Neue Wege – Im Universitätsverlag erscheint mit „Human Biology and Public Health“ erstmals eine Single-Source-Publishing-Zeitschrift

Cover der ersten Ausgabe der neuen Zeitschrift „Human Biology and Public Health“, die im Potsdamer Universitätsverlag herausgegeben wird. Das Foto ist von „Human Biology and Public Health“. Beim Anklicken öffnet sich das Bild im neuen Fenster.
Photo : „Human Biology and Public Health“
Cover der ersten Ausgabe der neuen Zeitschrift „Human Biology and Public Health“, die im Potsdamer Universitätsverlag herausgegeben wird.

Mit „Human Biology and Public Health“ gibt der Potsdamer Universitätsverlag seit 2021 zum ersten Mal eine Single-Source-Publishing-Zeitschrift heraus. Matthias Zimmermann sprach mit Christiane Scheffler und Michael Hermanussen vom Herausgeberteam sowie Jan Hagedoorn und Marco Winkler vom Universitätsverlag – über die Motivation, eine neue wissenschaftliche Zeitschrift an den Start zu bringen, die Herausforderungen, dies auf dem neuesten technischen Stand zu tun, und wie man dafür zusammenfindet.

Frau Scheffler, Herr Hermanussen, Sie haben die neue Zeitschrift „Human Biology and Public Health“ gestartet. Worum geht es inhaltlich?

Hermanussen/Scheffler: Die Verknüpfung von Humanbiologie als Wissenschaft von der Variabilität des „gesunden“ Menschen und Public Health, d.h. dem Gesundheitswesen. Letzteres wird herkömmlicherweise von Medizinern dominiert. Gerade das betrachten wir als ein wichtiges inhärentes Problem, denn der professionelle Fokus eines Mediziners ist der „kranke“, nicht der „gesunde“ Mensch.

Warum war es Zeit für diese Zeitschrift?

Hermanussen/Scheffler: Dem genannten Problem wurde publizistisch bisher nichts entgegengesetzt. Es gibt keine Zeitschrift, die sich speziell diesem in Wirklichkeit typisch humanbiologischen Gebiet „zwischen den Stühlen“ widmet. Das sehen wir als unsere Aufgabe.

Die Zeitschrift ist technisch eine Kooperation mit dem Potsdamer Universitätsverlag. Wie kam es dazu?

Hermanussen/Scheffler: Wie immer: durch Zufall und Gespräche, die eigentlich mit anderem zu tun hatten. Ausgangspunkt war die Suche nach einer kostengünstigen Möglichkeit, die wissenschaftlichen Artikel von Teilnehmenden unser jährlichen Internationale Summer School open access in einer peer-reviewed-Zeitschrift zu publizieren, die dann auch noch in PubMed gelistet werden kann.

Herr Hagedoorn, Herr Winkler, was macht die Zeitschrift technisch gesehen besonders?

Hagedoorn/Winkler: Für die Zeitschrift haben wir im Universitätsverlag das erste Mal eine Single-Source-Publishing-Technik eingesetzt und dafür in Zusammenarbeit mit einem Dienstleister ein open-source-basiertes, offenes Publikationsframework entwickelt. Dies erlaubt die Herstellung eines standardisierten XML-Ausgangsformats, aus dem dann die benötigten Derivate für die Publikation, Präsentation und die Übergabe zur Archivierung an Plattformen wie PubMed Central erstellt werden. Der Einsatz professioneller Tools ermöglicht die Herstellung hochwertiger Layouts in Formaten wie PDF und HTML.

Inwiefern stellte die Neugestaltung der Plattform eine Herausforderung dar?

Hagedoorn/Winkler: Die Betreuung von Zeitschriften über die beim CeDiS der Freien Universität Berlin gehosteten Plattform Open Journal Systems (OJS) gehört inzwischen zu den etablierten Dienstleistungen des Universitätsverlags. Als besondere Herausforderung stellte sich hier die Neugründung einer Zeitschrift, die von Beginn an hohe technische und gestalterische Ansprüche erfüllen sollte. Beim Layout musste eine einheitliche Gestaltung der Plattform und der zu veröffentlichen Artikel in verschiedenen Formaten umgesetzt werden. Zum anderen ging und geht es um die Einbindung der neuen XML-basierten Produktion in die redaktionellen Abläufe. Und zuletzt war die Gründung der Zeitschrift Anstoß für die Mitgliedschaft bei CrossRef, der weltweit größten Agentur für die Vergabe von Digital Object Identifiern (DOIs) für wissenschaftliche Publikationen.

