Funktionen von Filmmusik

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An dieser Stelle soll der Frage nachgegangen werden, warum Musik im Film eingesetzt wird. Die zahlreichen möglichen Antworten darauf ergeben sich teilweise aufgrund der Tatsache, dass im Laufe der technischen Entwicklung des Films sich auch die Funktionen der Filmmusik änderten. Das, was im Kapitel „Historische Entwicklung der Filmmusik“ nur kurz und unvollständig über die Aufgaben der Filmmusik angedeutet wurde, soll in diesem Teil stärker systematisiert werden. Der Frage nach dem Grund für den Einsatz von Filmmusik widmen sich zahlreiche Theorien. Um die Funktionen von Filmmusik übersichtlich zu erklären, wird hier lediglich auf das Konzepte von Claudia Bullerjahn (2001: S. 64ff.) eingegangen. Bullerjahn unterscheidet grundsätzlich zwischen filmmusikalischen Metafunktionen und Funktionen im engeren Sinne.

Metafunktionen

Die erste Kategorie zeichne sich nach Bullerjahn dadurch aus, dass diese von Filmmusik im Hinblick auf die spezielle Form der Rezeption von Filmen z.B. im Kino erfüllt würden.

Innerhalb dieser Kategorie unterscheidet Bullerjahn zwischen rezeptionspsychologischen und ökonomischen Metafunktionen.

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Rezeptionspsychologische Metafunktionen

Zu den rezeptionspsychologischen Metafunktionen könnten z. B. folgende Aspekte gezählt werden:

Weiterhin ordne man dieser Kategorie auch jene, den Stummfilm betreffende Aufgaben zu:

Ökonomischen Metafunktionen

Zu den ökonomischen Metafunktionen zählt Bullerjahn:

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Filmmusikalische Funktionen im engeren Sinne

Im Gegensatz zu den eben erläuterten Metafunktionen würden sich filmmusikalische Funktionen im engeren Sinne auf einen konkreten Film beziehen. Dabei ließen sich vier verschiedene Gruppen von einander unterscheiden:

Diese vier Gruppen werden im weiteren Verlauf kurz und mit einigen Beispielen dargestellt:

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Dramaturgische Funktionen

In diese Kategorie könnten all diese Aufgaben der Filmmusik eingegliedert werden, die diese für die unmittelbare gegenwärtige dramatische Handlung übernimmt. Zu ihnen würden gehören:

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Epische Funktionen

Mit diesem Begriff können jene Aufgaben der Filmmusik bezeichnet werden, die diese für die Beschreibung der Story übernimmt. Dabei werde die Musik oft als Kommentar bzw. ironische Stellungnahme des Filmemachers zur Szene angesehen. Weiterhin könne die Musik dabei helfen, geschichtliche, geographische und gesellschaftliche Aspekte der Filmerzählung darzustellen. Überdies hinaus sei es eine wichtige Aufgabe, z.B. das Verhältnis von erzählter Zeit und Erzählzeit, Zeitsprünge, Vor- und Rückblenden innerhalb der Erzählung oder Parallelhandlungen und Kontrasterzählungen zu demonstrieren.

Strukturelle Funktionen

Als strukturelle Funktionen bezeichnet Bullerjahn jene Aufgaben der Filmmusik, die diese beim „Verdecken bzw. Betonen von Schnitten, sowie [der] Akzentuierung von Einzeleinstellungen und Bewegungen“ (ebd. S. 71) übernähme. Die Wahrnehmung des Inhaltes eines Filmes würde durch Filmmusik erleichtert werden können. So verdeutlicht z. B. eine fortlaufende Musik die Geschlossenheit einer durch Schnitte zusammengefügten Szene.
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Persuasive Funktionen

Aufgrund der emotionalen Wirkung von Musik im Film sei es zum einen ihre Aufgabe, Gefühle und Empfindungen der Protagonisten abzubilden. Zum anderen solle sie auch beim Zuschauer Gemütsbewegungen hervorrufen, bzw. den Abstand zum Dargestellten verkleinern und die Wahrnehmung der Bilder affektiv aufladen. In Anlehnung an Pauli (1993, S. 9) bestimmt Bullerjahn die Hauptfunktion einer Titelmusik als Überredung, also die „programmatische und emotionale [Einstellung und Evozierung von Erwartungen des Zuschauers] (Bullerjahn 2001: S. 64ff.). Damit hätte die Filmmusik einen großen Einfluss auf die Reaktionen der Zuschauer auf einen Film. Weiterhin würde Musik mit tiefen Frequenzen oder hohen Lautstärken im Film dazu benutzt werden, den Zuschauer körperlich zu überwältigen. Außerdem nutze man Filmmusik dazu, die Aufmerksamkeit der Rezipienten auf bestimmte Personen oder Handlungselemente zu lenken.

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