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Anlage des Jüdischen Friedhofs in Groß Neuendorf

Foto: Anke Geißler
Blick über den Jüdischen Friedhof in Groß Neuendorf

Der Friedhof liegt auf einem freien Feld an einer unbefestigten Straße. Dank vorbildlicher Ausschilderung ist der Ort leicht zu finden. Die Anlage ist von einer Mauer umgeben und bildet ein Rechteck von ca. 15 x 16 m². Das schmiedeeiserne Tor, das eine Menora zeigt, ist unverschlossen.

Es sind noch 24 Grabsteine erhalten. Bei einem Grabstein fehlt der obere Teil mit dem Namen, auf zwei weiteren Fragmenten sind nur noch Rudimente der Inschrift sichtbar. Außerdem sind weitere sieben Grabstellen als Bruchstücke erkennbar.

Sieben Grabsteine tragen nur eine hebräische Inschrift, zehn sowohl eine hebräische als auch eine deutsche und acht Steine nur eine deutsche Inschrift. Auf einem Stein steht auf einer Seite eine hebräische und auf der anderen eine deutsche Inschrift, die in hebräischen Buchstaben geschrieben ist (Stein 13, Malka Hartwich, Ehefrau von Herz Hartwich). Alle hebräischen Inschriften befinden sich auf den Ostseiten der Steine.

Die ältesten Grabsteine stehen an der hinteren Wand gegenüber dem Eingangstor. Sie sind in traditionell jüdischer Form gehalten, hochrechteckig mit bogenförmigem Abschluss; sie sind niedrig und ohne Sockel in die Erde eingelassen. Die jüngeren Steine (ab 1852) sind in der Mehrzahl höher; dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass sie fast alle auf einem Sockel stehen.

Ausschmückungen der Grabsteine finden sich nur auf 10 Steinen, meist als schlicht gehaltenes florales Rillendekor. Auf zwei Steinen ist ein Schmetterling zu sehen. Er gilt als Zeichen für die Vergänglichkeit des Lebens und die Metamorphose der Seele zum neuen Leben in der "anderen Welt". Ein Verstorbener wurde den Priestern zugerechnet, die ihre Abstammung auf Aron, den Bruder von Moses zurückführen. Dies wird durch die Darstellung der segnenden Hände, wie sie beim Priestersegen (4. Mose 6, 24-26) gehalten werden, ausgedrückt (Stein 19, Selig Cohn).

Ungewöhnlich ist auf diesem Friedhof die hohe Anzahl an Kindergräbern (11 von 28). Da wir nur die zufällig erhaltenen Grabsteine kennen, ist es jedoch ungewiss, ob der Anteil der Kindergräber vor den Zerstörungen auch schon so hoch gewesen ist.

Der Vater von drei Kindern (Stein 3 - Dobrisch Hartwich, Stein 7 - Ester Hartwich und wahrscheinlich Stein 6 - Abraham) war der langjährige Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Herz Hartwich. In den hebräischen Inschriften der Kinder und seiner Ehefrau Malka (Stein 13) wird er mit seinem jüdischen Namen Naftali erwähnt. Der deutsche Name Herz/Hirsch ist über den Jakobssegen mit dem biblischen Namen Naftali verbunden. (1.Mose 49, 21)

Besonders berührend ist das Grab von Sigmund Baumgarten (Stein 15), der nur 4 Jahre alt wurde und "hier an den Seiten seiner fünf kleinen Brüder" liegt. Die Eltern Dorothea und Israel Baumgarten lebten in Groß Neuendorf bis 1910 und 1911 (Steine 31 und 34).

Brigitte Heidenhain