199/99 vom 10.12.1999


Ein Leben ohne Halt und Boden

Die Freiwasserzone der großen Seen und Meere als einzigartiger Lebensraum
Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Ursula Gaedke am 16 Dezember 1999

Die Freiwasserzone der großen Seen und der Meere unterscheidet sich grundlegend von Lebensräumen wie Wäldern oder dem Grund von Gewässern: Die Organismen führen im freien Wasser ein Leben ohne Halt und Boden. Denn sie haben keinen Untergrund, an dem sie sich ansiedeln könnten. Dadurch gibt es keine Konkurrenz um Siedlungstellen und keine direkten Nachbarschaftsbeziehungen. Die Räuber können ihre Beute nicht festhalten, ablegen und zerteilen – sie müssen ihre Beute als Ganzes schlucken und sind daher (anders als bei Landtieren) sehr viel größer als ihre Opfer. Auch entwickeln sich nur kleine, schwebende Pflanzen. Starkes Wachstum wie bei Bäumen an Land wäre ganz sinnlos, weil es die Pflanzen nicht näher an das lebensspendende Sonnenlicht bringt.

Gaedkes bisherige Forschungsarbeiten am Bodensee haben gezeigt, dass in solchen Wasser-Ökosystem die Organismen jeder Größenklasse die gleiche Biomasse auf die Waage bringen. Das sagt viel über das Nahrungsnetz aus. Denn wenn das Gewicht der Bakterien genauso groß ist wie das der Algen, Pflanzen oder Fische in einem See, dann wird das zur Verfügung stehende Nahrungsangebot gut von einer Organismenklasse nach der anderen verwertet.

Für überdüngte Gewässer wie den Müggelsee und die extrem sauren (pH 2- 3.5) Tagebau-Restseen im Mitteldeutschen Revier und in der Lausitz trifft dieses Charakteristikum aber kaum noch zu. Um die Situation in diesen Gewässern zu verstehen und dann zu verbessern, bedarf es weiterer Grundlagenforschung, die Gaedke an der Uni Potsdam anstoßen will.

Ursula Gaedke wurde 1959 in München geboren und hat an der Universität Oldenburg Biologie und Mathematik studiert. Nach ihrer Habilitation (1995) hat sie seit Februar 1999 die Professur für Ökologie und Ökosystemmodellierung inne.

Ort der Veranstaltung: Uni Potsdam, Am Neuen Palais 10, Haus 9, Großer Physikhörsaal
Zeit der Veranstaltung: Donnerstag, der 16. Dezember 99, 17.30 Uhr

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[ Letzte Aktualisierung 15.12.99 Knappe]