Charlotte Wilczok - Internationale Zusammenarbeit

Charlotte Wilczok
Foto: privat
Charlotte Wilczok ist im Bereich der Internationalen Zusammenarbeit tätig und arbeitet derzeit als Selbständige aus Mali.

Steckbrief

  • Diplom Geoökologie, Abschlussjahr: 2013
  • Seit 2014 Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und seit 2019 selbständig

Das Interview wurde im Dezember 2020 geführt.

Wo arbeitest du und was ist deine Aufgabe?

Seit Anfang 2019 arbeite ich als Selbständige. Davor war ich 6 Jahre bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) beschäftigt und hierfür zuletzt 4 Jahre in Kamerun (Jaunde) eingesetzt. Mein Lebenspartner und ich lieben das Arbeiten im Ausland im Bereich der Internationalen Entwicklungs- und Technischen Zusammenarbeit (EZ, TZ). Damit das gut funktioniert und der berufliche Werdegang beider Seiten erfüllt werden kann, versuchen wir mit jedem neuen Standort einen Kompromiss zu finden. Zurzeit befinden wir uns in Bamako, Mali. Während mein Partner für die Deutsche Gesellschaft Internationaler Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in einem ländlichen Entwicklungsprojekt arbeitet, entwickle ich meine eigene Selbständigkeit. Ich kann bereits auf eine Vielzahl von Erfahrungen und Expertisen bauen und habe auf Grund meines langjährigen Netzwerkes eine gute Auftragslage. Interessant ist das Spektrum an Anfragen: Zum einen arbeite ich durch Zufall als Online IT-Trainerin für ein Finanzplanungstool der GIZ, zum anderen an sehr technischen Aufträgen, wie beispielsweise für die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)/GFA an der aktuellen Landbedeckungsklassifikation der Region Süd-West Kamerun für ein Waldmanagementprojekt. Außerdem arbeite ich für das GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) an der Unterstützung einer Web-Seminarserie über die Potentiale von Sentinel-2 Satellitendaten für die Nutzergruppe der Brandenburger Forst- und Landwirte (KONSAB).

Welches waren deine vorherigen beruflichen Stationen?

Nach meinem Abschluss habe ich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) gearbeitet. Das Stellengesuch habe ich auf https://www.epojobs.de/ entdeckt. Ich war dort 2 Jahre im Bereich der Grundwasserberatung für die Tschadseebeckenkommission tätig, zunächst in Hannover, später am Dienstort in Berlin. Da ich während meines Studiums ein Praktikum beim kamerunischen Geologie-Institut (Abteilung Fernerkundung) machte, hatte ich den starken Wunsch noch einmal nach Kamerun für eine längere Aufgabe zurückzugehen. Wie der Zufall es wollte, wurde eine Wissenschaftliche Mitarbeiter*in Stelle für ein TZ-Projekt in Kamerun mit der BGR ausgeschrieben, auf die ich mich erfolgreich bewerben konnte. Es ging bei dem Projekt um die Unterstützung der regionalen Raumordnungsplanung in Kamerun durch Bereitstellung von flächenhaften Geodaten mit dem Schwerpunkt Boden. Neben meiner anfänglichen Aufgabe als technische Fachexpertin übernahm ich auch für einige Zeit Verantwortung als Projektleiterin.

Wie bist du zu deinem jetzigen Job gekommen?

Meine derzeitige Selbstständigkeit hat sich aufgrund der persönlichen Umstände ergeben und ist eine sehr interessante und lehrreiche Erfahrung. Sie funktioniert deshalb gut, weil ich auf ein langjähriges Netzwerk aufbauen konnte. Anstellungen in der EZ/TZ sind sehr häufig an Projektlaufzeiten gebunden, d.h. die Chance auf eine feste Anstellung ist eher gering. Arbeiten in diesem Berufsfeld bedeutet Flexibilität und wahrscheinlich auch eine hohe Risiko-Bereitschaft. Die berufliche Entwicklung ist immer im Fluss, mit Offenheit und Kreativität ergeben sich vielleicht schon morgen neue berufliche Perspektiven. Für mich stellt sich das als absoluter Vorteil dar.

