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Unterwegs in Nigeria – 14. Oktober 2017

Studierende der Anglistik und Amerikanistik auf Exkursion nach Ibadan
Osun-Osogbo-Hain. Foto: Valerie Pobloth/Isabel Dückert.

Osun-Osogbo-Hain. Foto: Valerie Pobloth/Isabel Dückert.

14. Oktober – Ibadan

„Bei Spiritualität geht es nicht um Herkunft, sondern nur im die Seele.“
Die Priesterin Doyin über ihre Mutter Susanne Wenger.

Heute ist ein sehr spiritueller Tag, sogar für diejenigen unter uns, die vor unserer Nigeria-Exkursion noch nie etwas von der Orisha-Religion gehört haben. Früh am Morgen brechen wir auf, denn an diesem Wochenende wollen wir den angrenzenden Bundesstaat Osun erkunden. Zusätzlich zum Fahrer der Universität werden wir von vier bewaffneten Männern der Zivilen Sicherheitseinheit begleitet. Ein Umstand, der in Nigeria ganz normal zu sein scheint, wenn als gefährdet eingestufte AusländerInnen durchs Land reisen. Für uns ist es allerdings gewöhnungsbedürftig. 
Unser erster Halt ist die Stadt Ile-Ife. Dort besuchen wir den „Staff“ (Gehstock) des Oranmiyan, dessen Geschichte uns einer der Ältesten der Region erzählt. Einer Legende nach gehörte der Staff einem Riesen namens Oranmiyan, dem ersten König des Yorùbá-Landes, der viele Kriege gewann und mächtige Könige anderer Staaten in Nigeria zeugte. Eine große steinerne Säule diente ihm als Waffe und Gehstock. Diese ist bis heute erhalten und steht in einem kleinen Hof mit Garten inmitten der Stadt. Dort findet jedes Jahr ein Festival statt, zu dem viele Gläubige, die an die übernatürlichen Kräfte des Staffs glauben, pilgern, um zu ihm zu beten.
Neben dem Staff besichtigen wir auch den Palast des regionalen Yorùbá-Königs, dem traditionellen Herrscher des Bundesstaates. Im modernen Yorùbá-Land gibt es einen König sowie den offiziellen Gouverneur und die beiden teilen sich die Macht. Während der Gouverneur für Verwaltungsangelegenheiten zuständig ist, kümmert sich der König um die kulturellen und religiösen Belange. Die – unbewaffneten – Wächter in traditioneller Kleidung führen uns kurz durch die verschiedenen Höfe des Palastes und erklären uns die spirituelle und historische Entwicklung des Königshauses. Da sowohl die Wächter als auch der Älteste am Staff ihre Geschichte auf Yorùbá erzählen, sind wir sehr froh, dass einer unserer Sicherheitsmänner für uns dolmetscht.
Anschließend fahren wir zu unserem Hauptziel: dem heiligen Osun-Osogbo-Hain, der seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Eine Studentin unserer Gruppe schreibt derzeit ihre Masterarbeit über den Hain und dessen UNESCO-Nominierung. Aus diesem Grund war sie in der Lage, uns vorab eine Tour mit einer Orisha-Priesterin zu organisieren. Der Name der Priesterin ist Doyin, und es stellt sich heraus, dass sie eine der adoptierten Töchter der verstorbenen österreichischen Künstlerin Susanne Wenger ist, die hier gelebt und gearbeitet hat. Wenger fand Erleuchtung in der Kultur und Religion der Yorùbá, die Kunst als symbolträchtig und heilig ansehen. Im Hain schuf Susanne Wenger ihr Lebenswerk: dutzende Statuen, die verschiedene Orisha-Götter darstellen, sich vor allem aber um die Göttin Osun drehen, die dort angeblich ihren Sitz hat. Eigentliche Verkörperung Osuns, die weibliche Energie und Fruchtbarkeit symbolisiert, ist der Fluss, der die Stadt umgibt und durch den Hain verläuft. 
Wir genießen unsere leicht abenteuerliche Wanderung durch den Dschungel und bewundern dabei Susanne Wengers Skulpturen, die überall im Hain verteilt sind. Anschließend lädt uns Doyin noch zum alten Haus ihrer Adoptivmutter ein, in dem noch immer ihre Familie lebt. Wir haben die Ehre, dort mehr von ihren Kunstwerken zu bewundern, und dürfen sogar einen Blick in ihr unverändert hinterlassenes Schlafzimmer werfen. Da Susanne Wenger viele SchülerInnen hatte, kann man einige von deren Kunstwerken im Erdgeschoss des verwinkelten dreistöckigen Hauses als einzigartige Souvenirs kaufen.

Text: Sandra Hesse, Anna Korneva und Valerie Pobloth
Online gestellt: Marieke Bäumer
Kontakt zur Online-Redaktion: onlineredaktion@uni-potsdam.nomorespam.de

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