Russische Phonetik

Intonation - IK 2

Die zweite Intonationskontur (IK 2) spiegelt die akzentuelle Hervorhebung wider, die durch eine dynamische Verstärkung der betonten Silbe erreicht wird, begleitet durch eine Dehnung und eine Tonhebung oder Tonsenkung. Dies kann alle Satztypen betreffen.

Als Beispiel sei hier der Fall an einem Aussagesatz illustriert, in dem steigend-fallende Intonation vorliegt (unbetonte Silben erscheinen als Punkte, betonte als Striche):

(Autorenkoll. u.d.Ltg. v. K. Gabka. Russische Sprache der Gegenwart. Bd. 1. Einführung. Phonetik und Phonologie. Leipzig: Enzyklopädie, 1987, 191)

Wann im Aussagesatz steigende und wann steigend-fallende Intonation realisiert wird, kann nicht ganz genau vorgeschrieben werden. Näherungsweise lässt sich sagen, dass steigender bzw. steigend-fallender Tonhöhenverlauf anzutreffen ist, wenn das erste Wort einer Äußerung hervorgehoben werden soll. Die starke Tonsenkung der Hauptakzentsilbe trifft dagegen das zweite Wort der Äußerung. Alle anderen Positionen sind mit Tonsenkung oder Tonhebung anzutreffen.

Auch bei den Fragesaetzen tritt die akzentuelle Hervorhebung in Kontrast zu anderen neutralen Varianten. Speziell bei den Ergänzungsfragen ist es die sog. mitteilende Ergänzungsfrage, die im Gegensatz zu den akzentuierten Varianten steht und die als Besonderheit aufweist, dass in ihr ein zweigeteiltes Rhema zu bemerken ist. Den ersten Teil des Themas bildet das Fragewort, den zweiten die "mitteilenden" Passagen (s. 1. Beispiel unten).

Speziell für den Ausländer entsteht hier das Problem, dass er in der Regel geneigt ist, die in der Melodieführung höchste Silbe auch mit dem stärksten Druck zu versehen. Oder anders gesagt, dass er oft nicht in der Lage ist den höchsten Ton in der Melodieführung ohne Druck und den tieferen (tiefsten) Ton mit starkem Druck zu artikulieren. Der Zusammenfall von höchstem Ton und stärkstem Druck ist aber nicht das Kennzeichen der (neutralen) mitteilenden Ergänzungsfrage, sondern der Ergänzungsfrage mit Hervorhebung.

Die akustisch-artikulatorischen Unterschiede sind also bei den Ergänzungsfragen sehr fein. Sie lassen sich an folgenden Beispielen erklären:

Mitteilende Ergänzungsfrage im Sinne:
Wie heißt du jetzt?
Ergänzungsfrage mit akzentueller Hervorhebung im Sinne:
Wie heißt du eigentlich jetzt?
Ergänzungsfrage mit akzentueller Hervorhebung:
Wie heißt du eigentlich jetzt?
Ergänzungsfrage mit akzentueller Hervorhebung:
Wie heißt du eigentlich jetzt?

Copyright © 1998 - 2012 Universität Potsdam, Rolf-Rainer Lamprecht.
Letzte Aktualisierung 17.10.2012 10:02 AM