Schlüsselqualifikation "Rechtsinformatik & Legal Tech"

Der Begriff der „Rechtsinformatik“ beschreibt eine interdisziplinär orientierte Grundlagendisziplin der Rechtswissenschaft, welche den Einsatz von Technologie bei der Rechtsanwendung (und zwar im weitesten Sinne) zum Gegenstand hat. Damit unterscheidet sich die Rechtsinformatik vom IT-Recht, das auftretende Phänomene neuer Technologien rechtlich bewertet.

Wie die Bezeichnung "Rechtsinformatik" verdeutlicht, geht es also zuvörderst um das Zusammenspiel von Recht und Informatik. Die Rechtsinformatik hat sich in Deutschland seit den 1950er Jahren entwickelt und auch in der Universitätslandschaft in Forschung und Lehre zunächst Fuß gefasst. Ab den 1990er Jahren hat jene Disziplin dann nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass sich die Formalisierung der wertungsorientierten Rechtssprache unter den seinerzeitigen technischen Bedingungen als schwierig bis unmöglich darstellte, deutlich an Stellenwert eingebüßt. Die gegenwärtig aufkommenden Technologien geben der Diskussion um informatorische Anwendungsfelder in der Rechtsanwendung jedoch neuen Stimulus. Im Gegensatz zur seinerzeit universitär geprägten Rechtsinformatik kommen diese Impulse derzeit vornehmlich aus der Praxis. Zur Beschreibung dieses Phänomens findet der – durchaus schillernde – Begriff „Legal Tech“ Verwendung. Viele Universitäten haben inzwischen auf diese Entwicklung reagiert, indem sie „Legal Tech-Veranstaltungen“ für Studierende anbieten, die dem Vernehmen nach sehr gut angenommen werden.

Am 11./12.05.2020 hat ein von der Universität Potsdam und der Kanzlei Morrison Foerster außerhalb des regulären Lehrbetriebs organisierter Online-Workshop zum Thema "Rechtsinformatik & Legal Tech" stattgefunden. Es waren hauptsächlich - wenn auch nicht ausschließlich - Studierende adressiert. Das Programm können Sie hier abrufen.

Ab dem Wintersemester 2020/2021 wird eine - seitens der hiesigen Professur organisierte - entsprechende Schlüsselqualifikation regulär innerhalb des rechtswissenschaftlichen Studiums  an der Universität Potsdam angeboten. Diese Veranstaltung möchte Jurastudierende für die zunehmende Relevanz von Legal Tech-Anwendungen bei der Unterstützung in der anwaltlichen Praxis (Vertragsgeneratoren; Due Diligence-Systeme usw.), bei der Rechtsdurchsetzung durch Verbraucher (flightright; wenigermiete.de usw.) bis hin bei behördlichen Entscheidungen (z.B. „Robo Judges“ in Estland; Urteilsprognosen in den USA usw.) sensibilisieren und hierbei grundlegendes informatorisches und technisches Wissen, inklusive grundlegender Programmierkenntnisse vermitteln. Sie soll angehenden Jurist*innen zudem Daten- und Digitalisierungskompetenz vermitteln. Dies alles wird nicht „technikhörig“, sondern zwar „technikfreundlich“, aber auch durchaus kritisch seitens der Dozierenden begleitet. Die Veranstaltung zielt auf Interaktion mit den Studierenden oder zwischen den Studierenden ab, ist also nicht als Frontalvorlesung konzipiert.

Als Einstiegslektüre mag dieser Aufsatz (Steinrötter/Sendzikowski/Faber/Wenzel, HanLR 2018, 175) dienen. Weiterführend: Steinrötter/Warmuth, "Legal Tech", in: Hoeren/Sieber/Holznagel (Hrsg.), Handbuch Multimedia-Recht, Verlag C.H. Beck, München, seit Werkstand 56. EL Mai 2021, Teil 30, siehe hier (BeckOnline). Lesenswert zudem: Hähnchen/Schrader/Weiler/Wischmeyer, JuS 2020, 625, siehe hier  (BeckOnline).

Lehrende und Inhalte

Lehrende und Inhalte der Schlüsselqualifikations-Veranstaltung im Wintersemester 2020/2021 finden Sie hier.

HINWEIS: Die nächste SQ-Veranstaltung wird im Wintersemester 2022/2023 angeboten.

Universitätsstipendium: Smart Room "Legal Tech & Legal Design"

Informationen zum Universitätsstipendium Potsdam finden Sie hier.