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Quelle: Wikimedia CC0 1.0 Lizenz
Bacchischer Prozessionssarkophag, Palazzo dei Conservatori, Kapitolinische Museen, Rom, Italien

Human-Animal-Studies in Classics: Gender

08.–09. Oktober 2027, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

*English version below*

Wie beeinflussen Gender und Spezies die Art und Weise, wie Menschen nichtmenschliche Tiere in der Antike wahrnehmen, darstellen und sich zu ihnen verhalten? Und wie tragen Tiere ihrerseits zur Konstruktion, Aushandlung und Infragestellung menschlicher Genderidentitäten und -normen bei? Die Konferenzreihe Human-Animal Studies in Classics lädt zu Beiträgen ein, die sich mit den komplexen Verflechtungen von Gender, Spezies und Mensch-Tier-Beziehungen in der antiken Welt auseinandersetzen.

Geschlechtsspezifische Vorstellungen prägten das antike Verständnis sowohl von Menschen als auch von Tieren; Vorstellungen von einzelnen Spezies wiederum konnten Geschlechternormen verstärken, komplizieren oder destabilisieren. Tiere dienten als Vorbilder oder Gegenbilder von Männlichkeit und Weiblichkeit, zugleich unterliefen sie die Grenzen zwischen menschlichen und tierlichen Körpern sowie Verhaltensweisen. So wirft etwa der Mythos von Pasiphaë Fragen nach weiblichem Begehren, tierlicher Sexualität und der Überschreitung von Speziesgrenzen auf. In Vergils Aeneis wird Dido mit einem verwundeten Hirsch verglichen – ein Vergleich, der dazu einlädt, über die Intersektionalität von spezies- und geschlechtsspezifischer Vulnerabilität und weiblicher Handlungsmacht nachzudenken. Aristoteles’ zoologische Schriften wiederum bieten Anlass, die Unterscheidungen zwischen männlichen und weiblichen Tieren mit Vorstellungen von Gender, Reproduktion und Hierarchie zu untersuchen.

Solche Beispiele werfen grundsätzliche Fragen auf: Wie wurden Geschlecht und Gender von Tieren identifiziert, dargestellt und interpretiert? Wie wirkten artspezifische Eigenschaften mit geschlechtsspezifischen Erwartungen zusammen, und wie wurden diese Erwartungen durch die wahrgenommene Nähe oder Distanz zwischen Menschen und anderen Tieren geprägt? Wie erzeugten Praktiken wie Jagd, Opfer und Tierhaltung geschlechtsspezifische Beziehungen über Speziesgrenzen hinweg? Wie wurden Tiere zur Definition oder Destabilisierung menschlicher Gendernormen genutzt? 

Die Tagung verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, und wir freuen uns über Beiträge aus verschiedenen Fachgebieten wie der Alten Geschichte, der Klassischen Philologie, der Philosophie, der Religionswissenschaft und der Archäologie, die über anthropozentrische und binäre Deutungsrahmen hinausgehen und untersuchen, wie Gender und Spezies gemeinsam die gelebten, imaginierten und dargestellten Beziehungen zwischen Menschen und anderen Tieren in der Antike prägten. Tagungssprachen sind Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch. Eine Veröffentlichung der Beiträge in einem Sammelband ist geplant. Forschende aller Qualifikationsstufen sind eingeladen, uns ihre Vortragsidee in einem Abstract zu unterbreiten. 

Bitte schicken Sie Ihren Vorschlag (max. 300 Wörter) bis zum 13. Dezember 2026 an irene.digioia(at)email.uni-kiel.de.

 


 

How do gender and species intersect in the ways humans perceive, represent, and relate to non-human animals in antiquity? And how do animals, in turn, contribute to the construction, negotiation, and contestation of human gender identities and norms? The conference series Human-Animal Studies in Classics invites contributions exploring the complex entanglements of gender, species, and human–animal relations in the ancient world.

Gendered assumptions shaped ancient understandings of both humans and animals, while ideas about species difference could reinforce, complicate, or unsettle gender norms. Animals could serve as models or counterimages of masculinity and femininity, but they could also expose the instability of boundaries between human and animal bodies and behaviours. The myth of Pasiphaë, for instance, raises questions about female desire, animal sexuality, and the transgression of species boundaries. In Vergil’s Aeneid, Dido is compared to a wounded deer, a simile that invites reflection on the intersections of animal imagery, gendered vulnerability, and female agency. Aristotle’s zoological writings, meanwhile, offer opportunities to investigate how distinctions between male and female animals intersect with broader assumptions about gender, reproduction, and hierarchy.

Such examples raise broader questions. How were the sex and gender of animals identified, represented, and interpreted? How did species-specific characteristics interact with gendered expectations, and how were these expectations shaped by the perceived proximity or distance between humans and other animals? How did practices such as hunting, animal husbandry, sacrifice, and the keeping of companion animals produce gendered relationships across species boundaries? Conversely, how could animals become instruments for policing human gender norms, or open up possibilities for challenging them?

We invite contributions from across the ancient world and from all relevant disciplines, including Classical Philology, Ancient History, Philosophy, Archaeology, Theology, and Art History. Papers may engage with literary, philosophical, religious, visual, epigraphic, or material evidence, as well as with the methodological challenges of bringing Gender Studies, Human-Animal Studies, and intersectional approaches into dialogue. We particularly welcome contributions that move beyond anthropocentric and binary frameworks to examine how gender and species jointly shaped the lived, imagined, and represented relationships between humans and other animals in antiquity. The conference languages are German, English, French and Italian. The publication of the contributions is planned. Researchers at all qualification levels are invited to submit an abstract. 

Please send your proposal (max. 300 words) by 13 December 2026 to irene.digioia(at)email.uni-kiel.de.

 

Weitere Informationen zur Konferenzreihe finden Sie auf der Webseite der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.



Kontakt

Prof. Dr. Islème Sassi (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)
isleme.sassi(at)email.uni-kiel.de

 

Dr. Bettina Reese (Universität Potsdam)
bettina.reese(at)uni-potsdam.de

 

Dr. Irene Di Gioia (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)
irene.digioia(at)email-uni.kiel.de