Inwiefern unterstützt das technische Format die wissenschaftliche Arbeit bzw. den Austausch?

Hagedoorn/Winkler: Durch die Professionalisierung der Formate und dem Export der Metadaten an CrossRef wird die Auslieferung an PubMed Central, als die fachspezifische, internationale Publikationsplattform erst möglich. Das erhöht die Sichtbarkeit der Zeitschrift maßgeblich.

Wie funktionierte die Zusammenarbeit zwischen Forschenden und Verlag beim Aufbau der neuen Strukturen?

Hermanussen/Scheffler: Es gab immer wieder konstruktive und offene Gespräche in einer sehr freundschaftlichen Atmosphäre, die natürlich im letzten Jahr fast ausschließlich online stattfanden, wobei sich die meisten der Akteure vorher nie persönlich getroffen haben.

Sprachen Sie von Beginn an dieselbe „Sprache“ oder mussten Sie sich erst zusammenfinden?

Hermanussen/Scheffler: Wir hatten monatelang immer wieder Probleme, das Sammelsurium neuer Abkürzungen und Begriffe zu sortieren und in dem Zusammenhang der für uns neuen Arbeit als Herausgeber zu verstehen.

Hagedoorn/Winkler: Der Ablauf der Produktion unterscheidet sich bei dem neuen Verfahren erheblich von der bisherigen Vorgehensweise, bei der die redaktionell fertigen Manuskripte durch professionellen, externen Satz gelayoutet wurden. Da jetzt die Formatierung und Strukturierung der Inhalte durch die Autorinnen und Autoren sowie Herausgeberinnen und Herausgeber in der Textverarbeitung erfolgt, ist viel Abstimmung bei der Anwendung der Regeln notwendig. Das kann man durchaus als „neue“ Sprache bezeichnen.

Wie „läuft“ die Zusammenarbeit mit den Autorinnen und Autoren über die Plattform?

Hermanussen/Scheffler: Wir sind sehr begeistert, wie störungsfrei diese Zusammenarbeit funktioniert. Die Autorinnen und Autoren sind sehr gut motiviert und sie nehmen auch außerordentlich gelassen hin, wenn gerade zu Beginn nicht alle Funktionen reibungslos laufen.

Wie ist der Univerlag in die laufende Arbeit an der Zeitschrift eingebunden?

Hagedoorn/Winkler: Neben der Unterstützung bei organisatorischen und technischen Fragen und den Entwicklungsprozess begleiten wir, vornehmlich unser Mitarbeiter Felix Will, die Produktion der Ausgaben regelmäßig. Neben der Routinearbeit der formalen Qualitätssicherung durch die üblichen Formallektorate, übernimmt der Verlag zusätzlich den automatisierten Satz der Artikel und das Einstellen der Korrekturfahnen und fertigen Dateien auf die Plattform.

Wie lassen sich die geschaffenen technischen Strukturen für weitere Veröffentlichungen nutzen? Was ist geplant?

Hagedoorn/Winkler: „Human Biology & Public Health“ sehen wir als Pilotprojekt für das Single Source Publishing im Universitätsverlag. Die gewonnenen Erfahrungen im Hinblick auf die neu eingerichteten Workflows würden wir gern dazu nutzen, das Single Source Publishing auf weitere Projekte, u. a. auch Monografien, zu übertragen und insbesondere die Anbindung an Publikationsplattformen wie OJS und Open Monograph Press (OMP) weiterzuentwickeln. Das in diesem Projekt entwickelte Konvertierungsframework wurde bewusst auf Skalierbarkeit angelegt. Mit der Zeitschrift gehen wie den ersten Schritt in die XML-basierte Publikationswelt und machen den Verlag auch technisch zukunftsfähig.

 

Zur Zeitschrift „Human Biology and Public Health“: https://doi.org/10.52905/hbph.v1