Was hat dich da an dem Job gereizt?

Mein Interesse an einem Engagement in der TZ basiert sicherlich auf meinem intrinsischen Interesse, die Welt zu erkunden und von ihr zu lernen. Dem bin ich bereits während meines Studiums nachgegangen. Mich interessieren sehr die globalen Zusammenhänge. Mein sehr fachlich-technischer Hintergrund aus dem Studium der Geoökologie ist aus meiner Sicht am effektivsten in der EZ/TZ in den Anwendungsgebieten natürliches Ressourcenmanagement und Ländliche Entwicklung eingesetzt. Hier sehe ich das größtes Potential anwendungsbezogen, kontextangepasst und nachhaltig zu wirken und so meinen Beitrag zu leisten.

Kontakt

Charlotte Wilczok, selbständig tätig für Projekte der Internationalen Zusammenarbeit, Schwerpunkt Boden

LinkedIn: charlotte-wilczok-43b87281/

Welches sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man für diese Arbeit mitbringen sollte?

Für das Arbeiten in der EZ/TZ braucht es übergeordnet vor allem sprachliche und interkulturelle Kompetenzen. Sie sind die wichtigsten Kommunikationswerkzeuge für das gemeinsame Arbeiten mit dem Partner und Kolleg*innen. Auch sehr wichtig: Geduld. Hauptaufgabe der EZ/TZ ist die Beratung der Partner*innen und bis erste Erfolge und Wirkungen sichtbar werden, kann etwas Zeit vergehen. Praktische Erfahrungen sind auch sehr von Vorteil. Je nach Einsatzgebiet bedarf es einem anderen Pool von Fachexpertisen. Innovative, digitale Instrumente werden zunehmend nicht nur in der direkten Umsetzung, sondern auch in interne Monitoring- und Evaluierungsprozessen (bspw. Fernerkundung, mobile Datenaufnahme) sowie Projektplanungsprozessen eingesetzt. Digitale Technologien über Cloud-Computing, AI, bis hin zum Einsatz von Drohnen sowie nachhaltiges Bodenmanagement/Bodenschutz sind zukunftsweisende Expertisen, die weltweit bereits große Nachfragen haben, vor allem in ihrer Kombination.

Die Selbstständigkeit im Kontext der EZ/TZ bedarf viel Disziplin und Freude an der Kommunikation sowie Zusammenarbeit in interkulturellen, interdisziplinären Teams. Und Mut und Selbstvertrauen für neue Aufgaben. Aber auch Flexibilität, insbesondere in fragilen Kontexten und Zeiten der Pandemie. Dafür schafft sie auch Raum und Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln und zu lernen. Meine eigentliche Expertise im Bereich tropischer Bodenkunde, GIS und Fernerkundung wird kontinuierlich erweitert und ausgebaut. Das betrifft neue Themen, aber auch Neuerungen und Entwicklungen in den bisherigen Themenfeldern. Wichtigster Punkt für mich: ich habe einen flexiblen Arbeitsplatz und kann so Beruf und Privatleben in Einklang bringen.

Wie sieht eine typische Arbeitswoche bei dir aus?

Die Projektarbeit in Kamerun ging z.T. definitiv über die 40-Std. Woche hinaus. Arbeitspeaks sind stark mit wichtigen Aktivitätenumsetzungen korreliert. Eine Bodenkartierungskampagne mit über 20 Teilnehmer*innen von mehreren Wochen und integriertem Kapazitäten-Aufbau durch einen renommierten internationalen Experten lässt sich mit keinem 9-to-5 Job realisieren. Allerdings gab es dann auch ruhigere Phasen, die sich hauptsächlich als Büroarbeit gestalteten (Administration, Berichterstattung, Auswertung). Ich habe in einem sehr diversen Projektteam gearbeitet mit internationalen und nationalen Fachkräften. Wir hatten ein hochmotiviertes Partner- und Akteursnetzwerk und der Arbeitsalltag gestaltete sich sehr vielseitig und partnernah. Dadurch durfte ich mit vielen fantastischen Persönlichkeiten zusammenarbeiten.

