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Geschichte des Jüdischen Friedhofs in Oderberg

Foto: Anke Geißler
Blick auf das Ergebnis eines Schülerprojektes auf dem Jüdischen Friedhof in Oderberg

Die seit dem Ende des 17. Jahrhunderts in Oderberg lebenden Juden errichteten um 1700 ihren Friedhof am Südhang eines zur Oder abfallenden steilen Hügels außerhalb der Stadt, auf dem „Mönkefeld“. 1786 wusste der Ortschronist Fischbach hierbei von einem besonderen Begräbnisplatz zu berichten. Denn oberhalb dessen befindet sich mit dem „Oderberger Steinkreis“ ein außergewöhnliches urgeschichtliches Bodendenkmal. Das macht diesen Friedhof in Brandenburg einzigartig. Er steht heute unter Denkmalschutz.

An diesem „Guten Ort“ wurden nicht nur die Juden Oderbergs begraben, sondern wahrscheinlich auch die aus dem nahen Angermünde. Doch erst 1884 erfolgte die Eintragung der Synagogengemeinde  Oderberg als Eigentümerin im Grundbuch.

Die Hanglage machte es erforderlich, Terrassen für die einzelnen Grabflächen anzulegen. Das macht diesen Friedhof in Brandenburg einzigartig. Jedoch ist kein Grabstein aus der Anfangszeit des Friedhofs erhalten. Der älteste Grabstein ist Trudchen Simon gewidmet, die 1841 in Oderberg starb. Die wahrscheinlich letzte Beisetzung fand mit Berta Lindenberg Ende 1933 statt.

Da alle Juden Oderberg bereits vor dem Einsetzen der nationalsozialistischen Deportationen 1938 verlassen hatten, blieb der Friedhof ungeschützt zurück. Er wurde mehrfach geschändet, die Grabsteine auf einen Haufen geworfen. Schließlich erfolgte 1944 der Zwangsverkauf des Friedhofs an die Stadt Oderberg, für 100 RM.

Nach Ende des Krieges 1945 übernahmen mehrere Bürger Oderbergs die ehrenamtliche Aufgabe, den verwaisten und zertrümmerten Friedhof in einen würdigen Zustand zu versetzen. Sie befestigten die erhalten gebliebenen Grabsteine wieder an ihren ursprünglichen Standorten. Bekannt ist, dass ab Mitte der 1950er Jahre ein einzelner Oderberger Einwohner den Friedhof liebevoll pflegte – und sich für den Erhalt der Gesamtanlage und der Grabsteine einsetzte. 1993 übernahm eine Berliner Familie die Verantwortung für die Pflege des Friedhofs. Bis 1995 wurden dank vieler Spenden etliche Grabsteine restauriert und ein schützender Zaun mit Toreinfahrt gezogen. Unterstützt wurden sie hierbei von der evangelischen Jungen Gemeinde. Im Jahr 2001 pflanzten Schüler einer 7. Klasse Bäume und Büsche und verlegten einen Davidstern. Im Jahr 2000 wurden 45 Grabstellen gezählt; 2013 waren es noch 36 Grabstellen.

Anke Geißler