Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Die Vorbereitungszeit verlief bei mir ehrlich gesagt recht schnell und chaotisch. Das lag allerdings ausschließlich an mir – ich hatte nämlich herausgefunden, dass ein Auslandsaufenthalt an meiner Wunsch-Uni für den Master hoch angerechnet wird. Als ich dann mit der Organisation begann, wurde ich darauf hingewiesen, dass der Zeitraum der Bewerbung für das nächste Sommersemester allerdings schon im Januar des aktuellen Jahres abgelaufen sei. Als ich mich bewerben wollte, war es glaube ich allerdings schon März. Nach vielem herumtelefonieren mit dem International Office und dem Erasmus-Koordinator meiner Fakultät war es glücklicherweise für mich möglich noch einen Gastplatz zu erwischen. Ich organisierte also alle Dokumente binnen sehr kurzer Zeit, schrieb mein Motivationsschreiben und schickte alles los. Und tatsächlich hatte es noch geklappt – Ich habe meinen Wunschplatz an der Universidade Da Coruna erhalten. 

Warum wollte ich genau an diese Universität? Nunja, ich hatte mir vor allem Spanien als Gastland ausgeguckt. Ich fand Spanien schon immer sehr schön und konnte mir gut vorstellen, dort eine Weile zu leben. Auch fand ich mein Englisch schon ausreichend, weswegen ich mir lieber noch eine neue Sprache aneignen wollte – und Spanisch schien mir da zusätzlich sehr praktisch zu sein. Es gab von meiner Fakultät mehrere Plätze in Spanien, aber ich entschied mich für Coruna aus folgenden, recht pragmatischen Gründen: Es war die einzige Universität, an der ich Kurse für eine andere Fakultät belegen konnte und auch Kurse auf Englisch anbot. Ehrlich gesagt hatte ich nur sehr minimale Spanischkenntnisse vor meinem Auslandsaufenthalt und ich habe es mir nicht getraut nur Kurse auf Spanisch zu belegen – so dass ich mich nebenher auf das Lernen konzentrieren konnte. Auch verlangt die UDC keinen Sprachnachweis und somit war sie für mich die perfekte Wahl.


Studienfach: IT-Systems Engineering / BWL (während Aufenthalt)

Aufenthaltsdauer: 01/20-06/20

Gastuniversität: Universidade da Coruña

Gastland:Spanien

Studium an der Gastuniversität

Als ich dann in Coruna ankam, hatte ich mein Spanisch mithilfe von ein paar Apps und Lernprogrammen schon ein wenig verbessert. Ich kann euch aber eins empfehlen: Wenn ihr im Erasmus-Programm seid, gibt es Fördergelder für Sprachkurse. Wenn eure Sprache schon ein bisschen eingerostet, oder noch nicht wirklich in eurem Wissensschatz vorhanden ist, könnt ihr in Deutschland einfach einen Kurs machen und bekommt diesen zu bis zu 80% bezahlt. Das würde ich also das nächste Mal anders machen. 

Die Organisation von allem war in Coruna für deutsche Verhältnisse ziemlich dürftig. Klar muss man sich vieles selbst zusammensuchen, aber in meinem Fall sind von Seiten der Universität eindeutige Fehler passiert. Das hing vielleicht damit zusammen, dass ich nicht nur Kurse an einer Fakultät, sondern auch noch an einer anderen belegt habe. Im Endeffekt war ich bei beiden Fakultäten nicht gemeldet und habe von den wichtigen E-Mails nichts erhalten, da ich initial nicht in die Verteiler eingetragen war. Auch beim International Office in der Uni gab es einige Probleme und ich musste viel hin- und her rennen und selbst organisieren. Aber nach 2 Wochen hatte ich das alles gelöst und konnte mich ganz auf meinen Aufenthalt konzentrieren. 

