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Geschichte der Jüdischen Gemeinde in Fürstenberg/Havel

Foto: Rudolf Spring
Standort der ehemaligen Synagoge in Fürstenberg/Havel

Fürstenberg lag historisch gesehen in einem südlichen Zipfel des Herzogtums Mecklenburg-Strelitz. Nach dem Krieg wurde es 1952 im Rahmen einer Neuordnung dem Bezirk Potsdam zugeordnet und gelangte dadurch nach 1989 in das Land Brandenburg.

Die ersten Juden wurden um 1750 in Fürstenberg seßhaft, seit ca. 1760 darf man im jüdischen Verständnis von einer Gemeinde sprechen, da mehr als 10 Männer, die für die Abhaltung eines Gottesdienstes nötig waren, dort lebten. Marcus Levin, einer der ersten jüdischen Einwohner, bemühte sich etwa um diese Zeit um ein Haus, das die Fürstenberger Juden als Synagoge nutzen wollten. Staatlicherseits erhielt die Gemeinde noch im 18. Jahrhundert den offiziellen Status einer Gemeinde (ähnlich der in Alt-Strelitz) mit einer Verfassung (Satzung). Dies bedeutete, daß die jüdische Gemeinde aus ihren Reihen Vorsteher und Älteste wählen durften und auch sonst in innergemeindlichen Angelegenheiten weitgehend eigenständig agieren konnten. Die Gemeinde bzw. ihre Vorsteher und Ältesten waren der offizielle Ansprechpartner der Regierung in Neustrelitz. Im Übrigen unterstanden alle Juden im ganzen Herzogtum dem Herzog direkt, d.h. sie wandten sich mit allen ihren Anliegen unmittelbar und persönlich an ihre Fürsten, deren Einstellung gegenüber den Juden weitgehend von herzoglicher Milde geprägt war.

Die Juden im Herzogtum Mecklenburg-Strelitz durften keinen Haus- und Grundbesitz erwerben. So wohnten sie in Fürstenberg über die ganze Stadt verstreut  als Untermieter, wohlhabendere Juden konnten auch ganze Häuser mieten. Erst 1867 erlangten sie das volle Bürgerrecht in Mecklenburg-Strelitz, das dann auch den Erwerb von Immobilien einschloß.

Die Gemeinde wuchs bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts stetig an und machte zeitweise 20% der Fürstenberger Bevölkerung aus. Es gab eine eigene jüdische Schule, in der Jungen und Mädchen unterrichtet wurden. 1853 wurde die Synagoge in der Baalenseestr. 10 gelegen (heute Netto-Parkplatz) noch einmal umfassend unter Mitwirkung des bekannten mecklenburgischen Hofbaumeisters Buttel renoviert, jedoch verlor die Gemeinde in der zweiten Hälfte des 19. Jh. die meisten ihrer Mitglieder (Abwanderung in die Städte der Umgebung, Auswanderung in die USA und nach England), sodaß die Synagoge schließlich 1913 von den letzten in Fürstenberg lebenden Juden verkauft wurde. Die Gemeinde war damit erloschen. 1933 wohnte noch eine ältere jüdische Dame in der Stadt, die 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde.

Felicitas Spring

 

Literatur:

Felicitas Spring, Die jüdische Gemeinde Fürstenberg (Havel) vom 18. bis 20. Jahrhundert. Zugleich ein Beitrag zur Familiengeschichte des Schutzjuden Gottschalk Moses und der Familie Riess, in: Herold-Jahrbuch, Neue Folge, 17. Band, hrsg. im Auftrag des HEROLD, Verein für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften zu Berlin (gegr. 1969) von Peter Bahl und Eckart Henning, Berlin 2012, S. 145 - 259.

Projektgruppe Die Juden von Mecklenburg, in: http://www.juden-in-mecklenburg.de/Orte/Fuerstenberg_Havel [letzter Aufruf: 6.4.2017]