Frankreich und die DDR – Zivilgesellschaft und Kulturtransfer

Eine Kooperation zwischen der Universität Potsdam und der Université Bordeaux Montaigne

Diskussionsrunde am 06.12.2021

Im Rahmen des Projektes findet am 06.12.2021 von 10.30 bis ca. 15.00 eine öffentliche Tagung mit Zeitzeug*innen-Gesprächen und Diskussionsrunden als hybride Veranstaltung in der Wissenschaftsetage im Bildungsforum Potsdam statt.

Informationen zum Programm finden Sie hier.

Anmeldung bei Anne Pirwitz: apirwitz@uni-potsdam.de

Bitte geben Sie an, ob Sie in Präsenz oder über Zoom teilnehmen möchten.

Veranstaltungsort: Bildungsforum (Am Kanal 47; 14467 Potsdam)


Poster: Frankreich und die DDR
Foto: UP

Denkt man an die deutsch-französischen Beziehungen der Nachkriegszeit, so sind es vor allem de Gaulle und Adenauer, der Elysée-Vertrag oder das Deutsch-Französische Jugendwerk, die einem in den Sinn kommen. Dass es neben diesen Beziehungen zwischen Frankreich und der BRD auch bedeutsame ostdeutsch-französische Kontakte gab, wird häufig erst bei einem genaueren Blick deutlich.

Frankreichs Verbindungen zum ‚anderen‘ Deutschland sind bis 1973 durch die Nicht-Anerkennung der DDR und damit fehlende offizielle politische Kooperation geprägt. Umso bedeutsamer waren die Kulturbeziehungen und die Kontakte zwischen Akteur*innen der Zivilgesellschaft. Die ersten ostdeutsch-französischen Städtepartnerschaften entstanden schon 1959 – 27 Jahre vor den ersten deutsch-deutschen Partnerschaften. Französische Stars wie Mireille Mathieu oder Gilbert Bécaud traten in Shows der DDR auf, Filme mit Louis de Funès liefen in den Kinos, Camus und Sartre wurden in den Französischlehrbüchern präsentiert. In Frankreich rezipierte man Brecht, das Berliner Ensemble spielte mehrfach in Paris, DDR-Delegationen wurden beim Filmfestival in Cannes empfangen. Insbesondere die Parti Communiste Française und Organisationen wie die Échanges franco-allemands engagierten sich für engere Zusammenarbeit. Zu keinem anderen kapitalistischen Land führte die DDR so weitreichende Beziehungen wie zu Frankreich.

Wieso spielte ausgerechnet Frankreich eine so bedeutsame Rolle für die DDR? Wie vollzog sich der Drahtseilakt der DDR zwischen Öffnung und Abgrenzung? Wie entstanden die Städtepartnerschaften zwischen Frankreich und der DDR und welche Aktivitäten wurden durchgeführt? Wie lehrte man in den Schulen der DDR die Sprache eines Landes, das man selbst in den meisten Fällen nie bereisen durfte? Wie kam es dazu, dass jedes Jahr zahlreiche französische Kinder und Jugendliche in den Ferienlagern der DDR Urlaub machten? Und inwiefern konnten französische Akteur*innen auch als Mittler zwischen BRD und DDR fungieren?

Studierende der Universität Potsdam und der Université Bordeaux Montaigne gehen diesen und weiteren Fragen im Laufe dieses Kooperationsprojektes nach. Dazu führen sie Interviews, gestalten Ausstellungsplakate und drehen dokumentarische Beiträge für die Sendung „Kulturen im Fokus“.

Poster: Frankreich und die DDR
Foto: UP