Seminare im Modul „Demokratiebildung“
Sommersemester 2026
Von der Zukunft lernen – realistische Utopien einer demokratischen Schule (Samuel Debbas)
Beschreibung:
Das deutsche Schulsystem steht nicht erst seit des sogenannten PISA-Schocks Anfang der Nullerjahre von mehreren Seiten in der Kritik. Die einen erkennen einen „Ausverkauf“ des Gymnasiums und erklären, dass das Handwerk wieder attraktiv werden muss, während die anderen betonen, dass im deutschen Schulsystem der Bildungserfolg immer noch von der sozialen Herkunft abhängt.
In den fünf Sitzungen dieses Blockseminars setzen sich die Teilnehmenden intensiv mit den unterschiedlichen Positionen zum deutschen Schulsystem auseinander – reflektieren die Argumente, die für und gegen diese Positionen sprechen, und gewichten die empirischen Daten, mit denen diese unterfüttert werden.
Die Seminarteilnehmenden erarbeiten einen Neuentwurf eines beliebigen Aspekts des Schulsystems eines Bundeslands oder einer konkreten Schule. Die oben beschriebene Reflexionsarbeit wird in gewisser Weise also nebenbei vollzogen – es handelt sich um, wenn nicht learning by doing, dann zumindest learning by planning.
Kluge Policy vermag aber nicht viel zu bewegen, wenn sie nicht abgestimmt ist auf Politics und Polity, weshalb die Teilnehmenden neben besagtem Neuentwurf auch eine Strategie erarbeiten, wie jener Entwurf unter den jeweiligen politischen Machtverhältnissen und institutionellen Rahmenbedingungen realisiert werden soll.
Zielgruppe:
Personen, die sich für die Frage interessieren, wie das deutsche Schulsystem demokratischer gemacht werden kann, sowie für die Frage, was „demokratischer“ im Zusammenhang von Beschulung überhaupt bedeuten kann.
Literaturliste (Auszug):
Gomolla, Mechtild; Radtke, Frank-Olaf (2009): Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung Ethnischer Differenz in der Schule. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften GmbH.
Friedeburg, Ludwig von (1989): Bildungsreform in Deutschland. Geschichte und gesellschaftlicher Widerspruch. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2024): Bildung in Deutschland 2024. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu beruflicher Bildung. Bielefeld: wbv.
Graetz, Michael J.; Shapiro, Ian (2020): The wolf at the door. The menace of economic insecurity and how to fight it. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press.
Termine:
24.04.2026 10.00 - 12.00 Uhr (Einführung/Fr)
03.07.2026 10.00 - 18.00 Uhr (Fr)
04.07.2026 10.00 - 18.00 Uhr (Sa)
10.07.2026 10.00 - 18.00 Uhr (Fr)
11.07.2026 10.00 - 18.00 Uhr (Sa)
Demokratie als umkämpfte Praxis: Radikale Demokratietheorien im Kontext aktueller Krisen (Nils Zimmer)
Beschreibung:
Liberale Demokratien stehen gegenwärtig unter erheblichem Druck. Vielfach ist von einer Krise der Demokratie die Rede, die sich besonders deutlich in den Wahlerfolgen rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien zeigt. Diese Entwicklungen lassen sich jedoch nicht allein durch veränderte politische Einstellungen erklären, sondern verweisen auf tieferliegende strukturelle Spannungen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welches Demokratieverständnis geeignet ist, diese Entwicklungen angemessen zu erfassen. Hier setzen radikale Demokratietheorien an: Sie begreifen Demokratie als fortwährenden Aushandlungsprozess gesellschaftlicher Ordnung. Damit eröffnen sie nicht nur analytische Perspektiven auf die gegenwärtige Krise, sondern auch normative und emanzipatorische Horizonte demokratischer Praxis. Radikaldemokratische Ansätze bilden jedoch kein geschlossenes Theoriegebäude, sondern ein heterogenes Feld unterschiedlicher Positionen.
Ziel des Seminars ist es, in zentrale Begriffe, Konfliktlinien und Abgrenzungen zu anderen Demokratieverständnissen einzuführen sowie die Reichweite und Herausforderungen radikaldemokratischer Ansätze zu diskutieren.
Leistungsnachweis:
- 2 Leistungspunkte (nur Teilnahme), 4 Leistungspunkte (Referat/ Hausarbeit) oder 3 Leistungspunkte (Hausarbeit)
Literatur (Auszug):
Flügel-Martinsen, O. (2020). Radikale Demokratietheorien zur Einführung. Hamburg: Junius.
Termine:
Seminar am Mittwoch, von 10 Uhr bis 12 Uhr, Start am 15.04.2026