Dagegen steht nun das selbständige Arbeiten als Kleinunternehmerin. Die Arbeit für Aufträge mit fachlich-technischem Anspruch findet hauptsächlich am PC und allein statt. Durch mein breites Portfolio und die Arbeit als Online Trainerin ergeben sich viele Situationen, in denen auch Teamarbeit ein wichtiger Bestandteil des Berufsalltags ist. Dennoch unterscheidet sich die Art der Teamarbeit stark von meiner Arbeit in Kamerun in einer Projektanstellung. Beides - Festanstellung und Selbstständigkeit - hat seine Vor- und Nachteile und ist sicherlich stark typabhängig. Meine Devise: von aktuellen Erfahrungen profitieren, dass „Was-will-ich?“ stärken und beides in die zukünftigen, selbstgewählten beruflichen Herausforderungen integrieren.

Kontakt

Charlotte Wilczok, selbständig tätig für Projekte der Internationalen Zusammenarbeit, Schwerpunkt Boden

LinkedIn: charlotte-wilczok-43b87281/

Eindrücke aus verschiedenen Projekten der vergangenen Jahre

Was gefällt dir an deinem Beruf und was fordert dich am meisten heraus?

Am Arbeiten in der TZ hat mich am meisten das Zusammenwirken in interkulturellen Teams inspiriert. Es ist unglaublich, wie naturwissenschaftliche Themen Basis für eine begeisternde, vertrauensvolle und innovative internationale Zusammenarbeit sein können. Gemeinsam konnten wir das Thema Boden als wichtige natürliche Ressource, die Vision vom Open-Source Gedanken und die Wichtigkeit von (Geo-)Daten für eine nachhaltige Entwicklung in Kamerun stärken. Diese Themen faszinieren mich auch privat. Ich hatte großes Glück mein persönliches Interesse in meinem Arbeitsalltag in Kamerun umsetzen zu dürfen.

Herausfordernd waren die Momente, wenn Prozesse durch vielfältige Hürden verhindert oder verlangsamt wurden, dadurch Frustrationsgefühle einsetzten und viel Kraft aufgebracht werden musste, um sich weiter zu motivieren. Arbeiten in der EZ/TZ bedeutet auch einige Änderungen des bisherigen Lebensstandards auf sich zu nehmen, das betrifft u.a. medizinische Versorgung, Einschränkung der Bewegungsfreiheiten durch die entsprechenden Sicherheitslagen, Zugang zu Wasser und Strom, usw.

Meine Selbständigkeit gibt mir einen flexiblen Arbeitsplatz, ich kann mich ausprobieren und weiterentwickeln. Die Lösungsentwicklung bedarf vieler pragmatischer Ansätze, schafft aber ein großes Wirkungsfeld. Die kreative Arbeit gefällt mir sehr. Herausfordernd ist die erforderliche Disziplin und rechtzeitig nach Hilfe in seinem Netzwerk zu suchen, wenn es mal nicht mehr weitergeht. Die fehlende Integration in ein Team kann effiziente Kommunikationsflüsse zur schnellen und innovativen Lösungsfindung schwächen. Dann wird der fehlende tägliche Austausch mit Kolleg*innen eventuell zum Nachteil.

Wie denkst du rückblickend über dein Geoökologiestudium an der Uni Potsdam?

