Intercultural Math & Data Reporting

Lehrende

Claudia-Susanne Günther - Wissenschaftliche Mitarbeiterin / Lehrstuhl für Didaktik der Mathematik / Universität Potsdam (UP) / Deutschland

Ana Cecília Bisso Nuñes - Professorin für Journalismus und Marketing / Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul (PUCRS), Potro Allegre /Brasilien


Partnering

  • via Winter School: International Online Teaching for Junior Researchers, Universität Potsdam, März 2019

Visualisierung Seminarstruktur und Projektzeitraum
Foto: C.-S. Günther

Kooperationsformat

PRE/FULL-COIL (4 Wochen)

Die Kooperation erfolgte im Rahmen zweier parallel stattfindender Kurse

  • "Sprachsensibler Mathematikunterricht" / 17 Studierende des Lehramts Fach Mathematik (Universität Potsdam)
  • "Datenberichterstattung und -visualisierung - Anwendung auf den brasilianischen Kontext" (PUCRS) / 9 Studierende der Journalistik (Porto Allegre)

Um erste Erfahrungen mit internationalen Lehr-Lernkooperationen zu sammeln, konzipierten beide Dozentinnen ein niedrigschwelliges Projekt über 4 Wochen. Das gemeinsame Projekt lag aufgrund der unterschiedlichen Semesterzeiträume für die brasilianischen Studierenden am Ende des Semesters. Es kamen im Vorfeld erlernte und diskutierte Theorien und Methoden zur Anwendung. Hingegen stellte für die Potsdamer Studierenden zu Beginn des Semesters die Zusammenarbeit mit brasilianischen Studierendenden einen Einstieg in die spätere theoretisch-methodische Erarbeitung des Seminarthemas und eine darauf folgende Anwendungsphase in der Praxis dar.

Visualisierung Seminarstruktur und Projektzeitraum
Foto: C.-S. Günther

Ziele und Inhalte der LV

Das zentrale Merkmal des Projektes war die kooperative und interdisziplinäre Arbeit der Studierenden an statistischen Datensätzen, die durch die Dozierenden bereitgestellt wurden.

Für die brasilianischen Studierenden standen dabei die Arbeit mit Datensätzen und das Finden gesellschaftlich relevanter Informationen im Vordergrund. Anhand dieser Tätigkeiten sollten

  • die Fähigkeit, einen gesellschaftlichen Kontext durch Anwendung grundlegender statistischer Verfahren auf einen öffentlichen Datensatz zu verstehen und
  • die Fähigkeit, die Rolle der Mathematik zu analysieren, um eine Realität zu beschreiben

(weiter) entwickelt werden.

Die geringe Auslandserfahrung bzw. Motivation der Mathematikstudierenden, im Ausland Studienerfahrungen zu machen, war ausschlaggebend auf der Potsdamer Seite. Mit dem niedrigschwelligen Kooperationsszenario wurden zur Förderung der Sprachsensibilität  folgende Hauptziele verfolgt:

  • das Sammeln von internationalen und interkulturellen Erfahrungen
  • das Erleben des Einflusses von Sprache und Sprachkompetenzauf die Teilhabe an (mathematischen) Lehr-Lernprozessen

Durch das internationale Lehr-Lernszenario ergaben sich weitere positive Aspekte für das Lernen:

  • die Nutzung des Potenzials der heterogenen Lerngruppe für soziales und fachliches Lernen
  • die (Weiter-)Entwicklung von Medienkompetenzen und die Reflexion anwendungsbezogener und gesellschaftlicher Aspekte des Medieneinsatzes
  • die Erhöhung der Motivation der Studierenden zu weiteren internationalen Aktivitäten (s. Internationalisierungsstrategie der UP)

Insbesondere die interkulturellen und sprachorientierten Zielsetzungen hatten für die Lehramtsstudierenden eine wichtige Bedeutung, da sie im weiteren Verlauf des Kurses ihre Erfahrungen aus dem Kooperationsprojekt sowie die theoretischen Kenntnisse im Unterricht mit geflüchteten Mathematiklehrerinnen und -lehrer des Refugee Teacher Programs anwenden konnten.


Didaktische Gestaltung

Nach der Beschaffung der für die Projektarbeit notwendigen Hardware (iPads, Headsets) durch die Dozierenden fand vor dem Projektbeginn in den beiden Studierendengruppen ein Test der Geräte und der für die Meetings genutzten Anwendung (Adobe Connect) statt. Es wurden Verhaltensregeln für die synchronen Meetings formuliert.

Die Kooperationswochen wurden wie folgt gestaltet:

Woche 1

  • Gemeinsame Auftaktsession mit Einführung in Ziele und Projektauftrag
  • Kennenlernen, Gruppenbildung
  • Gemischte Gruppenräume > Auswahl des zu bearbeitenden Datensatzes durch die studierenden

Woche 2 und 3

  • Selbstorganisierte Bearbeitung des Projektauftrages in gemischten Kleingruppen via Adobe Connect
  • Betreuung durch die Dozierenden

Woche 4

  • Anschlussmeeting in der Gesamtgruppe
  • Präsentation der Arbeitsergebnisse
  • Gemeinsame mündliche Reflexion der Zusammenarbeit

Im Anschluss an die Kooperationsphase fand innerhalb der Potsdamer Gruppe eine nochmalige Reflexion der Zusammenarbeit unter der Perspektive Sprache und Medieneinsatz statt.


Tools

  • Adobe Connect (Web-Meetings)
  • Excel und Linkr (Bearbeitung der Datensätze und Austausch in den Gruppen)
  • Moodle und Slack (zur Konzeption und
  • Menti, Google Forms (Umfragen)

Erfahrungen

Hilfreich war für die Dozierenden während der

Vorbereitung

  • motivierte und verlässliche Partner:innen
  • ein kontinuierlicher und intensiver Austausch

Durchführung

  • gute, ähnliche oder gleiche technische Ausstattung bei allen Teilnehmenden
  • individuelle Seminarräume für jede Gruppe bei synchronen Meetings während der Gruppenarbeitsphase
  • Durchführung eines Probe-Videogesprächs zur Einübung des Umgangs mit der Technik
  • kurze Dauer (4 Wochen) für die erste Implementierung - erste Erfahrungen sammeln

Mögliche Änderungen am Konzept

  • Verlängerung der Projektdauer und der gemeinsamen Arbeitsphase
  • kleinere Arbeitsgruppen
  • Teamteaching oder gemeinsam mit studentischen Hilfskräften
  • Verwendung auch deutscher Datensätze
  • zusätzlich zur iPad-Kamera (individuell) auch Nutzung einer Raumkamera für Ansicht der gesamten Gruppe
  • Treffen der Gruppen in Anwesenheit nach dem Projekt - interkultureller Austausch im realen Leben