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www.BrAnD2.

Wille. Würde. Wissen. Zweites Brandenburger Antike-Denkwerk

Gefördert von der Robert Bosch Stiftung im Rahmen des Förderprogramms Denkwerk

Die Publikationen finden Sie auf der Seite des Uni-Shops. 

Laufzeit: 2014-2017

Die Robert Bosch Stiftung hat in ihrem Förderprogramm „Denkwerk“ Geld für Projekte an der Schnittstelle zwischen Geisteswissenschaften und Schulen zur Verfügung gestellt. Bei „Denkwerk“ sollen sich Geisteswissenschaftler, Lehrer und Schüler vernetzen und gemeinsam an dauerhaften Projekten arbeiten. Es ist uns gelungen, mit der Weiterentwicklung unseres Brandenburger Antike-Denkwerks (BrAnD) umfangreiche Drittmittel für drei Jahre einzuwerben.

1. Kurzvorstellung

Die Frage nach Entwicklung und Status menschlicher Identität ist wichtiger denn je. Mediale Explosion und Flexibilitätsforderungen des Alltags beeinträchtigen den Diskurs zwischen Jung und Alt, Heute und Vergangenheit. Wir wollen mit jungen Menschen die Gedankenwelt der Antike zu großen Themen menschlicher Existenz befragen. Das Projekt baut auf dem großen Erfolg des Brandenburger Antike-Denkwerks auf. Es will Schüler für Latein und Geisteswissenschaften allgemein begeistern. Hierbei sollen mit Blick auf die übergeordneten Themen Wille, Würde, Wissen Grundkonstanten menschlichen Lebens in ständigem Vergleich zwischen Antike und Heute reflektiert werden. Die Schüler werden angeregt, über bedeutsame Fragestellungen eigenständig zu forschen. In dem Projekt arbeiten Schule, Studienseminar und Universität auf innovative Weise zusammen. Dauer und Umfang des Projekts (Großveranstaltungen, Schülerakademien, Publikationen) machen eine finanzielle Unterstützung unabdingbar.

2. Konzeption

Schüler, Studenten, Referendare, Lehrer und Dozenten vernetzen sich.
Schüler erhalten Einblick in die Aktualität altertumswissenschaftlicher Forschung, werden wissenschaftspropädeutisch angewiesen, forschen eigenständig und üben sich in wissenschaftlicher Präsentation. Studenten erhalten Impulse für eigene didaktische und wissenschaftliche Arbeit. Referendare/Studenten arbeiten fachübergreifend und sammeln Projekterfahrungen. Lehrer reaktivieren universitäre Erfahrungen und treten in den Diskurs mit ihren universitären Partnern in Lehre und Forschung. Dozenten erhalten Rückmeldung zur Lehrerausbildung. Der Wettbewerb ermöglicht die Teilnahme verschiedener Schulen und fördert die Qualität.

3. Ablauf

  1. Vorstellung des jeweiligen Themas (1. Jahr: Wille; 2. Jahr: Würde; 3. Jahr: Wissen)
    auf dem Potsdamer Lateintag an der Uni Potsdam
    (etablierte Großveranstaltung mit wiss. Vorträgen, Schnupperseminaren, Lehrerworkshops).
    Einladung zur Projektbeteiligung an Schulen im Land Brandenburg
  2. Bewerbungsphase der Schulprojekte; Auswahl von 5 Projekten
  3. Festlegung der aktuellen Themen, Arbeitsvorhaben und Konstituierung der Teams
    (Schülergruppe, Lehrer, Student/Referendar, Dozent)
  4. Einarbeitung in die Themen an den verschiedenen Standorten
  5. Zusammenführen der Ergebnisse auf einer mehrtägigen Schülerakademie
    (Vorträge, Workshops, Präsentation bei Schülerkongress), die die Klassische Philologie der
    Uni Potsdam ausrichtet
  6. Auswertungs- und Veröffentlichungsphase
    (incl. Publikation durch die Klass. Philologie der Uni Potsdam)
  7. Präsentation der besten Leistungen auf dem folgenden Lateintag

4. Wissenschaftliche Methoden und Fragen

Die Schüler werden mit den zentralen Techniken wissenschaftlichen Arbeitens auf geisteswissenschaftlichem Gebiet vertraut gemacht:
Einführung in grundlegende literatur- und kulturwissenschaftlicher Methoden, Finden und Eingrenzen einer wissenschaftlichen Fragestellung, Literaturrecherche, Erarbeitung eines Zeitplans und einer Gliederung für das jeweilige Arbeitsvorhaben, Erlernen der korrekten Zitationsweise, Anlegen eines Literaturverzeichnisses, Realisierung der Arbeit nach Maßgabe der aktuellen formalen Konvention, Berücksichtigung der wissenschaftlichen Fachsprache, Präsentation (Vortrag, PowerPoint, Handout u.a.) und Verteidigung bzw. Diskussion der Ergebnisse auf einem Schülerkongress.
Zu Wille, Würde und Wissen könnte jeweils gefragt werden:

