BSc Patholinguistik: Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was macht die akademische Sprachtherapie, wie z.B. die Patholinguistik, aus?
Es gibt akademische (d.h. an Hochschulen/Universitäten) und nicht-akademische (d.h. an Berufsfachschulen) ausgebildete Sprachtherapeut*innen. Nicht-akademische Sprachtherapeut*innen sind z.B. Logopäd*innen und staatliche geprüfte Atem-, Sprech- und Stimmlehrer*innen nach Schlaffhorst-Andersen.  Akademische Sprachtherapeut*innen sind z.B. Patholinguist*innen (Absolvent*innen des Studiengangs Patholinguistik der Universität Potsdam), Sprachheilpädagog*innen, klinische Linguist*innen, klinische Sprechwissenschaftler*innen und Logopäd*innen. Eine Übersicht, über die Studienorte, die akademische Sprachtherapeut*innen ausbilden, finden Sie hier. Der Deutsche Bundesverband für akademische Sprachtherapie und Logopädie e.V. (dbs) beschreibt in einem Leitbild, was die akademische Sprachtherapie ausamacht. Dieses Leitbild und ein Kompetenzprofil finden Sie hier.

Wie ist das Studium der Patholinguistik (BSc) an der Universität Potsdam aufgebaut und welche Kurse muss ich belegen?
Informationen zum Aufbau des Studiengangs Patholinguistik (BSc) finden Sie in der Studienordnung und in der Modulordnung sowie in den Informationen für Studieninteressierte. 

Was sind die Inhalte des Studiums?
Das Studium ist interdisziplinär ausgerichtet und umfasst Veranstaltungen aus den Bereichen Patholinguistik (Neurolinguistik, Spracherwerb, Sprachverarbeitung), Linguistik, Medizin, Pädagogik und Psychologie.
Das Studium beschäftigt sich mit den theoretischen, diagnostischen und therapeutischen Grundlagen von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen bei Erwachsenen und im Kindes- und Jugendalter. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der evidenzbasierten Therapieforschung, bei der wissenschaftlich fundierte Diagnostik- und Therapiematerialien entwickelt werden und ihre Effektivität und Effizienz in kontrollierten Studien nachgewiesen werden. Auch tradierte und klinisch bewährte Therapiemethoden können so verglichen und evaluiert werden. Dies trägt dazu bei, die Qualität sprachtherapeutischer Interventionen nachzuweisen und eine effektive Verbindung zwischen linguistischer Theorie und sprachtherapeutischer Praxis herzustellen. Weitere Schwerpunkte sind die Erforschung des Zusammenhangs von Sprache und Gehirn und die Entwicklung von Modellen der (unbeeinträchtigten) Sprachverarbeitung.

Brauche ich den vollständigen Impfschutz?
Ja, denn das Infektionsschutzgesetz wurde am 10.12.2022 aktualisiert. U.a. wurde eine einrichtungsbezogene Impfpflicht beschlossen, die am 16.03.2022 in Kraft tritt. Die einrichtungsbezogene Impfpflicht gilt z.B. für Kliniken, Praxen im Heilmittelbereich und sozialpädiatrische Zentren. (Eine vollständige Auflistung aller Einrichtungen finden Sie hier). Als angehende Sprachtherapeut*innen sind Sie von der Impfpflicht daher unmittelbar betroffen. Die Impfpflicht wird für alle in den Einrichtungen tätige Personen gelten, also für Praxisinhaber*innen, Mitarbeitende und auch für Praktikant*innen. Als gesetzliche Pflicht bleibt die Impfpflicht ohne Befristung dauerhaft bestehen. Dies bedeutet, dass eine Arbeit als Therapeut*in (bzw. ein entsprechendes Praktikum) ohne Impfung gegen COVID-19 zukünftig nicht mehr möglich sein wird. Ausnahmeregelungen sind nicht vorgesehen. Ab dem 16. März 2022 müssen alle in einer sprachtherapeutischen Praxis oder Klinik tätigen Personen eine vollständige Impfung* gegen SARS-CoV-2 haben oder eine Genesung nachweisen oder ein ärztliches Zeugnis über das Bestehen einer Kontraindikation gegen eine Impfung gegen COVID-19 vorlegen. Als vollständiger Impfschutz (Stand: 14.12.2021) gelten zwei Impfungen. Es ist aber gut möglich, dass auch diese Regelung angepasst wird und der Impfschutz somit "ablaufen" kann. Bereits jetzt wird eine 3. Impfung spätestens 6 Monate nach der 2. Impfung empfohlen. Hier finden Sie das  Informationsblatt des Deutschen Bundesverband für akademische Sprachtherapie und Logopädie e.V.

