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Unterwegs in Kenia – 14. Februar 2018: „Enemenenga – Tor zur Hölle“

Reisetagebuch: Potsdamer Geowissenschaftler auf Exkursion im Ostafrikanischen Riftsystem
60.000 Jahre alte Seesedimente und Aschenlagen. Foto: Corinna Kallich.

60.000 Jahre alte Seesedimente und Aschenlagen. Foto: Corinna Kallich.

14. Februar

Als der Afrikaforscher Gustav Adolf Fischer 1883 den Naivashasee besuchte, führte ihn seine Reise auch in die Enemenenga-Schlucht, was in der Massai Sprache „das Tor zur Hölle“ bedeutet. Für uns Geowissenschaftler birgt dieses Tor zur Hölle allerdings nur positive Überraschungen, denn hier können wir einen Einblick in die Erdgeschichte der letzten 350.000 Jahre erhalten und vor allem den Einfluss vergangener Klimaänderungen auf die Schwankungen im Naivasha-Seebecken verstehen. 
Durch die Einschneidung der Schlucht sind die unterschiedlichsten Sedimente und dazwischen geschaltete Lagen von vulkanischen Aschen und Ascheströmen für den Betrachter aufgeschlossen. Die Sedimente sind vor allem zyklisch abgelagerte Diatomite – Ablagerungen abgestorbener Kieselalgen –, die wir bereits am ersten Tag unserer Reise in Magadi kennengelernt haben. Durch die wechselnde Abfolge von vulkanischen Aschen und Seesedimenten konnte in der Vergangenheit die Ablagerungsgeschichte dieser Abfolgen mithilfe radiometrischer Datierungen präzise bestimmt werden. Demnach erhöhen sich die Niederschläge und Seespiegel in Ostafrika aufgrund von Änderungen in der Intensität der Sonneneinstrahlung, die auf Zyklen von etwa 22.000 Jahren stattfinden. Diese sogenannten Präzessionszyklen hatte der serbische Mathematiker Milutin Milankovic Anfang des 20. Jahrhunderts erforscht.
Ein Tor zur Hölle ohne Dampf und Hitze ist undenkbar. Beides finden wir hier vor. Heißes Quellwasser entspringt entlang der tief eingeschnittenen Schlucht und Schwefelgeruch hindert uns beim Atmen. Die heißen Quellen sind Ausdruck starker vulkanischer Aktivität während der letzten 350.000 Jahre und direkt verbunden mit der Aufheizung von Magmenkammern. Dieser Umstand wird in Kenia mehr und mehr für die Gewinnung geothermischer Energie verwendet. So findet sich neben dieser nahezu unberührten Naturlandschaft eines der ersten und größten Geothermiekraftwerke auf dem afrikanischen Kontinent.
Nach unserer einige Stunden dauernden Wanderung und Reise durch die Erdgeschichte kehren wir zum Ausgangpunkt zurück und entspannen uns beim späten Mittagessen, immer unter Beobachtung von ebenso hungrigen Südlichen Grünmeerkatzen.

Text: Henry Wichura, Corinna Kallich

Unter den Exkursionsteilnehmern sind auch einige italienische Studierende, die – inspiriert von unserem Reisetagebuch – einen Gastbeitrag wollen. Ein Wunsch, dem wir sehr gern nachkommen:

Jambo ! (After 4 days in Kenya we finally manage to remember our first Swahili word…)

[For the record, this post is written in our stunning garden, surrounded by baboons, giraffes, zebras and even hippos, which we fortunately didn’t meet from too close. Pro tip: Never get in between a lake and a hippo.]
Our day starts before sunrise, with a short walk outside of our cottages, toward the shore of Lake Naivasha. This is the perfect moment to realize that we are standing in between two different continents drifting apart on the Earth’s mantle, and that this lake could someday become an ocean. 
Today’s chaotic bus ride takes us into the Hell’s Gate National Park. Even this remote place seems to be reached by Saint Valentine, as testified by the flower ladies at the entrance (who provided the women of the group with red roses). Hell’s Gate Park is a true paradise, from savannah wildlife to bizarre thorny trees and bushes, and of course what we came for: outcrops of interesting rocks. We start driving through fantastic volcanic formations of pyroclastic flows and a rare kind of peralkaline rhyolites that dominate this landscape. 
We leave the bus guarded by an army of baboons, and continue on foot into the depths of Hell’s Gate Gorge… that is perfectly well named, given today’s heat. Making our way downstream through a succession of soft beige sediments, we recognise several levels of diatomites, hinting at the former existence of a freshwater lake, mixed with pyroclastic deposits. After a few steps of rope climbing on the vertical walls of the gorge, we stumble onto thick, black rocks cutting through the fine white lake sediments. One turn later, the remnants of a volcanic eruption zone appear, and the picture becomes clear: we have literally been walking our way through a 60, 000-year-old lake deposit that has been partly destroyed by several eruptions of the nearby volcanoes.
Instead of being the well-earned break, lunch turns into a restless fight against the army of baboons who watched our car earlier. One second of distraction and your food is gone! 
The hills that we traverse on our way back to the hotel are scattered with geothermal wells and power plants that seem a bit out of place and in a different world altogether. What a surprise to learn that Kenya is actually one of the most efficient geothermal energy producers of Africa. The perks of living in an active rift zone…
LALA SALAMAAAAAAAAAAAAAAAA!!!!!

Text: Costanza Maria Rossi, Martina Balestra, Riccardo Lanari, Federico Galetto, Malwina San Josè, Ahamad Rabiee
Online gestellt: Alina Grünky
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktionuni-potsdamde 

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