C04: Intervall-basierte Indexe der Silbenstruktur: Die ausschlaggebend Rolle der Variabilität

Dieses Projekt untersucht das Auftreten von Sprechvariabilität hinsichtlich zweier Bereiche: dem motorischen Sprechapparat und der sprachspezifischen linguistischen Struktur. Ausgehend von unserem empirischen Interessengebiet, der phonologischen Struktur von Sprache, insbesondere der von Silben, möchten wir feststellen, ob und wie und zu welchen Anteilen diese Faktoren die beobachtbare Sprechvariabilität bedingen. Einen geeigneten, bildlichen Vergleich unseres Ansatzes stellt das Tanzen dar, ein Akt mit vielfältigen Funktionen und Zwecken: Als sportliche, motorische Betätigung unterliegt jedweder Tanz erwiesenermaßen den physischen Gegebenheiten des menschlichen Bewegungsapparates. In gleichem Maße evident ist jedoch auch, dass Tanzen, als künstlerische oder rituelle Form des Ausdrucks, gewichtig von kulturellen und soziologischen Faktoren geprägt wird. Es folgen einige Ergebnisse der ersten Phase unseres Projektes.

Silbische Struktur lässt sich nur über die gegenseitige Beziehung mehrerer phonetischer Parameter erfassen, im Widerspruch zu früheren Forschungsansätzen, welche dies auf der Grundlage von lediglich einzelnen Parametern oder ausgezeichneten Bereichen von solchen versuchten. Eine erste Studie, basierend auf Daten der elektromagnetischen Artikulographie, belegt diesen Sachverhalt für die silbische Struktur im Spanischen und Deutschen. Insbesondere wird gezeigt, dass es Fälle gibt, in denen die bisherige Hypothese über die Existenz ausgezeichneter Parameter zur Strukturvorhersage fehlschlägt und dass die Erklärung unterschiedlicher Silbenstrukturen Relationen unterschiedlicher Parameter erfordert.

Darauf aufbauend argumentieren wir, dass Variabilität unabdingbar in der Aufklärung phonologischer (silbischer) Struktur ist, da nur mit Variabilität der phonetischen Parameter unterschiedliche Parameterbeziehungen darstellbar sind (und damit unterschiedliche Strukturen). Basierend auf unseren Artikulographiedaten, insbesondere der Analyse von Modifikationen von Sprechpausen über welche silbische Struktur realisiert wird, können wir zeigen, dass unserer Ansatz eine bessere Strukturbeschreibung bietet als bisherige Ansätze.

Im Gegensatz zu älteren Ansätzen erlaubt unsere Betrachtung auch dort Nachweise silbischer Struktur in Sprechdaten, wo bisher keine oder nur schwache Anzeichen dafür gefunden wurden: z.B. in komplexen Onset-Konfigurationen im Deutschen und Spanischen.

In einer zweiten Studie belegen wir die Gültigkeit zweier bedeutender Motorikgesetze in Sprechdaten repetitiver Silben des Deutsch und Englischs: das Fitts’sche Gesetz und das speed-curvature power law. Durch Anwendung eines größeren Sprechratenbereichs als in bisherigen Untersuchungen und anspruchsvollen numerischen Methoden zeigen wir das Auftreten dieser beiden Gesetze in klarerer Gestalt als in anderen Arbeit zuvor. Des Weiteren eröffnen wir den Versuch die Struktur repetitiver Sprechbewegungen dynamisch zu beschreiben, mit ersten Indizien für die Existenz mehrerer, qualitativ verschiedener, dynamischer Moden in ein und derselben phonologischen Sequenz.

Werfen Sie einen Blick drauf:

Dynamics and kinematics of repetitive speech movements.

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Dynamics and kinematics of repetitive speech movements.

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Temporal stability patterns of stop-liquid and stop-rhotic clusters in Spanish.

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Temporal stability patterns of stop-liquid and stop-rhotic clusters in Spanish.

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Mitarbeiter

Prof. Dr. Adamantios Gafos

PI C04

 

Campus Golm
Department Linguistics
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Stephan Kuberski

 

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Stavroula Sotiropoulou

 

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