Was die Lehre in Spanien angeht, so ist diese vom Niveau in den BWL-Fächern ungefähr vergleichbar mit denen in Deutschland. Ist natürlich wie immer aber auch sehr vom Dozenten abhängig. Ich fand manche Kurse zu theoretisch, andere hingegen besser und praxisorientierter als in Deutschland. Die Klausuren waren bis auf eine Ausnahme alle mit gewöhnlichem Aufwand gut machbar. Man bekommt aber auch keine 1en hinterhergeworfen. Die Dozenten in Spanien sind größtenteils außerordentlich nett und hilfsbereit. Auch wenn man sich an den englischen Akzent am Anfang erstmal ein wenig gewöhnen muss, so sprechen sie doch solides Englisch und ich konnte immer in den Vorlesungen gut folgen. 

Kontakt zu einheimischen und internationalen Studierenden

Tatsächlich sind die Studenten in Galizien, dem Teil von Spanien in dem Coruna liegt, ein wenig verschlossen. Sie sind viel für sich unterwegs und man braucht eine ganze Weile, um mit ihnen warm zu werden. Ich hatte diese Zeit leider nicht, da meinem Studium schon frühzeitig durch das Coronavirus ein Strich durch die Rechnung gemacht wurde. 

Ansonsten hat man aber durch das ESN – Erasmus Student Network, welches es in jedem Standort gibt, sehr gute Möglichkeiten neue Leute kennenzulernen. Dort spricht man jedoch meist Englisch, weswegen man doch ein bisschen weniger Spanisch lernt als gedacht. Die Leute sind alle nett und aufgeschlossen und sehr feierwütig. Man kann sich also in Spanien oft auf organisierte Feiern und Partys vom ESN einstellen. Anfangs hatte ich da sehr viel Spaß dran, mit der Zeit kannte man aber alles schon. Die ESN-Leute hatten wohl ihre Abmachungen mit lokalen Clubs und so waren die „Motto“-Partys eigentlich immer wieder das gleiche. Und wenn man nicht jedes Mal die gleiche Playlist im gleichen Club mit den gleichen Leuten hören möchte, kann ich es euch sehr empfehlen selbst mit euren neuen Freunden etwas zu machen. Aber gerade für die Anfangszeit, um neue Leute kennenzulernen waren die Erasmus-Veranstaltungen vom ESN ungeschlagen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Wie schon erwähnt konnte ich vor dem Auslandsaufenthalt kaum Spanisch. In Coruna habe ich dann einen Sprachkurs belegt, der allerdings nicht von bester Qualität war und bei 0 angefangen hat. Normalerweise sollte das ein 2-3-wöchiger Crashkurs sein, der JEDEN Tag 1,5h stattfinden sollte. Das Ziel davon war, dass natürlich alle ihr Spanisch verbesserten und selbst die Anfänger dann ein bisschen kommunizieren konnten. Dieser wurde bei uns – weil die Uni das mal wieder nicht so ganz organisiert bekommen hat – allerdings auf 2 Kurse pro Woche in 10 Wochen gestreckt. Das klingt zwar erstmal entspannter, aber das Ergebnis davon war, dass man halt nicht schnell die Sprache gelehrt bekommen hat. Auch waren die Spanischstunden für mich sehr verschult, unproduktiv und auch ein bisschen langweilig. Da hätte man deutlich mehr aus uns herausholen können.

Dann kam auch noch das Coronavirus dazwischen. Damit sind dann die letzten Spanischvorlesungen online gewesen, und dort hat man dann quasi keinen Lernerfolg mehr gespürt. Der Fern-Unterricht ist natürlich auch für die Dozenten schwer, keine Frage. Aber mir hat es dann leider nichts gebracht. Immerhin war der erste Kurs komplett kostenlos von der Universität, ein weiterer Kurs hätte glaube ich dann so 100-150€ gekostet. Dann konnte man durch Corona ja nicht mehr auf die Straße gehen, weswegen mein Spanisch – abgesehen vom Selbststudium – stagnierte. Ich konnte mein Spanisch also natürlich verbessern, wenn der Virus nicht gewesen wäre, wäre dies aber in ganz anderen Dimensionen passiert als so. Sehr schade!

