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Zwischen Technokratisierung und Demokratieanspruch

Zur Relevanz technisch-naturwissenschaftlichen Wissens in Politik und politischer Bildung

Tagung der DVPW-Sektion Politikwissenschaft und Politische Bildung in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Politische Bidlung der Universität Potsdam

 Anmeldungen bis 31. August 2023 mit Angaben Ihres Vor- und Zunames und Gender an: whk-lspbuni-potsdamde

Die Coronapandemie verdichtete den Blick auf technisch-naturwissenschaftliche Expertise und ihre Wirkkraft im politischen Diskurs. In den Mittelpunkt der Kontroverse rückt, welchen Einfluss wissenschaftliche Implikationen, insbesondere technisch-naturwissenschaftliche Evidenz, auf politische Entscheidungen haben sollten. Diese Frage beschränkt sich nicht nur auf die Pandemiepolitik, sondern entfaltet auch im Kampf gegen den Klimawandel Relevanz. So stießen wissenschaftliche Erkenntnisse über Treibhausgase (FCKW) ein Umdenken in der globalen Politik an. Zugleich warnte etwa Priester (2019) vor der Gefahr der Technokratisierung. Hieran schließt sich die Frage an, ob Krisen – und damit auch der Ruf nach wissenschaftlicher Expertise - eher die Ausnahme sind oder ob diese Krisenhaftigkeit ein konstitutives Merkmal der Demokratie ist. In beiden Fällen gilt (wenn auch in verschiedener Dringlichkeit): Das Verhältnis von Wissen und Macht bedarf einer demokratischen Aushandlung (z. B. Schuppert et al. 2022). Hierbei gilt es auch, die Effekte technisch-naturwissenschaftlicher Einsichten auf politische Beteiligung zu beleuchten. So beleben diese einerseits die Zivilgesellschaft (bspw. die Umweltbewegung, fridays-for-future), andererseits bergen sie Konfliktpotenzial (so im Falle der Aktionen der Gruppe Last Generation).

Im Bildungskontext stößt zuvorderst die Dominanz evidenzbasierter Verwertungslogiken auf Kritik: „Die Tendenz zur Datifizierung vieler Handlungsbereiche unter anderem in der Bildung [...] wirft grundlegende Fragen nach der Veränderung des Sozialen und des Pädagogischen auf, die in immer stärkerem Maße von der allgemeingesellschaftlichen technologischen Veränderung betroffen sind“ (Höhne/Kracher 2022: 60). In Bezug auf politische Teilhabe und Bildung lässt sich fragen, wo Möglichkeiten und Grenzen einer kritischen Perspektive gegenüber entgrenztem Wissen und einer inkorporierten technologiegeprägten Wirklichkeit bestehen. Unvermeidlich scheint eine Erweiterung des datenbasierten Wissens (data, statistical bzw. digital literacy) und die Verbindung zur Informations- und Medienbildung. Gerade die hohe gesellschaftliche Relevanz bei vergleichsweiser dünner struktureller Verankerung in der (schulischen) politischen Bildung provoziert die Frage nach Schnittmengen von mathematisch-naturwissenschaftlicher und politischer Bildung. Wechselseitige Vorteile naturwissenschaftlicher und gesellschaftlicher Bildung scheinen mithin nur unzureichend ausgeschöpft.

Die Tagung will daher die verschiedenen Disziplinen ins Gespräch bringen, Hindernisse und Herausforderungen identifizieren und nach innovativen Lösungswegen suchen.