Warum am Department Linguistik der Universität Potsdam studieren?
Das Department Linguistik der Universität Potsdam ist eines der größten in Deutschland und stark interdisziplinär ausgerichtet. Neben der Patholinguistik (Neurolinguistik, Spracherwerb, Sprachverarbeitung) sind auch Grammatiktheorie (Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik) und Computerlinguistik in Lehre und Forschung vertreten. Das breite Spektrum aller linguistischer Disziplinen bildet die Grundlage für das Verstehen von Sprachstörungen und die Untersuchung der gesunden Sprachverarbeitung und ist in dieser Form in Deutschland einmalig.

Welches Lehr- und Lernkonzept verfolgt der Studiengang Patholinguistik?

Kurs- und semesterübergreifendes Lernen
Studierende aus „älteren“ Semestern stehen als sog. Mentoren für Studierende der „jüngeren“ Semester zu ausgewählten inhaltlichen Fragen zur Verfügung. Ebenso werden die in Seminaren erarbeiteten Inhalte Studierenden aus anderen Semestern vorgestellt, z.B. als Posterpräsentation. Die praktisch-therapeutische Ausbildung erfolgt kursübergreifend und zieht sich ab dem 1. Semester durch das gesamte Studium.

Problembasiertes Lernen
Die Lehre ist kompetenzorientiert: Die für die sprachtherapeutische Praxis und Sprachtherapieforschung erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten werden stetig gefördert und vermittelt sowie durch selbstbestimmtes, entdeckendes und handlungsorientiertes Lernen vervollständigt. Daher verfügen unsere Absolvent*innen nicht nur über aktuelles und umfassendes fachliches Wissen sondern auch über die Kompetenz, dieses in der Berufspraxis direkt und eigenständig anzuwenden.

Studienintegrierte praktische Ausbildung
Die praktische Ausbildung als Sprachtherapeut beginnt bereits im 1. Semester und zieht sich durch das gesamte Studium. Im 1. – 4. Semester findet das sog. interne Praktikum statt: Die Studierenden hospitieren bei Therapien mit Kindern und Erwachsenen und führen unter Anleitung von erfahrenen Sprachtherapeutinnen eigenständig Therapien durch. Dieses interne Praktikum wird ergänzt durch praktische Übungen zur Befunderstellung und Therapieplanung,  Gesprächsführung und Therapiedidaktik. Das 5. Semester verbringen die Studierenden im sog. externen Praktikum und erwerben klinisch-praktische Kompetenzen in sprachtherapeutischen Praxen und Kliniken. Mit der Präsentation von zwei im externen Praktikum durchgeführten Therapien wird die praktische Ausbildung abgeschlossen.
Den Studierenden stehen sowohl auf dem  Campus Golm als auch im ZAPP Potsdam komplett ausgestattete Therapieräume zur Verfügung. Angeschlossene Supervisionsräume sowie die Videoaufzeichnung der Therapiesitzungen ermöglichen eine intensive Betreuung der Studierenden. Für die Vorbereitung steht den Studierenden eine Therapiebibliothek mit zahlreichen Diagnostik- und Therapiematerialien inkl. Computerarbeitsplatz zur Verfügung.

Forschungsbasiertes Lernen
Im Studium werden empirische  Ergebnisse nicht nur vermittelt und diskutiert, sondern die Studierenden haben auch die Möglichkeit, im Rahmen von Seminar- und Projektarbeiten eigenständig empirische Untersuchungen, Therapien und Erhebungen durchzuführen. Die Einbettung des Studiengangs Patholinguistik in den Strukturbereich Kognitionswissenschaften ermöglicht eine ganz besonders forschungsbasierte Herangehensweise durch die verschiedenen am Department Linguistik angesiedelten Labore. In diesen experimentellen Laboren arbeiten Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter sowie wissenschaftliche und studentische Hilfskräften Hand in Hand. Besonders eng arbeitet der Studiengang Patholinguistik mit dem Treatment Lab, dem Schlucklabor, dem Nola Lab, dem Babylab und dem Developmental Disorders Lab zusammen.      

Warum wird empfohlen, Stimme und Gehör durch einen HNO-Arzt oder Phoniater prüfen zu lassen?
Da Sie als Sprachtherapeut*in einen sprechintensiven Beruf ergreifen, ist es in Ihrem eigenen Interesse, dass Sie die Belastbarkeit Ihrer Stimme und Ihres Gehörs überprüfen lassen. Die Überprüfung ist aber keine Voraussetzung für die Bewerbung!

Warum wird empfohlen, ein vierwöchiges soziales Praktikum durchzuführen?
Dieses Praktikum soll Ihnen helfen, zu entscheiden, ob Sie grundsätzlich für die Arbeit mit Kindern und Erwachsenen geeignet sind und ob Ihnen die Tätigkeit Spaß macht. Das Praktikum ist aber keine Voraussetzung für die Bewerbung!

