Interkulturelle Kompetenz durch wissenschaftliches Schreiben entdecken: Die Perspektive einer Studentin auf eine EDUC-Erfahrung
Die EDUC-Allianz bietet Studierenden eine einzigartige Möglichkeit, sich mit internationalen Kommiliton:innen auszutauschen, ihre Perspektiven zu erweitern und wichtige akademische Kompetenzen zu entwickeln. Eine solche Gelegenheit bot der Kurs „Writing Across Cultures“, der von David Prickett an der Universität Potsdam angeboten wurde und für EDUC-Studierende offenstand. In diesem Kurs setzten sich die Studierenden mit der Bedeutung und Relevanz interkultureller Kompetenz in der heutigen Welt auseinander, beschäftigten sich mit wissenschaftlichem Schreiben und nahmen an Peer-Review-Übungen teil. Das Semester endete mit Präsentationen, in denen die Studierenden ihre Forschungsergebnisse und persönlichen Erkenntnisse vorstellten.
Akua Annoh von der Université Paris Nanterre nahm aktiv an diesem Kurs teil, besuchte jede Sitzung online und leistete wertvolle Beiträge. In diesem Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen, Erkenntnissen und den Dingen, die sie aus dem Kurs mitgenommen hat.
Was hat dich dazu bewegt, an diesem Kurs teilzunehmen, und was hat ihn für dich besonders interessant gemacht?
Ich hatte in diesem Semester etwas zusätzliche Zeit und war auf der Suche nach einer sinnvollen Möglichkeit, diese zu nutzen. Als ich auf den Kurs stieß, hat mich der Titel Writing Across Cultures sofort angesprochen. Er erinnerte mich auch an meinen Literaturunterricht in der Schule, den ich sehr gerne mochte. Ich wollte meine Fähigkeiten im wissenschaftlichen Schreiben verbessern und gleichzeitig durch den Austausch mit Studierenden mit unterschiedlichen Hintergründen neue Perspektiven gewinnen. Der internationale Aspekt des Kurses machte ihn für mich besonders interessant, weil ich davon ausging, dass wir interkulturelle Kompetenz nicht nur theoretisch kennenlernen, sondern auch im Austausch mit den anderen Teilnehmenden praktisch erfahren würden. Ich fand es außerdem sehr bereichernd, dass eine Lehrassistenz dabei war, die persönliche Einblicke in die Themen geben konnte, mit denen wir uns beschäftigten.
Inwiefern hat der Kurs dein Verständnis von interkultureller Kompetenz geprägt?
Der Kurs hat mir geholfen, ein klareres Verständnis von interkultureller Kompetenz zu entwickeln – insbesondere von der Tatsache, dass sie erworben und kontinuierlich weiterentwickelt werden kann. Eine wichtige Erkenntnis für mich war, Menschen nicht allein aufgrund ihrer Nationalität oder ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe zu definieren oder einzuordnen. Kultur beeinflusst uns, aber sie bestimmt nicht vollständig, wer wir als Individuen sind. Die Gruppenarbeit hat mir sehr gut gefallen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Situation, in der ich mit einer Gruppe zusammenarbeitete und dabei feststellte, dass einer der anderen Studierenden im Rahmen seines Linguistikstudiums meine lokale Sprache lernte. Ich konnte ihm bei seiner Aufgabe helfen – ein kleiner, aber für mich sehr bedeutungsvoller interkultureller Austausch. Der Kurs hat mir außerdem bewusst gemacht, dass selbst dann, wenn wir eine andere Kultur wertschätzen und uns aufrichtig für sie interessieren, Missverständnisse entstehen können. Gute Absichten allein führen nicht automatisch zu interkulturellem Verständnis. Wir müssen auch zuhören, Fragen stellen und offen für Perspektiven bleiben, die sich möglicherweise von unseren eigenen unterscheiden.
Wenn du heute auf diese Erfahrung zurückblickst: Was nimmst du daraus mit?
Eine der praktischsten Erkenntnisse, die ich aus dem Kurs mitnehme, ist die Verbesserung meiner Fähigkeiten im wissenschaftlichen Schreiben. Ich habe ein besseres Verständnis dafür entwickelt, wie man eine These formuliert, die sogenannte Trichter-Methode beim Schreiben einsetzt und ein Abstract verfasst. Außerdem habe ich nützliche wissenschaftliche Datenbanken und verschiedene Ansätze kennengelernt, um Forschungsliteratur zu finden und mit ihr zu arbeiten. Diese werde ich auch in meinem weiteren Studium nutzen. Über das wissenschaftliche Schreiben hinaus ist mir eine Idee aus einer der Geschichten, die wir gelesen haben, besonders im Gedächtnis geblieben: Kultur kann etwas Heiliges sein, das Menschen bewahren, aber sie kann auch etwas sein, das getragen, angezogen, geteilt und im Alltag gelebt und erfahren wird. Das hat mich dazu gebracht, anders darüber nachzudenken, wie ich mit meiner eigenen Kultur umgehe – insbesondere, seit ich im Ausland lebe. Die Begegnung mit Menschen, die so sehr daran interessiert waren, ihre Perspektiven zu teilen und die Perspektiven anderer zu verstehen, hat mich außerdem ermutigt, selbst stärker auf andere zuzugehen. Ich kann andere Menschen und ihre Kulturen nicht wirklich verstehen und wertschätzen, wenn ich nicht versuche, sie kennenzulernen. Der Kurs hat mich deshalb auch dafür sensibilisiert, wie ich mit anderen zusammenarbeite – insbesondere für die Bedeutung, anderen Raum zu geben, ihre eigenen Meinungen und Perspektiven zum Ausdruck zu bringen. Ich würde anderen Studierenden empfehlen, an einem ähnlichen Kurs teilzunehmen. Er bietet nicht nur die Möglichkeit, akademische Fähigkeiten zu verbessern, sondern auch Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen kennenzulernen und ein stärkeres Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie wir über kulturelle Grenzen hinweg kommunizieren und zusammenarbeiten.
Die EDUC-Allianz schafft weiterhin wertvolle internationale Lernerfahrungen und fördert Zusammenarbeit und Austausch zwischen den beteiligten Universitäten. Dieser Kurs hat nicht nur die Fähigkeiten der Studierenden im wissenschaftlichen Schreiben gestärkt, sondern auch ihr Verständnis für interkulturelle Kompetenz vertieft – eine wichtige Schlüsselkompetenz in unserer zunehmend globalisierten Welt. Wir freuen uns darauf, noch mehr von unseren EDUC-Teilnehmenden und ihren Erfahrungen im Rahmen dieser bereichernden akademischen Möglichkeiten zu erfahren!