TAGUNGSÜBERSICHT

DONNERSTAG, 7. September 2023


ab 13:45 Uhr: Ankommen
14:00 Uhr: Begrüßung und Eröffnung der Tagung

von Luisa Girnus, Isabelle-Christine Panreck und Marc Partetzke

14:15 Uhr: Keynote

Karolin Kappler (Katholische Hochschule NRW)
Wissen ist nicht gleich Wissen! Eine konventionentheoretische Reflexion zur Pluralität von Wissen, Werten und Gemeinwohlverständnissen

15:00 Uhr bis 15:15 Uhr: Pause 

15:15 Uhr bis 16:45 Uhr: Panel I

Gereon Rahnfeld (Bauhaus-Universität Weimar)
Partizipative Politikgestaltung - Über die Verflechtung von demokratischen Innovationen und wissenschaftlichem Wissen

Patric Schaubrenner (Europa-Universität Flensburg)
Technokratie 2.0 oder wie die Demokratisierung eines Technotops gelingen kann 

Ricardo Kaufer (Universität Bielefeld)
Staatliche Wissensapparate in Krisenzeiten: Evidenzbasierte Politikgestaltung in der Corona-Pandemie und das Management der Einführung gebietsfremder Arten 

Diskutantin: Sabine Achour | Moderation: Luisa Girnus

16:45 Uhr bis 17:00 Uhr: Pause 

17:00 Uhr  bis 18:30 Uhr: Panel II

Martin Baesler (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), Steffen Bandlow-Raffalski (BIGSSS/ Universität Bremen)
Politische Urteilsfähigkeit zur Reflexion und Kritik der Digitalisierung 

Bastian Vajen (Leibniz-Universität Hannover), Lara Gildehaus (Universität Paderborn) und Stefan Pohlkamp
Normative Modellierungen als Verbindung zwischen mathematischer und politischer Bildung 

Luisa Girnus (Freie Universität Berlin)
Critical Data Literacyals Teilaspekt politischer Urteilsfähigkeit?

Diskutant: Udo Dannemann | Moderation: Marc Partetzke


Ab 18:30 Uhr: gemeinsames Abendessen 

FREITAG, 8. September 2023


09:00 Uhr: Ankunft 

09:00 Uhr bis 10:00 Uhr: Keynote

Florian Weber-Stein  (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg)
Datenkompetenz und politische Mündigkeit. Überlegungen zur Integration von data literacy in die Politische Bildung

10:00 Uhr bis 10:15 Uhr: Pause

10:15 Uhr bis 11:45: Panel III

Matthias Kramer (Universität Duisburg-Essen) 
Informatische Bildung als Voraussetzung für politische Entscheidungsfähigkeit

Luisa Gebhardt, Tilman Michaeli
Informatische Bildung für informierte Nutzungsentscheidungen in digitalen Systemen

Franziska Wittau (Universität Bielefeld), Ulf-Frank Kerber (Pädagogische Hochschule Karlsruhe) 
Sozio-Informatische Bildung: Das Beste aus zwei Welten!? - Der notwendige Beitrag der politischen Bildung zur Ausbildung einer umfassenden informatisch-digitalen Bildung

Diskutant*in: tba | Moderation: Marc Partetzke

11:45 Uhr bis 12:45 Uhr: Pause

12:45 Uhr bis 14:15: Panel IV

Dennis Dietz, Sabine Streller, Claus Bolte (Freie Universität)  
„Den enen sin Uhl is den annern sin Nachtigall“* – Konzeption und Erprobung einer Unterrichtsreihe zur Förderung zeitgemäßer naturwissenschaftlicher Bildung und demokratischer Teilhabe

Nastja Riemer, Leon Richter, Pascal Liedtke (Universität Potsdam) 
Chemistry For Future - Planspiele zur Vernetzung von Chemie und Politische Bildung am Beispiel eines Planspiels zur zukunftssicheren Energieversorgung der Stadt Potsdam

Inken Heldt, Manuel Theophil  (Rheinland-Pfälzische Technische Universität) 
Schritt halten! Was sich über Digitalisierung zu lernen lohnt: Eine empirische Annährung an Schüler*innenvorstellungen.

Diskutant*in: tba | Moderation: Isabelle-Christine Panreck


14:15 bis 14:45 Uhr: Abschlussreflexion und Ausblick (Luisa Girnus, Isabelle-Christine Panreck und Marc Partetzke)

Tagungsprogramm als pdf-Datei