Kann eine logopädische Ausbildung im Studium anerkannt werden?
Eine erfolgreich abgeschlossene logopädische Ausbildung oder der Nachweis eines gleichwertigen Abschlusses kann das externe Praktikum im 5. Fachsemester ersetzen.  Weitere Informationen finden Sie hier.

Kann ich während des Studiums einen Auslandsaufenthalt absolvieren?
Die Universität Potsdam und der Studiengang Patholinguistik unterstützen Auslandsaufenthalte während des Studiums ausdrücklich. Sie können im Ausland studieren oder auch ein Praktikum absolvieren.
Die Universität Potsdam nimmt am Erasmus+ Programm teil, das grenzüberschreitende Mobilitäten von Studierenden in Europa fördert. Der Studiengang Patholinguistik hat Partneruniversitäten in Belgien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, in den Niederlanden, in Österreich sowie in der Türkei und in der Schweiz. Auch außer-europäische Auslandsaufenthalte sind möglich.
Weitere Informationen zu Auslandsaufenthalten im Rahmen des Studiums finden Sie auf der Webseite des International Office

    Wo kann ich nach dem Studium der Patholinguistik (BSc) therapeutisch arbeiten?
    Als Sprachtherapeut*in können Sie in unterschiedlichen Einrichtungen tätig werden, z.B. in sprachtherapeutischen/logopädischen Praxen, sozialpädiatrischen Zentren, lerntherapeutischen Einrichtungen, Krankenhäusern, Rehabilitationskliniken, geriatrischen Einrichtungen und Beratungsstellen. Eine Auswahl von sprachtherapeutischen Praxen, in denen Patholinguist*innen oder andere akademische Sprachtherapeut*innen arbeiten, finden Sie im Therapeutenverzeichnis des vpl und im Therapeutenverzeichnis des dbs.

    Welche Störungsbilder darf ich mit dem Abschluss des BSc Patholinguistik in Potsdam behandeln?
    Mit dem Abschluss im BSc Patholinguistik sind Sie berechtigt, die folgenden Störungsbilder (Indikationsschlüssel) zu behandeln und mit allen Kostenträgern abzurechnen. Diese Zulassungsfähigkeit ist in Anlage 3: "Bewertete Studiengänge" der Zulassungsempfehlungen des GKV-Spitzenverbands festgehalten.
    • Entwicklungsbedingte Störungen und Rhinolalien (SP1 – SP3 und SF)
    • Sprachstörungen bei hochgradiger Schwerhörigkeit und Cochlear Implantat-Versorgung (SP4)
    • Aphasie, Dysarthrie und Sprechapraxie (SP5/6)
    • Stottern und Poltern (RE1/2)
    • Kau- und Schluckstörungen (SC)

    Wie kann man zusätzlich die Zulassungsfähigkeit für Stimmstörungen (Indikationsschlüssel ST1-4) erwerben?
    Die Weiterqualifikation ist über einen Masterstudiengang oder im Rahmen einer Postgraduierung möglich.

    Wann brauche ich eine Kassenzulassung?
    Eine Kassenzulassung ist nur dann erforderlich, wenn Sie eine eigene Praxis eröffnen. Für die Arbeit im Angestellenverhältnis ist die Zulassungsfähigkeit für die behandelten Störungsbilder ausreichend. Grundlage für die Kassenzulassung sind die Zulassungsempfehlungen des GKV-Spitzenverbands. Informationen zur Kassenzulassung und Praxisgründung erhalten Sie z.B. von einem Berufsverband (s.u.)

    Wie hoch ist das Gehalt eines akademischen Sprachtherapeuten (Patholinguist*in)?
    Das Gehalt hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. der Art des Arbeitsplatzes (angestellt oder selbständig; Klinik oder Praxis) und der individuellen Ausgestaltung des Arbeitsvertrags. Daher ist es nicht möglich, genaue Zahlen zu nennen. Für Angestellte in Praxen gibt der dbs regelmäßig Gehaltsempfehlungen bekannt.

    Gibt es einen Berufsverband für Patholinguist*innen?
    Ja. Viele Studierende und Absolvent*innen des Studiengangs Patholinguistik sind Mitglied im Deutschen Bundesverband für akademische Sprachtherapie und Logopädie e.V. (dbs), der sich für berufspolitische und inhaltliche Belange aller akademischer Sprachtherapeut*innen einsetzt. Im Jahr 2021 hat der 20 Jahre vorher gegründete gemeinnützige Verband für Patholinguistik e.V. (vpl) beschlossen, mit dem dbs zu fusionieren. Bis dahin war der vpl die "Verbandsheimat" vieler Patholinguist*innen und hat deren berufsständische Interessen vertreten. In einem gemeinsamen, größeren Verband können berufspolitische Ziele in Zukunft noch besser erreicht werden.