1. Wille

1.1. Welche Bezeichnungen finden wir in der lateinischen Sprache? Wo lesen wir inhaltliche Definitionen? Verändern die Begriffe ihre Bedeutung in den verschiedenen Epochen? Gibt es Entsprechungen in den modernen Sprachen?
1.2. Wie haben sich die großen Philosophenschulen der Antike über den Willen geäußert? Wie entsteht z.B. der Wille? Wurde dies biologisch erklärt? Welche Rolle spielt dabei die Seele? Wie kann z.B. die Stoa von einem Schicksal sprechen, den Menschen aber dennoch für sein Handeln verantwortlich machen? Wie sieht die Ideengeschichte aus? Lassen sich diese Vorstellungen auf unsere Zeit übertragen? Welche Antworten gibt die moderne Philosophie oder die Hirnforschung?
1.3. Welche Rolle spielte die Vorstellung des menschlichen Willens in Politik und Gesellschaft? Wer konnte wie seinen Willen in die Gesellschaft tragen (Männer, Frauen, Kinder, Bürger, Sklaven, Freigelassene)? Welche Möglichkeiten und Grenzen der Umsetzung gab es in den antiken Gesellschaftsordnungen? Welche Rolle spielt der Wille des Individuums heute?
1.4. Wie wird Wille in der antiken Literatur thematisiert? Welche Willensfreiheit hat der Mensch z.B. in der Aeneis: Folgt Aeneas nur dem Auftrag der Götter, übernimmt er ihn bewusst, oder findet das Schicksal verantwortungsbewusste Träger, so dass es sich erfüllen kann? Wie ist das Verhältnis von Wille und Leidenschaft in den Tragödien Senecas? Wie ist es zu verstehen, wenn sich z.B. Medea bewusst, d.h. willentlich ihrer Raserei hingibt? Welche Wissenskonzepte begegnen in der Gegenwartsliteratur?

2. Würde 

2.1. Welche Bezeichnungen finden wir in der lateinischen Sprache? Wo lesen wir inhaltliche Definitionen? Verändern die Begriffe ihre Bedeutung in den verschiedenen Epochen? Gibt es Entsprechungen in den modernen Sprachen?
2.2. Wie haben sich die großen Philosophenschulen der Antike über die Würde geäußert? Wem wurde warum Würde zugesprochen? Wie haben sich die Konzepte in der europäischen Geschichte entwickelt? Wie sehen moderne Konzepte aus?
2.3. Welche Rolle spielte die Vorstellung der Würde in Politik und Gesellschaft? Wie manifestierte sich Würde? Welche Möglichkeiten und Grenzen der Umsetzung gab es? Wie steht es mit der Unantastbarkeit der Menschenwürde nach 2000 Jahren Geistesgeschichte? Wie werden offensichtliche Verstöße in Theorie und Praxis reguliert?  
2.4. Wie wird Würde in der antiken Literatur thematisiert? Was verlangt z.B. Cicero für eine ihm angemessenes Lebensform? Welche Exempla liefern die antiken Historiker? Wie stellt sich Catull zu den tradierten Vorstellungen? Scheitert Dido am Verlust ihrer Würde? In welcher Weise wird Würde in der Gegenwartsliteratur thematisiert?

3. Wissen

3.1. Welche Bezeichnungen finden wir in der lateinischen Sprache? Wo lesen wir inhaltliche Definitionen? Verändern die Begriffe ihre Bedeutung in den verschiedenen Epochen? Gibt es Entsprechungen in den modernen Sprachen?
3.2. Wie haben sich die großen Philosophenschulen der Antike über Wissen geäußert? Wie entsteht Wissen? Gibt es sicheres Wissen? Wie lässt sich dies beweisen? Wie äußert sich die moderne Gedächtnisforschung?
3.3. Welche Rolle spielte Wissen in Politik und Gesellschaft? Welches Wissen galt wann als relevant? Wie wurde Wissen archiviert bzw. vermittelt? Wann war Wissen Macht? Wie und warum änderte sich der Wissenskanon? Wie viel können/müssen wir heute angesichts der nahezu unbegrenzten Informationsmöglichkeiten wissen? Ist heute Kompetenzerwerb wichtiger als Wissenserwerb?
3.4. Wie wird Wissen in der antiken Literatur thematisiert? Welche Gattungen dienten der Wissensvermittlung? Wie wurde Wissensstoff schmackhaft gemacht (z.B. als Gedicht, Anekdotensammlung)? Welches Wissen setzt ein Text voraus? Welche Rolle spielt die Aneignung von Wissen in der Gegenwartsliteratur?