Rückblickend möchte ich sagen, wie dankbar ich bin, meine Studienzeit ausgereizt und alles Mögliche ausprobiert zu haben. Das war wahnsinnig wichtig für meine Persönlichkeitsentwicklung aber auch die Findung meines beruflichen Fokus. Für die Finanzierung meines Studiums hatte ich nebenbei schon gearbeitet und erste praktische Erfahrungen als studentische Hilfskraft gesammelt (u.a. FPK Ingenieurgesellschaft mbH und GFZ). Ich habe viele Auslandsaufenthalte mit Hilfe von Studienprojekten (Panama, Brasilien, Spanien), ERASMUS (Universität Wageningen, Niederlande) und dem PROMOS Stipendium (Kamerun) sowie Praktika (EARS Holding B.V., Niederlande) realisiert. Zudem habe ich die Möglichkeit genutzt, gleich zwei Vertiefungen im Hauptstudium zu studieren: „Strukturen und Prozesse in Bodenlandschaften“ und „Geoinformatik“.

Bei meinen Abschluss 2013 war ich dann bereit für den Berufseinstieg. Meine bisherigen vielfältigen Erfahrungen waren u.a. sehr entscheidend für das Auswahlverfahren. Da ich sehr lange studiert und mich an vielen Dingen ausprobiert habe, ist tatsächlich sehr viel von meinem erlernten Wissen aus dem Studium relevant für meine bisherigen beruflichen Tätigkeiten. Die fachlich-technischen Kompetenzen im Bereich Bodenkunde, GIS und Fernerkundung, die erlernten Sprachen und praktischen Erfahrungen während diverser Auslandaufenthalte sowie das interdisziplinäre Verständnis, das sehr dabei hilft, mit diversen Akteuren zusammen zu arbeiten.

Das Geoökologiestudium an der Uni Potsdam bietet ein sehr reichhaltiges Angebot an Themenfeldern und ist durch seine Verankerungen in spannenden, internationalen Projekten und Kooperationen mit Forschungseinrichtungen die ideale Lehreinrichtung für ein praxisnahes Studium. Während zu Beginn meines Studiums das Berufsbild „Geoökolog*in“ noch als eher zu „breitgefächert und ohne Tiefenwissen“ verpönt war, werdet ihr heute viele Stellenausschreibungen mit eben genau dieser gewünschten Berufsbezeichnung finden. Die globale, sehr komplexe Welt braucht interdisziplinäre Experten*innen zur Lösungsfindung vielschichtiger Umwelt-Mensch-Beziehungen. Die Thematik ist aktueller denn je und eine der größten Herausforderungen unserer heutigen Gesellschaft. Durch den facettenreichen Blick auf das Ganze, sind wir außerdem die idealen Führungskräfte für diverse Teams.

Hast du Tipps für unsere Absolvent*innen für einen erfolgreichen Berufseinstieg?

Seid neugierig! Hört nicht auf zu lernen! Und bringt euer Herz und Empathie in eure Arbeit mit ein! Der Enthusiasmus für das was ich tue, ist die Motivation meiner täglichen Arbeit. Ganz wichtig: eignet euch Werkzeuge an. Das können Sprachen sein, digitale Werkzeuge wie Programmier- oder Skriptsprachen, der Umgang mit einem GIS oder anderer spezieller Auswertungssoftware, Felderfahrungen für diverse Messverfahren und Kartier-Arbeiten, usw.

Seid offen für Rückschläge und bleibt hartnäckig, nicht immer setzen die Lernerfolge ein wie gewünscht. Aber auf lange Sicht lohnt es sich. Fragt nach so viel ihr könnt – nur sehr selten werdet ihr nochmal die Gelegenheit bekommen so viel zu Lernen. Während eures Studiums solltet ihr außerdem versuchen so viel praktische Erfahrung wie möglich zu sammeln. Sucht euch spannende Studienprojekte und/oder Praktika, studiert das Studienangebot im Ausland. Die Uni Potsdam bietet eine Vielzahl von Beratungsmöglichkeiten, auch für die jeweilige Finanzierung. Ihr müsst jedoch rechtzeitig planen, Antragszeiten sind oftmals langwierig.

Und nach eurem Studienabschluss bewerbt euch mit Selbstvertrauen, weil ihr ganz sicher der/die Richtige für das offene Stellengesuch seid und ihr euch mit eurem Wissen und Können zu euren Themen einbringen wollt.

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