uni-potsdam.de

Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können die Funktionen dieser Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

Anlage des Jüdischen Friedhofs in Schwedt/Oder

Foto: Stadtmuseum Schwedt/Oder
Blick in den Hauptweg der Anlage des Jüdischen Friedhofs in Schwedt/Oder

Der Friedhof liegt an der Helbigstraße unmittelbar neben den Bahngleisen. Das von einer Mauer umgebene Gelände hat eine Ausdehnung von ca. 75 m in Ost/West- und 25 m in Nord/Süd-Richtung. Auf der Südseite befindet sich ein zweiflügeliges Metalltor und rechts daneben das ehemalige Totengräberhaus, das seit seiner Erbauung im Jahr 1861 und auch heute noch als Wohnhaus dient.

Zwei Hauptwege teilen die Friedhofsanlage in drei Bereiche. Vom Eingangstor führt ein Weg in nördlicher Richtung geradezu auf den ältesten erhaltenen Grabstein (Stein 30). Es handelt sich dabei um das Doppelgrab des Ehepaars Levin Marcus (gest. 1818) und Täubchen Schwedter (gest. 1822). Das links neben diesem Weg gelegene westliche Gräberfeld ist das älteste. Die hier noch erhaltenen Grabsteine tragen Sterbedaten aus der Zeit von 1822 bis 1869.

Durch das östliche Gräberfeld läuft ein zweiter Hauptweg. Links dieses Weges, im nordöstlichen Bereich, liegen Gräber aus der Zeit von 1871 bis 1881, sowie aus dem 20. Jahrhundert. An der verputzten Nordmauer ist eine Tafel angebracht, die an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erinnert. Außerdem befinden sich an dieser Mauer mehrere Familiengrabmale.

Insgesamt sind heute noch 121 Steine erhalten. Die überwiegende Zahl der Steine ist zweisprachig beschriftet und zwar in der Mehrzahl so, dass auf der Ostseite die hebräische und auf der Westseite die deutsche Inschrift steht. 22 Steine tragen nur eine deutsche Inschrift und 2 Steine nur eine hebräische. Die Steine, die ausschließlich deutsch beschriftet sind, stammen alle aus dem 20. Jahrhundert.

Ausschmückungen finden sich besonders auf den älteren Grabsteinen (bis 1876) und fast nur auf der Seite der hebräischen Inschrift. Meist handelt es sich um schlichte florale Muster, ausgeführt als Relief oder als Rillendekor. Der Grabstein von Israel David Löwenheim (Stein 5) zeigt eine Levitenkanne als Zeichen für die levitische Herkunft der Familie. Die segnenden Hände als Zeichen priesterlicher Abstammung fehlen auf diesem Friedhof.

In hebräischen Grabinschriften wird häufig aus der religiösen Literatur, besonders der Bibel, zitiert. Es handelt sich dabei jedoch meist nicht um vollständige Zitate eines ganzen Bibelverses, sondern nur um einzelne geläufige Redewendungen. Auf dem Schwedter Friedhof fällt jedoch auf, dass sehr häufig (auf 51 Steinen) ein vollständiger Bibelvers wiedergegeben wird und zwar sowohl innerhalb der hebräischen als auch der deutschen Inschrift. Die Verse sind häufig dem Psalter entnommen, aber auch aus Hiob, den Propheten oder den Sprüchen Salomos wird gerne zitiert.

Auf hebräischen Grabinschriften wird fast immer der jüdische Name des/der Verstorbenen und auch der seines/ihres Vaters genannt. Das gibt uns die Möglichkeit, genealogische Zusammenhänge zu rekonstruieren. Ein besonders gutes Beispiel dafür bietet die Famile Seelig, an die nicht weniger als 19 Grabsteine auf dem Schwedter Friedhof erinnern. Aus den hebräischen Inschriften erfahren wir, daß – außer seinem älteren Bruder Levin Seelig und dessen Ehefrau Deiche (Steine 26 und 6) – alle anderen Nachfahren von Aron Seelig (Stein 24) waren.
 
Brigitte Heidenhain