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Haskala im Dialog

1. Sam 28. Text, Übersetzung u. Kommentare in der 5. Aufl. des Samuel-Bandes der Kitvēj Kodesch, Wien 1839.

Juda Jeitteles und Juda Leib ben Ze'eb als Exegeten der Aufklärung

Juda Jeitteles (1773-1838) und Juda Leib ben Ze’eb (1764-1811) waren jüdische Aufklärer in der Donaumonarchie. Unter dem Titel Kitvēj Kodesch (heilige Schriften) haben beide für eine jüdische Leserschaft Texte der Bibel aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt und modern kommentiert. Damit haben sie ein Projekt der Berliner Haskala fortgesetzt, das mit Moses Mendelssohns kommentierter deutscher Pentateuch-Übersetzung seinen Anfang nahm, die in hebräischen Lettern 1780-1783 gedruckt wurde.

Das leitende Interesse des Projekts ist sowohl ein allgemein ideengeschichtliches als auch ein spezifisches der Jüdischen Studien und der Rezeptionsgeschichte der hebräischen Bibel: Aus ideengeschichtlicher Sicht geht es darum, anhand der exegetischen Werke zweier heute weitgehend vergessener Denker ein weiteres Licht auf die jüdische Aufklärung in Böhmen und Österreich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu werfen, die im Unterschied zur Berliner Bewegung „Prager Haskala“ genannt wird. Wie lassen sich die aufgeklärten Ideen Ben Ze’ebs und Jeitteles’ im Rahmen ihrer Zeit verstehen? Wird die Zäsur des Wiener Kongresses und der Karlsbader Beschlüsse, die in den deutschen Ländern eine Zeit der Emanzipation und des Aufbruchs von der Restauration und dem Biedermeier trennt, auch in der Donaumonarchie spürbar?

Vom Standpunkt der jüdischen Geschichte aus ist es von Interesse, die Mittelstellung beider Maskilim näher in den Blick zu nehmen und ihre Rolle nicht zuletzt im Kontext der innerjüdischen Debatten ihrer Zeit zu verstehen. Jeitteles und Ben Ze’eb begreifen sich selbst als Modernisierer des Judentums. Gleichzeitig – und deswegen – suchen sie das Gespräch mit den Rabbinen des Mittelalters, aber auch mit der modernen protestantischen Exegese. Ben Ze’eb zitiert darum Eichhorn und Herder. Ein wichtiger Gewährsmann ist ihm aber auch, wie anderen Vertretern der Prager Haskala, der Renaissancegelehrte Azarya de Rossi, auf dessen literale Schriftauslegung im Me’or Enayim er ebenfalls zurückgreift. Wie Leopold Zunz (1794 1886), der Mitbegründer der „Wissenschaft des Judentums“, verfolgen Jeitteles und Ben Ze’eb ein bilinguales emanzipatorisches Programm, das die Erziehung zu besserem Deutsch und zu besserem Hebräisch zugleich zum Ziel hat.

Leitung:

apl. Prof. Dr. Christoph Schulte (Universität Potsdam)

Prof. Dr. Hannes Bezzel (Universität Jena)

Projektmitarbeiterinnen:

Dr. Louise Hecht und Dr. Grit Schorch

Drittmittelprojekt gefördert durch die DFG

2016-2018 im Umfang von 252.750 €

 

 

1. Sam 28. Text, Übersetzung u. Kommentare in der 5. Aufl. des Samuel-Bandes der Kitvēj Kodesch, Wien 1839.