„Wie digital ist Brandenburgs Wirtschaft?“ – Studie ermittelt Ist-Zustand und zeigt Schwachstellen auf

Dringenden Handlungsbedarf sieht eine Untersuchung der Universität Potsdam, die den Stand der Digitalisierung in Brandenburgs Wirtschaft ermittelt und eine Reihe von Schwachstellen aufgezeigt hat. „Um die Digitalisierung voranzutreiben, sind eine weitere Netzabdeckung und der Breitbandausbau nach wie vor wegweisend“, sagt Marketing-Professorin Uta Herbst, die die Befragung leitete und die Ergebnisse heute in der Wissenschaftsetage des Bildungsforums vorstellte. Langfristig müssen mehr IT-Fachleute ausgebildet und Anreize geschaffen werden, damit sie auch in Brandenburg bleiben, so die Professorin. Zudem brauche es unbürokratische Förderprogramme, die den in der Pandemie belasteten Unternehmen helfen, in die digitale Transformation zu investieren. Beauftragt wurde die Studie von der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS) über den universitären Partnerkreis Industrie & Wirtschaft. 

„Bürokratie abbauen, Prozesse von Förderprogrammen verschlanken und Fachkräfte anlocken“ – das könnte die Digitalisierung in Brandenburg beschleunigen. Zudem müsse „am Ausbau der Breitbandanschlüsse und der Netzabdeckung dringend weitergearbeitet werden“, sagt ein Großteil der Unternehmerinnen und Unternehmer, die an der Befragung teilnahmen. Mehr als die Hälfte bezeichnen ihre Digitalisierungsvorhaben als erfolgreich. Allerdings sehen sich 85 Prozent der Unternehmen noch nicht voll und ganz digitalisiert. Als externe „Beschleuniger“ des Prozesses erleben sie vor allem die Anforderungen des Marktes, die veränderten Kundenwünsche und den Wettbewerb. Als „Bremser“ nennen sie behäbige Verwaltungen, den Fachkräftemangel, aber auch Aufwand und Zeit für die Umstellung sowie Probleme des Datenschutzes und der Cybersicherheit.
Die Unternehmen wurden aber nicht nur nach den äußeren, sondern auch nach den internen Bedingungen befragt, die sie selbst verändern können: von der Prozessoptimierung über die Qualifizierung der Beschäftigten bis zur Verbesserung der eigenen Infrastruktur. „Die Führungskräfte müssen die digitale Transformation aktiv vorleben und die Beschäftigten dazu motivieren, bei der Veränderung konstruktiv mitzuwirken“, schlussfolgert Uta Herbst. Die Professorin empfiehlt, den Wandel frühzeitig anzukündigen und zu begründen, die geleistete Arbeit zu würdigen und für die neuen Herausforderungen Trainingsprogramme anzubieten. Zudem sollten sich Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt mit attraktiven und zeitgemäßen Stellenangeboten präsentieren, um qualifiziertes Personal zu bekommen und zu halten. Anreize böten hier Arbeitsmöglichkeiten im Homeoffice und weitreichende Entwicklungschancen.  
In der Studie untersucht wurde nicht zuletzt, inwieweit die Corona-Pandemie als Beschleuniger oder aber als Blockierer für die Entwicklung gewirkt hat. „Viele Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass sich in der Pandemie die Erwartungshaltung der Kunden verändert hat. Das bedeutet, die internen Prozesse zu überprüfen, neues Wissen anzueignen, Inspiration bei guten Lösungen anderer zu suchen, aber auch Beratungs- und Förderangebote zu nutzen“, so Uta Herbst. Die Befragung ergab, dass 71 Prozent der Unternehmen bislang keine finanziellen Förderprogramme in Anspruch genommen haben, weil sie ihnen zu umständlich, nicht passend oder schlichtweg nicht bekannt waren.

Kontakt:
Prof. Dr. Uta Herbst, Professorin für Marketing der Universität Potsdam
Telefon: 0331 977-3854
E-Mail: uta_herbstuni-potsdamde

Internet: https://www.uni-potsdam.de/de/marketing/texte/startseite/studie-wie-digital-ist-brandenburgs-wirtschaft

Medieninformation 21-09-2021 / Nr. 88