Vielfalt an der Uni Potsdam – Christoph Schulte und Linda Juang leiten die AG „Diversität und Anti-Diskriminierung im Lehramtsstudium“

Christoph Schulte, apl. Professor für Jüdische Studien und Philosophie
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Christoph Schulte, apl. Professor für Jüdische Studien und Philosophie, leitet gemeinsam mit Linda Juang, Professorin für Inklusionspädagogik, die AG „Diversität und Anti-Diskriminierung im Lehramtsstudium“

An einer Grundschule ereig­nete sich vor wenigen Jahren folgender Vorfall:

Zwei Schülerinnen der 3. Klasse begegnen im Treppenhaus einem Klassenkameraden, der  zu einem der Mädchen (Person of Color) sagt: „Du siehst aus wie schwarze Kacke.“ Daraufhin ist die Freundin des Mädchens so empört, dass sie den Jungen am Hemd packt und die Treppe hinunterstößt. Er fällt, trägt einige blaue Flecken davon, weint und wendet sich an die Klassenlehrerin.

Versetzen Sie sich in die Rolle der Klassenlehrerin: Wie muss sie auf den Vorfall reagieren? Mit wem muss sie Gespräche führen? Nur mit den Schülern oder auch mit deren Eltern und mit Kollegen? Wie soll sie mit dem Rassismus umgehen, wie mit der Solidarisierung gegen diesen Rassismus und wie mit der Tätlichkeit?

Ein Vorfall wie dieser kann sich jederzeit an jeder Schule ereignen. Auch in Brandenburg, wo die Schülerschaft immer diverser und heterogener wird, gehören rassistische und antisemitische Situationen, Atmosphären und Vorfälle für Lehrkräfte zum Alltag. Doch darauf werden Lehramtsstudierende nicht spezifisch vorbereitet.

An der Universität Potsdam ist die gesamte Lehramtsausbildung des Landes Brandenburg konzentriert, aber ein spezifisches Modul für Prävention und Intervention bei Rassismus und Antisemitismus in der Schule fehlt bisher. Nach dem Studienabschluss können junge Lehrkräfte also ziemlich unvorbereitet und hilflos in solche Situationen geraten. Aus diesem Grund wurde im Herbst 2021 am Zentrum für Lehrerbildung (ZeLB) die Arbeitsgruppe „Diversität und Antidiskriminierung im Lehramtsstudium“ eingerichtet. Sie wird ein spezifisches Modul mit Lehrveranstaltungen entwickeln, die allen Studierenden die Kompetenz zu Prävention und Intervention bei Rassismus und Antisemitismus in der Schule vermitteln sollen. Bereits jetzt werden Workshops und andere Veranstaltungen dazu über Studiumplus für alle Studierenden der Universität angeboten. Aber sie sind leider gegenwärtig für Lehramtsstudierende noch nicht anrechnungsfähig. Das muss sich ändern.

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Eins 2022 „Diversity“ (PDF).