Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2020/21

Seminar: Das umkämpfte Museum. Polnische Debatten über die Inszenierung von Vergangenheit (zusammen mit Dr. Mariusz Kałczewiak)

Polen erlebt seit der Eröffnung des Muzeum Powstania Warszawskiego (Museum des Warschauer Aufstandes)  2004 einen Museumsboom. In den letzten 15 Jahren wurden zahlreiche moderne Großprojekte verwirklicht, die als Geschichtsmuseen in ihren Ausstellungen das polnische historische Selbstbild verhandeln und unterschiedliche Interpretationen der polnischen Vergangenheit präsentieren. Zahlreiche brisante Debatten und Skandale (nicht nur) in der polnischen Öffentlichkeit begleiten diesen Prozess.

Im Seminar werden fünf Fallbeispiele (Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau; Museum des Warschauer Aufstandes; POLIN-Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warszawa; Familie-Ulma-Museum in Markowa gewidmet den Polen, die während des Zweiten Weltkriegs Juden retteten; Museum des Zweiten Weltkrieges in Gdańsk) und die sie umgebenden Diskurse verhandelt. Den Fokus des Seminars bildet die Auseinandersetzung mit den in den Ausstellungen realisierten Vergangenheitsinszenierungen und der jeweiligen Repräsentation der polnisch-jüdischen Beziehungen. Die erinnerungspolitische Relevanz der Museen für den polnischen Kontext wird außerdem diskutiert. Ein Besuch des Pilecki-Instituts Berlin und der Władysław Bartoszewski-Ausstellung im Rahmen des Seminars wird angestrebt.

Exkursion: Anschließend an die Lehrveranstaltung ist im Februar 2021 eine Exkursion in die polnische Woiwodschaft Pommern geplant, um die dortige Museumslandschaft kennenzulernen und Ausstellungen vor Ort mit Expert*innen zu diskutieren. Wenn die epidemiologische Lage es zulässt, werden wir das Museum des Zweiten Weltkrieges und das Europäisches Solidarność-Zentrum in Gdańsk, das Emigrationsmuseum in Gdynia und die KZ-Gedenkstätte Stutthof besuchen. Studierende, die an der Exkursion, jedoch nicht an dem Seminar teilnehmen möchten, melden sich bitte per E-Mail bei Franziska Koch oder Dr. Mariusz Kalczewiak. Sie werden dann zum Vorbereitungstreffen für Exkursionsteilnehmer*innen im Januar 2021 eingeladen.

Tutorium: Wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben für Polonistinnen und Polonisten (zusammen mit E. Hückmann)


Sommersemester 2020

Seminar: Roma in Mittel- und Osteuropa: Literatur, Film, Erinnerungskulturen (zusammen mit Dr. Birgit Krehl)

Roma und Sinti leben seit dem Mittelalter in Europa. Die Erforschung ihrer Geschichte, ihrer jahrhundertelang mündlich geprägten Kultur und Sprache setzte indessen erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ein. Darin dominiert bis heute die Perspektive der Mehrheitsgesellschaften, mit denen die Roma und Sinti als mehr oder weniger anerkannte größte Minderheit Europas in territorialer Nähe leb(t)en. Angelehnt an die pluralen Lebenswelten der Roma und Sinti in Mittel- und Osteuropa und ihrer komplexen Beziehungen zur Mehrheitsgesellschaft umfasst der Korpus des Seminars, aus dem die Studierenden ihren Arbeitsfokus wählen, Material zu verschiedenen Forschungsfeldern: Neben Literatur und Film des 20. und 21. Jahrhunderts, die den Paradigmenwechsel von Fremdzeugnissen über Sinti und Roma hin zu eigenen Texten von Roma-Autor*innen nachzeichnen, bilden auch memoriale Debatten und aktuelle Diskussionen über Kontinuitäten von Diskriminierung mögliche Schwerpunkte des Seminars.

Seminarorganisation (angepasst an die Vorgaben zur Online-Lehre):
Das Seminar folgt einem projekt- und lernerzentrierten Ansatz: Teilnehmende Studierende erhalten die Möglichkeit selbstorganisiert und ergebnisoffen zu einem Themenschwerpunkt ihrer Wahl zu arbeiten. Nach einem Einführungsmodul, das ca. ein Viertel der Semesterzeit in Anspruch nehmen wird, finden die Studierenden sich in thematischen Kleingruppen zusammen und arbeiten bis zum Ende des Semesters eigenverantwortlich an einem selbstgewählten Projekt (wissenschaftlicher Artikel, Podcast, Kurzfilm, Interview, Poster etc.). Auf gemeinsame Seminarsitzungen wird größtenteils verzichtet. Eine (virtuelle) Anwesenheit zu den Seminarzeiten ist nicht nötig. Vielmehr wird durch das Bereitstellen eines Materialkorpus via moodle, mithilfe individueller Konsultationen zwischen Studierenden und Seminarleitung sowie durch einen engen Austausch innerhalb der Kleingruppen eine kontinuierliche Seminarorganisation gewährleistet.

Übung: Einführung in die Literatur- und Kulturwissenschaft II


Wintersemester 2019/20

Seminar: Polnische „Gerechte“ im Nachkriegsdiskurs über die Shoah. Politik - Literatur - Film
Im Fokus des Seminars steht der polnische Diskurs über die sog. ‚Gerechten‘ (pl.: sprawiedliwy). Diese nicht-jüdischen Pol*innen, die während des Zweiten Weltkriegs jüdische Verfolgte unterstützten, sind ein brisantes Streitthema in polnischen wissenschaftlichen sowie gesellschaftlichen Debatten über die Zeit der deutschen Okkupation und der Shoah. Im Seminar wird zunächst die Funktion der ‚Gerechten‘ im gedächtnispolitischen Nachkriegsdiskurs Polens erarbeitet, wobei auch aktuelle Entwicklungen wie die Eröffnung des – den polnischen ‚Gerechten‘ gewidmeten – Familie-Ulma-Museums in Markowa miteinbezogen werden. Anschließend widmet sich das Seminar literarischen und filmischen Beispielen aus Polen, die eine differenziertere Auseinandersetzung mit den polnischen ‚Gerechten‘ ermöglichen und im offiziellen Diskurs tabuisierte und verdrängte Aspekte verhandeln (bspw. Denunziantentum, Bezahlung für Hilfeleistungen oder soziale Ächtung der Helfer*innen). Geplant ist u.a. die Lektüre von Werken Tadeusz Borowskis, Henryk Grynbergs und Joanna Bators sowie die Beschäftigung mit den Filmen "Długa noc" (1967/1989), "Jeszcze tylko ten las" (1991) und "Ida" (2013).

Tutorium: Wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben für Polonistinnen und Polonisten (zusammen mit E. Hückmann)


Sommersemester 2016

Projektseminar: Critical Excursions. Exploring museums in Berlin
What do we perceive as a good museum? Which role did/ do history museums play in our societies? Are memorial sites (also) museums? In which ways do museums represent Gender, Race and Class? In how far are national narratives reflected in museums? What are differences and similarities of exhibitions worldwide? Depending on the interests and experiences of the participants, the seminar will address those and other questions. Through excursions, to established as well as to rather un-known museums, an insight into Berlin's heterogeneous museum scene will be gained. The participants prepare the excursions and evaluate them afterwards. As an outcome of the seminar different approaches to museum conceptions will be discussed and compared.