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Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz

Die Universität Potsdam verleiht im Rahmen des Neujahrsempfang am 16. Januar  2019 zum dritten Mal den »Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz«. Der Voltaire-Preis wird von der Friede Springer Stiftung finanziert und wird seit 2017 jedes Jahr an einen Wissenschaftler oder eine Wissenschaftlerin vergeben, der oder die sich für die Freiheit von Forschung und Lehre sowie für das Recht auf freie Meinungsäußerung einsetzt.

„Der Auswahlprozess der vergangenen zwei Jahr hat gezeigt, in wie vielen Ländern die Freiheit von Forschung und Lehre gefährdet ist oder eben gar nicht (mehr) existiert“, sagt der Präsident der Universität Potsdam, Prof. Oliver Günther, Ph.D. „Umso wichtiger, dass wir mit dem Voltaire-Preis ein Zeichen setzen und denjenigen, die sich den anti-aufklärerischen Tendenzen entgegensetzen, Dank und Anerkennung zollen. Denn der Preis gilt nicht nur den Preisträgern, sondern all den tapferen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit, die Nein sagen zu Totalitarismus und Einschränkungen der Meinungs- und Redefreiheit.“

Am 21. Juni 2018  ist der Voltaire-Preis zum zweiten Mal verliehen worden. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung ging an die guatemaltekische Soziologin Gladys Tzul Tzul und würdigte ihren Einsatz für die indigene Bevölkerung in Mittelamerika. Dr. Gladys Tzul Tzul prangerte öffentlich den Genozid unter der Präsidentschaft des jüngst verstorbenen Efraín Ríos Montt in den Jahren 1982 bis 1983 an. Sie ist in ihrem Heimatland Guatemala immer wieder von Verfolgung bedroht.

Die Jury hat sich einhellig für Gladys Tzul Tzul entschieden. „Ich kann mir keine bessere Preisträgerin vorstellen“, erklärt Jury-Mitglied Ottmar Ette. „Gladys Tzul Tzul engagiert sich unermüdlich für die Rechte der indigenen Bevölkerung in Guatemala wie in ganz Mittelamerika. Sie verbindet wissenschaftliche Weitsicht und Genauigkeit der Analyse mit hohem Engagement und persönlicher Risikobereitschaft, also Verstand und Herz auf ideale Weise miteinander.“


Informationen zum Voltaire-Preis

Der Philosoph Voltaire (links) war häufig Gast im Potsdamer Schloss Sanssouci (rechts).

Die Universität Potsdam verlieh im Jahr 2017 erstmals den „Voltaire-Preis für Toleranz, Völkerverständigung und Respekt vor Differenz“. Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert und wird finanziert von der Friede Springer Stiftung.

Am 21. Juni 2018 ehrte die Universität im Rahmen der zentralen Absolventenverabschiedung Potsdam zum zweiten Mal eine Wissenschaftlerin, die einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog über Frieden, Völkerverständigung und Toleranz geleistet hat oder sich für die Freiheit von Forschung und Lehre sowie für das Recht der freien Meinungsäußerung eingesetzt hat.

Der französische Philosoph war Vordenker der Aufklärung

Der Preis ist benannt nach dem französischen Philosoph und Schriftsteller François Marie Arouet de Voltaire, der von 1694 bis 1778 lebte. Er zählt zu den meistgelesenen und einflussreichsten Autoren der französischen und europäischen Aufklärung. Mit seiner Kritik an den Missständen des Absolutismus und der Feudalherrschaft sowie an der katholischen Kirche war Voltaire ein Vordenker der Aufklärung und ein wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution.

Voltaire war darüber hinaus ein wichtiger Vordenker für den gesellschaftlichen Toleranz-Gedanken. Seine Schrift „Über die Toleranz“ von 1763, veranlasst durch einen Justizskandal im Jahre 1762, stellte einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum modernen Rechtsstaat dar und gehört heute zum Grundbestand der Aufklärungsliteratur.

In der Stadt Potsdam lebt der Geist der Aufklärung und Toleranz, was im Leitbild der Stadt öffentlich dokumentiert ist: „Die Stadt Potsdam ist eine Stadt der Vielfalt, Chancengleichheit und Toleranz für alle Menschen, unabhängig von Lebensentwurf, Alter, Geschlecht, Behinderung, Herkunft, Glaube, sexueller Orientierung und Einkommen.“ Gelebt wird dieser Geist in städtischen Projekten wie dem „Neuen Potsdamer Toleranzedikt von 2008“ oder dem Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“, an dem die Universität Potsdam beteiligt ist.

Die Universität setzt auf Weltoffenheit und Willkommenskultur

Auch international präsentiert sich die Universität Potsdam gegenüber Partnern in Forschung und Lehre als eine Hochschule, die eng mit dem Gedankengut der Aufklärung von Voltaire und La Mettrie wie auch mit der naturwissenschaftlichen Forschung im 19. Jahrhundert eng verbunden ist. Internationalisierung ist ein integraler Bestandteil der Gesamtstrategie der Universität Potsdam, die dazu beitragen soll, Qualität und Wettbewerbsfähigkeit von Forschung, Studium und Lehre an der Universität Potsdam weiter zu steigern. Zugleich aber sollen durch die Umsetzung der Internationalisierungsstrategie Weltoffenheit, interkultureller Austausch und Willkommenskultur gefördert werden.

Die Themenfelder von Aufklärung und Toleranz sind in der Forschung der Universität Potsdam fest verankert. So mündeten die Arbeiten von Potsdamer Wissenschaftlern in der Gründung einer gemeinsamen Forschungseinrichtung mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zu Beginn dieses Jahres. Ausgehend vom kulturellen und historischen Erbe der Aufklärung und der brandenburgisch-preußischen Geschichte werden in der Forschungsinitiative namens „Research Center Sanssouci“ künftig Zukunftsfragen einer aufgeklärten und demokratischen Wissensgesellschaft thematisiert.

Die Skulptur eines Potsdamer Künstlers

Mit der Erstellung des Voltaire-Preises hat die Universität Potsdam den in Potsdam lebenden Künstler Mikos Meininger beauftragt. Er hat eine etwa  15 cm hohe Figur geschaffen, die den Preisträgern am Tag der Ehrung überreicht wird.

Foto: Mikos Meininger
Der Bildhauer Mikos Meininger hat für den Voltaire-Preis eine Bronzeskulptur geschaffen.