Wohn- und Lebenssituation

Über die Wohnsituation in Coruna muss man sich keine Sorgen machen. Ich hatte mir anfangs erstmal für zwei Wochen ein kleines AirBnB gebucht (versehentlich nur ein Raum in der Wohnung von einer spanischen Dame, die kein Wort Englisch konnte, aber so lernt man umso besser!). Die meisten Erasmus Studenten finden durch das ESN eine Wohnung. Die haben eine Kooperation mit einer lokalen Agency. Das kam mir erstmal ein bisschen spanisch vor (haha :P). Dazu kam, dass diese Agency noch auf Google seehr viele 1-Sterne Bewertungen von unzufriedenen Erasmus-Studenten erhalten hat, die ihre Kaution nicht zurückerhalten haben. Ich kann zumindest erstmal ein wenig widersprechen, die meisten Studenten erhalten dort ihre Wohnung und man kommt mit tollen anderen Erasmus- und International Leuten in Kontakt. Einem werden ein paar Wohnungen auf einem Rundgang mit vielen anderen Erasmus-Leuten gezeigt: Hier heißt es schnell sein und bei einer schönen Wohnung schnell Bescheid sagen. Dann bekommt man die Wohnung auch direkt. Das ist coolerweise deutlich entspannter als in Deutschland. Mit der Wohnung und meinen Mitbewohnern war ich dann auch sehr happy. Nur ist mein Mietzeitraum zum Zeitpunkt an dem ich diese Rezension schreibe noch nicht abgelaufen – ich kann also auch noch nicht 100%-ig sagen, dass ich meine Kaution zurückerhalten werde. Allerdings ist die Vermieterin sehr nett und man hat persönlichen Kontakt. Achja, ich habe für die Unterkunft 230€ halb-kalt gezahlt. Es ging billiger aber auch teurer. 

Das öffentliche Leben in Coruna ist sehr nett. Man hat eine schöne, mittelgroße Stadt am Meer. Die Siesta ist etwas gewöhnungsbedürftig, so haben nach 3 fast alle Banken der Stadt geschlossen. Öffis sind günstiger als in Deutschland – holt euch unbedingt am Anfang eine Millennium-Card, damit zahlt man pro Fahrt statt 1,30€ nur 60 Cent. 

Studienfach: IT-Systems Engineering / BWL (während Aufenthalt)

Aufenthaltsdauer: 01/20-06/20

Gastuniversität: Universidade da Coruña

Gastland:Spanien


Rückblick

Rückblickend hatte ich eine zu kurze Zeit in Coruna, da ja Corona dazwischenkam. Dennoch war die Zeit, die ich da war, zwar anfangs ein bisschen chaotisch, aber dann doch sehr schön. Traut euch und geht am Anfang vor allem auf neue Leute zu, es bilden sich schnell Grüppchen. Ich hätte mir gewünscht, dass das Virus nicht gewesen wäre, dann hätte ich bestimmt noch viel mehr tolle Dinge erlebt und noch viel besser Spanisch lernen können. Aber man kann ja Erasmus auch noch ein zweites Mal machen.

Mir hat es super gefallen, ich würde auf jeden Fall auch wieder nach Coruna fahren. Ein Nachtrag fällt mir noch ein – das Wetter. Seid euch bewusst, dass ihr hier nach Nordspanien an die Atlantikküste fahrt – das heißt es wird nicht wirklich heiß, gerade in den Frühlingsmonaten. Außerdem ist es sehr schwül und im Meer ist es auch ohne Neoprenanzug eisig. Wenn ihr eine schöne Stadt wollt, mit der richtigen Größe kann ich euch Coruna sehr empfehlen. Wenn ihr allerdings Schönwetter-Liebhaber seid, empfehle ich euch mehr ins Inland oder in den Süden zu fahren. 

Spanien

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