfte bin ich dann ins Team Accreditation gewechselt. Ehrlichweise muss ich gestehen, dass ich mich hierbei etwas gelangweilt habe. Die beiden Personen, mit denen ich im Team war, waren nicht sonderlich motiviert, mir einen interessanten Einblick in ihre Arbeit zu geben. Das mag aber auch daran liegen, dass bereits die Mehrheit der Akkreditierungen abgearbeitet waren (es handelte sich dabei um Umhängeschildchen) und keine passende Aufgabe für mich übrig war. Als das Festival anfing, war ich die ersten Tage nur hinter dem Info-Schalter für die Akkreditierungen mit anderen Freiwilligen von der Filmuniversität zusammen, was keine spannende Aufgabe darstellte. Ich war überflüssig, weil Muttersprachler*innen unkomplizierter, flüssiger kommunizieren können, Anfragen/ Probleme besser entgegennehmen können und insgesamt einfach sehr wenig los war. 

Nichtsdestotrotz bekam auch ich eine Akkreditierung und konnte damit in jede Vorstellung gehen, kostenlos und ohne Voranmeldung. Bei einigen Vorstellungen waren die Regisseur*innen anwesend und standen nach dem Film zum Austausch zur Verfügung. Die Filme waren bunt gemischt, mit der einzigen Gemeinsamkeit, kein Geld für eine aufwendige Produktion gehabt zu haben. Dadurch, dass es keine Filmbeschreibung gab, sondern nur der Name und der Regisseur auf dem Programm stand, war jede Vorstellung ein komplettes Überraschungspaket. Mal sah man einen Film über die Architektur von Buenos Aires in den 1930er Jahren, mal sah man einen Film über ein Vogelnest auf einem Kabelmast, dann mal einen Film über die Frontfrau einer Rockband, deren Leben als Oper inszeniert werden sollte. Am letzten Tag des Festivals gab es eine Party, die gleichzeitig meine Abschiedsparty für die Zeit in Buenos Aires war. 

 

Persönlicher Mehrgewinn

Diese zwei Monate in Buenos Aires waren resümierend eine sehr lehrreiche, inspirierende, augenöffnende Zeit, die ich jedem wärmstens ans Herz legen kann. Ich konnte mein Spanisch auffrischen bzw. verbessern, habe viele neue tolle Leute kennengelernt, in einer anderen Kultur gelebt, viel Kulturelles erlebt, konnte das Ende des deutschen Winters im herbstlichen, sonnigen Buenos Aires überbrücken und komme reicher zurück, als ich gegangen bin. Die Eindrücke, die man auf einer Reise sammelt, sind mit die kostbarsten Lehrinhalte und Erinnerungen, die man im Leben machen kann. So etwas mit einem Praktikum zu verknüpfen, ist doppelt gewonnen. 

 

Resümee, abschließende Tipps und hilfreiche Links

Ich empfehle ein gewisses Sprachniveau in Spanisch bereits mitzubringen. Ich habe B2 und kann mich solide verständigen, allerdings habe ich häufig Probleme mit der Schnelligkeit und der Aussprache gehabt. In Argentinien spricht man anders als es im europäischen Spanischunterricht unterrichtet wird, daran muss man sich gewöhnen. VIEL BARGELD MITNEHMEN oder Western Union nutzen! Und sich rechtzeitig um ein PROMOS-Stipendium kümmern! Sich eine SIM-Karte vor Ort zu kaufen, die wirklich günstig ist, ist sicherlich sinnvoll. Ich habe mir keine gekauft und konnte gut mit öffentlichem WIFI überleben. Ansonsten muss man keine Bedenken haben: Natürlich ist es eine Metropole, in der auch Armut und Kriminalität herrscht, und gewisse Gegenden sollten nachts alleine nicht aufgesucht werden. Mir ist aber nie etwas passiert und ich habe mich immer sicher gefühlt. 

Que disfruten la maravillosa Ciudad Autónoma de Buenos Aires! 

 

Studienfach: Europäische Medienwissenschaft (Master)

Aufenthaltsdauer: 03/2022 - 05/2022

Praktikumsgeber: BAFICI

Gastland:Argentinien


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